- Tagebuch meiner Schwalben Beitrag #1
Kadi
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Heeey,
eigentlich mag ich Wehnachten ja nicht so, aber man kann sich vor Familie und Tradition ja doch nicht retten!!
Also ich habe ein Geschenk für das Tierforum, vielmehr für euch. Wie einige ja sicher schon wissen, habe ich im Sommer 5 Schwalben halbwegs aufgezogen, am Ende leider nur 4...
Nunja, ich habe ein Tagebuch geschrieben und ich hoffe, der ine oder andere hat Langeweile oder kann es bis zur Bescherrung nicht erwarten und liest es sich durch, um sich die Zeit zu vertreiben^^
Also dann halte ich euch nicht länger auf, der Text ist im Original, wie es im Buch steht!
Liebes Tagebuch,
es begann alles damit, dass meine Cousine Andrea aus dem Kuhstall hier im Dorf ein Schwalbennest "ausgeplündert" hat!!! Sie hatte sich eine Mistgabel genommen und das Nest von der Decke geholt, was sie nicht ahnte, dass Nest war noch bewohnt. Vier junge Schwalbenküken blickten sie ängstlich an, eins konnte sich vor dem Sturz retten und saß oben auf einem Gerüstbalken. Andrea war geschockt, was sollte sie jetzt tun? Die Küken ihrem Schicksal überlassen? Nein, das konnte sie nicht!... sie nahm die Küken und setzte sie in ihre Pullovertasche. Gleich darauf schwang sie sich aufs Fahrrad und fuhr los, doch wohin? Sie wusste: Zuhause würde sie keine Hilfe bekommen, also fuhr sie zu mir. Ich ahnte natürlich noch nichts und saß wie meistens am PC. Erst als Mama ins Zimmer reinkam mit einer mehr oder weniger verwirrten Miene, erfuhr ich was Andrea getan hatte. Alle vier Schwälbchen lagen reglos auf einem ausgebreiteten Handtuch. Eine rote Wärmelampe beschien ihr klammes zerzaustes Gefieder. Ich wusch mir die Hände gründlich und sah mir die Vogelbabys etwas genauer an. Sie hatten schon die Augen auf und ihre Daunen entwickelten sich langsam zu schwarzglänzenden Gefieder. Nachdem Andrea auch mir nach und nach erzählt hatte, was sie wiedermal angestellt hatte, überlegte ich was mit den fünften Schwalbe wohl passieren sollte, die saß schließlich noch au dem Gerüstbalken. Das Geschwisterchen dort sterben zu lassen würde ich mir nie verzeihen, also radelte ich geschwind zum Stall, während meine Mutter, meine Schwester und Andrea sich um die Schwalben kümmerten. Ich brauchte nicht lange suchen bis ich in einer der Ställe ein verächtliches Piepsen vernahm, mitten in der Stallgasse lag das kaputte Nest und das Küken war in der Zwischenzeit runtergeplumst und stolperte hilflos an den neugierigen Kühen vorbei. Ich setzte das Küken vorsichtig ins Nest und nahm das Nest auf den Arm. Doch wo sollte ich jetzt damit hin? Ich kam unmöglich an die Stelle hin wo das Nest seinen Platz gehabt hatte. Seufzend entschloss ich mich auch diesen Zwerg mitzunehmen. War es die richtige Entscheidung? Mein Gefühl stimmte mir jedenfalls zu und so begannen drei anstrengende, jedoch für mich unvergessliche Wochen als Schwalbenmutter. Ich kramte einen alten Vogelbrutkasten von meinen Wellensittichen aus und polsterte ihn mit Heu aus, dann setzte ich die fünf Schwalbenküken hinein und befestigte die Rotlichtlampe über dem Nest, natürlich so hoch, das sie nicht verbrüten an der Wärme. Währenddessen erkundigte ich mich im Tierforum nach der Aufzucht, bald bot sich Hilfe an und ich konnte mit meiner Arbeit richtig loslegen. Zuerst mal musste ich ein Notfall-Futter zusammenstellen. Zwei gekochte Eier, davon das Eigelb mit einem Honig-Wasser-Gemisch verrührt und dann zu den Schwalben. Welch ein Kampf! ich war nahe am Verzweifeln, die Schwalben wollten das Futter nicht annehmen. Ich wollte sie natürlich nicht verletzen doch man musste es mit sanfter Gewalt probieren und den Schnabel öffnen - doch Vergebens sie lehnten das Futter strikt ab. Ich gab es schließlich auf mit dem Füttern, bereitete zwei Wärmekissen vor und legte sie um den Brutkasten, damit dieser nicht auskühlte während der Nacht, weil ich die Rotlichtlampe nicht anbehalten konnte. Ich hatte den Brutkasten in meinem Zimmer und bekam die Nacht kaum ein Auge zu, immerzu stand ich auf und schaute nach ob es ihnen "gut" ging.
Liebes Tagebuch,
nach dieser ziehmlich kurzen Nacht war ich einfach nur glücklich das die kleinen Piepser es überstanden hatten, zum Glück war Wochenende, so konnte ich mich den Schwalben voll und ganz witmen. Es war grade mal 5 Uhr morgens als ich die Treppe hinunter ging um erneut das Eigelb-Wasser-Honig Gemisch zuzubereiten. Opa passte das zwar garnicht und er meckerte rum, doch das wa mir egal. Ich hatte keine Zeit zu diskutieren, die Schwalben waren am Verhungern!! Mir fiel wahrlich ein Stein vom Herzen als ich mit einer sauberen Spritze das Futter in die Mäuler der Vögelchen beförderte. Anfangs nahm ich sie in die Hand und musste ihrem Sträuben gegen die blöde Spritze ein Ende machen. Bald waren alle satt und zufrieden. Sie lagen dicht aneinander gekuschelt in ihrem Nest und ich machte die Wärmelampe wieder für sie an, denn im Schwalbennest mussten es immer zwischen 25 und 38 Grad sein, damit die Schwälbchen nicht froren.
Im Laufe des Morgens rief ich beim Tierpark Eekholt an, da Opa immer noch nicht damit einverstanden war, das ich die Schwalben selbst großzog. Der Leiter des Tierparks war am Apparat und erklärte mir, dass sie leider keine Wildvögel mehr aufnehmen, ich sie stattdessen lieber in ein anderes Schwalbennest irgendwo hineinsetzen sollte. Natürlich pro Nest immer nur eine von meinen Schwalben und er sagte, das würde den Schwalbeneltern garnicht auffallen. Ich nahm seinen Rat an und überlegte wo es denn viele Schwalbennester gab, zu dem Kuhstall würde ich unmöglich zurückgehen, denn die Bäuerin kam mir ziehmlich unsympathisch entgegen und sagte mir ich solle mich mit den "dämlichen" Vögeln vom Acker machen. Mir kam meine Freundin in den Sinn, sie wohnt einige Dörfer weiter, jedoch auf einem Bauernhof und ich habe in ihrem Kuhstall schon öfters Schwalben rumsausen sehen. Bevor ich bei ihr anrief, war jedoch schon wieder Fütterungszeit, alle halbe Stunde waren die Piepser am quäken nach Futter.
Man muss die Spritze weit in den Rachen hinein schieben,
damit sich das Küken nicht verschlucken kann
Die Fütterung verlief relativ schnell und ich schnappte mir gleich das Telefon und klingelte bei meiner Freundin durch. Ihre Mutter hörte mir zwar interessiert zu als ich von den Schwalben erzählte, schlug meine Idee die Schwalben in fremde Nester zu setzen jedoch ab. Sie erzählte, dass sie den selben Versuch vor ein paar Jahren ebenfalls mit einer jungen Schwalbe probiert hatte, die Vogeleltern das Waisenkind jedoch immer lieblos aus dem Nest geschubst hatten. Also hatte sich der Plan auch in Luft aufgelöst, was in mir einerseits Traurigkeit andererseits auch Freude auslöste, denn wie oft im Leben hatte man die Chance Vogelmutter zu werden? Der Tag verging ziehmlich schnell mit den Schwalben, ich bin am Nachmittag mit meiner Schwester auf eine Koppel gegangen und habe dort Grashüpfer gefangen. Dazu haben wir uns ein Gefäß mit Deckel mitgenommen, damit uns die flinken Springer nicht so schnell wieder entwischen. Anfangs taten sie mir ganz schön Leid, doch wie heißt es doch im Leben? Fressen und gefressen werden...
Ich wurde, da ich jetzt wichtige Mutterpflichten zu erfüllen habe, von der Schule ersteinmal befreit, doch nur für heute und morgen. Für die darauffolgenden Tage muss ich mir noch etwas einfallen lassen. Immerhin haben Opa und Oma, die ja anfangs total gegen meine Schwalben waren, sich jetzt auch von den drolligen Piepsern verzaubern lassen und somit stehen die Chancen gut, das sie meine Mutterpflichten vomittags übernehmen, während ich die Schulbank drücken muss. Die Schwalben sind übrigens wohlauf und haben ein ganz schön lautes Schreiorgan wenn es um Futterbetteln geht. Sie brauchen nur mein leises Pfeifen hören wenn ich mit Futter komme und sind sofort hellwach und schlingbereit.
Man siehts ihm an, es hat geschmeckt
Gestern wurde noch Eigelbbrei gefüttert, heute beginne ich mit den Grashüpfern. Damit die sich jedoch nicht in unserer Wohnung vermehren habe ich sie am Vortag noch in kochendheißem Wasser verbrüht und eingefroren. Das klingt brutal, doch es ist ein schneller und schmerzloser Tod. Nun mussten sie wieder aufgetaut werden, dazu habe ich noch mal Wasser gekocht, jedoch nicht ganz so heiß, es sollen ja nicht gleich alle Nährstoffe verloren gehen und als sie lauwarm waren bin ich zu meinen Schwalbenkindern mit dem Futter.Woran ich erst zu spät gedacht habe ist, dass die Schwalbeneltern die Grashüpfer vorverdauen und somit die Nahrung in mundgerechten Stücken ist. Ich würde die jetzt ganz bestimmt nicht vorkauen!!!! *wüüürg* Also musste ich mir was anderes einfallen lassen... Ich ließ die Grashüpfer einige Zeit in Wasser aufweichen und damit die Happen nicht so groß waren riss ich den Grashüpfern die Beine raus. Also denk bloß nicht dass Schwalbenmutter sein ein Traumjob ist, es ist nämlich nicht nur anstrengend 18 Stunden für die Schwalben dazusein, nein, man muss sich auch mit solchen aneckelnden Dingen auseinandersetzen.
Heute war wieder Schule angesagt, doch irgendwie freute ich mich sogar ein bisschen darüber, denn das hieß mal wieder etwas Abstand von den anstrengenden Pflichten die man als Schwalbenersatzmutter hat. Ich hatte Glück, dass Oma sich bereit erklärte den ganzen Mogen für die Waisenkinder da zu sein. Ich sagte ihr auch, es würde langen wenn sie nur alle Stunde füttern würde und abundzu die Temperatur im Nest kontrollieren. Außerdem sind die Schwalben auch fleißig im Kötteln produzieren, deshalb galt auch ab und zu mal das vollgeköttelte Heu auszuwechseln und frisches hinein zu tun. Alles war gut, ich konnte beruhigt in die Schule gehen, doch ich war im Unterricht alles andere als konzentriert, immer wieder sah ich auf die Uhr und hoffte das Oma nicht vergaß die Schwalben zu füttern. Als ich Heim kam, stellte sich glücklicherweise heraus das alle Sorgen umsonst waren und die Schwalben wohlauf. Nun wurde der Alltag noch stressiger, neben Schwalben versorgen musste ich noch meine Hausaufgaben erledigen und die Grashüpfer gingen mir auch aus. Ich musste dringend Verstärkung holen. Da bot sich meine gute Freundin Lisa sofort an und nachdem ich alle Hausaufgaben erledigt hatte und die Schwalben nochmal ihre Mahlzeit bekommen hatten, machten wir uns auf den Weg zur Wiese, wie immer bewaffnet mit verschlussdichten Gefäßen. Es war ein sonniger und recht warmer Sommertag und bei diesen Wetterverhältnissen sind Grashüpfer sehr agil, wie wir feststellen mussten, denn wir fingen nicht sehr viele. Sie waren einfach zu flink, doch für den Rest des Tages und den Morgen darauf würden sie wohl langen.
endlich wieder Wochenende! Die letzten Tage verliefen wie gehabt, denn meine Oma hat sich auch weiterhin vormittags gut um die Schwälbchen gekümmert. Stündliches Füttern, Nestsäuberungen und Temperaturkontrollen. Doch die Schwalben waren längst nicht mehr so schmächtig und müde wie in den ersten Tagen. Sie hüpfen auf den Brutkastenrand und schimpfen mit mir wenn ich nicht pünktlich mit dem Futter komme. Doch da die kleinen Insektenvernichter schnell heranwachsen, müssen auch mehr Grashüpfer angeschafft werden. Wir nutzen jede freie Stunde um auf der Wiese Grashüpfer zu fangen oder Fliegen zu klatschen. Dank meiner Mutter und meiner Schwester die Lisa und mir tatkräftig zur Hand gingen, hatten wir an einem Tag Reserve für mindestens den ganzen darauffolgenden Tag gefangen. Die Arbeit lohnt sich sogar! Aus den Küken werden langsam Teenager, übermütig schlagen sie mit den Flügeln. Ich bin jetzt schon stolz auf die Kleinen, doch es liegen sicher noch einige Tage vor uns.
heute sollten unsere Schwalben in ein neues Heim umziehen. Da sie schon manchmal in meinem Zimmer kleine Flugversuche unternommen haben und ich nicht möchte das sie sich irgendwo verletzen, habe ich mich nach einem großen Karton umgesehen und welch Zufall, meine Tante hatte einen Karton von ihrem riesigen Flachbildschirmfernseher rumstehen, den sie mir dann schenkte, damit war nicht nur mir geholfen, sondern auch ihr, sie war froh mehr Platz im Keller zu haben. Ich fand ein feinmaschiges Fliegengitter im Haus, welches ich mit blauem Paketklebeband am Karton befestigte. Ich ließ ca 1/4 an den Kartonseiten frei, um den Karton später wieder problemlos öffnen zu können. An dem Fliegengitter der offenen Kartonseite befestigte ich ein Gewicht - einen Holzpfahl - damit sich das Gehege leichter öffnen lässt, aber das Fliegengitter nicht ungewollt aufgeht.
Ein Karton mit Fliegengitter überzogen bietet den
jungen Schwalben Raum, um ihre Flügel zu trainieren
Liebes Tagebuch,
in der letzten Woche war wiedermal viel los bei unseren Schwalben. Leider muss man sich auch mit dem Schicksal dieser schwierigen Aufzucht auseinandersetzen und so kommt es vor, dass bei 5 Jungtieren eines, meist das Jüngste, zu schwach ist um im Kampf des Überlebens mit seinen Geschwistern mitzuhalten. Mit diesen Worten verabschiede ich mich von meinem jüngsten Pflegling, der trotz besonderer Päppelei seine Nahrung verweigerte und leider gestern verstarb. Ich hoffe, mir keine zu großen Vorwürfe machen zu müssen, aus dem Grunde, dass die Schwalbe wohl wegen des Sturzes aus dem Nest schon an inneren Verletzungen litt. Es ist nicht einfach der Hoffnungslosigkeit meiner Familie stand zu halten, dass die Schwälbchen durchkommen und wir sie hoffentlich problemlos in die Freiheit entlassen dürfen. Komplikationen durch mangelnde Heimchen-Zufuhr im Zoogeschäft und anderen privaten Dingen, die unter den Umständen verschoben werden müssen, sind noch zusätzlich. Die ehemals schmächtigen Vogelbabies sind nun fast flügge und verlangen täglich mehr Futter. Ich kann meiner Familie und meinen Freunden für die Hilfe, die sie mir beim Grillenfangen leisten, nur dankbar sein. Es ist ein enormer Zeitaufwand und geht auf Dauer auch auf die Substanz des eigenen Wohlbefindens. Das dort Verzweiflung auftritt kann ich meiner Familie nicht nachtragen.
Wie steht es doch nun um die übrigen 4 Pfleglinge? Im Karton, welchen wir in der Garage unseres Gartens unterbrachten, hüpfen Grillen um ihr Leben bangend umher, doch die Schwalbenkinder, für welche wir die Lebendnahrung bereit "stellten", schenken ihren vermeintlichen Flüchtlingen keine Aufmerksamkeit. Sie hocken lieber auf dem Rand ihres Nistkastens und quäken was das Zeug hält. Wo bleibt denn unser Futter? scheinen sie zu schimpfen und wollen sich mit dem hüpfenden Getier noch nicht recht anfreunden. Das macht mir wiederum Sorge, denn als Mensch kann ich ihnen schließlich nicht klar machen, sich selbst das Futter zu fangen. Also musste ich doch wieder mit dem fertigen Grillenfutter anrücken und Mäuler stopfen.
eigentlich mag ich Wehnachten ja nicht so, aber man kann sich vor Familie und Tradition ja doch nicht retten!!
Also ich habe ein Geschenk für das Tierforum, vielmehr für euch. Wie einige ja sicher schon wissen, habe ich im Sommer 5 Schwalben halbwegs aufgezogen, am Ende leider nur 4...
Nunja, ich habe ein Tagebuch geschrieben und ich hoffe, der ine oder andere hat Langeweile oder kann es bis zur Bescherrung nicht erwarten und liest es sich durch, um sich die Zeit zu vertreiben^^
Also dann halte ich euch nicht länger auf, der Text ist im Original, wie es im Buch steht!
Das Tagebuch über meine Schwalben
Dieses Tagebuch erzählt von drei aufregenden Wochen mit Katrin und ihren 5 Schwalbenküken,
die nach einem tragischen Unfall zu Waisen wurden.
die nach einem tragischen Unfall zu Waisen wurden.
Viel Spaß beim lesen!
Mein Dank
geht an Cosili aus dem Tierforum, die mir mit Rat und Tat zur Seite stand, ebenso danke ich auch meiner Familie,
meinen Freunden und allen Anderen die etwas zur Aufzucht der Schwalben beigetragen haben.
geht an Cosili aus dem Tierforum, die mir mit Rat und Tat zur Seite stand, ebenso danke ich auch meiner Familie,
meinen Freunden und allen Anderen die etwas zur Aufzucht der Schwalben beigetragen haben.
28.06.08
Liebes Tagebuch,
es begann alles damit, dass meine Cousine Andrea aus dem Kuhstall hier im Dorf ein Schwalbennest "ausgeplündert" hat!!! Sie hatte sich eine Mistgabel genommen und das Nest von der Decke geholt, was sie nicht ahnte, dass Nest war noch bewohnt. Vier junge Schwalbenküken blickten sie ängstlich an, eins konnte sich vor dem Sturz retten und saß oben auf einem Gerüstbalken. Andrea war geschockt, was sollte sie jetzt tun? Die Küken ihrem Schicksal überlassen? Nein, das konnte sie nicht!... sie nahm die Küken und setzte sie in ihre Pullovertasche. Gleich darauf schwang sie sich aufs Fahrrad und fuhr los, doch wohin? Sie wusste: Zuhause würde sie keine Hilfe bekommen, also fuhr sie zu mir. Ich ahnte natürlich noch nichts und saß wie meistens am PC. Erst als Mama ins Zimmer reinkam mit einer mehr oder weniger verwirrten Miene, erfuhr ich was Andrea getan hatte. Alle vier Schwälbchen lagen reglos auf einem ausgebreiteten Handtuch. Eine rote Wärmelampe beschien ihr klammes zerzaustes Gefieder. Ich wusch mir die Hände gründlich und sah mir die Vogelbabys etwas genauer an. Sie hatten schon die Augen auf und ihre Daunen entwickelten sich langsam zu schwarzglänzenden Gefieder. Nachdem Andrea auch mir nach und nach erzählt hatte, was sie wiedermal angestellt hatte, überlegte ich was mit den fünften Schwalbe wohl passieren sollte, die saß schließlich noch au dem Gerüstbalken. Das Geschwisterchen dort sterben zu lassen würde ich mir nie verzeihen, also radelte ich geschwind zum Stall, während meine Mutter, meine Schwester und Andrea sich um die Schwalben kümmerten. Ich brauchte nicht lange suchen bis ich in einer der Ställe ein verächtliches Piepsen vernahm, mitten in der Stallgasse lag das kaputte Nest und das Küken war in der Zwischenzeit runtergeplumst und stolperte hilflos an den neugierigen Kühen vorbei. Ich setzte das Küken vorsichtig ins Nest und nahm das Nest auf den Arm. Doch wo sollte ich jetzt damit hin? Ich kam unmöglich an die Stelle hin wo das Nest seinen Platz gehabt hatte. Seufzend entschloss ich mich auch diesen Zwerg mitzunehmen. War es die richtige Entscheidung? Mein Gefühl stimmte mir jedenfalls zu und so begannen drei anstrengende, jedoch für mich unvergessliche Wochen als Schwalbenmutter. Ich kramte einen alten Vogelbrutkasten von meinen Wellensittichen aus und polsterte ihn mit Heu aus, dann setzte ich die fünf Schwalbenküken hinein und befestigte die Rotlichtlampe über dem Nest, natürlich so hoch, das sie nicht verbrüten an der Wärme. Währenddessen erkundigte ich mich im Tierforum nach der Aufzucht, bald bot sich Hilfe an und ich konnte mit meiner Arbeit richtig loslegen. Zuerst mal musste ich ein Notfall-Futter zusammenstellen. Zwei gekochte Eier, davon das Eigelb mit einem Honig-Wasser-Gemisch verrührt und dann zu den Schwalben. Welch ein Kampf! ich war nahe am Verzweifeln, die Schwalben wollten das Futter nicht annehmen. Ich wollte sie natürlich nicht verletzen doch man musste es mit sanfter Gewalt probieren und den Schnabel öffnen - doch Vergebens sie lehnten das Futter strikt ab. Ich gab es schließlich auf mit dem Füttern, bereitete zwei Wärmekissen vor und legte sie um den Brutkasten, damit dieser nicht auskühlte während der Nacht, weil ich die Rotlichtlampe nicht anbehalten konnte. Ich hatte den Brutkasten in meinem Zimmer und bekam die Nacht kaum ein Auge zu, immerzu stand ich auf und schaute nach ob es ihnen "gut" ging.
29.06.08
Liebes Tagebuch,
nach dieser ziehmlich kurzen Nacht war ich einfach nur glücklich das die kleinen Piepser es überstanden hatten, zum Glück war Wochenende, so konnte ich mich den Schwalben voll und ganz witmen. Es war grade mal 5 Uhr morgens als ich die Treppe hinunter ging um erneut das Eigelb-Wasser-Honig Gemisch zuzubereiten. Opa passte das zwar garnicht und er meckerte rum, doch das wa mir egal. Ich hatte keine Zeit zu diskutieren, die Schwalben waren am Verhungern!! Mir fiel wahrlich ein Stein vom Herzen als ich mit einer sauberen Spritze das Futter in die Mäuler der Vögelchen beförderte. Anfangs nahm ich sie in die Hand und musste ihrem Sträuben gegen die blöde Spritze ein Ende machen. Bald waren alle satt und zufrieden. Sie lagen dicht aneinander gekuschelt in ihrem Nest und ich machte die Wärmelampe wieder für sie an, denn im Schwalbennest mussten es immer zwischen 25 und 38 Grad sein, damit die Schwälbchen nicht froren.
Im Laufe des Morgens rief ich beim Tierpark Eekholt an, da Opa immer noch nicht damit einverstanden war, das ich die Schwalben selbst großzog. Der Leiter des Tierparks war am Apparat und erklärte mir, dass sie leider keine Wildvögel mehr aufnehmen, ich sie stattdessen lieber in ein anderes Schwalbennest irgendwo hineinsetzen sollte. Natürlich pro Nest immer nur eine von meinen Schwalben und er sagte, das würde den Schwalbeneltern garnicht auffallen. Ich nahm seinen Rat an und überlegte wo es denn viele Schwalbennester gab, zu dem Kuhstall würde ich unmöglich zurückgehen, denn die Bäuerin kam mir ziehmlich unsympathisch entgegen und sagte mir ich solle mich mit den "dämlichen" Vögeln vom Acker machen. Mir kam meine Freundin in den Sinn, sie wohnt einige Dörfer weiter, jedoch auf einem Bauernhof und ich habe in ihrem Kuhstall schon öfters Schwalben rumsausen sehen. Bevor ich bei ihr anrief, war jedoch schon wieder Fütterungszeit, alle halbe Stunde waren die Piepser am quäken nach Futter.
Man muss die Spritze weit in den Rachen hinein schieben,
damit sich das Küken nicht verschlucken kann
Die Fütterung verlief relativ schnell und ich schnappte mir gleich das Telefon und klingelte bei meiner Freundin durch. Ihre Mutter hörte mir zwar interessiert zu als ich von den Schwalben erzählte, schlug meine Idee die Schwalben in fremde Nester zu setzen jedoch ab. Sie erzählte, dass sie den selben Versuch vor ein paar Jahren ebenfalls mit einer jungen Schwalbe probiert hatte, die Vogeleltern das Waisenkind jedoch immer lieblos aus dem Nest geschubst hatten. Also hatte sich der Plan auch in Luft aufgelöst, was in mir einerseits Traurigkeit andererseits auch Freude auslöste, denn wie oft im Leben hatte man die Chance Vogelmutter zu werden? Der Tag verging ziehmlich schnell mit den Schwalben, ich bin am Nachmittag mit meiner Schwester auf eine Koppel gegangen und habe dort Grashüpfer gefangen. Dazu haben wir uns ein Gefäß mit Deckel mitgenommen, damit uns die flinken Springer nicht so schnell wieder entwischen. Anfangs taten sie mir ganz schön Leid, doch wie heißt es doch im Leben? Fressen und gefressen werden...
30.06.08
Liebes Tagebuch,Ich wurde, da ich jetzt wichtige Mutterpflichten zu erfüllen habe, von der Schule ersteinmal befreit, doch nur für heute und morgen. Für die darauffolgenden Tage muss ich mir noch etwas einfallen lassen. Immerhin haben Opa und Oma, die ja anfangs total gegen meine Schwalben waren, sich jetzt auch von den drolligen Piepsern verzaubern lassen und somit stehen die Chancen gut, das sie meine Mutterpflichten vomittags übernehmen, während ich die Schulbank drücken muss. Die Schwalben sind übrigens wohlauf und haben ein ganz schön lautes Schreiorgan wenn es um Futterbetteln geht. Sie brauchen nur mein leises Pfeifen hören wenn ich mit Futter komme und sind sofort hellwach und schlingbereit.
Man siehts ihm an, es hat geschmeckt
01.07.08
Liebes Tagebuch,Gestern wurde noch Eigelbbrei gefüttert, heute beginne ich mit den Grashüpfern. Damit die sich jedoch nicht in unserer Wohnung vermehren habe ich sie am Vortag noch in kochendheißem Wasser verbrüht und eingefroren. Das klingt brutal, doch es ist ein schneller und schmerzloser Tod. Nun mussten sie wieder aufgetaut werden, dazu habe ich noch mal Wasser gekocht, jedoch nicht ganz so heiß, es sollen ja nicht gleich alle Nährstoffe verloren gehen und als sie lauwarm waren bin ich zu meinen Schwalbenkindern mit dem Futter.Woran ich erst zu spät gedacht habe ist, dass die Schwalbeneltern die Grashüpfer vorverdauen und somit die Nahrung in mundgerechten Stücken ist. Ich würde die jetzt ganz bestimmt nicht vorkauen!!!! *wüüürg* Also musste ich mir was anderes einfallen lassen... Ich ließ die Grashüpfer einige Zeit in Wasser aufweichen und damit die Happen nicht so groß waren riss ich den Grashüpfern die Beine raus. Also denk bloß nicht dass Schwalbenmutter sein ein Traumjob ist, es ist nämlich nicht nur anstrengend 18 Stunden für die Schwalben dazusein, nein, man muss sich auch mit solchen aneckelnden Dingen auseinandersetzen.
02.07.08
Liebes Tagebuch,Heute war wieder Schule angesagt, doch irgendwie freute ich mich sogar ein bisschen darüber, denn das hieß mal wieder etwas Abstand von den anstrengenden Pflichten die man als Schwalbenersatzmutter hat. Ich hatte Glück, dass Oma sich bereit erklärte den ganzen Mogen für die Waisenkinder da zu sein. Ich sagte ihr auch, es würde langen wenn sie nur alle Stunde füttern würde und abundzu die Temperatur im Nest kontrollieren. Außerdem sind die Schwalben auch fleißig im Kötteln produzieren, deshalb galt auch ab und zu mal das vollgeköttelte Heu auszuwechseln und frisches hinein zu tun. Alles war gut, ich konnte beruhigt in die Schule gehen, doch ich war im Unterricht alles andere als konzentriert, immer wieder sah ich auf die Uhr und hoffte das Oma nicht vergaß die Schwalben zu füttern. Als ich Heim kam, stellte sich glücklicherweise heraus das alle Sorgen umsonst waren und die Schwalben wohlauf. Nun wurde der Alltag noch stressiger, neben Schwalben versorgen musste ich noch meine Hausaufgaben erledigen und die Grashüpfer gingen mir auch aus. Ich musste dringend Verstärkung holen. Da bot sich meine gute Freundin Lisa sofort an und nachdem ich alle Hausaufgaben erledigt hatte und die Schwalben nochmal ihre Mahlzeit bekommen hatten, machten wir uns auf den Weg zur Wiese, wie immer bewaffnet mit verschlussdichten Gefäßen. Es war ein sonniger und recht warmer Sommertag und bei diesen Wetterverhältnissen sind Grashüpfer sehr agil, wie wir feststellen mussten, denn wir fingen nicht sehr viele. Sie waren einfach zu flink, doch für den Rest des Tages und den Morgen darauf würden sie wohl langen.
05.07.08
Liebes Tagebuch,endlich wieder Wochenende! Die letzten Tage verliefen wie gehabt, denn meine Oma hat sich auch weiterhin vormittags gut um die Schwälbchen gekümmert. Stündliches Füttern, Nestsäuberungen und Temperaturkontrollen. Doch die Schwalben waren längst nicht mehr so schmächtig und müde wie in den ersten Tagen. Sie hüpfen auf den Brutkastenrand und schimpfen mit mir wenn ich nicht pünktlich mit dem Futter komme. Doch da die kleinen Insektenvernichter schnell heranwachsen, müssen auch mehr Grashüpfer angeschafft werden. Wir nutzen jede freie Stunde um auf der Wiese Grashüpfer zu fangen oder Fliegen zu klatschen. Dank meiner Mutter und meiner Schwester die Lisa und mir tatkräftig zur Hand gingen, hatten wir an einem Tag Reserve für mindestens den ganzen darauffolgenden Tag gefangen. Die Arbeit lohnt sich sogar! Aus den Küken werden langsam Teenager, übermütig schlagen sie mit den Flügeln. Ich bin jetzt schon stolz auf die Kleinen, doch es liegen sicher noch einige Tage vor uns.
06.07.08
Liebes Tagebuch,heute sollten unsere Schwalben in ein neues Heim umziehen. Da sie schon manchmal in meinem Zimmer kleine Flugversuche unternommen haben und ich nicht möchte das sie sich irgendwo verletzen, habe ich mich nach einem großen Karton umgesehen und welch Zufall, meine Tante hatte einen Karton von ihrem riesigen Flachbildschirmfernseher rumstehen, den sie mir dann schenkte, damit war nicht nur mir geholfen, sondern auch ihr, sie war froh mehr Platz im Keller zu haben. Ich fand ein feinmaschiges Fliegengitter im Haus, welches ich mit blauem Paketklebeband am Karton befestigte. Ich ließ ca 1/4 an den Kartonseiten frei, um den Karton später wieder problemlos öffnen zu können. An dem Fliegengitter der offenen Kartonseite befestigte ich ein Gewicht - einen Holzpfahl - damit sich das Gehege leichter öffnen lässt, aber das Fliegengitter nicht ungewollt aufgeht.
Ein Karton mit Fliegengitter überzogen bietet den
jungen Schwalben Raum, um ihre Flügel zu trainieren
11.07.08
Liebes Tagebuch,
in der letzten Woche war wiedermal viel los bei unseren Schwalben. Leider muss man sich auch mit dem Schicksal dieser schwierigen Aufzucht auseinandersetzen und so kommt es vor, dass bei 5 Jungtieren eines, meist das Jüngste, zu schwach ist um im Kampf des Überlebens mit seinen Geschwistern mitzuhalten. Mit diesen Worten verabschiede ich mich von meinem jüngsten Pflegling, der trotz besonderer Päppelei seine Nahrung verweigerte und leider gestern verstarb. Ich hoffe, mir keine zu großen Vorwürfe machen zu müssen, aus dem Grunde, dass die Schwalbe wohl wegen des Sturzes aus dem Nest schon an inneren Verletzungen litt. Es ist nicht einfach der Hoffnungslosigkeit meiner Familie stand zu halten, dass die Schwälbchen durchkommen und wir sie hoffentlich problemlos in die Freiheit entlassen dürfen. Komplikationen durch mangelnde Heimchen-Zufuhr im Zoogeschäft und anderen privaten Dingen, die unter den Umständen verschoben werden müssen, sind noch zusätzlich. Die ehemals schmächtigen Vogelbabies sind nun fast flügge und verlangen täglich mehr Futter. Ich kann meiner Familie und meinen Freunden für die Hilfe, die sie mir beim Grillenfangen leisten, nur dankbar sein. Es ist ein enormer Zeitaufwand und geht auf Dauer auch auf die Substanz des eigenen Wohlbefindens. Das dort Verzweiflung auftritt kann ich meiner Familie nicht nachtragen.
Wie steht es doch nun um die übrigen 4 Pfleglinge? Im Karton, welchen wir in der Garage unseres Gartens unterbrachten, hüpfen Grillen um ihr Leben bangend umher, doch die Schwalbenkinder, für welche wir die Lebendnahrung bereit "stellten", schenken ihren vermeintlichen Flüchtlingen keine Aufmerksamkeit. Sie hocken lieber auf dem Rand ihres Nistkastens und quäken was das Zeug hält. Wo bleibt denn unser Futter? scheinen sie zu schimpfen und wollen sich mit dem hüpfenden Getier noch nicht recht anfreunden. Das macht mir wiederum Sorge, denn als Mensch kann ich ihnen schließlich nicht klar machen, sich selbst das Futter zu fangen. Also musste ich doch wieder mit dem fertigen Grillenfutter anrücken und Mäuler stopfen.
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