Klar frißt er Gras, aber das macht er schon seit 3 Jahren. Und barfen tu ich seit Januar erst.
Woher nur das stammt weiss ich immernoch nicht.
Kann es sein, dass er bevorzugt Quecke frisst? Das Gras enthält viel Kieselsäure, was sich positiv auf das Immunsystem auswirkt. Barfer füttern daher oft Kieselerde. Ich weiß nicht, ob Hunde dieses Gras scheinbar deswegen bevorzugen oder vielleicht wegen Beschaffenheit und Geschmack. Allerdings nehmen Hunde mit Mineralstoffmangel auch gerne Erde auf, ein gar so schlechtes Gespür für Nährstoffe scheinen sie also nicht zu haben. Muss nicht einmal unbedingt heißen, dass er in diese Richtung Probleme hat, aber vielleicht ist es eine Art Instinkt, ich weiß es nicht. Bei manchen Hunden scheint es auch einfach nur schlechte Angewohnheit zu sein, wenn ein Hund aber bestimmte Gräser heraus sucht finde ich das schon interessant. Meiner frisst auch hin und wieder Gras, aber nur ganz bestimmte Halme. Von manchen lutscht er auch nur den Tau ab :lol:.
Zu Speichel und Magensaft: Laut Meyer/Zentek hat der Speichel vorwiegend schmierende Funktion, weswegen bei Gabe von Rohfleisch weniger Speichel (schleimiges Sekret) produziert wird als bei Gabe von z.B. Fleischpulver (wässriger Speichel aus der Parotis/Ohrspeicheldrüse). Desweiteren setzt er sich zum Großteil aus Mineralstoffen zusammen, vorwiegend Natrium, Kalium und Chlorid. In geringerer Menge sind auch Kalzium, Phosphor und Magnesium enthalten, hier variiert die Menge aber stark. Sofern kein Fütterungsreiz kommt, wird auch erst einmal kein Speichel produziert, sondern nur ein Sekret durch die Unterzungendrüsen, welches den Fang feucht hält.
Der Magensaft weist einen hohen Salzsäuregehalt auf (0,5-0,6%), auch Natrium und Kalium sind in hoher Menge vertreten. Hinzu kommen Schleimstoffe und Verdauungsenzyme, die uns in Bezug auf den pH-Wert aber erstmal wenig interessieren.
Der pH-Wert selbst beeinflusst die Wirksamkeit der Verdauungsenzyme und die Aktivität der darmeigenen Bakterien. Im Magen sind die Werte zwischen den Mahlzeiten recht hoch (etwa 6), nach der Mahlzeit sinken die Werte allerdings stark ab, bedingt durch den hohen Salzsäuregehalt des Magensafts. Optimal ist ein Wert im sauren Bereich, also 1,5 bis 3,5. Und dieser Rückgang richtig sich nach Fütterungsmenge, Sekretmenge (Magensaft) und Futterzusammensetzung. Bei eiweiß- oder mineralstoffhaltiger Nahrung kann der Abfall des pH-Wertes ausbleiben. Kurz zum weiteren Verlauf: Der Speisebrei wird durch das alkalische Pankreassekret im Zwölffingerdarm wieder auf einen pH-Wert von etwa 6 gebracht werden. Im Dünndarm kann der Wert dann wieder leicht auf 7 steigen, im Dickdarm fällt er wieder leicht ab, sodass der Kot schlussendlich einen pH-Wert von 6 bis 7 hat. Der Haken ist, dass ohne den pH-Abfall im Magen das Enzym Pepsin (Eiweißspaltung) nicht optimal aktiviert werden kann.
Jetzt aber der Knackpunkt: Es kommt
NICHT auf die Rohfütterung allein an, sondern wie gesagt auf die Menge an Futter, die Sekretbildung und den Gehalt an Eiweiß und Mineralstoffen. Letzteres kann ein Trocken- oder Nassfutter ebenso betreffen wie eine Barfmahlzeit. Die Sekretbildung hängt von zwei Faktoren ab: Art und Umfang der Nahrung. Allerdings entscheiden verschiedene Reize, wie viel produziert wird.
1. Gehirnphase: Konditionierung im weitesten Sinne, das heißt Auslösen der Magensaftproduktion durch einen Reiz, der mit Futter verbunden wird (öffnen der Dose o.ä.)
2. Magenphase: Kauen und Schlucken der Nahrung, Gefühl von Futter im Magen, Kontakt des Futters mit der Magenschleimhaut. Fleisch, Fleischbrühe, Kochsalz, Säuren und – aufgepasst – Wasser(!) stimulieren scheinbar die Produktion. Zuckerlösungen wirken hemmend, pflanzliches Eiweiß wie aus Soja z.B. wirkt ebenfalls stimulierend, aber in geringerem Umfang. Nimmt ein Hund Fleisch(brühe) oder auch Milch auf, steigt die produzierte Menge an Magensaft fast proportional zur Fütterungsmenge, bei Brot, Zucker, Kartoffeln und Butter nicht.
D.h.: Es wird nicht überdimensioniert Magensaft produziert und das immer weiter, sondern lediglich direkt bei Aufnahme von Fleisch wird im angemessenen Verhältnis zur aufgenommenen Futtermenge Magensaft für die Verdauung produziert.
3. Darmphase: Bei hohen pH-Werten im Zwölffingerdarm oder bei Registrierung von Eiweißabbauprodukten (d.h. als Reaktion auf die Aufnahme von eiweißhaltiger Nahrung) wird vermehrt Magensaft produziert, um de pH-Wert zu drücken und damit die Verdauung auf völlig normalem Wege zu ermöglichen.
So, ich hoffe, jetzt sind wir alle im Bilde zum Thema Verdauung und pH-Wert, sodass auch jeder mitreden kann, wenn er möchte.
Was ich nochmal zusammenfassend betonen möchte:
Hemmung der Magensaftproduktion/zu hoher pH-Wert: JEDE Nahrung mit hohem Gehalt an Eiweiß oder Mineralstoffen kann den Abfall des pH-Wertes auf ein saures Level direkt nach der Nahrungsaufnahme theoretisch verhindern. Allerdings reagiert dann der Zwölffingerdarm auf den zu hohen Wert und regt (über Gastrin und Cholecystokinin, beides Peptidhormone) die Produktion des Magensaftes erneut an, sodass mehr Salzsäure eingeleitet wird, der pH-Wert sinkt und damit sauer wird, was anschließend im Zwölffingerdarm selbst wieder neutralisiert wird. Im schlimmsten Fall wird der Magensaft durch das Verfüttern von einer hohen Menge Fleisch/Eiweiß also nicht zu sauer, sondern bleibt zu neutral und das Eiweiß kann nicht richtig verdaut werden. Wie gesagt ist das aber auch kein Dauerzustand, sondern bezieht sich nur auf die unmittelbare Zeit nach der Fütterung, der Zwölffingerdarm greift ja auch noch ein.
Stimulation der Magensaftproduktion/Senkung des pH-Wertes: Wie wir festgestellt haben ist das Absinken des pH-Wertes auf ein saures Level nicht schädlich, sondern nötig, da dadurch unter anderem die Spaltung von Eiweiß in Gang gesetzt wird. Neutralisiert wird dieser Wert bereits an der nächsten Haltestelle nach dem Magen wieder. Nicht zu leugnen ist, dass Fleisch (eiweißhaltige Nahrung vermutlich allgemein) die Produktion anregt, während andere Lebensmittel sie bremsen. Es ist aber die Rede von proportional – das heißt verhältnismäßig, angemessen, sich danach richtend – zur Fütterungsmenge. D.h.: Kleinere Mahlzeit, weniger Magensaft, während bei Brot dieselbe Menge für einen Laib wie für eine Scheibe produziert wird. Nunja, mehr Fleisch benötigt nunmal mehr eiweißspaltende Enzyme. Außerdem wäre das »Problem«, sofern es denn besteht, dann bereits behoben, würde man einfach ein wenig kleinere Mahlzeiten füttern, wozu nicht umsonst bei Problemen dieser Art immer geraten wird. Das ist eben auch ein Punkt: Es gibt wie gesagt noch weitere Faktoren, die den Vorgang beeinflussen, z.B. eben die Fütterungsmenge und die Zugabe zum Fleisch.
Und nur, um es gesagt zu haben: Mineralstoffhaltige Nahrung kann den gesunden pH-Abfall hemmen – das zur Beigabe von Mineralstoffpülverchen. Der Magensaft MUSS sauer sein, sonst funktioniert die Verdauung nicht richtig. Produziert ein Hund stetig Magensaft und übersäuert ohne Fütterungsreiz (was bei den meisten von uns das Problem ist) hat das also auch nichts mit dem Fleisch zu tun, denn die Produktion wird nur durch die Erwartung von Futter (und dafür genügt nicht nur die Uhrzeit, es braucht einen Reiz oder ein Signal wie das Öffnen des Kühlschrankes) oder die direkte Aufnahme angeregt. Es braucht also für die Verdauung von Fleisch per se mehr Magensaft, der wird dann aber auch verwendet, durch den Darm ausgeleitet und dort wieder neutralisiert.
So, und nu hab ich endlich fertig :mrgreen:.