Aggressiver, scheuer Kastrat / Probleme bei Integration / Bachblüten?

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  • Aggressiver, scheuer Kastrat / Probleme bei Integration / Bachblüten? Beitrag #1
Nidhoeggr

Nidhoeggr

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Guten Abend,

ich habe nun schon seit sehr vielen Jahren Ratten und nehme immer nur Notfelle aus dem TH oder wenn die Tiere nicht mehr gewollt werden (immer Einzelhaltung und/oder schlechte Haltung).
Derzeit habe ich zwei Gruppen: 2 Kastraten-Brüder aus dem TH , Bud und Krabat (ca. 1,5 Jahre), und Ligeia (ca. 2 Jahre), die als Schlangenfutter enden sollte. Die drei sind derzeit die letzten aus meinem Rudel. Das variiert immer zwischen 3 und 8 Ratten, wir sind mittlerweile so eine Art Gnadenhof für Ratten: also immer wieder ein Kommen und Gehen.

Die zweite Gruppe haben wir seit letztem Freitag. Ein Hilferuf von einer Freundin einer Bekannten, die erfahren hat, dass wir viele Ratten haben und diese auch aufnehmen. Es waren zwei Mädchen, um die sich die zickige Tochter schon lange nicht mehr kümmern will. Die Mädels saßen verwahrlost in einem winzigem Aquarium auf dem Boden, mitten im verdreckten Wohnzimmer, in dem wohl auch geraucht wurde.
Namen hatten sie keine (Zitat: "Die hören ja eh nicht drauf.") und Auslauf bzw. Körperkontakt hatten sie wohl so gut wie gar nicht. Auf Hygiene und medizinische Versorgung wurde auch nicht so wirklich geachtet. Es war so richtiges "Hartz4-TV" und "SuperNanny"-Feeling bei denen zu hause, als wir die Tiere und Käfige abgeholt haben. Wir haben das Aquarium und die andere siffige Einrichtung sofort weggeschmissen und heute die Ratten dem Tierarzt vorgestellt. Namen haben sie nun auch. Morella ist viel zu fett während Lenore total abgemagert war und schwere Flankenatmung hat. Fanny atmete ähnlich schwer. Ansonsten keine auffälligen Atemgeräusche oder Schnupfen. Bekommen nun AB. Zum Glück sind sie aber ansonsten soweit alle sehr fit und richtige Goldstücke. Nun wird halt abgespeckt und aufgepäppelt damit sie nun endlich ein schönes Leben bekommen können. Ligeia, mein letztes Mädchen, wird sich freuen, denn sie litt schon ein wenig darunter, dass ihre zwei männlichen Kameraden eigentlich nur unter sich bleiben.

Und um sie geht es eigentlich auch. Aber eigentlich nur um Bud.
Bud und Krabat habe ich zusammen mit einem anderen Kastraten im Januar aus dem Tierheim übernommen. Sie wurden wohl zusammen mit 30 anderen Ratten am Fluss ausgesetzt. Leider verstarb Terence nach kurzer Zeit überraschend (trotz Notfallklinik und medizinischer Behandlung).
Bud und Krabat waren von Anfang an sehr scheu und zurückhaltend. Wer weiß auch, was sie bisher schon erleben mussten. Krabat ist zurückhaltend und vorsichtig. Er lässt sich nicht gerne hochnehmen (es wird dann kurz gequiekt) oder anfassen aber ansonsten ist er unkompliziert und auf Distanz auch sehr neugierig. Er klettert einem auch gerne mal unauffällig auf den Schoß, solange man ihn nicht sofort betatschen will. Leckerchen nimmt er auch aus der Hand. Bei Integrationen machte er auch absolut keine Probleme. Er mag halt einfach keinen menschlichen Körperkontkakt, was auch völlig in Ordnung ist. Sein Bruder dagegen ist leider ein Beißer in jeder Situation, vorallem im Käfig aber auch manchmal im Auslauf, wenn man ihm zu nahe kommt. Wenn man im Käfig hantiert (Futter wechseln, Gemüse etc. reinstellen, etwas aufkehren, etc.) kommt er meistens sofort an und beißt blitzschnell zu. Er hat uns alle schon mal richtig getackert bis es geblutet hat. Wenn man ihm ein Leckerchen geben will, kann es auch vorkommen, dass er mit Absicht lieber in den Finger statt in die Leckerei beißt. Nur wenn man ihn hochhebt (was er wie Krabat aber nicht wirklich mag) quieckt er zwar mal, ist dann aber umgänglich und ruhig, solange er nur kurz still sitzen muss.

Leider beschränkt sich Buds Aggressivität nicht nur auf uns Menschen. Auch bei fremden Ratten ist er sofort aggressiv, sobald er sie riecht, hört oder sieht. Sowohl bei seiner eigenen Integration zu meinem bereits bestehenden Rudel, als auch bei Vergesellschaftung von neuen Ratten (was bei uns halt doch immer mal vorkommt, da wir bei Notfällen einfach ein schwachen Herz haben). Erst nachdem die Integrationen nach viel Arbeit und Zeit dann doch funktionierten, ist er wieder ein lieber Ratz und beißt fortan wieder nur seine Menschen. Aber vorher ist er ein kleiner Teufel: da wird am Gitter gerüttelt, geschubbert und geboxt. Er borstelt und schnaubt sofort und läuft Patrouillen, wenn der Käfig mit fremden Ratten in der Nähe steht und diese sich bewegen. Nach einer Weile kriegt er sich zwar wieder ein, aber es geht sofort wieder los, sobald sich im anderen Käfig wieder etwas Auffälliges tut. Bei den ersten direkten Kontakten mit den anderen wirkt er erst einmal normal: er beschnuppert die Fremden ausgiebig, steigt und pinkelt über sie drüber, putzt sie zwanghaft und/oder drückt sie dann mit der Seite weg. Dann plötzlich borstelt er und kabbelt sich dann mit einem der Fremden. Sein Bruder Krabat war dagegen immer unkompliziert und auch die anderen haben Bud nie bewusst gereizt. Während solcher plötzlichen Kabbeleien bei verschiedenen Aufeinandertreffen (ohne das er vorher sich richtig aggressiv gezeigt hat) hat er schon zwei Mal eine meiner Weibchen verletzt. Beide hatten einen ca. 2 cm langen, sehr sauberen geraden Schnitt am Körper (eine im Nacken, eine an der Seiten). Bin mir bis heute nicht sicher ob es wirklich ein Biss war oder ob es eine Kralle im Eifer des Gefechts war, da es doch sehr saubere Schnitte waren. Während sie von Bud nur ganz kurz gekloppt wurden, wurde weder Gequiekt noch richtig Geschrien und alles war nach Sekunden schon vorbei. Die zwei Wunden waren auch sehr sauber und haben nur die obere Hautschicht durchtrennt (also kein Blut, man konnte nur direkt auf das Fleisch schauen). Beide wurden dann auch sofort zum Tierarzt gebracht und genäht bzw. getackert. Aber auch mit diesen beiden Weibchen war er irgendwann einverstanden und wurde ein harmonisches Rudel.

Jetzt, ein halbes Jahr später, stehen wir wieder kurz vor einer Integration mit den drei Mädchen und ich weiß nun nicht so richtig, wie ich das Ganze mit ihm angehen soll. Das Ligeia und Krabat sich sofort mit den drei Neuen anfreunden werden, weiß ich. Aber Bud kratzt schon wieder am Gitter und borstelt und ich habe Angst, dass er wieder eine Ratte verletzt.

Hat jemand Tipps, wie man ihm diese Aggressionen nehmen kann oder wie man am besten agressiv-scheue Ratten integriert?
Ich habe schon an Bachblüten gedacht und heute einige Apotheken nach ihnen abgeklappert aber sie hatten entweder keine oder nur allgemeine Bachblüten-Mischungen und keine speziellen gegen Angst/Aggressionen etc. oder haben mich bei den Worten „Bachblüten für meine aggressive Ratte“ nur irritiert angeschaut.


Vielen Dank!

Liebe Grüße

Melina
 
  • Aggressiver, scheuer Kastrat / Probleme bei Integration / Bachblüten? Beitrag #2
Huhu,

so rein vom Lesen würde ich vermuten, du hast da einen recht territorialen, dominanten Kastraten, der schlecht oder gar nicht auf Menschen sozialisiert wurde. Soweit, so gut, aber eine wirkliche "Heilung" gibt es da wohl nicht.
Hätte er noch seine Hoden, wäre er bei der Beschreibung wohl ein guter Kandidat für eine Kastration - aber das ist er ja schon.

Ob da Bachblüten helfen - ich mag es bezweifeln. Aber versuchen kannst du es sicher, denn die richtige Mischung sollte sicher nicht schaden. Am besten setzt du dich da aber mit einem Tierheilpraktiker zusammen, der sich die gesamte Geschichte von ihm anhört und dann speziell etwas für ihn zusammen mischt - fertige Sorten bringen da wohl meist nichts. Zumal es fatal sein kann, einer aggressiven Ratte etwas zu geben, dass ihn auftauen lässt, was man bei ängstlichen bräuchte.

Er borstelt und schnaubt sofort und läuft Patrouillen, wenn der Käfig mit fremden Ratten in der Nähe steht und diese sich bewegen.

Wenn sich ein Tier so benimmt - egal ob Dame, Herr oder Kastrat - sollte der erste Schritt sein, dass man die Tiere in verschiedenen Zimmern hält. Durch den geruchlichen Kontakt können sich Aggressionen aufbauen, was hier eindeutig der Fall ist. Interessanterweise knallt es bei ihm bei der ersten Begegnung dann nicht, er steht aber, solang die anderen in der Nähe sind, unter Dauerstrom, was nun wirklich eine psychische Belastung für ihn ist.

Bei den ersten direkten Kontakten mit den anderen wirkt er erst einmal normal: er beschnuppert die Fremden ausgiebig, steigt und pinkelt über sie drüber, putzt sie zwanghaft und/oder drückt sie dann mit der Seite weg. Dann plötzlich borstelt er und kabbelt sich dann mit einem der Fremden.

An sich ist das auch normal. Zunächst sind Ratten vom neutralen Bereich ersteinmal eingeschüchtert, dann erst merken sie, dass die anderen Ratten ja öfter da sind und die Rangordnung wird ausgekabbelt. Jedoch sollte man eine borstelnde Ratte immer mit vorsicht geniessen und keine Kabbelei in dem Zustand zustande kommen lassen.
Es ist aber an sich normales Rattenverhalten, das hatte ich hier schon bei einigen Tieren, die brauchen einfach länger, eh sie nicht mehr stinksauer und stocksteif im Klobürstenmodus auf andere losgingen, sondern gesittet ihre Position aufzeigten.

Während solcher plötzlichen Kabbeleien bei verschiedenen Aufeinandertreffen (ohne das er vorher sich richtig aggressiv gezeigt hat) hat er schon zwei Mal eine meiner Weibchen verletzt.

Er ist dann sicher blind vor Wut und attackiert alles, was ihm begegnet - auch nicht ungewöhnlich, wenn er sich schon so aufregt (sowas erinnert an trotzige Jungs, die dann gegen eine Mülltonne treten, wenn sie bei irgendwas den Kürzeren ziehen - ist aber eine ganz andere Verhaltensweise hier). Da sollte man eben das richtige Timing haben und den Kontakt in dem Zustand vermeiden. Ist schwer, zum Teil sehr schwer.
Da sich sein Verhalten mit der Zeit ja zu bessern scheint, und er neue Ratten ja grundsätzlich akzeptiert, ist eine vorsichtige, langsame Inte für ihn auf jeden Fall angebracht.
Hier haben Sekundentreffen die grossen Terroristen entschärft, danach konnten wir quasi normal integrieren.
Und auf jeden Fall getrennte Räume und ausserhalb der Integrationstreffen keinen Geruchskontakt ! Der Kerl braucht zwischendurch Ruhe, um runter zu kommen.

Die Wunden klingen im Übrigen sehr nach Kralle - sowas passiert auch häufig unbeabsichtigt bei Kabbeleien.

Ansonsten, was die Beziehung zum Menschen angeht : das Gebeisse klingt sehr nach einem Revierbeisser. Vor allem auch, weil er beim Greifen nicht auszuticken scheint und euch gezielt beim Hantieren angreift.
Da hilft nur, ablenken und Konfliktsituationen vermeiden, auch wenn das ziemlich ernüchternd klingt. Aber die Terroritalität ist eine natürliche Verhaltensweise, die gehört zur Ratte. Nur ist sie bei den meisten Farbratten nicht sonderlich ausgeprägt gegenüber Menschen - bei anderen dagegen ziemlich heftig.
 
  • Aggressiver, scheuer Kastrat / Probleme bei Integration / Bachblüten? Beitrag #3
Oha. Ich kann dir leider nicht helfen aber wollte dir sagen das ich es sehr toll finde das du "seond-hand"ratten aufnimmst!
 
  • Aggressiver, scheuer Kastrat / Probleme bei Integration / Bachblüten? Beitrag #4
Viele Dank für deine Hilfe! Das ist schon sehr hilfreich und Bud habe ich in letzter Zeit schon einigermaßen unter Kontrolle gebracht. Er beißt mich nicht mehr im Käfig, zumindest kam das schon lange nicht mehr vor, und borstelt kaum noch wenn ich im Käfig hantiere. Ich hab ihm das nicht mehr durchgehen lassen und habe seine Versuche sofort mit Anpusten oder Reinehmen aus dem Käfig unterbunden. Außerdem bekommen sie wenige Tropfen Rescue-Tropfen ins Wasser.
Leider konnten wir die Integration immer noch nicht beginnen, weil eine der drei Mädchen schwer krank wurde.
Jetzt sitzen die drei Mädchen immer noch im kleinen Integration-Käfig (zu klein für drei Tiere) und das tut mir so leid für sie...
Würde sie so gerne integrieren aber ich glaube nicht, dass man der Kranken das zumuten kann.

LG

Melina
 
  • Aggressiver, scheuer Kastrat / Probleme bei Integration / Bachblüten? Beitrag #5
und habe seine Versuche sofort mit Anpusten

Na prima ..
Damit kannst du genau das Gegenteil erreichen, sei froh, dass er eher eingeschüchtert zu sein scheint und nicht nach vorn geht.
Anpusten geht gar nicht, sorry. Das ist keine Erziehungsmassnahme, das ist dem Tier gegenüber eine massive Drohung.
Auf der Basis möchte ich keine Beziehung zu einem Tier aufbauen, denn es kuscht dann nur, weil es Angst hat - und es ist eine tickende Zeitbombe, die sich irgendwann mal zur Wehr setzt.

Würde sie so gerne integrieren aber ich glaube nicht, dass man der Kranken das zumuten kann.

Während der Integration sind im Idealfall (Ausnahme sind chronisch kranke Tiere, die einfach nicht mehr genesen) sollten alle Tiere gesund sein. Eine akute Erkrankung sollte vor Beginn austherapiert werden.
Integrationen sind Stress, Stress beeinflusst das Immunsystem und schon kann es zu einem Rückfall oder einer Verschlimmerung der Erkrankung kommen.
 
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