Hunde TROTZEN nicht

Diskutiere Hunde TROTZEN nicht im Hunde Verhalten und Erziehung Forum im Bereich Hunde Forum; Hallo, immer wieder ließt man auch hier im Forum, die Erklärung eines Fehlverhaltens des Hundes geschehe aus Trotz. Meist bezüglich auf urinieren...
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suno

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Hallo,
immer wieder ließt man auch hier im Forum, die Erklärung eines Fehlverhaltens des Hundes geschehe aus Trotz. Meist bezüglich auf urinieren, koten oder der Verwüstung des Mobiliars.
Es ist mir ein Anliegen mal was dazu zu sagen:

Hunde haben natürlich Emotionen.

Aber im Gegensatz zu Menschen, stellen die Emotionen bei Hunden ein Handlungsimpuls als Reaktion auf eine Situation dar. Wichtig ist hier das Wort REAKTION. Ein Hund stellt keine emotionale vorausschauende Situation her - um eine emotionale Erpressung, und nichts anderes ist Trotz, durch zu ziehen.
Er denkt nicht - jetzt pinkel ich meinem Besitzer mal so richtig schön auf seinen Teppich - und dann weiß er das nächste mal hat er mich gefälligst mehr zu beachten, mich mit zu nehmen oder mir bessere Leberwurst zu kaufen.

Bei Hunden kann man generell von negativen und positiven Gefühlen sprechen, in beiden Richtungen jeweils abgestuft.Auf "negativ" wird mit Furcht, Flucht oder Verteidigung reagiert, auf "positiv" mit freudiger Erregung bis hin zur Ekstase.

Diese basieren auf 7 grundlegende emotionale Systeme die es dem Hund ermöglichen auf Informationen zu reagieren und im direkten Zusammenhang mit den Sinnesorganen stehen. Diese Systeme beinhalten :Such-System / Furcht-System / Spiel-Syndrom / Fürsorge - System

Oder einfach ausgedrückt, ein Hund agiert nicht emotional vorausschauend - sondern reagiert emotional abhängig von seinen Basis Systemen.

Der Mensch hat ein höher entwickeltes Gehirn (in diesem Fall der präfrontaler Cortex) , das ihm ein sogenanntes ethisches Empfinden ermöglicht. Diese höher entwickelten Emotionen sind weitaus weniger Sinnesorgan abhängig und gehen mit Moral einher. Sie sind medizinisch nachweisbar und werden unter anderem auch durch soziale Strukturen beeinflußt.

Trotz ist beispielsweise keine reaktive Emotion, sondern eine aktive, fordernde. Mit "Trotz" will ein Subjekt vorsetzlich eine nicht antrainierte, berechnete Reaktion seines Gegenübers erreichen. Und genau das macht ein Hund nicht.

LG Suno




 
  • Hunde TROTZEN nicht

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  • Hunde TROTZEN nicht Beitrag #2
Danke! Ich schreibe es auch immer wieder und habe das Gefühl gegen eine Wand zu schreiben...

Das große Problem ist nämlich, dass wir "Trotz" negativ auffassen und davon ausgehen, dass der Gegenüber uns damit absichtlich schaden bzw. uns manipulieren möchte. Gehen wir davon aus, dass unser Hund etwas aus Trotz macht, sind schnell negative Gefühle dabei. Wir unterstellen dem Hund böse Absichten, die niemals vorhanden waren. Das führt schnell zu Bestrafungen etc. anstatt, dass wir versuchen herauszufinden, warum genau er es macht - denn Trotz ist es nun mal nicht.

Wir nehmen eben vor allem das als Trotz wahr, was wir dem Hund beigebracht haben. Der Hund hat zum Beispiel gelernt, dass wir ein für ihn negatives Verhalten abbrechen bzw. ein positives Verhalten starten (das kann für manche Hunde auch negative Aufmerksamkeit sein) wenn er pinkelt/kotet/Dinge zerstört. Er macht es also nicht aus Trotz, sondern weil wir ihm beigebracht haben, dass es Erfolg hat. Genau wie "sitz" "platz" etc. auch. Natürlich gibt es für diese Verhalten noch andere Gründe (Beschwichtigungspinkeln, Stressabbau etc.). Genau das gilt es ja dann herauszufinden und dafür ist es eben sehr wichtig, dass wir es nicht einfach auf etwas schieben, was ein Hund gar nicht kann...
 
  • Hunde TROTZEN nicht Beitrag #3
:clap: Super

Das gleiche gilt auch so ziemlich bei Katzen, diese pinkeln auch nicht aus Trotz
 
  • Hunde TROTZEN nicht Beitrag #4
Dankeschön!
 
  • Hunde TROTZEN nicht Beitrag #5
Echt nicht? Also Katzen jetzt meine ich.
Die Pinkeln doch aus Frust wenn sie unzufrieden sind, das weiß ich. Aber kann man das nicht mit Trotz gleichsetzen?
Oder ich bin jetzt total falsch.
 
  • Hunde TROTZEN nicht Beitrag #7
Danke!!!:clap:
 
  • Hunde TROTZEN nicht Beitrag #8
Interessant! :shock: Leuchtet ein :eusa_think: Kann man den Thread vielleicht festpinnen?
 
  • Hunde TROTZEN nicht Beitrag #9
Hallo,
ach es freut ich, daß euch mein Beitrag gefällt und Zustimmung findet. Leider glaube ich aber, daß genau die Leute derentwegen ich mir das jetzt mal von der Seele schreiben musste und wie Syn so schön schrieb ich auch oft das Gefühl gegen eine Wand zu schreiben...den Beitrag entweder gar nicht erst lesen werden oder aber nicht verstehen.

Ist es doch um so viel einfacher und bequemer, seinem Tier ein absichtlich negatives Verhalten und somit Schuld zu zuweisen, als eine aufwendige Analyse des eigenen Fehlverhaltens zu betreiben.

Ein Freund hat den Beitrag parallel gelesen - ein durchaus intelligenter Mensch - und meinte : "ja aber die Rosi kommt doch und stupst mich liebevoll mit der Pfote (ermotionale Erpressung) an um ein Leckerlie zu bekommen - also agiert sie doch vorausschauend um ein Ziel zu erreichen"

Nein ist die Antwort leider gar nichts verstanden mein Freund.
Dieses Verhalten haben wir ihr antrainiert, basierend auf ihrem Such-System. Zuerst hat sie von mir einige Tricks mit der Pfote beigebracht bekommen - wann immer sie nun diesen Trick ausgeführt hat, bei mir NUR auf NEINE Aufforderung, bekommt sie eine Belohnung.
Nun hat sie dich unaufgefordert mit der Pfote angestumpt - ein ERLERNTES Verhalten, mit dem Ergebnis , daß DU ihr ein Leckerlie gegeben hast. Lern Effekt: wenn ich den Typ anstupse wird er zum Leckerlie Automat, denn bei mir macht sie das nicht. Das hat aber nun gr nichts mit einem zweckdienlich ausgetüfteltem Plan zu tun.

Dann kam die Diskusson auf Frust bzw. Langeweile. dazu sei zu sagen beides sind KEINE Emotionen - sondern ein Gemütszustand. und somit wieder eine REAKTION auf einen bestimmten Umstand hin.

Ich weiß es ist nicht einfach, aber wenn man sich immer und immer wieder versucht in den Hund im Hund zu versetzten und ihn wirklich zu verstehen, zu erkennen und zu lesen - geht das nach einer Weile ganz gut. Aber klar - einfacher ist zu behaupten der (böse / hinterhältige) Hund pinkelt aus Trotz - und daraufhin bestrafe ich ihn mit was auch immer - schlimmstenfalls einem Wurfgeschoß. Schade

Und deshalb, ich zitiere mich selbst:

ein Hund agiert nicht emotional vorausschauend - sondern reagiert emotional abhängig von seinen Basis Systemen.

Trotz ist beispielsweise keine reaktive Emotion, sondern eine aktive, fordernde. Mit "Trotz" will ein Subjekt vorsetzlich eine nicht antrainierte, berechnete Reaktion seines Gegenübers erreichen. Und genau das macht ein Hund nicht.



















 
  • Hunde TROTZEN nicht Beitrag #10
Ein Hund stellt keine emotionale vorausschauende Situation her
Das ist nicht grundsätzlich richtig, Hunde sind durchaus in der Lage Vorfreude oder schlechte Vorahnungen zu haben.
Die meisten Hunde wissen zumindest ab einem gewissen Punkt ziemlich genau ob die aktuelle Autofahrt zum großen Spaziergang führt, oder zum Tierarzt ;)
In beiden Fällen drücken sie Vorfreude oder Unsicherheit ziemlich deutlich über ihre Körpersprache aus.

Dennoch stimme ich zu, dass Hunde nicht zur "Erpressung" fähig sind.

Oft bin ich aber auch überrascht wie sehr die Ansicht der "Ressourcen-Verwalten" verbreitet ist, obwohl sie in gewisser Weise eine Fähigkeit zum Verstehen von "Erpressung" voraussetzt und damit im Kontrast steht zur Theorie, dass Hunde quasi nicht "1+1 zusammenzählen können".

'Dem Hund zeigen, dass man der Besitzer des Futters ist und es verwaltet um ihm seinen Platz in der Rangordnung zu zeigen'
Wenn das funktionieren würde (was ich nicht glaube) würde das bedeuten, dass der Hund eine Vorstellung davon hat, was ein Vorrat ist und außerdem erkennt und versteht, dass dieser vom Menschen verwaltet und aufgefüllt wird.
Aus dieser Erkenntnis soll er dann lernen, dass der Mensch ihm kein Futter mehr nachkauft, wenn er sich nicht entsprechend verhält.
Aus meiner Sicht zu viel verlangt von einem Hund. Im Grunde interessiert ihn nur genau das Stück Futter, was er bereits vor der Nase hat. Positive Bestärkung mit Futter ist deswegen problemlos möglich, eine "Erpressung" des Hundes zu besserem Verhalten weil der Hund erkennen könnte wer den Futtersack gekauft und in den Schrank geschlossen hat wohl eher nicht ;)
Zumal Hunde so oder so keine Tiere sind die Vorräte anlegen ;)


Was Emotionen im Grundsatz angeht so denke ich, das sie zum einen evolutionär absolut Sinn machen und deswegen bei jedem Lebewesen mehr oder weniger vorhanden sein dürften (bei Insekten können wir uns kaum sicher sein, bei Wirbeltieren dürften sie aber aber definitiv vorhanden sein).
Genau wie die Anatomie so entspringen auch Emotionen bei allen Wirbeltieren einem gemeinsamen evolutionären Ursprung. Eine allzu harte Abgrenzung zwischen Mensch und Tier finde ich deswegen oftmals unangemessen.
Zumal Entstehung, Wirkungskreis und Nachweisbarkeit von Emotionen nicht in Gänze wissenschaftlich erschlossen sind.

Der Mensch hat ein höher entwickeltes Gehirn (in diesem Fall der präfrontaler Cortex)
Der Cortex (die Großhirnrinde) spielt eine sehr wichtige Rolle bei der Verarbeitung und Bewertung von Situationen.
Nur Tiere deren Gehirne einen Cortex haben sind in der Lage Grundzüge von Sprache in Wort und Zeichen zu verstehen und sind demnach "dressierbar".

Auch wenn der Frontallappen des Cortex häufig als Sitz für höhere menschliche Emotionen angesehen wird, denke ich dennoch nicht, dass dies allein den Unterschied zum Tier ausmacht.
Ich denke dabei an die mutwillige Zerstörung des Frontallappens durch Lobotomien wie sie nur allzu viele Jahre (bis in die 80er) von wahnsinnigen Ärzten durchgeführt wurde.
Dabei pürrierte man Menschen mit psychischen Erkrankungen (von Depressionen über Zwangskrankheiten bis hin zu Psychosen) mittels einer Operation den Frontlappen des Gehirns (wirklich ein Gruselkabinet der Medizingeschichte, wobei ich mich frage wer eigentlich "verrückter" ist, derjenige mit einer psychischen Erkrankung oder derjenige der ihm deswegen bei lebendigem Leibe das Hirn zerstückeln will).
Auch wenn das (so der Patient denn überlebte) manchmal zu einer emotionalen Stumpfheit führte konnte eine wirkliche Wirksamkeit im Grunde nie nachgewiesen werden.
Daraus schließe ich, dass auch unsere "höheren" Emotionen nicht einzig und allein durch den Stirnlappen zu Stande kommen, Menschen sind weiterhin in der Lage zu differenziertem Denken und emotionalen Erkrankungen, auch ohne den Frontallappen ;)
 
  • Hunde TROTZEN nicht Beitrag #11
Hallo,
es freut mich sehr angeregt zu diskutieren, auf einem feinen Niveau.

Das ist nicht grundsätzlich richtig, Hunde sind durchaus in der Lage Vorfreude oder schlechte Vorahnungen zu haben.
Die meisten Hunde wissen zumindest ab einem gewissen Punkt ziemlich genau ob die aktuelle Autofahrt zum großen Spaziergang führt, oder zum Tierarzt ;)
In beiden Fällen drücken sie Vorfreude oder Unsicherheit ziemlich deutlich über ihre Körpersprache aus.

Nun, daß sich ein Hund im Vorfeld freut oder fürchtet, spreche ich unseren Tiere auch gar nicht ab - es untermauert sogar meine Aussage.

Diese "Vorfreude oder Furcht" basiert wieder auf dem antrainierten Verhalten (Spiel-Syndrom bzw. Furcht-System ) eine bestimmte Aktion des Menschen (von Schlüsselgreifen über Autofahren oder Leine in die Hand nehmen) in eine reaktive Emotion um zu setzten.
Wenn man sich ganz genau beobachtet wird man festellen, daß man sich selbst unterschiedlich Verhält - je nach Zweck der Autofahrt. Seien dies nun andere Aktionssabläufe, andere Körpersprache oder auch nur ein anderer Weg mit dem Auto. (Mein TA hat z.B. Kopfsteinpflaster und 2 Wellen vor seinen Praxis und mein Hund REAGIERT darauf 100%).

Die Hirnfunktion etc. habe ich auch nur ganz sanft und zugegeben populistisch gestreift, ich denke da ernsthaft drauf ein zu gehen würde den Rahmen dann doch sprengen.

Lg Suno
 
  • Hunde TROTZEN nicht Beitrag #12
Hey,

wobei ich die "Vofreude", zum beispiel bei einer Autofahrt, eher als eine Reaktion auf die Gefühlslage des Menschen sehe. Abbey unterscheidet genau- steigen wir ins Auto ein weils zu meinen Eltern (Herrli ist genervt), seinen eltern (ich bin genervt), zu Foss (beide entspannt), zu anderen Freunden (ihre große Box kommt ins Auto) oder auf die Hundewiese (nix) geht. Je nachdem reagiert sie dann.


Fakt ist aber- Hunde machen nichts aus Trotz, können es aber als "Prostest" also aus Frust. Ich denke da an Cici als Junghund, wenn es an ihre Frustgrenze ging (z.b weil sie das Spieli haben wollte das unerreichbar lag) neigte sie dazu irgendwo hinzumachen. Zerstörung, unsauberkeit, bellen,.. das können alle Symptome von Frust sein. Und dieser kann wieder durch X dinge verursacht werden. (Paradebeispiel: hund will leckerchen, sieht es und riecht es, bekommt es aber nicht. Manche Hunde fangen dann an zu bellen)

Wobei Hunde sehr wohl lernen können mit welchem unerwünschten verhalten sie ihren Willen bekommen. ;)

Hunde erziehen sich ihre Menschen durchaus, nur auf eine subtilere art und weise *find*
 
  • Hunde TROTZEN nicht Beitrag #13
Entweder ist das unerwünschte Verhalten dann aber eine natürliche Reaktion (Stress- Frustabbau) oder aber wir haben es ihnen angelernt (wenn er dieses unerwünschte Verhalten zeigt, hatte er für ihn gesehen schon einmal Erfolg damit gehabt). Es ist kein Trotz und auch kein Protest.

Das Beispiel Autofahrt ist auch nur eine Reaktion des Hundes bzw. Verhalten aus Erfahrung.
Wenn der Tierarzt unangenehm ist und der Hund nicht gerne hingeht und genau weiß, dass es nun eine Fahrt dorthin wird, kann er natürlich aus Erfahrung vorausschauend agieren. Dennoch tut er es aus Erfahrung, also angelernt! Also vorausschauend agieren kann ein Hund durchaus, auch im Sinne von "ich stupse dich an, damit ich ein Leckerli bekomme", aber eben niemals ohne die entsprechende Erfahrung/angelerntes Verhalten dazu.
 
  • Hunde TROTZEN nicht Beitrag #14
Suno, im Großen und Ganzen kann ich deinen Ausführungen nur beipflichten und auch den letzten Satz nochmal zitieren, weil er für mich einer der vielen Gründe ist, warum ich meine Hunde so liebe.

Trotz ist beispielsweise keine reaktive Emotion, sondern eine aktive, fordernde. Mit "Trotz" will ein Subjekt vorsetzlich eine nicht antrainierte, berechnete Reaktion seines Gegenübers erreichen. Und genau das macht ein Hund nicht.

Meine Hunde reagieren auf mich und das, was ich in der bestimmten Situation bei ihnen auslöse. Sie überlegen sich nicht, dass sie womöglich mit einer Reaktion x diese und diese Möglichkeit bekämen und mit Möglichkeit y eine andere. Meine Hunde sind unverkrampft und offen. Wenn ich bei ihnen Angst auslöse, reagieren sie mit Angst. Und versuchen nicht sich zu verstellen um mich zu beeinflussen. Und das ist für mich das Wunderbare an meinen Hunden im Gegensatz zu Menschen. Menschen nutzen ihre Voraussicht und ihre Fähigkeit verschiedene Situationen im Voraus durchspielen zu können um dann die jeweils passende Reaktion zu finden um das gewünschte zu erreichen. Ein Hund hat zwar auch einen Erfahrungsschatz auf den er zurück greift und, der ihn bei sich wiederholenden Ereignissen durchaus auch befähigt "abzuwägen", ABER der Hund reagiert ohne diese doofen, menschlichen Hintergedanken! Und genau diese Hintergedanken wären eben auch bei Trotz eine Voraussetzung, nämlich der Hintergedanke, dass Verhalten x vom Hund, Reaktion y beim Mensch auslöst und somit Verhalten z vom Menschen verändert/beeinflusst. Und das machen Hunde nicht, das ergibt aus Hundesicht ja nicht mal wirklich Sinn.

Trotzdem will ich auch nicht ganz widersprechen, wenn Ivy von Frustreaktionen spricht, die einer Trotzreaktion ähnlich sind. Bzw. von erlerntem Verhalten beim Hund um den Menschen aktiv zu beeinflussen. Das können unsere Vierbeiner durchaus. Aber sie "benutzen" dieses Erlernte nicht hintenherum, sondern immer noch auf Hundeart sehr offen und klar.
 
  • Hunde TROTZEN nicht Beitrag #15
Trotzdem will ich auch nicht ganz widersprechen, wenn Ivy von Frustreaktionen spricht, die einer Trotzreaktion ähnlich sind. Bzw. von erlerntem Verhalten beim Hund um den Menschen aktiv zu beeinflussen. Das können unsere Vierbeiner durchaus. Aber sie "benutzen" dieses Erlernte nicht hintenherum, sondern immer noch auf Hundeart sehr offen und klar.

Danke. Ein Hund kotzt ja nicht aus Frust weil er weiß "Frauli findet das doof und ich bekomm was ich will" sondern es ist eine angelernte Reaktion. So wie auch Menschen auf Stress/Frust zu unbewussten, zwanghaften Verhaltensweisen neigen. Dazu muss es nicht mal vom Menschen bestätigt werden, es kann sich auch um selbstbelohnendes Verhalten handeln (Zerstörung kann, wenn man angespannt ist, wunderbar erlösend sein. Egal ob gegen sich oder anderes gerichtet).

Hunde "benutzen" dieses Verhalten nicht. Sie führen es aus weil sie auf die eine oder andere Art gelernt haben dass es ihnen Linderung verschafft. Cici machte dann halt vor meine Tür, ein anderer Hund zerfetzt ein Sofakissen (da ist der Drang zur Zerstörung größer als das Bewusstsein dass es unerwünscht ist), noch ein anderer knabbert sich die Pfoten wund.
 
  • Hunde TROTZEN nicht Beitrag #16
Ja natürlich. Stress- und Frustabbau sind selbstbelohnend. Das Ganze hat aber doch nichts mit Trotz oder Protest zutun. Oder meint ihr nur, dass es für Menschen so aussieht? Das ist natürlich wahr. Genauso, wie angelerntes Verhalten für uns oft wie Trotz ankommt (ich schenke dem Hund Aufmerksamkeit wenn er pinkelt -> Hund pinkelt für Aufmerksamkeit). Trotzdem ist es weder das eine noch das andere.
 
  • Hunde TROTZEN nicht Beitrag #17
Ja natürlich. Stress- und Frustabbau sind selbstbelohnend. Das Ganze hat aber doch nichts mit Trotz oder Protest zutun. Oder meint ihr nur, dass es für Menschen so aussieht? Das ist natürlich wahr. Genauso, wie angelerntes Verhalten für uns oft wie Trotz ankommt (ich schenke dem Hund Aufmerksamkeit wenn er pinkelt -> Hund pinkelt für Aufmerksamkeit). Trotzdem ist es weder das eine noch das andere.

Ich meinte es so, dass wir Menschen erlerntes Verhalten bzw. Frustabbau gerne als Trotz fehlinterpretieren bzw. die Verhaltensweisen beim Hund, dem menschlichen Verständnis von Trotz recht nahe kommen. Für mich ist Frust nicht gleich Trotz. Frust erzeugt nur bei manchen Hunden Reaktionen, die der Mensch dann wiederherum als Trotz/Protest interpretiert.

Meine Kleine will ihr Spielzeug, sie bekommt es nicht und kläfft mich dann an. Das ist dann so ein kieksiges Frustkläffen. In diesem Moment ihre frustrierte Reaktion auf mein Verhalten. Mit Trotz hat das natürlich nichts zu tun, denn dann müsste ich ihr ja unterstellen, dass sie weiß, dass ich das kieksige Bellen "ekelhaft" für meine Ohren finde, dass sie mich damit "nervt" und dass sie damit mich so manipuliert, dass sie das Spielzeug bekommt, weil ich will das sie die Klappe hält. Würde ich ihr jetzt tatsächlich das Spielzeug geben, würde sie nicht lernen "Ich nerve mit Bellen solange bis Frauchen einknickt.", sondern Frustbellen = Erfolg. Somit bellt sie nicht um mich zu nerven, sondern weil sie gelernt hat, dass das zum Erfolg führt. Alles in allem eine Frustreaktion, die dann aber menschlich interpretiert, als Protest/Trotz missverstanden wird.
 
  • Hunde TROTZEN nicht Beitrag #18
Hallo,
es freut mich sehr angeregt zu diskutieren, auf einem feinen Niveau.
Meine uneingeschränkte Zustimmung :D

Da es ja nun doch ziemlich ins Eingemachte geht sollten wir uns vielleicht mal kurz damit befassen, was man am Anfang von jeder wissenschaftlichen Diskussion macht - der Definition der Begriffe.

Was meinen wir denn überhaupt, wenn wir von "Trotz" sprechen?
Wikipedia schreibt
Zustand des inneren, leicht auch äußeren Widerstandes gegen die soziale Umwelt im Sinne der Selbstbehauptung. Es besteht immer auch eine Tendenz zum Abbruch der Kommunikation.

In der Erziehung des Menschen hat der Begriff eine negative Beibedeutung, oft wird dadrunter verstanden, dass das Kind bewusst etwas gegen den Willen des Erwachsenen tut.
Dies scheint jedoch nicht die ursprüngliche Bedeutung zu sein, denn der Begriff "Trotz" wird wegen genau dieser Beibedeutung in der Pädagogik heute nicht mehr verwendet.

Bei Kindern geht man übrigens auch etwa bis zum Alter von 4-6 Jahren davon aus, dass sie sich einer Regel widersetzen, weil sie in jedem Fall ihre eigenen Interessen verfolgen wollen und nicht weil sie den Erwachsenen provozieren wollen, oder sogar planen ihm ein schlechtes Gefühl zu machen.

So ähnlich verhält es sich ja im Grunde auch mit Hunden, man gibt das Kommando "nein", der Hund hört es, weiß es im Grunde auch zu deuten, aber entschließt sich lieber seine eigenen Interessen durchzusetzen.
Genau wie bei kleinen Menschenkindern verfolgt er rein egoistische Interessen und hat nicht etwa vor unsere Autorität in Frage zu stellen ;)
 
  • Hunde TROTZEN nicht Beitrag #19
Hallo,

ok gehen wir etwas tiefer...dann aber auch tiefer als Wikipedia.

"Reaktanz (Widerstand) ist ein Erregungs- oder Motivationszustand, der darauf abzielt, die bedrohte, eingeengte oder blockierte Freiheit der Selbstbestimmung wieder herzustellen." (Herkner, W. (2001): Lehrbuch der Sozialpsychologie).
Diese Freiheit bezieht sich auf die Menge und Art der Handlungsalternativen die in einer gegebenen Situation zur Verfügung stehen gewünscht werden.

TROTZ(reaktion) - ist eine bewußt eingesetzte Reaktanz Handlung (Zuwiderhandlung) gegen eben jene Vorschrift / Verbot die diese Freiheit einschränkt, mit der berechneten Zielsetzung den gewünschten Zustand (wieder-) herzu stellen.

Auf den Hund bezogen ergäbe es folgenden Unsinn:
Das (Trotz) Pinkeln des Hundes ist der Widerstand , mit dem er eine berechnete Zielsetzung verfolg um damit bewußt, eine ihn in seiner selbstbestimmten Freiheit einschränkenden Vorschrift, zuwiderhandelt. Mit dem Ziel den den uneingeschränkten Zustand (wider) - her zu stellen.


Zitat Kompassqualle : Bei Kindern geht man übrigens auch etwa bis zum Alter von 4-6 Jahren davon aus, dass sie sich einer Regel widersetzen, weil sie in jedem Fall ihre eigenen Interessen verfolgen wollen und nicht weil sie den Erwachsenen provozieren wollen, oder sogar planen ihm ein schlechtes Gefühl zu machen.

Dem stimme ich absolut zu. Nur dürfen wir bei diesem Vergleich ebenfalls nicht die Systematik der Sinnesorgane vergessen. Die ja bei Hund und Kleinkind grundlegend verschieden sind. Oder anders; das egoistische Interesse eines Kleinkindes obliegt anderer Prioritäten als das eines Hundes, vor allem in Bezug auf das emotionale Empfinden.
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ok,ok....zurück auf die Erde.

Mein Anliegen gilt dem Wohl der Hunde , und euer Interesse freut mich wirklich sehr.
Denn ich wünsche mir für unsere/die Hunde eure Unterstützung, sofern ihr mir zustimmt, indem wir immer und immer wieder in den verschiedenen Threads hier darauf hinweisen, daß ein Hund deshalb so wundervoll ist, weil er Hinterhältigkeit, emotionale Erpressung und Berechnung ganz einfach nicht kennt.

Wenn ihr Muse habt geht mal durchs (Hunde) Forum, dauernd ließt man mein Hund pinkelt / beißt / zerstört aus Trotz....der Hund bellt weil er einen ärgern will...der Hund kackt absichtlich immer hinter den Schrank...und und und.

Jeden den wir davon überzeugen können , daß dies nicht der Fall ist - untersteht mindestens ein Hund, der ab sofort besser verstanden wird und mit dem dann gearbeitet wird und nicht durch Sanktionen die wunderschöne Seele gebrochen wird.
Ja, das ist eigentlich was ich wollte.

bis dann Suno
 
  • Hunde TROTZEN nicht Beitrag #20
Kann ich absolut zustimmen. :023:

Ich habe ja normal gar nichts gegen "tiefer gehende Diskussionen", aber hier in diesem Thread sind wir ja, soweit ich das mitbekommen habe, alle einer Meinung und die Diskussion bewegt sich nur auf verschiedenen Interpretationen der Wörter bzw. im Endeffekt sogar nur die verschiedenen Umschreibungen für das selbe Ergebnis.

Was aber nun mal entscheidend ist, ist in diesem Fall die Wahrnehmung der "Normalbevölkerung" und nicht der wenigen die sich erstmal auf Wikipedia durchlesen was Trotz eigentlich heißt und auch nicht diejenigen, die Soziologie studieren (oder sich privat dafür interessieren). Wir reden von Menschen, für die Trotz oder Protest einfach einen negativen Beigeschmack hat und die Hunden genau diese negativen Absichten unterstellen, obwohl die Hunde diese einfach nicht haben (was sie ja so wundervoll macht, wie suno schon schön beschrieben hat).

Ich bin in mehreren Foren unterwegs und auch "draußen" habe ich viel Kontakt mit anderen Hundebesitzern und es ist wirklich erstaunlich wie verbreitet dieser Glaube noch ist. Leidtragende sind am Ende leider die Hunde. Manchmal hat man Erfolg, wenn man es den Leuten erklärt und manchmal redet man leider einfach gegen eine Wand...
 
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