Hallo,
gibt es eine Vermutung warum es bei deinem Kater zu diesen Problemen kam? Je nachdem können sich verschiedene Konzepte eignen um deinem Kater optimal zu helfen.
Zu einer Kristallbildung kommt es aus verschiedenen Ursachen (Es existieren verschiedene Theorien und die Studienlage ist nicht eindeutig, so das nicht fĂŒr alles eine untermauerbare Evidenz vorliegt. Aber es ist m.E. auf jeden Fall sinnvoll diese Faktoren möglichst grĂŒndlich zu berĂŒcksichtigen.). Meist sind mehrere Faktoren entscheidend, das erklĂ€rt auch warum es manchmal etwas dauert bis die Tiere erkranken. Es kommt oft immer mehr hinzu und irgendwas ist der Punkt erreicht an dem es zu offensichtlichen Symptomen kommt. Das physikalische Prinzip ist einfach: Das Gleichgewicht der eigentlich in der FlĂŒssigkeit gelösten Stoffe ist zugunsten im Urin verschoben und durch diese ĂbersĂ€ttigung des Harns bilden sich die Kristalle.
Eine wichtige Rolle spielt hier der pH-Wert des Urins. Dieser hat, abhĂ€ngig von der Tierart, einen ganz bestimmten Wert. Beeinflusst wird er maĂgeblich durch die Mineralstoffzusammensetzung des Futters. Besonders wichtig sind hierbei Kalzium, Magnesium, Chlorid und Schwefel. Der pH-Wert kann in beide Richtungen beeinflusst werden. Sowohl ein zu hoher als auch ein zu niedriger pH-Wert fördern Kristallation jeweils unterschiedlicher Substanzen und damit ist beides problematisch.
ZusĂ€tzlich werden ĂŒberschĂŒssig aufgenommene Mineralstoffe teilweise ĂŒber den Urin aus dem Körper ausgeschieden. Hierbei gibt es ein komplexes Zusammenspiel der verschiedenen NĂ€hrstoffe die sich unterschiedlich beeinflussen und so zu einer entsprechenden Aufnahme und Ausscheidung fĂŒhren können. Je mehr Mineralstoffe ausgeschieden werden (mĂŒssen) desto höher ist das Risiko dass es zu einer ĂbersĂ€ttigung und damit einer Kristallbildung kommt.
DafĂŒr entscheidend ist natĂŒrlich auch die Menge an FlĂŒssigkeit. Je mehr FlĂŒssigkeit, je weniger konzentriert der Urin desto besser lösen sich andere Stoffe. Hier hat Beispielsweise Nassfutter den Vorteil dass es bereits mehr FlĂŒssigkeit enthĂ€lt, aber auch andere Varianten (z.B. Wasserzugabe, Wasser mit Geschmack, Protein, Salz und Fasergehalt) können die FlĂŒssigkeitsaufnahme und Ausscheidung beeinflussen. HierfĂŒr sollte die sog. Spezifische Dichte des Urins regelmĂ€Ăig kontrolliert werden. Achtung! DafĂŒr eignet sich das Feld auf den Harnstreifen nicht, das ist nicht zuverlĂ€ssig.
Stress ist bei der Katze nicht zu unterschĂ€tzen. Stress allein kann BlasenentzĂŒndungen auslösen. EntzĂŒndungsprodukte stehen im Verdacht Kristallbildung zu fördern, da sie als Anlagerungsstelle fĂŒr die Kristalle dienen können. Eine ĂberprĂŒfung und Anpassung der Haltung kann sich daher lohnen. Insbesondere gilt dies natĂŒrlich auch fĂŒr das Management der Toiletten. Hier sind Katzen sehr anspruchsvoll und sie können mit dem Alter immer anspruchsvoller werden. Wer nicht gerne aufs Klo geht setzt seltener Urin ab â das ist absolut kontraproduktiv.
Bewegung fördert den Urinabsatz und mindert Stress. Ăbergewicht, falls vorhanden, muss unbedingt reduziert werden. Es mindert nicht nur die Bewegung sondern fördert auch EntzĂŒndungen. Auch die Gesundheit des Bewegungsapparats ist absolut entscheidend. Schmerzen z.B. durch Arthrose können die HĂ€ufigkeit des Toilettengangs reduzieren.
Harnwegsinfekte mĂŒssen ausgeschlossen werden. Sie sind bei der Katze eher selten die Ursache, aber bestimmte Bakterien beeinflussen den pH-Wert und können zudem auch als Kristallbildungsgrundlage dienen. Eine Bakterienkultur aus Urin welcher direkt aus der Blase entnommen wird ist daher sehr wichtig.
Was das Futter selbst angeht bleiben verschiedene Optionen:
- Kommerzielle DiĂ€ten: Es muss natĂŒrlich das passende Futter fĂŒr die entsprechenden Kristalle ausgewĂ€hlt werden, teilweise muss man zwischen steinauflösenden und vorbeugenden Futtermitteln unterscheiden. Das ist wichtig bezĂŒglich der Dauer der FĂŒtterung, sonst können andere Kristallarten gefördert werden. Diese DiĂ€ten berĂŒcksichtigen in der Regel in ihrer Zusammensetzung mehrere der oben genannten Punkte und auch die Wechselwirkungen der verschiedenen NĂ€hrstoffe und Faktoren untereinander. Bei der Bewertung der Zusammensetzung sollte man immer im Hinterkopf behalten dass es nicht unbedingt sinnvoll ist die MaĂstĂ€be der optimalen ErnĂ€hrung einer gesunden Katze anzulegen.
- Selbst zusammengestellte Ration: Hier kann man oben genannte Faktoren mit der Wunschvorstellung von Besitzer und Katze optimal kombinieren. Aufgrund der KomplexitĂ€t wĂŒrde ich bei der Zusammenstellung eines Futters fĂŒr ein krankes Tier immer eine tierĂ€rztliche ErnĂ€hrungsberatung empfehlen.
- Pasten: HarnansĂ€uernde Pasten basieren in der Regel auf Methionin. Das ist eine AminosĂ€ure, also bei Baustoff des EiweiĂ die vom Körper benötigt wird. In gröĂeren Mengen wird sie ĂŒber den Urin ausgeschieden und sĂ€uert diesen an. Dies ist etwas problematischer als die AnsĂ€uerung ĂŒber Mineralstoffe, da die KapazitĂ€ten der Ausscheidung schneller ĂŒberlastet sind und die Balance vom Körper nicht so prĂ€zise gesteuert wird wie die der Mineralstoffe. Auch Blut hat ein pH-Wert der verĂ€ndert werden kann, kein Effekt den man haben möchte. Die AminosĂ€ure ist vor allem in Fleisch enthalten, das heiĂt wenn die Katze bereits sehr fleischlastig ernĂ€hrt wird (was bei einem Fleischfresser ja prinzipiell wĂŒnschenswert ist) kann ein Zusatz problematisch und mit Nebenwirkungen belastet sein. Insbesondere bei Leber- aber auch bei Nierenerkrankungen kann eine Zufuhr ĂŒber dem Bedarf nochmal sehr viel problematischer sein. Sehr hilfreich sind Pasten wenn man Katzen hat die sich gar nicht von einem anderen notwendigen Futter ĂŒberzeugen lassen. Man sollte sie mit Bedacht einsetzen.
Welche Option fĂŒr deinen Kater optimal ist von eurer Ausgangssituation abhĂ€ngig. Die wichtigsten Entscheidungsfaktoren sind die Möglichkeit der Behebung der Ursachen, dein Kater muss das Futter vertragen und mögen und es muss fĂŒr dich umsetzbar sein.
UnabhĂ€ngig von deiner Futterwahl solltest du aber die anderen Faktoren nicht auĂer acht lassen (und diese werden gerne vergessen oder dauerhaft nicht eingehalten, weil es doch etwas mehr Umstand ist als nur ein anderes Futter zu geben) damit deinem Kater auch langfristig geholfen ist. Gute Besserung wĂŒnsche ich ihm auf jeden Fall!