Ich finde es gibt mindestens zwei Arten des "bereit seins" und in der Regel ist es ein Zusammenspiel beider "bereit seins", was die Entscheidung für ein Kind auslöst.
Bei den einen ist es eine fast rein rationale Entscheidung, bei den anderen eine rein emotionale Entscheidung und bei vielen eine gesunde Mischung aus beidem.
Als Erstes wäre da die rationale Art des "bereit seins" - hierunter fallen für mich wohnliche Situation (langfristige Gedanken wie Kita, Spielplätze, Verkehrsanbindung etc. pp mit dabei), finanzielle Situation und grundsätzliche Umfeldsituation (Freundeskreis, Familie etc.). Hier wird es selten jemand geben, der in allen Kategorien fünf Sterne erreicht und für jedes Problem gleich zwei Lösungen parat hat. Ich finde es kommt hier vor allem auf das Bewusstsein an, was es heißt einen kleinen Menschen in sein Leben zu lassen und wie genau sich das eben wohnlich, finanziell und im Umfeld auswirkt. Meiner Meinung nach sollte man nicht zuviel planen und sich zuviele Gedanken machen, denn erstens kommt es meistens anders und zweitens als man denkt. Man kann auch mit zwei unbefristeten Jobs mit Nettoeinkommen über 2000€, einer Eigentumswohnung, einer großen, hilfsbereiten Familie und anderen "Sicherheiten" plötzlich vor unlösbaren Problemen stehen in Bezug auf den kleinen Menschen, den man sich in sein Leben geholt hat. Sicher ist vieles einfacher, wenn man Geld und Sicherheit hat, aber eine Garantie ist es nicht. Und nur aus Angst dann keine Kinder zu bekommen, halte ich für sehr schade und auch irgendwie für "typisch deutsch"...:eusa_shhh: Somit gibt es hier eine sehr große Bandbreite des "bereit seins" - kreative, lockere Lebemenschen entscheiden sich mit viel weniger Sicherheit und Rückhalt für ein Kind als es eben die kontrollierenden, alles abcheckenden Kopfmenschen tun und ich denke nicht, dass irgendjemand dabei wirklich falsch entscheidet!
Geh also in dich, sprich mit deinem Freund und geht mal alle Punkte durch. Fragt euch mit was ihr euch noch gut fühlt und was euch Bauchschmerzen macht, mit wieviel Ungewissheit könnt ihr leben? Wie reaktionsfähig und kreativ seid ihr? Welche Menschen habt ihr um euch? Welche dauerhaften Kompromisse und Abstriche könnt ihr akzeptieren und leben? Seid ehrlich zu euch selbst und miteinander und dann findet ihr schon raus, ob ihr in diesem Punkt "bereit seid".
Der zweite Punkt, ist das emotionale "bereit sein". Wie ausdauernd und tief ist der Wunsch nach einem Kind? Ist es nur das schöne Kribbeln und das warme Gefühl ums Herz, wenn man in die strahlenden Augen eines kleinen Menschen schaut? (kleine Menschen müssen das bei uns große Menschen auslösen, damit sich jemand kümmert, somit ist das eine reine situationsbedingte Hormonreaktion und kein echter Kinderwunsch in den meisten Fällen

) Oder ist da mehr?
Ich für mich habe oft genug oberflächliche, emotionale Kinderwunschmomente, obwohl ich tief in meinem Inneren weiß, dass ich keine Kinder will und keine Kinder haben werde. Ich kann mich nur auch nicht immer ganz gegen meine Biologie wehren, die dann doch mal ausgelöst wird, wenn so ein kleiner Mensch herzzerreißend weint oder glückselig lächelt.

Das ist aber genauso schnell vorbei wie es kommt...und nach einem Abend Babysitten hab ich meinen Soll an Kuscheleinheiten und Kinderaktivitäten für den Rest der Woche absolviert. :lol: Alleine der Gedanke immer ein Kind um mich zu haben, ist für mich mehr negativ als positiv und auch der Grund warum mein Leben so ganz und gar nicht mit dem Thema Kind kollidiert.
Also geht auch hier in euch. Wägt ab, was genau den Kinderwunsch auslöst, woher der kommt und wie stark der ist! Und redet vor allem miteinander, auch und gerade über eher negative Assoziationen zum Thema Kind und eventuelle Bedenken, persönliche Eindrücke etc. Und wie Seraph schon sagte, merkt man das emotionale "bereit sein" ziemlich gut...ich erinnere mich nur zu gut an die vielen glasigen, vollkommen erleuchteten Blicke meiner Freundinnen und Bekannten, wenn sie mir sagten sie seien schwanger. Da sprang mir das emotionale "bereit" gerade zu ins Gesicht...:mrgreen:
Ich will hier weder sagen, dass ihr es lassen solltet, noch dass ihr es umbedingt machen solltet.
Ich hoffe, ich konnte aber Denkanstöße liefern und euch helfen rational wie emotional zu einer Entscheidung zu finden, die dann sicher in ein paar Jahren auch wieder anders aussehen kann.