Anlehungsproblem

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Baerli07

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Hallo!
Ich hab mit meiner Reitponystute ein ziemliches Problem mit der Anlehnung. Sie sucht die Anlehnung nicht von Anfang an; wenn sie den Kopf runter nimmt, kaut sie übertrieben (man hört, wie sie richtig auf die Trense beißt), öffnet das Maul ein bisschen und rollt sich teilweise ein. Dann wird sie auch so langsam und schiebt nicht mehr mit der HH. Sie bleibt auch nur kurz in dieser Position, sie nimmt den Kopf immer wieder rauf. Ich spüre auch so gut wie null Gewicht am Zügel. Wenn sie vollkommen locker ist, schwingt sie zwar schön im Rücken, ich hab aber immer noch fast nichts in der Hand uns sie nimmt den Kopf immer wieder kurz rauf. Ich hab mehrere Gebisse probiert, immer dasselbe und ihre Zähne lass ich so bald wie möglich überprüfen...sie hat das schon lange, ich arbeite aber erst seit einem halben Jahr mit ihr.
Zugegeben wird sie vielleicht nicht optimalst geritten, der Profireiter bin ich halt mal nicht...
Würde mich über ein paar Tipps freuen und Danke schonmal :)
 
  • Anlehungsproblem Beitrag #2
Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, wie es sein kann, dass du kein Gewicht auf der Hand hast, wenn sie nicht von selbst an den Zügel herankommt :eusa_think: Das ginge ja nur, wenn du sie zu lang hälst und ihr auch keinen Kontakt zur Reiterhand bietest.
Wenn sie langsamer wird und unter Tempo läuft, dann musst du wieder mehr Tempo reingeben, dann kommt sie ja automatisch wieder hoch (solange du sie nicht da unten festhälst, was du ja ohne Gewicht in der Hand dann nicht tun kannst).
Nimm die Zügel doch einfach grundsätzlich normal auf, achte immer darauf, dass sie nicht unter Tempo kommt und auch die HH mitnimmt. Kommt sie in die Senkrechte nimm die Hand etwas vor, um ihr mit Nachgeben zu signalisieren, dass sie alles richtig macht.
Gut sind auch viele Übergänge, Tempowechsel und vor allem gebogene Linien.
 
  • Anlehungsproblem Beitrag #3
Hallo Baerli,

Damit ein Pferd "durchs Genick" gehen kann bedarf es vielerlei Faktoren und die konstante Anlehnung an die Reiterhand ist zunächst nur das Endergebnis, wenn das Pferd die Kraft erlangt hat von hinten nach vorne den Spannungsbogen zu erhalten.

Und genau das ist der Punkt an dem Du einsetzen solltest. Deine Reiterhand sollte niemals rückwärts einwirken, damit der Kopf nach unten kommt, sondern sie muss eine ruhige und gleichzeitig flexible "Stütze" darstellen.

Das Problem beruht oft darauf, dass die Hinterhand nicht aktiv genug ist und somit der Rücken nicht zum schwingen kommt. Versuche durch Tempowechsel und ggf Stangenarbeit die Hinterhand zu mobilisieren und achte bei Wendungen darauf, dass Du diese nicht durch die Hand einleitest sondern das Pony um Deinen Schenkel biegst.

So ein Fall lässt sich leider kaum bis gar nicht durch das Internet korrigieren. Wenn Du wirklich an Euch arbeiten möchtest, solltest Du Dir einen Reitlehrer suchen, welcher Dich unterstützen kann und im richtigen Moment Dich korrigiert.

Das die Stute so mit den Zähnen knatscht, kann an Harken liegen, ist aber auch gleichzeitig ein deutliches Zeichen bei Pferden, dass diese verspannt sind und/oder die Handeinwirkung zu stark ist. Da könntest Du auch gleich mal den Rücken und die Hinterhand von einem Osteo nach Verspannungen untersuchen lassen. Dann auch gleich die Passgenauigkeit des Sattels überprüfen lassen, da dieser auch für ein sehr starkes Unwohlsein führt, wenn er drückt und den Trapezmuskel verkümmern lässt.
 
  • Anlehungsproblem Beitrag #4
Wie du schon geschrieben hast, ist bei dem Pferd nicht alles Ideal gelaufen.
Sobald die Zähne kontrolliert sind (Sattel passt hoffentlich) sollstest du dem Pferd das Vertrauen zum Gebiss wiedergeben.
Ich nehme an, dass du Englischreiter bist, daher würde ich ein doppelt gebrochenes Ausbildungsgebiss mit gedrehter Mittelolive versuchen.

Da du dich als mittelstarke Reiterin beschreibst, kannst du auch an der Longe viel erreichen.
Das Pferd sollte gesattelt mit Longiergurt über dem Sattel (Druckbelastung) ausgestattet sein. Dann mit einem Dreieckszügel so ausbinden, dass das Pferd sich sehr gut herausheben kann, aber den Unterhals nicht herausdrücken kann.
Anschließend wird ein Körperband angebracht. Herfür eignen sich 2 Stretchbandagen, die vom Sattel aus (tief am Ellenbogen anbringen) um die HH des Pferdes geführt werden und dort verknotet werden. Der Druck soll nicht übermäßig stark sein, es darf aber auch nicht schlabbern.
Du kannst natürlich auch Doppellonge machen, aber nur wenn du diese wirklich beherrschst. Ansosnten lieber mit Körperband arbeiten.
Das Körperband schließt das Pferd und gibt ihm ein besseres Gefühl für seine HH. Diese wird mehr untergeschoben, wodurch der Hals fällt und das Pferd sich am Zügel anlehnt, ohne sich zu verkriechen.

Beim Reiten solltest du den Zügel erstmal weglassen und vorwärts reiten. Die HH muss auf jeden Fall erst hinten aktiviert werden. Vorwärtsreiten, dann nach einigen Runden im Leichttraben langsamer aufstehen und so durch den Sitz die Geschwindigkeit kontrollieren. Versuch dann das Pferd über deinen Sitz so langsam wie möglich zu machen, es wird latschen als wäre es 30 Jahre alt. Dann treiben als wolltest du Mitteltrab reiten und weiter laaaansam AUFSTEHEN. So vergrößert man die Trittgröße und fördert das Untertreten der HH ganz ohne Zügeleinsatz. Alles bitte sanft durchführen und nicht überfallartig plötzlich beginnen.

Es gibt Übungen in der Bodenarbeit, die das Pferd auch sensibler am Schenkel machen, wenn es hier blockieren sollte.

Später (nach ca. 10 Mal longieren - je nach Schwere des Fehlverhaltens und Bemuskelung des Pferdes), kannst du dann beim Reiten auch die Dreieckszügel und das Körperband vewenden. Nach und nach sollte der Dreieckszügel wegfallen. Wenn deine Handeinwirkung noch zu unruhig und unflexibel ist, verwende einen schweren Hilfszügel, der deine Handeinwirkung erwas ausgleicht.
Nach und nach wird sich die Muskulatur deines Pferdes verändern. Die tiefere Halshaltung wird ihm leichter fallen, da sich mehr Oberhalsmuskulatur bildet. Die Lende wird kräftiger (momentan dürfte das Pferd wenn du reitest, hinter dem Sattel wie durchgebrochen aussehen) und aufgefüllt. Das Unterschwingen der HH fällt dadurch leichter, da das Pferd über den Rücken mehr tragen kann.

Bei solchen Fehlern helfen leider keine anderen Gebisse. Es liegt an der Ausbildung und an Reiterfehlern. Das bedeutet nicht, dass du pauschl sch... bist, sonden nur, dass ein Fehler ausgebügelt werden muss - und das ist möglich.
 
  • Anlehungsproblem Beitrag #5
Danke erstmal für eure Tipps, hat mich schon bisschen weitergebracht!
Heute gings schon besser mit dem Aufrollen. Es ist ja nicht direkt so, dass sie die Anlehnug nicht sucht; sobald ich den Zügel aufnehme, nimmt sie den Kopf runter, aber sie kaut dann ununterbrochen mit halb geöffnetem Maul, ganz konzentriert und sie sieht nicht grade entspannt aus dabei. Wenn man ihr den Zügel hingibt, reißt sie den Kopf meistens ruckartig runter (und einem die Zügel aus der Hand). Ich glaube, dass das Problem im Maul liegt, aber sie zeigt keine anderen Anzeichen dafür, sie kann ganz normal fressen und das Gebiss nimmt sie beim Aufzäumen auch willig an. :?: Es ist auch ganz und gar nicht so dass sie hinter dem Sattel wie durchgebrochen aussieht und sie tritt auch schön unter (nur wenn sie sich komplett aufrollt wird sie langsam und die HH lahm, aber das krieg ich langsam in den Griff) das Problem ist einfach das mit dem Maul. TA kommt so bald wie möglich, und ich hoffe, dass er mir helfen kann, ich versteh einfach den Grund für ihr Verhalten nicht...bin echt gespannt was der dazu sagt...
Ich werd versuchen, die HH noch mehr zum Unterschwingen zu bekommen und dass sie sich mehr am Zügel anlehnt, aber wenn sie ständig so seltsam kaut, ist das nicht so leicht

Nochmal ganz konkret gesagt: Sie kaut in der Anlehnung sehr stark mit halb geöffnetem Maul und wenn man ihr den Zügel hingibt, reißt sie den Kopf ruckartig runter.
 
  • Anlehungsproblem Beitrag #6
Das starke Kauen auf dem Gebiss ist leider kein Kauen, wie man es sich wünscht. Es ist eher ein Beißen auf dem Gebiss und im Gegensatz zum Kauen eine Abwehrreaktion. Das ruckartige Herunterstoßen des Kopfes ist ein Zeichen fehlender Nachgiebigkeit (Anlehnung). Das Pferd vermeidet das Gebiss und weicht ihm entweder aus oder stößt hart dagegen. Reithalfter (oft Nasenriemen genannt) also weg, vor allen Dingen der Sperriemen.
Die Anlehnung zählt zu den ersten 3 Punkten der Ausbildungsskala.
Takt - zeitliches und räumliches Gleichmaß der Bewegung
Losgelassenheit - innere und äußere Losgelassenheit
Anlehnung - Nachgiebigkeit, Dehnungsbereitschaft an die Hand
Was dein Pferd zeigt, ist also ein Ausbildungsfehler ganz am Anfang der Reitpferdeausbildung.

Diese 3 Punkte gehören zur Gewöhnungsphase und sind daher das Fundament, worauf alles aufbaut. Man muss also dahin zurückgehen um dem Pferd erst einmal das Fundament der Reitpferdeausbildung zu geben. Dieses erfordert viel Zeit und Mühe. Aber keine Angst, ist das erst einmal geschafft, geht alles erstaunlich schnell.

Die ersten 3 Punkte der Ausbildungsskala sind in ihrer Reihenfolge austauschbar. Es gibt Pferde, die z.B. Takt oder Losgelassenheit nur durch Anlehnung erreichen (Sinn des kurzfristigen Ausbindens bei Jung- und Korrekturpferden).
Wenn dein Pferd also Anlehnungsprobleme hat und körperlich völlig in Ordnung ist, sowie das Material stimmt, ist das Problem in den ersten 3 Punkten der Ausbildungsskala zu suchen.
Ich vermute mal habt bisher versucht das Problem mit vermehrtem Treiben und Aktivierung der Hinterhand (Ausbildungspunkt Schwung, gehört in den Ausbildungsbereich Schubkraft) zu lösen - wirklich nur eine Vermutung aber leider ein häufiger Fehler. Es gibt sogar Reiter, die versuchen das Problem durch vermehrtes Versuchen des Ausbildungspunktes Versammlung in den Griff zu bekommen - geht gar nicht.
Das ist also leider absolut falsch.
Jetzt solltest du in der Lage sein die zu reitenden Übungen den entsprechenden Ausbildungspunkten der Ausbildungsskala zuzuordnen.

Erst einmal schau in das Maul des Pferdes und beobachte seine Reaktionen auf verschiedene Gebisse (bitte länger ausporbieren - daher leihen). Mag dein Pferd lieber dickere oder dünnere Gebisse. Das Pferd sollte auf jeden Fall erstmal entweder mit einem doppelt gebrochenen Gebiss, einem anatomisch geformten einfach gebrochenen Gebiss oder sogar mit einem Ledergebiss (wenn gar nichts anderes hilft) geritten bzw. longiert werden.
Ich nehme zudem an, dass sich dein Pferd seine Unart schon angewöhnt hat und allein aus Gewohnheit schwierig umzustellen ist. Daher ist Longieren (am Besten wäre Doppellonge, wenn du das kannst oder Jemand dir hilft). Ansonsten kann man auch einen lang verschnallten Dreeickszügel in Wienerzügel Verschnallung mit einem Körperband verwenden.

Bau mit dem Pferd Vertrauen zum Gebiss auf. Dieses erreicht man durch Bodenarbeit. Erst mit Knotenhalfter, Stallhalfter oder Sidepul, dann mit Trense.

Ohne jetzt das Pferd und deine reiterlichen Künste zu kennen würde ich 3-9 Monate (im Durchschnitt also 6 Monate) zur Korrektur veranschlagen.
 
  • Anlehungsproblem Beitrag #7
Vllt liegt es auch prinzipiell am Gebiss... Gib mal auf YouTube >>the effects of the bit part 1<< ein. DAs VId ist von Arno Hendriks und veranschaulicht verdammt gut was im Pferdemaul vor sich geht. Ist zwar auf ENglisch aber dank der BIlder ohne Text verständlich. Ich stelle jetzt auch auf gebisslos um, weil meiner mit Bronchitis auf dem Platz losrennt und aufs Gebiss beißt. Vllt hab ich dann ja eine Lösung...
 
  • Anlehungsproblem Beitrag #8
Gebisslos reiten ist toll. Ich reite jedes Pferd sowohl gebisslos an als auch später in der Ausbildung gebisslos. Gebissloses Reiten hat viele Vorteile.
Dennoch ist gebissloses Reiten für mich kein Dauerzustand. Ein gesundes Pferd sollte das Gebiss auf jeden Fall akzeptieren, denn die Ablehnung von Gebissen ist immer ein Ausbildungsproblem.
Gebissloses Reiten kann im Gelände mit einer Rennsemmel wirklich gefährlich sein.
Sicher gibt es kein Pferd, das man mit einem Gebiss - welcher Art auch immer - halten kann, wenn es wirklich weg will. Dennoch hat man mit Gebiss mehr Einwirkung. Auf einem durchbretterndem Pferd hätte ich aber doch lieber ein Gebiss. Was man damit dann machen kann, möchte ich hier nicht beschreiben aber es gibt Möglichkeiten, die ich bei wirklicher Lebensgefahr (kurz vor der Hauptstraße) anwenden würde bevor der nächste LKW meiner ist.

Ein Pferd, das gebisslos in der gleichen Qualität gebisslos läuft wie mit Gebiss, läuft sowieso mit Gewichts- und Schenkelhilfen und ist recht unabhängig von Zügelhilfen. Dann schadet auch ein Gebiss nicht. Mit Gebiss kann man dann nur präziesere Hilfen geben. Gebisslos ist leider immer schwammig, es sei denn, das Pferd wird ohne großartigen Zügelkontakt sowieso rein über Schenkel und Gewicht geritten (das ist immer mein Ausbildungsziel, daher ist es bei meinen Pferden egal ob ich ein Gebiss drin habe oder nur einen Halsring).

Man sollte grundsätzlich nicht versuchen Ausbildungsfehler oder reiterliches Unvermögen (ist ja nicht schlimm, bisher ist noch Keiner auf die Welt gekommen und konnte reiten) sollten nicht durch Gebisse oder Vermeidungsverhalten (gebisslose Zäumung) kosmetisch verwischt werden. Mit dem Pferd gemeinsam die Hürde meistern und Vertrauen zum Gebiss und der Reiterhand aufbauen, wäre mein Ziel.
 
  • Anlehungsproblem Beitrag #9
Ich hab sie letztens geritten und nach einer Zeit wurde sie locker und dann wurde auch die Anlehnung deutlich besser, sie wurde locker und konzentriert und schnaubte am Ende mehrmals ab. Sie kam bestimmt noch ab und an hinter die Senkrechte, weil die HH noch nicht aktiv genug war, daran will ich arbeiten. Auch v/a ging am Ende noch nicht wirklich, sie dehnt sich noch nicht ins Gebiss hinein, aber mit aktiver HH und etwas Geduld sollte das besser werden, nicht? Ob sie noch mit offenem Maul gekaut hat, als die Anlehnung besser war, weiß ich nicht, weil ich ihr Maul vom Sattel aus nicht sehe, es hat sich aber ziemlich richtig angefühlt:) Sie sollte sich noch mehr ins Gebiss reindehnen, sich dran anlehnen und jederzeit Zügel aus der Hand kauen sollte möglich sein, ich denke dann wäre vieles besser!

EDIT (automatische Beitragszusammenführung)

Das Video macht mir besser verständlich, warum das Pferd das Maul öffnet, weil es Schmerzen hat. Aber da ist ja die einzige Lösung gebisslos? Vielleicht kann ich meinem Fall noch ein bisschen besser beschreiben: Wenn man einfach vom Boden aus den Zügel leicht aufnimmt, geht sie hinter die Senkrechte und öffnet das Maul. Dann sieht man, dass die Trense nur mehr dahängt, also dann kann sie keine Schmerzen mehr haben. Es sieht irgendwie so aus als ob sie Luft reinsaugen würde (das tut sie natürlich nicht, nur sieht es so aus) und sie kaut zwischendurch halt, so als ob ihr langweilig wäre und sie blöd mit dem Gebiss rumspielt (aber das ist wohl nicht der Fall). Wie gesagt ist es unterm Sattel schon besser, aber wenn man sie einfach so mal abkauen lässt, tut sie das.

EDIT (automatische Beitragszusammenführung)

Ist vielleicht uninteressant aber ich dachte ich schreibs rein: Sie hat eine einfach gebrochene Olivenkopftrense aus Argentan, und es sind ein paar Bissspuren drin, allerdings sind auf beiden Seiten feinsäuberlich ca 2cm Abstand bis zu den Ringen, also nur in der Mitte der Trense sind Bissspuren...ist das eh normal?
 
  • Anlehungsproblem Beitrag #10
Ein Video kann ich leider nicht sehen. So wie du schreibst, versuchst du dein Pferd durch vermehrtes Treiben von hinten an das Gebiss herantreten zu lassen. Bei Pferden, die verspannt sind und das Gebiss ablehnen, ist das oft sinnfrei - vor allen Dingen wenn die Pferde vorwärts angelegt sind und zusätzlich immernoch gebremst werden.
Das Pferd soll jedoch durch Lösung von Hals und Schulter den Hals fallen lassen. Du musst erstmal zum Treiben kommen um das Pferd überhaupt richtig treiben zu können. Es muss sich also treiben lassen.

Erstens
Du kannst folgende Übung versuchen.
Du brauchst ganz viele Marker. Im Idealfall sind das Pylonen, es geht jedoch auch alles Andere, vor dem dein Pferd keine Angst hat (Autoreifen, Sprungständer, Mistboy, Stuhl...). Hiervon benötigst du in einer 20x40 Bahn mind. 9 Stück.
1. Marker 3m rechts von C und mind. 3m weg vom Hufschlag.
2. Marker 3m links von C und mind. 3m weg vom Hufschlag.
3. Marker 3m rechts von A und mind. 3m weg vom Hufschlag.
4. Marker 3m links von A und mind. 3m weg vom Hufschlag.

Die restlichen Marker stellst du willkürlich auf, jedoch so, dass die beiden geraden Linien durch die Länge der Bahn nicht gestört werden und auch eine Zirkellinie noch möglich ist. Alle Marker, die an der Bande stehen müssen gut 3m weg vom Hufschlag stehen.

Du reitst das Pferd im Trab und schlängelst dich immer um die Marker. Die Linienführung soll groß sein. Wenn du dich schlängelst, reitest du dich an die Marker, wenn du einen Kreis herum reitest, halte dich von den Markern weg. Immer und immer wieder, mit vielen Handwechseln kreisen. Versuch einfach mal dich um alle Marker zu schlängeln ohne einen 2x zu treffen. Umrunde dann Marker (Volte) und reite dann in gerader Linie zu einem weiter entfernten Marker usw.
Das pausenlose Biegen, die permanenten Handwechsel - sinnfrei für das Pferd, denn es weiß nicht in welche Richtung es gleich geht- machen das Pferd ruhiger und langsamer in seinen Bewegungen. Es beginnt sich treiben zu lassen und nimmt das Treiben an. So kannst du den ersten Punkt der Ausbildungsskala (Takt) durch Treiben und nicht durch Bremsen und Spannungsaufbau. erreichen. Verwende möglichst wenig Handeinwirkung, auf keinen Fall solltest du das Pferd bremsen. Selbst bei dem heißesten Pferd braucht man nie mehr als 3-5 Min. und es wird von sich aus ruhiger. Das Pferd soll so lernen, die Zügelhilfe als Hilfe anzunehmen. Das permanente Biegen in alle Richtungen (große Wendungen, engere Wendungen, gerade Linien, permanente Handwechsel) lösen das Pferd. Die vielen Handwechsel und dein Treiben bringen aktivieren die HH, ohne dass du vorne gegenhalten musst.
Wenn das Pferd schöön locker ist, kannst du in gerader Linie auf eine der Pylonen am Rand zureiten. Reite im spitzen Winkel auf die Bande zu (z.B. ein durch die ganze Bahn wechseln). Nach der Pylone wechsel aber nicht die Hand, sondern stell dein Pferd nach außen und reibe es mit dem äußeren Schenkel, so dass es auf der gleichen Hand nun auf dem Hufschlag läuft (natürlich nicht dort bleiben, sondern sofort die Arbeit wieder aufnehmen). Die Außenstellung wird nur in der ersten Hälfte der Wendung geritten, danach vorne loslassen. In dieser Wendung muss das Pferd nun mit der VH kreuzen müssen. Dein Treiben erhält das Vorwärts, die Schultern müssen oben bleiben (nicht in gebogener Linie weiterreiten und damit überdrehen, so dass das Pferd die Schulter fallen lassen kann) und die HH muss vermehrt unter den Schwerpunkt, da die Bande eine Begrenzung ist.
So kannst du nach und nach mit immer locker werdendem Pferd auch die langen geraden Linien in Angriff nehmen. Dein Pferd wird sich so an die Hand dehnen, weil es immer lockerer wird, von hinten aktiviert wird und dir vertrauen muss.


Mit z.B. einer solchen Übung kannst du auch als nicht ganz so starker Reiter ein Pferd lösen, Rücken und HH kräftigen und Vertrauen zu Reiterhand und Schenkel aufbauen, wenn du einfach nur geschickt reitest.



Aber egal wie du das Training gestaltest. Es sollte immer abwechslungsreich und vor allen Dingen aufbauend sein.
Es ist keine Katastrophe, wenn man mal 1 oder 2 Schritte zurückgehen muss, das ist sogar normal. Die Tendenz sollte jedoch planvoll aufbauend sein.

Zweitens
Lass dich mal filmen. Reite nicht für den Film, sondern eine komplette Trainingseinheit von Anfang bis Ende. In einem Film sieht man Fehler viel eher als man selber das fühlt oder ein RL das sehen kann. Auch ein RL kann nicht alles auf Einmal sehen. Einen Film kann man sich immer wieder anschauen und Sequenzen wiederholen.
So einen Film solltest du mind. alle 6 Monate machen lassen.

Drittens
Arbeite an deinem Sitz und an deiner Losgelassenheit
Hierfür ist Sitzlonge nicht nur Ideal, das macht auch Spaß. Das Pferd sollte dafür ausgebunden sein (lang). Irgendjemand sollte die Longe halten - kann auch deine Oma sein *gg*. Das Treiben übernimmst du also Longenführer nur zum Festhalten der Longe.
Die Hände auf den Kopf (nicht hinter, sondern oben drauf), die Ellenbogen zürück (bis es weh tut), den Kopf hoch. Jetzt merkst du wie deine Hüfte schwingt und dein Oberkörper stabil bleibt (Ellenbogen zurück :D).
Übe dann in allen 3 GGA und in den Übergängen ein kleines Seil gegen die Bewegungsrichtung zu drehen (Unabhängige Hand).
Übe in allen 3 GGA einen Ball mit der einen Hand zu werfen und mit der anderen Hand aufzufangen. Bei dieser Übung darf der Longenführer das Treiben unterstützen. (Lockerer Sitz).
Lockere dich auf dem Pferd, da gibt es tolle Übungen.
 
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