Hallo,
mein herzliches Beileid zu deinem Verlust, ich kann ihn gut nachvollziehen.
Ich hab Anfang Mai meinen Kater einschläfern lassen müssen. Er ist mein Seelentier und dementsprechend hart ist es.
Die Entscheidung selbst viel mir letztlich nicht schwer. Leider musste er jedoch länger leiden, als unbedingt nötig, da die Tierklinik nicht so gut gearbeitet hat und plötzlich doch im Raum stand, dass es etwas Heilbares sein könnte. Um den Kater weiteren Stress zu ersparen, haben wir dann zusammen mit meiner Haustierärztin die Behandlung begonnen, die leider aber nichts nützte. Wir mussten 2,5 Monate später dann doch feststellen, dass es keinen Sinn mehr hatte.
Die lange, unnötige Behandlungsphase hätte ich ihm lieber erspart.
Die ersten Tage waren wahnsinnig schwer. Ich hab nur geweint. Letztlich hab ich mich dann irgendwann zusammen reißen müssen, weil das Weinen selbst so ermüdend war. Ich hatte tagelang Kopfschmerzen, die zu der Trauer selbst noch hinzu kamen.
Irgendwann hab ich angefangen mir stupide Arbeiten zu suchen. Ich hab beispielsweise Unkraut von meiner Terrasse entfernt. Das erforderte keine große Konzentration, zu der ich sowieso nicht in der Lage war, war aber dennoch genug Ablenkung, um mich vom ständigen Weinen abzuhalten.
Nachts sah es anders aus, da konnte ich oft nicht schlafen, die Gedanken kreisten.
Ich selbst hatte nicht das Problem, dass ich allein zu Hause war, da ich weitere Katzen haben. Sie haben gemerkt, dass es mir nicht gut ging und haben vermehrt meine Nähe gesucht.
Das hat mich die erste Zeit ehrlich gesagt überfordert. Ich konnte es so richtig nicht zu lassen, musste mich stattdessen voll in meiner Trauer suhlen.
Die Vorstellung, eine neue Katze dazu zu holen, fand ich persönlich furchtbar. Ich wurde von anderen sehr schnell gefragt, ob wieder eine einzieht. Das empfand ich persönlich als sehr pietätlos, auch wenn es von den anderen sicherlich nicht so gemeint war.
Für mich persönlich hätte es schlicht und ergreifend einen ganzen faden Beigeschmack von Ersatz, selbst wenn ich den eventuellen Neueinzug nicht mit Chico vergleichen würde.
Gerade in der Beziehung ist aber jeder anders und jede Situation ist anders. Da kann dir niemand sagen, was richtig oder falsch ist, weil es einfach kein richtig oder falsch gibt.
Du selbst kannst nur wissen, ob und wann du bereits bist, einen anderen Hund in dein Herz zu lassen.
Ich rate dir aber, es nicht zu überstürzen. So lange du noch Zweifel hast, wirst du dich vermutlich sowieso nicht für einen Hund entscheiden können. Und wenn du dich für einen entschieden hast, weil es sich richtig anfühlt, dann ist es das auch.
Niemand kann dir raten, was du tun kannst oder sollt. Auch der Umgang mit Trauer selbst ist etwas vollkommen individuelles. Du kannst nur selbst für dich herausfinden, womit du zurecht kommst und was dir gut tut bzw, sich richtig anfühlt.
Ganz wichtig ist, lass dir von niemanden dazu reinreden. Keines deiner Gefühle ist falsch und niemand außer dir, kann sich dazu ein Urteil bilden.
Ich wünsch dir ganz viel Kraft für die nächste Zeit.
LG