Stressaggression wegen Unsicherheit?

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  • Stressaggression wegen Unsicherheit? Beitrag #1
schuhkarton

schuhkarton

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Hallo ihr Lieben,

so langsam merke ich, dass es nicht so ganz ohne ist einen Tierheimhund mit unbekannter Vorgeschichte zu halten. Ich brauche nochmal eure Hilfe x)

Miles geht seit neuestem an die Leine, wenn er nicht zu anderen Hunden hin darf tierisch ab... es ist wirklich extrem. Wenn ich es geschafft habe, ihn aus der Situation zu holen, dann heult er rum. Bis der andere Hund aus Sichtweite ist...

Und das zweite Problem, was sich rauskristallisiert, ist, dass er große Hunde angeht. Richtig bösartig und sie beissen will. Gestern habe ich ihn dann geholt, ihn angeleint und hinter mir absitzen lassen. Da hat er auch geweint und leicht geknurrt, aber mehr geheult als geknurrt. Das hat ihn dann geärgert, das habe ich richtig gemerkt. Aber vorallem weiß ich dann nicht wielange ich ihn sitzen lassen soll. Nur bis besagter Hund weg ist? Oder noch etwas länger?
Gestern habe ich im Affekt auch geschimpft... das versuche ich heute besser zu machen und ruhiger zu sein. Ich glaube seine Aggression resultiert immernoch aus Unsicherheit. Habt ihr irgendeine Idee, wie ich ihn noch sicherer machen kann, damit er nicht mehr der Meinung ist er muss diese Hunde irgendwie vertreiben?

Soll ich ihn vielleicht schon vorher zu mir rufen, damit er garnicht erst großartig mit den großen Hunden in Kontakt kommt? Ich will ihm den Kontakt eigentlich nicht verwehren... aber mit kleinen Hunden spielt er ja.. das reicht ja, oder?

Achso, und seinen einen Hundekumpel hat er gestern sogar angefallen und ihn vertreiben wollen, als er mir zu nahe kam o_O Das war auch nicht so toll. Unsere Katze ist er auch schon zwei mal angegangen wegen Eifersucht... was mache ich da am besten? Ich weiß ja, dass bestrafen nicht so effektiv ist. Aber das geht nicht. Meine Mietz ist 15 Jahre alt, das kann er nicht bringen...

Er wohnt nun am Mittwoch vier Wochen bei mir... ich weiß, dass das nicht lange ist und das er noch nicht gefestigt ist, ich möchte aber unbedingt vermeiden, dass sich dieses Verhalten festsetzt.

Ich hoffe, ihr könnt mir helfen :s

Liebe Grüße

schuhkarton
 
  • Stressaggression wegen Unsicherheit? Beitrag #2
Heyho,

also:

Wenn er Theater macht, weil er hin will und nicht darf- Frustaggression.
Das hündische Äquivalent zum schreienden Kleinkind im Supermarkt, das unbedingt jetzt dieses verfluchte Ü-Ei braucht.

Maßnahme: Keinen Kontakt an der Leine zu anderen Hunden (was man ab und zu mal darf will man irgendwann einfach immer ;) ) und dann grundsätzlich an der Frusttoleranz arbeiten.
Also alles wovon du weißt, dass er das haben will o.ä. gibt´s halt nur bei Ruhe und nicht wenn der Aufstand geprobt wird.

Wenn du Bekannte hast mit deren Hunden er häufiger spielt kannst du z.B. in Sichtkontakt ihn hinsetzen, kurz warten und erst ableinen und losschicken, wenn er eben ruhig ist. Ist er das nicht drehst du wieder um, vergrößerst den Abstand und dann nochmal.

Langwierig, zahlt sich aber aus;)

Zu den großen Hunden:

Würde er sie beißen WOLLEN hätte er das getan.
Hunde schnappen nicht aus Versehen daneben, sondern dann war es noch ein Drohschnappen um sich den anderen Hund vom Hals zu halten.

Das wird in erster Linie Zeit brauchen.
Wenn du merkst, dass er unsicher wird, ruf´ihn zu dir (wobei er nach 4 Wochen kaum bereits 100%ig abrufbar sein dürfte:p) und DU hältst dann die anderen Hunde auf Abstand, wenn sie auf euch zu kommen.
Schimpfen ist, wie du schon bemerkt hast suboptimal, passiert aber.

Wenn er so große Angst hat, dass er in Abwehrverhalten fällt dann geh´ einfach mit ihm weg.
Ich halte persönlich recht wenig davon Hunde zwangsweise spielen zu lassen^^

Gerade kleine Hunde haben aus gutem Grund Respekt/Angst vor großen Hunden, da die wenigsten Großhundehalter einschätzen können wann ihr Hund zu ruppig/ballerig wird und selbigen dann auch abrufen können.
Je nachdem was für Vorerfahrungen er hat wird er seine Gründe haben warum er die doof findet;)

Das sind Dinge, die ich mir auf meiner Arbeitsliste erstmal hintenan stellen würde- daran kann man meist eh erst wirkich effektiv arbeiten, wenn mein Hund ein gewisses Grundvertrauen hat und vor allen Dingen einen halbwegs sicheren Grundgehorsam.

Was das Thema Spielen angeht:

Hunde müssen nicht mit jedem Argenossen spielen können und wollen;)
Wenn er einige Hunde hat mit denen er gern und gut spielt: Alles tutti, aber ihm geht sicherlich nichts ab, wenn sein "Freundeskreis" nicht permanent erweitert wird.

Recht viele Hunde haben sowieso irgendwann keine große Lust mehr mit allen zu spielen, die so auftauchen- rassebedingt findet man manchmal Artgenossen eh eher zum Abgewöhnen^^
Mach´dir da also nicht allzu viele Gedanken.

Was das "Eifersuchts"verhalten angeht...jein.
Er meint entscheiden zu dürfen mit wem du Kontakt hast, weil du ja seine Ressource, sprich Eigentum, bist.

Gibbet nicht.
Wenn du einen anderen Hund oder deine Katze streicheln willst kannst du das gut allein entscheiden und brauchst nicht sein ok;)

Ist aber eine globale Sache- er sollte nicht non-stop hinter dir her laufen z.B.
Gerade unsichere Hunde neigen wahnsinnige dazu ihre Umgebung kontrollieren zu wollen.

Je mehr Kontrolle ich ausübe umso weniger kann mir etwas Angst machen:)

Kennt er schon seinen Platz in der Wohnung?
Wenn nicht würde ich einen fixen Platz einrichten und mit Deckentraining beginnen.

Wenn er dann meint rummoppern zu müssen schickst du ihn auf seinen Platz und fertig.
Draußen geht´s dann ins "Sitz" und ebenfalls fertig.

Grundsätzlich ist es wirklich wichtig, dass der Grundgehorsam (vor allen Dingen das "Sitz") bei unsicheren Hunden erstmal sitzt (haha, Wortwitz!).
Darüber kann ich schon ganz viele kribbelige Situationen nicht immer lösen, aber zumindest so managen, dass keine großen Schäden entstehen:)
 
  • Stressaggression wegen Unsicherheit? Beitrag #3
Hey hey Midoriyuki,

ich danke dir für die ausführliche Antwort. Du hast mir in vielen Dingen schon sehr geholfen.

Abrufbar ist er überraschenderweise schon sehr gut. Meistens. Also die Schleppleine nehme ich eigentlich nur noch mit wenn ich ihn meiner Mam gebe oder so, bei mir kann er auf Grünflächen und sicherem Gelände bereits so laufen und kommt auch MEISTENS. Mir ist mitlerweile aufgefallen, von allen Hunden die dort auf "unserer" Hundewiese so rumtingeln, hört er irgendwie mit am Besten... es muss schon sehr interessant sein, wenn er nicht direkt kommt. Dann kommt er aber kurz darauf. Wirklich abholen musste ich ihn bisher vielleicht eine Hand voll Male..
Wir üben das auch stetig. Aber ich würde sagen... 85 - 90% Abrufbarkeit ist da. :D

Ich muss sagen gestern zum Beispiel war er wieder total seelig. Als er irgendwann kein Bock mehr hatte zu spielen hat er sich auf unsere Decke gelegt und ausgeruht. Nur wenn dann ein Hund direkt an ihm vorbei kam, wurde der eben weggeknurrt. Aber das war auch okay. Solang er nicht übertreibt, finde ich es super wenn er für seine gewollte Ruhe einsteht und sich nicht mehr bis zur totalen Überforderung tot spielen will weil er überall dabei sein muss. Das war nämlich anfangs ein großes Problem, und dann wurde er auch gastig.

Das mit dem sitzen und warten lassen werde ich auf jeden Fall tun. Treffe mich später wieder mit einer Bekannten + Hundefreund. Werde sie direkt impfen, dass sie Nino später erstmal auf Abstand hält, bevor sie sich begrüßen dürfen.

Bezüglich der großen Hunde: Gestern habe ich ihn dann auch gerufen, wenn ein großer Hund da war, der ihm nicht so gepasst hat. Das ging auch gut. Und dann hat er sich auch hingelegt und entspannt. Also das behalte ich dann bei, sehr gut.

Sooo... Zuhause hat er einen Korb, den kennt er auch als seinen Platz und wenn sowas ist, wird er auch bisher immer dahin geschickt. Klappt auch eigentlich ganz gut. Mitlerweile bleibt er sogar manchmal auf Anhieb liegen und kommt nicht direkt wieder kleinlaut angeschleimt.
Nur dann stellt sich mir eine Frage, wielange soll ich ihn da liegen lassen? All zu lange bekommt er das noch nicht hin. (Außer letztens, da bin ich mal aus dem Zimmer raus und hab irgendwas gemacht und als ich wieder kam lag er IMMERNOCH brav da :D das war sensationell, es waren sicher 15 Minuten wo er sich nicht gerührt hat)

Sitz konnte er übrigens von Anfang hat, Platz hatte ich nach zwei Wochen Training auch drin :) das sitzt auch schon wunderbar. Als der Groschen gefallen ist bei ihm, ging es auf einmal wunderbar xD Nur manchmal verwechselt er es. Aber dann korrigiere ich es bzw. lass ihn das korrigieren und erst dann gibt's eine Belohnung.

Grundsätzlich muss ich aber sagen festigt sich mein Gedanke langsam, dass wenn er einen Tag zuvor einen stressigen/anstrengenden Tag hatte, hängt ihm das immernoch nach am nächsten Tag. Als er am Ostersonntag da meine Schwiegermama gebissen hatte hat er den gesamten nächsten Tag verpennt und war zu nix zu gebrauchen. Und jetzt am Sonntag war es irgendwie auch ziemlich stressig für ihn (auch wenn für mich nicht so ganz ersichtlich war wieso, aber gestresst war er dennoch unglaublich), hatte er am Tag drauf überhaupt keine Lust und war ja dann in Folge dessen auch so maulig... ich glaube wenn sowas ist werde ich ihm zukünftig mehr Ruhe einräumen und dann lieber nur spazieren gehen wo es ruhig ist und er nicht soviele Reize abbekommt.

So super, ich danke dir nochmal. Das war wirklich hilfreich. Mal schauen was nun noch so passiert :D, ich finds auf jeden Fall sehr spannend.

Ganz liebe Grüße

schuhkarton
 
  • Stressaggression wegen Unsicherheit? Beitrag #4
Hey,

er ist noch abrufbar, nicht schon:mrgreen:
Wenn du das gut gefestigt bekommst bleibt das vllt. so, aber spätestens, wenn er selbstsicherer wird, wird er häufiger mal testen, ob das denn jetzt wirklich sein muss;)

Ich würde ihn reinschicken, kurz warten bis er relativ ruhig ist und dann darf er wiederkommen:)
Die meisten Hunde sind nach einer kurzen Auszeit von wenigen Minuten meistens schon wieder entspannter^^

Zum Stress: Jau, so sieht´s aus.

Die meisten Hunde sind in der entsprechenden Situation häufig recht unauffällig und man merkt erst am nächsten Tag wie gestresst sie eig. waren.
Daher macht es auch Sinn immer mal wieder Tage einzubauen wo wirklich gar nichts/wenig passiert damit die Hunde eben die Zeit haben auch mal durchzuatmen.

Dauerstress tut niemandem gut:)
 
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