- Angst Beitrag #1
Tompina
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Die erste Welle der Angst erfasste sie ziemlich unvorbereitet. Das plötzliche Zittern ihrer Hände, der kalte Schweiß und das fast schmerzhafte Rumoren in ihrem Bauch. Sie fühlte sich vollkommen hilflos und ausgeliefert. So hatte sie sich noch nie zuvor gefühlt.
Nicht, als sie das erste Mal auf dem Zehn-Meter-Turm im Schwimmbad gestanden hatte, ihre Beine schwer wie Blei geworden waren, ihr Herzschlag dumpf und laut in ihren Ohren gedröhnt hatte und ihr Blick wie festgenagelt an der glatten Wasseroberfläche geklebt hatte. Nicht, als sie neben ihrem Bruder auf dem Beifahrersitz des Porsche bei Tempo 230 über die Autobahn gerast war und sie an nichts anderes hatte denken können, als an das ekelhafte Geräusch, welches es geben würde, wenn das Auto in die Leitplanke knallen würde. Nicht, als sie beim Eislaufen auf dem See vor dem Haus ihrer Großeltern eingebrochen war, die Kälte sie ruckartig umschlossen hatte und ihr heiseres Rufen erst nach einer gefühlten Ewigkeit Gehör gefunden hatte.
Die zweite Welle der Angst war dann schon gepaart mit den ersten Zügen erschrockener Erkenntnis. Das Zittern ihrer Hände verstärkte sich und der kalte Schweiß rann ihr inzwischen in wahren Sturzbächen den Nacken hinunter Richtung Rücken. Es war ein widerliches Gefühl und es lenkte sie einen kurzen Moment von der Gefahr ab, die nur wenige Meter vor ihr auf der nächtlichen Straße stand. Und das, was da vor ihr stand war gefährlich. Lebensgefährlich. Es hatte nur Sekunden gedauert bis sie das begriffen hatte. Bis ihr klar geworden war, dass sie sterben würde. Hier und jetzt. Bis die Erkenntnis die Angst ablöste um dann augenblicklich in Panik umzuschlagen.
Die dritte Welle der Angst war also nicht mehr als blankes Entsetzen. Sie hechelte und keuchte, obwohl sie schon lange keine Luft mehr bekam. Sie wollte schreien, aber nur ein leises Krächzen kam über ihre Lippen. Sie wollte fliehen, wegrennen, die Gefahr hinter sich lassen, aber ihre Füße klebten am Boden. Ihr hilfloses Zucken war kein echter Fluchtversuch, nur ein jämmerliches Hinauszögern des Unausweichlichen. Ihre Gedanken rasten und ihr wurde schwindelig. Schwindelig vor Angst. Sie sehnte sich nach dem bleiernen Gefühl auf dem Sprungbrett, dem hysterischen Herzrasen im Auto ihres Bruders oder dem entkräfteten und doch hoffnungsvollen Kampf im Eisloch. Sie wollte nicht sterben. Nicht hier, nicht heute, nicht so. Nicht so hilflos und ausgeliefert. Nicht so unausweichlich und perspektivlos.
Aber noch bevor die vierte Welle der Angst sich zu erneuter Panik steigern konnte, noch bevor das Zittern ihrer Hände den Höhepunkt erreichte, noch bevor ihre gesamte Kleidung getränkt war von eiskaltem Schweiß und noch bevor das schmerzhafte Ziehen und Drücken in ihrer Magengegend sie aufstöhnen lassen konnte, war es vorbei. Das schreckliche Gefühl der Hilflosigkeit ging über in ehrliche Erleichterung. Das Ausgeliefertsein war urplötzlich nicht mehr als eine verebbende Empfindung. Und sie atmete ein letztes Mal befreit aus, als der Tod sie schnell und ohne länger zu zögern ereilte. Ihr blutleerer Körper sank zu Boden und das Lächeln auf ihren toten, blassen Lippen widersprach vollkommen dem schrecklichen, brutalen Sterben.
Nicht, als sie das erste Mal auf dem Zehn-Meter-Turm im Schwimmbad gestanden hatte, ihre Beine schwer wie Blei geworden waren, ihr Herzschlag dumpf und laut in ihren Ohren gedröhnt hatte und ihr Blick wie festgenagelt an der glatten Wasseroberfläche geklebt hatte. Nicht, als sie neben ihrem Bruder auf dem Beifahrersitz des Porsche bei Tempo 230 über die Autobahn gerast war und sie an nichts anderes hatte denken können, als an das ekelhafte Geräusch, welches es geben würde, wenn das Auto in die Leitplanke knallen würde. Nicht, als sie beim Eislaufen auf dem See vor dem Haus ihrer Großeltern eingebrochen war, die Kälte sie ruckartig umschlossen hatte und ihr heiseres Rufen erst nach einer gefühlten Ewigkeit Gehör gefunden hatte.
Die zweite Welle der Angst war dann schon gepaart mit den ersten Zügen erschrockener Erkenntnis. Das Zittern ihrer Hände verstärkte sich und der kalte Schweiß rann ihr inzwischen in wahren Sturzbächen den Nacken hinunter Richtung Rücken. Es war ein widerliches Gefühl und es lenkte sie einen kurzen Moment von der Gefahr ab, die nur wenige Meter vor ihr auf der nächtlichen Straße stand. Und das, was da vor ihr stand war gefährlich. Lebensgefährlich. Es hatte nur Sekunden gedauert bis sie das begriffen hatte. Bis ihr klar geworden war, dass sie sterben würde. Hier und jetzt. Bis die Erkenntnis die Angst ablöste um dann augenblicklich in Panik umzuschlagen.
Die dritte Welle der Angst war also nicht mehr als blankes Entsetzen. Sie hechelte und keuchte, obwohl sie schon lange keine Luft mehr bekam. Sie wollte schreien, aber nur ein leises Krächzen kam über ihre Lippen. Sie wollte fliehen, wegrennen, die Gefahr hinter sich lassen, aber ihre Füße klebten am Boden. Ihr hilfloses Zucken war kein echter Fluchtversuch, nur ein jämmerliches Hinauszögern des Unausweichlichen. Ihre Gedanken rasten und ihr wurde schwindelig. Schwindelig vor Angst. Sie sehnte sich nach dem bleiernen Gefühl auf dem Sprungbrett, dem hysterischen Herzrasen im Auto ihres Bruders oder dem entkräfteten und doch hoffnungsvollen Kampf im Eisloch. Sie wollte nicht sterben. Nicht hier, nicht heute, nicht so. Nicht so hilflos und ausgeliefert. Nicht so unausweichlich und perspektivlos.
Aber noch bevor die vierte Welle der Angst sich zu erneuter Panik steigern konnte, noch bevor das Zittern ihrer Hände den Höhepunkt erreichte, noch bevor ihre gesamte Kleidung getränkt war von eiskaltem Schweiß und noch bevor das schmerzhafte Ziehen und Drücken in ihrer Magengegend sie aufstöhnen lassen konnte, war es vorbei. Das schreckliche Gefühl der Hilflosigkeit ging über in ehrliche Erleichterung. Das Ausgeliefertsein war urplötzlich nicht mehr als eine verebbende Empfindung. Und sie atmete ein letztes Mal befreit aus, als der Tod sie schnell und ohne länger zu zögern ereilte. Ihr blutleerer Körper sank zu Boden und das Lächeln auf ihren toten, blassen Lippen widersprach vollkommen dem schrecklichen, brutalen Sterben.