Stangenarbeit

Diskutiere Stangenarbeit im Pferde Ausbildung und Reiten Forum im Bereich Pferde Forum; Hallo ihr Lieben! Ich betreibe ja mit meinem Vollblüter momentan Muskelaufbau. Immer wieder versuche ich, etwas Stangenarbeit mit ein zu bauen...
  • Stangenarbeit Beitrag #1
miri_93

miri_93

Beiträge
1.493
Punkte Reaktionen
0
Hallo ihr Lieben!

Ich betreibe ja mit meinem Vollblüter momentan Muskelaufbau.

Immer wieder versuche ich, etwas Stangenarbeit mit ein zu bauen (vom Boden aus), aber irgendetwas mache ich falsch...

Über eine einzelne Stange kommt er wunderbar drüber, wobei ich ihn da auch schon ordentlich antreiben muss. Aber wehe da liegen zwei Stangen. Auf mindestens eine tritt er drauf, egal was ich mache. Oder er verschiebt sie oder was auch immer. Ganz selten, dass es wirklich klappt.

Ich habe schon die Abstände der Stangen verändert, sein Tempo verringert bzw. erhöht, es bringt alles nichts.

Wie bekomme ich die optimalen Abstände raus?

Und wie erkläre ich dem Pferd, dass es nach den Stangen schauen und DARÜBER statt darauf treten muss?
Ich hab da echt Angst um seine Beine und Hufe...


Er läuft fast immer immer schön entspannt, seine Beine hebt er auch, aber irgendwie passt da alles nicht zusammen... :( Wenn er dann drauf tritt verspannt er sich sofort und rast los, das macht er immer, wenn er merkt, dass etwas nicht richtig war. Also ich denke schon, dass er weiß, wie es eigentlich sein müsste. Für ihn muss es so ja auch unangenehm sein...

Ich hoffe, einer von euch kann mir ein paar Tips geben, ich bin momentan echt aufgeschmissen...
 
  • Stangenarbeit Beitrag #2
Ich würde mich jetzt nicht auf Stangenarbeit und Springen festlegen...

Mir hat mal ein Trainer von der Rennbahn gesagt - dass ist sowas wie eine Wahrnehmungsstörung bei Pferden - die Vorderhand ist bei den Rennpferden immer belastet - die Hinterhand wird nachgezogen, sie ist nicht für die Beschleunigung da - sondern "nur" für das Tempo halten... Da ein Gefühl hineinzubekommen wo das Pferd richtig auftritt - wo es mit den Hinterbeinen aufsetzt - ist sowas wie gehenlernen bei Kindern... üben und nochmals üben - Podest hinstellen - rauf und runtersteigen lassen, rampen rauf und runterführen - seitengänge können mitunter auch helfen - geführt versteht sich - über waldböden gehen - immer langer zügel - vorsichtig über wurzeln drübersteigen - durch bäche warten - die beine richtig aufsetzen lassen - etc - sodass er das Gefühl für die Hinterbeine trainieren kann - und nicht nur auf der vorderhand herumreitet.

Und treibe ihn nicht zu viel - er muss erst die Koordination seiner Füsse lernen - dass ist reine Kopfsache (die ebenfalls trainiert werden muss) - wenn du ihn drüberjagst - macht er fehler das ist klar - durchs treiben wird seine Denkweise nicht schneller. Laufen kann jedes Pferd , auch ein Gallopper oder ein Traber - aber hier gehts um Taktgefühl und "Körperwahrnehmung" - immer zu wissen wo welcher fuss steht - und zwar exakt - und nicht schlampig dahergelatscht - weil sowieso jedes Bein irgendwann einen Bodenkontakt haben muss - sonst würde es ja umfallen - mit der Zeit. Du musst dir immer denken - du machst aus Aschenputtel - eine Ballerina - das geht nicht von jetzt auf sofort - dass dauert - aber irgendwann klappts dann...
 
  • Stangenarbeit Beitrag #3
Vielen Dank für die ausführliche Antwort! :) viele deiner Tipps mache ich ohnehin schon :) Besonders schwierig ist momentan das rückwärts über eine Stange laufen, klappt aber schon ganz gut :)
 
  • Stangenarbeit Beitrag #4
Rückwärts über Stangen ist extrem schwierig für ein Pferd.
Erst einmal müssen die Stangen fixiert sein. Sie sollten nicht rollen, wenn das Pferd dagegentritt. So etwas birgt Gefahren. Entweder nimmt man am Boden eckige Stangen oder man fixiert sie mit Sand oder einem quer angenagelten kleinen Stück Schlauch, damit sie fest und ruhig liegen.
Weiterhin ist sehr wichtig, ob das Pferd VH oder HH Fehler macht.
HH Fehler deuten auf mangelnde Konzentration, schlechte HH Koordination, Faulheit oder Unterforderung hin.
VH Fehler sind meist Reiterfehler, mangelnde Konzentration, Unterforderung oder einfach fehlende Erfahrung.
Dann ist noch wichtig, wie das Pferd über die Stangen läuft. Ein Pferd das aufgeregt wie ein Storch läuft muss anders trainiert werden als ein Pferd, das die Beine einfach hängen lässt und dem es egal ist, ob es gegen eine Stange stößt oder nicht.

Erst einmal solltest du das Pferd gut schützen. Das heißt Fesselkopfgamaschen und Hufglocken. Ich persönlich halte nichts von dem System 'Lernen durch Schmerzen'.

Dann musst du wissen, dass Pferde alle weitsichtig sind. Ein Pferd kann nahe Dinge schlecht sehen, daher fassen gerade Jungpferde Stangen oder andere Hindernisse erst einmal mit der Nase an um dann mit dem Huf zu probieren.
Da das Pferd aus der Ferne taxiert, solltest du auf den letzten 2 m das Pferd nicht mehr im Gang stören. Die letzten 2 Schritte, Tritte oder auch Sprünge gehören dem Pferd.

Hier mal einige Standardübungen:
Um das Pferd besser zu konzentrieren und ihm die Unsicherheit über Stangen zu nehmen baue ich gern ein Mikado auf. Möglichst viele Stangen werden kreuz und quer über und untereinander gelegt. Oft sieht das so wild aus, dass man meint 'da kommt mein Pferd nie durch'. Doch es kommt!
Reite ruhig im Schritt heran, gib die Zügel lang und lass das Pferd seinen Weg suchen. Das Pferd sollte in möglichst gerader Linie (soweit überhaupt möglich) durch das Mikado klettern. So bekommst du die Aufmerksamkeit. Du selber sitzt dabei sehr ruhig und passt dich dem Pferd nur an.
Erst später lenkst du in dem Mikado das Pferd über bestimmte Stangenkombinationen.
Das Pferd wird konzentrierter, wird koordinierter, die HH wird geschult und es verliert seine Unsicherheit.

Die Standardabmessungen sind: ca. 80 cm, ca. 110 - 130 cm, ca. 240 - 350 cm
Ich baue allerdings sehr viel kleiner auf, da ich es anfangs mag, wenn die Pferde sehr ruhig darübergehen und sich eher selber etwas zurücknehmen. So baue ich auf: Schritt 30-60cm, Trab 80-120cm, Galopp 120-200cm, allerdings habe ich auch kleine Westernpferde.

Danach baue ich Kombihindernisse auf. Ein 4 Eck (Box) das sowohl im Trab mit einem Zwischentritt als auch im Galopp durchritten werden kann, davon abgehend mehrere Stangen, davor und dahinter mehrere Stangen. Stangen in Wendungen...
Ich reite das Pferd dann im Trab über diese Stangen. Das Pferd hat sowohl kleine Distanzen zwischen den Stangen als auch dann wieder ganz viele Stangen vor sich, die es zu überwinden gilt. Das 4-eck reite ich auch oft schräg oder lasse das Pferd nur über Eck mit einem Huf reintreten. Das Pferd soll nun lernen, Hilfen zwischen den Stangen sofort umzusetzen und die Stangen einfach ohne nervosität zu überwinden. Es soll nicht losdüsen und die Stangen so schnell wie möglich hinter sich bringen - das geht bei so vielen Stangen nicht.
Die Konzentrationszeit des Pferdes muss immer beachtet werden! Nie übertrainieren.
Alle Hindernisse sind so aufgebaut, dass ich das Pferd im Training immer im Hinderniss halten kann. Ich reite niemals ein Stangenhinderniss um dieses wieder zu verlassen, sondern kreise eng drumherum und reite immer wieder über Stangen.
Dann beginne ich in den Kombinationshindernissen das Pferd auch anzuhalten und ausruhen zu lassen. Es soll sich im Hinderniss wohl fühlen. Außerhalb der Hindernisse wird gearbeitet. Das Pferd soll die Stangenhindernisse mögen und nicht davor flüchten. Wenn ich auch dem Stand wieder anreite, bereite ich das Pferd sanft vor und reite anfangs im Schritt an. Bei guten Pferden später sogar im Trab. Das Pferd lernt so, sich schnell auf die Stangen einzustellen.
Für den Galopp werden in den Kombinationshindernissen einige Abstände größer gelegt. Sie können dann im Trab mit einem Zwischentritt oder im Galopp überwunden werden.

Hochgelegte Stangen kommen im Trab und Galopp bei mir erst später, da das Pferd erst einmal lernen muss sich zu konzentrieren und sich in den Stangen wohl zu fühlen.
 
  • Stangenarbeit Beitrag #5
Danke für die ausführliche Antwort! Das werde ich doch gleich mal ausprobieren. Wobei d
Ich die Übungen zur zeit ja vom Boden aus mache.

Das mit dem rückwärts laufen klappt inzwischen super! Lediglich den einen Vorderhuf setzt er immer auf die Stange statt dahinter. Nach dem zweiten mal (nach dem ersten mal korrigiere ich sofort) klappt das aber auch super!
 
  • Stangenarbeit Beitrag #6
Vom Boden aus arbeite ich noch ein wenig anders.
Ich gehe in den Übungen immer erst mit und zeige dem Pferd wie es die Beine setzen soll. Pferde lernen schnell nachzuahmen.
Das Pferd lernt zu spiegeln, was die Konzentration erhöht.
Dann beginne ich das Pferd an der Bodenarbeitsleine in den Stangen allein stehen zu lassen. Ich umrunde es, fasse es überall an und rangiere es, wenn es entspannt ist. Das Pferd lernt so, dem Menschen zu vertrauen. Beim Rangieren touchiere ich ganz leicht und möglichst an den Stellen, die ich auch beim Reiten mit dem Schenkel berühre. Das Touchieren ist wirklich nur ein tippen oder sanftes reiben am Fell.
Erst wenn das Pferd dieses vollkommen entspannt kann, longiere ich das Pferd über die Stangenhindernisse und lasse es allein seinen Weg suchen. Ich führe das Pferd auch über eine Stange, lasse es über der Stange stehen und schicke es seitwärts (auch Englisch gerittene Pferde). Das Pferd soll lernen, die Stange als Begrenzung zu akzeptieren und darf keine Angst davor haben. Die HH Koordination wird so gut geschult.
Beim Rückwärts rangiere ich das Pferd durch Wege, in denen es keine Stange berührt. Es soll mir vertrauen, dass ich es in jeder Situation an allen 4 Beinen kontrolliere und es nur so sicher und ohne Fehler durch die verschiedenen Übungen kommt. Das Pferd lernt, dass es zwar mit Stangen arbeiten (spielen) kann, das Ziel jedoch ist, die Stangen nicht zu berühren.
Die Pferde werden so sehr locker. Ich nehme mir für jede einzelne Übung ungeheuer viel Zeit.
Wichtig ist bei der Arbeit am Boden, dass das Pferd sehr aufmerksam auf meinen Körper achtet - was später meine Sitzhilfe wird - und trotzdem völlig entspannt ist, daher umrunde ich das Pferd oft und setze auch mal einen Huf richtig hin.
Das Pferd lernt so am Boden, dass das Berühren von Stangen unerwünscht ist und es entspannt und konzentriert mit Stangen arbeiten kann. Stangen machen Spaß! Das Ziel ist, dass das Pferd die Stangenarbeit mag. Motivation ist also absolute Pflicht.
 
  • Stangenarbeit Beitrag #7
Nochmal vielen Dank für die Ausführliche Antwort! Ich kann mir das richtig bildlich vorstellen.

Leider lahmt er seit gestern etwas, die Stangen werden also warten müssen. :(

Sobald er wieder fit ist gehen wir das Thema an! :)
 
Thema:

Stangenarbeit

Stangenarbeit - Ähnliche Themen

Spinnensauger: ja, Hallo auch. Vermutlich mach ich mich gerade sehr beliebt hier in diesem (Unter-)Forum: Kommt rein und fragt gleich nach nem Gerät zum...
Hilfe beim Thema Vergesellschaftung: Hallo liebe Community, erstmal einen wunderschönen Start in die Woche an alle 😀 Ich bin bisher immer ein stiller Forenteilnehmer gewesen und hab...
Altes Meeri Pilz, evtl. Diabetes: Hallo zusammen, ich bin irgendwie nicht so recht fündig geworden, habe deshalb ein neues Thema erstellt, ist hoffentlich ok. Zu meinem/unseren...
mein pferd hat nen dicken kugelbauch: huhu! also meine stute (engl. vb. 12j.) hat seit dem umzug in den neuen stall eine dicke murmel. vor dem umzug war sie ganz normal gebaut. sie...
Machen Pferde wirklich so viel Arbeit?: Hallo, in unserem Familienbesitz befindet sich eine 6,5 Hektar große Weide. Diese ist praktisch seit 10 Jahren ungenutzt, da es hier keine...
Oben