- Mein Hund hat Angstzustände ? Beitrag #21
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Shoppy
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Okay,
ich habe mich unschön ausgedrückt, aber ich kann das eben noch nicht so eindeutig wie Ute:mrgreen: . Ich versuches noch mal, ich hoffe es wird dann klarer, was ich meine. Glaub mir, so weit voneinander weg sind wir ja gar nicht!
Also:
Der Thread hat mit einem Welpen angefangen, der frisch aus Irgendwo kommt, Angst vor Allem und Jedem hat dafür aber noch keinerlei Bindung zu seinem Menschen. Das er diesem vertrauen kann, muß er erst noch lernen.
Ich habe keine Ahnung, was das für eine Rasse ist, aber ich nehme mal ein typisches Beispiel, dass mir als Mensch mit einem Großen Hund seeeehr auf die Nerven geht:
Martina geht mit Crispen (Rhodesian Ridgeback, groß, braun, Muskeln wie ein Radrennfahrer) spazieren. Hausfrauchen kommt mit Zwerghundwelpi, sieht mich, großes P in den Augen, wirft sich auf den Welpi, reißt es vom Boden hoch, schimpft auf mich und versucht mit der freien Hand, den Welpi "beruhigend" zu streicheln und säuselt zwischen durch vielleicht auch noch irgendetwas auf ihn ein.
Hier ist es ziemlich eindeutig. Hund trabte neugiereig durchs Leben und wird plötzlich von einem sehr erregten Frauchen, in einen Panikraum (an Frauchens wild pochendes Herz) gepreßt.
Frauchen hat Angst, dass der Crispel noch nicht gefrühstückt hat und am liebsten kleine Yorkies frisst (stimmt aber nicht, zu viele Haare, nicht genug Fleisch dran - Crispel will Mops!) - und dann passiert die Stimmungsübertragung genau wie man sie nicht will. Hund bekommt Angst, weil Frauchen Angst hat und irgendwann verknüpft er das mit Großen Hunden, und ausserdem wird natürlich auch gar nicht erst auf sie sozialisiert, womit zwei Faktoren (Frauchen hat Panik / Fremde Sachen sind sowieso angsteinflößend) zusammenkommen und sich prima zu einem riesen Problem ergänzen.
Situation andersherum.
Martinas Crispel ist über Nacht in einen Rehpinscher verwandelt worden (ohje!). Weil ICH aber auf große Hunde sozialisiert bin, habe ich kein Problem mit ihnen und auch keine Angst, dass mein Mini-Crispel mit denen mal spielt und auch vielleicht mal umgerannt wird. Ich weiß eben aus Erfahrung, dass Hunde sich auf die Möglichkeiten ihres Spielpartners einlassen können, und self-handicaped spielen. Öfter mal hat das auch schon ganz gut geklappt und Mini-Crispel hat auch keine Angst und bei mir fühlt er sich auch sicher, weil ich ihm schon durch brenzliche Situationen (wie, später) durchgeholfen habe. Jetzt sind wir also wieder mal auf der Hundewiese und geraten in eine Hundegruppe, von denen einige Hunde nicht so nett sind und anfangen andere Hunde (Crispel) zu mobben. Ich könnte jetzt soverän, wie ich bin, einfach weiter meines Weges trollen und hoffen, dass das Crispelbaby schon irgendwie meiner Sicherheit folgt und ebenso sicher und gestärkt aus der Übung hervorgeht. Je nach Situation, Anzahl der Hunde, und Gruppendynamik mache ich das vielleicht auch genau so. Oder ich könnte mich zwischen meinen Hund und den Mobber stellen (wenn es z.B. nur einer ist), oder ich könnte dazugehörigen HuHa, fragen ob er mal kurz seinen Hund zurück rufen könnte, denn oft reicht ja schon eine kleine Unterbrechung aus.
Wenn das aber alles nicht geht, oder mehrere Hunde zusammen ein Mobbingteam bilden, werde ich ganz sicher den Crispel aus dem Gewühl fischen und mich mit ihm auf dem Arm davon machen, oder wieder, je nach Situation, stehen bleiben und ihn nach einer Weile wieder runterlassen. Das sagt mir mein Hund schon, wann er mit einer Situation klar kommt und wann nicht.
Anders Beispiel: Crispel und das Einkaufszentrum. In der Welpenschule haben wir uns einmal im Rheinruhrzentrum in Essen getroffen. Es ist schon ziemlich schwierig in das Ding überhaupt erstmal reinzukommen, wenn 100% der Dinge, die dieses Gebäude ausmachen, völlig neu und daher angsteinflößend sind. Schon die Tür war völlig doof. Die bewegte sich plötzlich auf und wieder zu. Der Moment, den man brauchte, um die Angst durchzugehen zu überwinden, war zu kurz, dann ging sie schon wieder zu, und wenn man sich inzwischen nähergetraut hatte, war man nicht mehr im Bereich der Lichtschranke, so dass sie auch nicht wieder auf ging. Das ständige vor und zurück hat den armen Kerl nur noch mehr verwirrt. Also habe ich den Wurm auf den Arm genommen und bin ein paar mal mit ihm durch die Tür rein und raus gegangen. Drinnen ist gefließt - oh wie scheiße. Aber nun waren wir drin und wir haben sehr lange sehr vielen Leuten im Weg gestanden, weil er einfach auf diesen Fliesen erst Laufen lernen mußte. Zum Glück war es schon spät, nicht mehr so viele Kunden da und noch viiiiiel Zeit, um den eigentlichen Kurs zu treffen. Also haben wir uns eine Bank gesucht und uns das ganze erst mal angeguckt. Crispel hat sich zwischen meine Beine gequetscht und hat erst mal gar nichts gemacht. Nach einer Weile hat er aber angefangen, sich umzusehen. Wenn sein Erregungsniveau Leckerchen nehmen zu gelassen hat, hat er Leckerchen bekommen. Als die nette Frau mit dem Riesigen Roten Hut, Montel und bunten Einkaufstüten kam und wissen wollte, was das für eine tolle Hunderasse sei, war das schon wieder sovielzuviel, dass er selber Körperkontakt gesucht hat "Mama, bitte Ohrmassage, Danke!". Nachdem ich ihr erklärt hatte, wo RRs herkommen und wofür sie mal gezüchtet wurden, blablabla, fand Crispel die Frau ungefährlich genug, mal schnuppern zu gehen und ihre Hand abzuschlecken.
Und all das gefährliche Zeug, was wir an dem Tag noch alles gemacht haben (Aufzug fahren, Treppen mit Durchseh-Stufen rauf und runtergehen, Gitterroste überqueren) - dass der Hund keinen Herzkasper bekommen hat, erstaunt schon etwas.
Was ich damit sagen will ist: ich meide Situationen nicht, die potentiell oder real angstauslösend sind. Aber ich veruche sie so zu dosieren, dass mein Hund die Chance hat, damit fertig zu werden. Ich plädiere nicht dafür (ich hoffe, dass mit dem ersten Beispiel verdeutlicht zu haben) Hunde ständig auf den Arm zu nehmen und zu HÄTSCHELN. Hier haben meiner Meinung nach auch ehr die Halter Angst als die Hunde selber.
Wenn ich eine Situation nicht kontollieren kann und mein Hund macht sich vor Angst ins Fell, nehme ich ihn aber da raus. Aber das ist SITUATIONSbezogen.
NATÜRLICH kann ich diese Situation nicht zukünftig meiden.
Um meinem Hund die Angst vor dieser Situation, zu nehmen muß ich diese aber so veruchen zu managen, dass er sie auch tatsächlich bewältigen kann.
Und dazu muß ich irgendwas so verändern, das nicht gleich die geballte Ladung über ihn weg rollt. Und er muß vorher wissen, dass er mir vertrauen kann und ich muß irgendetwas haben, dass meinem Hund bei einer Panikattacke (oder bei Fühlen des Anrollens derselben) in eine andere Stimmung versetzen kann.
Angenommen, er hat Angst vor Autos, dann stelle ich mich nicht neben die Autobahn und bin cool, soverän und gelassen, bis mein Hund verstanden hat, dass Autos ungefährlich sind.
Ich nehm stattdessen ein Strasse, wo nur wenige Autos fahren und wo ich den Abstand zu Strasse "dosieren" kann.
Und super wichtig!!!! Vorher sollte ich den Hund auf irgendein Entspannungssigal konditioniert haben.
Jetzt sitzen wir also auf der Wiese und harren der Autos, die da kommen und als erstes bekommt er also den Entspannungsmarker. Kommt ein Auto vorbei gefahren, bin ich hoffentlich in der Entfernung in der der Hund das Auto wahrnimmt, aber es noch gut händeln kann, zb. noch auf Ansprechen reagiert, oder noch irgendeine Übung ausführen kann. Wenn das gut klappt und er mehrere Autos gut Überstanden hat, kann man sich ja mal näher heran wagen.... Das Problem ist, das man tatsächlich Situationen mit denen der Hund vollkommen überfordert wäre, meiden muß.
Plötzliches, kurzzeitiges Erschrecken ist für mich übrigens was anderes. Wenn sich ein Hund mal kurz über ein runterfallendes Irgendwas aufregt, bewirkt ja seine hoffentlich gute Sozialisation, dass er den "Schock" innerhalb von Sekunden verdaut.
Noch mal:
Angst ist ein Gefühl. Gefühle hat man. Ich kann Gefühle mit anderen Sachen verknüpfen.Mit guten oder mit schlechten Sachen. Wir sind uns bestimmt einig, dass Angst nicht bestraft gehört. Und zwar weil der Hund ZUSÄTZLICH zu seiner Angst dann auch noch Angst vor Strafaktionen mit dem Angstauslöser (und oder seinem Menschen) verknüpft. Dass das Kontraproduktiv ist, ist sicherlich einleuchtend.
Der Hund, den ich füttere, während er Angst vor Autos hat, denkt nicht: "Oh Supi, da werde ich wohl mehr Angst vor Autos entwickeln!" Sofern er seine Angst so gering ist, dass er überhauprt noch fressen kann, bewirke ich damit eine STIMMUNGSÄNDERUNG, weil Futter (oder der Entspannungsmarker), oder die Entspannungsmassage POSITIV belegt sind und damit die Situation für den Hund positiver wird.
Die Leute die Hunde tätscheln, oder mit aufgeregt hoher Stimme beruhigen wirklich nicht, weil sie ja selber aufgeregt sind. Aber wenn Du tatsächlich souverän bist , kannst Du deinen Hund auch anfassen oder ansprechen und du wirkst immer noch so. Bist Du es nicht, kannst Du auch im Stechschritt durch die Situation durchgehen, und du bist es eben trotzdem nicht - auch dass ist für den Hund klar als Fluchtverhalten zu lesen.
Das Beispiel mit dem Tunnel ist übrigens Super, sanni. Du hast nicht gehätschelt, aber Du hast Deinem Hund "Halt" gegeben (im wahrsten Sinn des Wortes) und du warst BEI ihm, Du hast seine Angst NICHT ingoriert und Du hast ausserdem einen Faktor "beseitigt" er mußte sich nicht auch noch selber bewegen. Denn Angst bewirkt was, Flucht oder einfrieren. Flucht ging nicht, einfrieren war aber okay. So ähnlich funktioniert ja wohl das Körperband von TEllington-Jones.
Und glaub mir, wer sich quer durch die Literatur zu UteBB durchgearbeitet hat, fällt bestimmt nicht auf "Irgendwelche-Seminar-Inhalte-Von-Leuten-Die nur-Geldverdienen-wollen" herein. Google mal und mach Dir selber ein Bild von den Qualifikationen.
Liebe Grüße
Martina & Crispen
ich habe mich unschön ausgedrückt, aber ich kann das eben noch nicht so eindeutig wie Ute:mrgreen: . Ich versuches noch mal, ich hoffe es wird dann klarer, was ich meine. Glaub mir, so weit voneinander weg sind wir ja gar nicht!
Also:
Der Thread hat mit einem Welpen angefangen, der frisch aus Irgendwo kommt, Angst vor Allem und Jedem hat dafür aber noch keinerlei Bindung zu seinem Menschen. Das er diesem vertrauen kann, muß er erst noch lernen.
Ich habe keine Ahnung, was das für eine Rasse ist, aber ich nehme mal ein typisches Beispiel, dass mir als Mensch mit einem Großen Hund seeeehr auf die Nerven geht:
Martina geht mit Crispen (Rhodesian Ridgeback, groß, braun, Muskeln wie ein Radrennfahrer) spazieren. Hausfrauchen kommt mit Zwerghundwelpi, sieht mich, großes P in den Augen, wirft sich auf den Welpi, reißt es vom Boden hoch, schimpft auf mich und versucht mit der freien Hand, den Welpi "beruhigend" zu streicheln und säuselt zwischen durch vielleicht auch noch irgendetwas auf ihn ein.
Hier ist es ziemlich eindeutig. Hund trabte neugiereig durchs Leben und wird plötzlich von einem sehr erregten Frauchen, in einen Panikraum (an Frauchens wild pochendes Herz) gepreßt.
Frauchen hat Angst, dass der Crispel noch nicht gefrühstückt hat und am liebsten kleine Yorkies frisst (stimmt aber nicht, zu viele Haare, nicht genug Fleisch dran - Crispel will Mops!) - und dann passiert die Stimmungsübertragung genau wie man sie nicht will. Hund bekommt Angst, weil Frauchen Angst hat und irgendwann verknüpft er das mit Großen Hunden, und ausserdem wird natürlich auch gar nicht erst auf sie sozialisiert, womit zwei Faktoren (Frauchen hat Panik / Fremde Sachen sind sowieso angsteinflößend) zusammenkommen und sich prima zu einem riesen Problem ergänzen.
Situation andersherum.
Martinas Crispel ist über Nacht in einen Rehpinscher verwandelt worden (ohje!). Weil ICH aber auf große Hunde sozialisiert bin, habe ich kein Problem mit ihnen und auch keine Angst, dass mein Mini-Crispel mit denen mal spielt und auch vielleicht mal umgerannt wird. Ich weiß eben aus Erfahrung, dass Hunde sich auf die Möglichkeiten ihres Spielpartners einlassen können, und self-handicaped spielen. Öfter mal hat das auch schon ganz gut geklappt und Mini-Crispel hat auch keine Angst und bei mir fühlt er sich auch sicher, weil ich ihm schon durch brenzliche Situationen (wie, später) durchgeholfen habe. Jetzt sind wir also wieder mal auf der Hundewiese und geraten in eine Hundegruppe, von denen einige Hunde nicht so nett sind und anfangen andere Hunde (Crispel) zu mobben. Ich könnte jetzt soverän, wie ich bin, einfach weiter meines Weges trollen und hoffen, dass das Crispelbaby schon irgendwie meiner Sicherheit folgt und ebenso sicher und gestärkt aus der Übung hervorgeht. Je nach Situation, Anzahl der Hunde, und Gruppendynamik mache ich das vielleicht auch genau so. Oder ich könnte mich zwischen meinen Hund und den Mobber stellen (wenn es z.B. nur einer ist), oder ich könnte dazugehörigen HuHa, fragen ob er mal kurz seinen Hund zurück rufen könnte, denn oft reicht ja schon eine kleine Unterbrechung aus.
Wenn das aber alles nicht geht, oder mehrere Hunde zusammen ein Mobbingteam bilden, werde ich ganz sicher den Crispel aus dem Gewühl fischen und mich mit ihm auf dem Arm davon machen, oder wieder, je nach Situation, stehen bleiben und ihn nach einer Weile wieder runterlassen. Das sagt mir mein Hund schon, wann er mit einer Situation klar kommt und wann nicht.
Anders Beispiel: Crispel und das Einkaufszentrum. In der Welpenschule haben wir uns einmal im Rheinruhrzentrum in Essen getroffen. Es ist schon ziemlich schwierig in das Ding überhaupt erstmal reinzukommen, wenn 100% der Dinge, die dieses Gebäude ausmachen, völlig neu und daher angsteinflößend sind. Schon die Tür war völlig doof. Die bewegte sich plötzlich auf und wieder zu. Der Moment, den man brauchte, um die Angst durchzugehen zu überwinden, war zu kurz, dann ging sie schon wieder zu, und wenn man sich inzwischen nähergetraut hatte, war man nicht mehr im Bereich der Lichtschranke, so dass sie auch nicht wieder auf ging. Das ständige vor und zurück hat den armen Kerl nur noch mehr verwirrt. Also habe ich den Wurm auf den Arm genommen und bin ein paar mal mit ihm durch die Tür rein und raus gegangen. Drinnen ist gefließt - oh wie scheiße. Aber nun waren wir drin und wir haben sehr lange sehr vielen Leuten im Weg gestanden, weil er einfach auf diesen Fliesen erst Laufen lernen mußte. Zum Glück war es schon spät, nicht mehr so viele Kunden da und noch viiiiiel Zeit, um den eigentlichen Kurs zu treffen. Also haben wir uns eine Bank gesucht und uns das ganze erst mal angeguckt. Crispel hat sich zwischen meine Beine gequetscht und hat erst mal gar nichts gemacht. Nach einer Weile hat er aber angefangen, sich umzusehen. Wenn sein Erregungsniveau Leckerchen nehmen zu gelassen hat, hat er Leckerchen bekommen. Als die nette Frau mit dem Riesigen Roten Hut, Montel und bunten Einkaufstüten kam und wissen wollte, was das für eine tolle Hunderasse sei, war das schon wieder sovielzuviel, dass er selber Körperkontakt gesucht hat "Mama, bitte Ohrmassage, Danke!". Nachdem ich ihr erklärt hatte, wo RRs herkommen und wofür sie mal gezüchtet wurden, blablabla, fand Crispel die Frau ungefährlich genug, mal schnuppern zu gehen und ihre Hand abzuschlecken.
Und all das gefährliche Zeug, was wir an dem Tag noch alles gemacht haben (Aufzug fahren, Treppen mit Durchseh-Stufen rauf und runtergehen, Gitterroste überqueren) - dass der Hund keinen Herzkasper bekommen hat, erstaunt schon etwas.
Was ich damit sagen will ist: ich meide Situationen nicht, die potentiell oder real angstauslösend sind. Aber ich veruche sie so zu dosieren, dass mein Hund die Chance hat, damit fertig zu werden. Ich plädiere nicht dafür (ich hoffe, dass mit dem ersten Beispiel verdeutlicht zu haben) Hunde ständig auf den Arm zu nehmen und zu HÄTSCHELN. Hier haben meiner Meinung nach auch ehr die Halter Angst als die Hunde selber.
Wenn ich eine Situation nicht kontollieren kann und mein Hund macht sich vor Angst ins Fell, nehme ich ihn aber da raus. Aber das ist SITUATIONSbezogen.
NATÜRLICH kann ich diese Situation nicht zukünftig meiden.
Um meinem Hund die Angst vor dieser Situation, zu nehmen muß ich diese aber so veruchen zu managen, dass er sie auch tatsächlich bewältigen kann.
Und dazu muß ich irgendwas so verändern, das nicht gleich die geballte Ladung über ihn weg rollt. Und er muß vorher wissen, dass er mir vertrauen kann und ich muß irgendetwas haben, dass meinem Hund bei einer Panikattacke (oder bei Fühlen des Anrollens derselben) in eine andere Stimmung versetzen kann.
Angenommen, er hat Angst vor Autos, dann stelle ich mich nicht neben die Autobahn und bin cool, soverän und gelassen, bis mein Hund verstanden hat, dass Autos ungefährlich sind.
Ich nehm stattdessen ein Strasse, wo nur wenige Autos fahren und wo ich den Abstand zu Strasse "dosieren" kann.
Und super wichtig!!!! Vorher sollte ich den Hund auf irgendein Entspannungssigal konditioniert haben.
Jetzt sitzen wir also auf der Wiese und harren der Autos, die da kommen und als erstes bekommt er also den Entspannungsmarker. Kommt ein Auto vorbei gefahren, bin ich hoffentlich in der Entfernung in der der Hund das Auto wahrnimmt, aber es noch gut händeln kann, zb. noch auf Ansprechen reagiert, oder noch irgendeine Übung ausführen kann. Wenn das gut klappt und er mehrere Autos gut Überstanden hat, kann man sich ja mal näher heran wagen.... Das Problem ist, das man tatsächlich Situationen mit denen der Hund vollkommen überfordert wäre, meiden muß.
Plötzliches, kurzzeitiges Erschrecken ist für mich übrigens was anderes. Wenn sich ein Hund mal kurz über ein runterfallendes Irgendwas aufregt, bewirkt ja seine hoffentlich gute Sozialisation, dass er den "Schock" innerhalb von Sekunden verdaut.
Noch mal:
Angst ist ein Gefühl. Gefühle hat man. Ich kann Gefühle mit anderen Sachen verknüpfen.Mit guten oder mit schlechten Sachen. Wir sind uns bestimmt einig, dass Angst nicht bestraft gehört. Und zwar weil der Hund ZUSÄTZLICH zu seiner Angst dann auch noch Angst vor Strafaktionen mit dem Angstauslöser (und oder seinem Menschen) verknüpft. Dass das Kontraproduktiv ist, ist sicherlich einleuchtend.
Der Hund, den ich füttere, während er Angst vor Autos hat, denkt nicht: "Oh Supi, da werde ich wohl mehr Angst vor Autos entwickeln!" Sofern er seine Angst so gering ist, dass er überhauprt noch fressen kann, bewirke ich damit eine STIMMUNGSÄNDERUNG, weil Futter (oder der Entspannungsmarker), oder die Entspannungsmassage POSITIV belegt sind und damit die Situation für den Hund positiver wird.
Die Leute die Hunde tätscheln, oder mit aufgeregt hoher Stimme beruhigen wirklich nicht, weil sie ja selber aufgeregt sind. Aber wenn Du tatsächlich souverän bist , kannst Du deinen Hund auch anfassen oder ansprechen und du wirkst immer noch so. Bist Du es nicht, kannst Du auch im Stechschritt durch die Situation durchgehen, und du bist es eben trotzdem nicht - auch dass ist für den Hund klar als Fluchtverhalten zu lesen.
Das Beispiel mit dem Tunnel ist übrigens Super, sanni. Du hast nicht gehätschelt, aber Du hast Deinem Hund "Halt" gegeben (im wahrsten Sinn des Wortes) und du warst BEI ihm, Du hast seine Angst NICHT ingoriert und Du hast ausserdem einen Faktor "beseitigt" er mußte sich nicht auch noch selber bewegen. Denn Angst bewirkt was, Flucht oder einfrieren. Flucht ging nicht, einfrieren war aber okay. So ähnlich funktioniert ja wohl das Körperband von TEllington-Jones.
Und glaub mir, wer sich quer durch die Literatur zu UteBB durchgearbeitet hat, fällt bestimmt nicht auf "Irgendwelche-Seminar-Inhalte-Von-Leuten-Die nur-Geldverdienen-wollen" herein. Google mal und mach Dir selber ein Bild von den Qualifikationen.
Liebe Grüße
Martina & Crispen
