Ein Video kann ich leider nicht sehen. So wie du schreibst, versuchst du dein Pferd durch vermehrtes Treiben von hinten an das Gebiss herantreten zu lassen. Bei Pferden, die verspannt sind und das Gebiss ablehnen, ist das oft sinnfrei - vor allen Dingen wenn die Pferde vorwärts angelegt sind und zusätzlich immernoch gebremst werden.
Das Pferd soll jedoch durch Lösung von Hals und Schulter den Hals fallen lassen. Du musst erstmal zum Treiben kommen um das Pferd überhaupt richtig treiben zu können. Es muss sich also treiben lassen.
Erstens
Du kannst folgende Übung versuchen.
Du brauchst ganz viele Marker. Im Idealfall sind das Pylonen, es geht jedoch auch alles Andere, vor dem dein Pferd keine Angst hat (Autoreifen, Sprungständer, Mistboy, Stuhl...). Hiervon benötigst du in einer 20x40 Bahn mind. 9 Stück.
1. Marker 3m rechts von C und mind. 3m weg vom Hufschlag.
2. Marker 3m links von C und mind. 3m weg vom Hufschlag.
3. Marker 3m rechts von A und mind. 3m weg vom Hufschlag.
4. Marker 3m links von A und mind. 3m weg vom Hufschlag.
Die restlichen Marker stellst du willkürlich auf, jedoch so, dass die beiden geraden Linien durch die Länge der Bahn nicht gestört werden und auch eine Zirkellinie noch möglich ist. Alle Marker, die an der Bande stehen müssen gut 3m weg vom Hufschlag stehen.
Du reitst das Pferd im Trab und schlängelst dich immer um die Marker. Die Linienführung soll groß sein. Wenn du dich schlängelst, reitest du dich an die Marker, wenn du einen Kreis herum reitest, halte dich von den Markern weg. Immer und immer wieder, mit vielen Handwechseln kreisen. Versuch einfach mal dich um alle Marker zu schlängeln ohne einen 2x zu treffen. Umrunde dann Marker (Volte) und reite dann in gerader Linie zu einem weiter entfernten Marker usw.
Das pausenlose Biegen, die permanenten Handwechsel - sinnfrei für das Pferd, denn es weiß nicht in welche Richtung es gleich geht- machen das Pferd ruhiger und langsamer in seinen Bewegungen. Es beginnt sich treiben zu lassen und nimmt das Treiben an. So kannst du den ersten Punkt der Ausbildungsskala (Takt) durch Treiben und nicht durch Bremsen und Spannungsaufbau. erreichen. Verwende möglichst wenig Handeinwirkung, auf keinen Fall solltest du das Pferd bremsen. Selbst bei dem heißesten Pferd braucht man nie mehr als 3-5 Min. und es wird von sich aus ruhiger. Das Pferd soll so lernen, die Zügelhilfe als Hilfe anzunehmen. Das permanente Biegen in alle Richtungen (große Wendungen, engere Wendungen, gerade Linien, permanente Handwechsel) lösen das Pferd. Die vielen Handwechsel und dein Treiben bringen aktivieren die HH, ohne dass du vorne gegenhalten musst.
Wenn das Pferd schöön locker ist, kannst du in gerader Linie auf eine der Pylonen am Rand zureiten. Reite im spitzen Winkel auf die Bande zu (z.B. ein durch die ganze Bahn wechseln). Nach der Pylone wechsel aber nicht die Hand, sondern stell dein Pferd nach außen und reibe es mit dem äußeren Schenkel, so dass es auf der gleichen Hand nun auf dem Hufschlag läuft (natürlich nicht dort bleiben, sondern sofort die Arbeit wieder aufnehmen). Die Außenstellung wird nur in der ersten Hälfte der Wendung geritten, danach vorne loslassen. In dieser Wendung muss das Pferd nun mit der VH kreuzen müssen. Dein Treiben erhält das Vorwärts, die Schultern müssen oben bleiben (nicht in gebogener Linie weiterreiten und damit überdrehen, so dass das Pferd die Schulter fallen lassen kann) und die HH muss vermehrt unter den Schwerpunkt, da die Bande eine Begrenzung ist.
So kannst du nach und nach mit immer locker werdendem Pferd auch die langen geraden Linien in Angriff nehmen. Dein Pferd wird sich so an die Hand dehnen, weil es immer lockerer wird, von hinten aktiviert wird und dir vertrauen muss.
Mit z.B. einer solchen Übung kannst du auch als nicht ganz so starker Reiter ein Pferd lösen, Rücken und HH kräftigen und Vertrauen zu Reiterhand und Schenkel aufbauen, wenn du einfach nur geschickt reitest.
Aber egal wie du das Training gestaltest. Es sollte immer abwechslungsreich und vor allen Dingen aufbauend sein.
Es ist keine Katastrophe, wenn man mal 1 oder 2 Schritte zurückgehen muss, das ist sogar normal. Die Tendenz sollte jedoch planvoll aufbauend sein.
Zweitens
Lass dich mal filmen. Reite nicht für den Film, sondern eine komplette Trainingseinheit von Anfang bis Ende. In einem Film sieht man Fehler viel eher als man selber das fühlt oder ein RL das sehen kann. Auch ein RL kann nicht alles auf Einmal sehen. Einen Film kann man sich immer wieder anschauen und Sequenzen wiederholen.
So einen Film solltest du mind. alle 6 Monate machen lassen.
Drittens
Arbeite an deinem Sitz und an deiner Losgelassenheit
Hierfür ist Sitzlonge nicht nur Ideal, das macht auch Spaß. Das Pferd sollte dafür ausgebunden sein (lang). Irgendjemand sollte die Longe halten - kann auch deine Oma sein *gg*. Das Treiben übernimmst du also Longenführer nur zum Festhalten der Longe.
Die Hände auf den Kopf (nicht hinter, sondern oben drauf), die Ellenbogen zürück (bis es weh tut), den Kopf hoch. Jetzt merkst du wie deine Hüfte schwingt und dein Oberkörper stabil bleibt (Ellenbogen zurück

).
Übe dann in allen 3 GGA und in den Übergängen ein kleines Seil gegen die Bewegungsrichtung zu drehen (Unabhängige Hand).
Übe in allen 3 GGA einen Ball mit der einen Hand zu werfen und mit der anderen Hand aufzufangen. Bei dieser Übung darf der Longenführer das Treiben unterstützen. (Lockerer Sitz).
Lockere dich auf dem Pferd, da gibt es tolle Übungen.