Rachitis bei Tieren [Bearbeiten]
Rachitis kommt bei in Gefangenschaft gehaltenen Tieren oder Haustieren vor allem bei wachsenden
Vögeln,
Reptilien und
Amphibien vor. Auslösende Faktoren sind neben einem absoluten Calcium- oder Vitamin D-Mangel und Kunstlicht ohne UV-Anteil häufig auch ein zu geringes Calciumphosphor-Verhältnis in der Nahrung. Dieses sollte etwa 1,5–2:1 betragen. Bei einer übermäßigen Phosphor-Aufnahme wird die Bildung von aktiviertem Vitamin D (1,25-Hydroxy-Vitamin D2 und D3) in den Nieren vermindert, so dass die Resorption von Calcium aus dem Darm vermindert ist.
Bei Vögeln kommt Rachitis vor allem bei
Sing-,
Papageien- und
Hühnervögeln vor, die einseitig mit Körnermischungen aufgezogen werden. Das Calciumphosphor-Verhältnis vieler Samen ist sehr niedrig (Mais 1:17, Hirse und Sonnenblumenkerne etwa 1:6). Bei betroffenen Jungvögeln kommt es vor allem zur Verkrümmung des
Brustbeins, des
Oberschenkelknochens und des
Tibiotarsus. Die Therapie erfolgt durch Futterumstellung und zusätzliche Gabe von Calcium und Vitamin D. Verkrümmte Knochen können nur noch durch eine Korrektur
osteotomie und eine anschließende
Osteosynthese korrigiert werden, in schweren Fällen muss der Vogel eingeschläfert werden.
Bei Reptilien sind ebenfalls ein ungenügendes Calciumphosphor-Verhältnis (hoher Anteil an Fleisch oder calciumarmen Insekten) sowie Vitamin D-, Calcium- und/oder UV-Licht-Mangel die wichtigsten Rachitisursachen, aber auch ein Vitamin D-Überschuss kann Auslöser sein. Bei
Schildkröten wird vor allem der Rückenpanzer (
Plastron) ungenügend mineralisiert, so dass dieser weich und verkrümmt (sattelförmig) erscheint. Bei
Schlangen und
Echsen kommt es vor allem zu Verkrümmungen der Wirbelsäule, wobei Knochenbrüche vor allem im Bereich der
Lendenwirbelsäule („Buckelbildung“) auftreten können. Die „Rosenkranzbildung“ an den Rippen ist nur selten zur beobachten. Die Therapie erfolgt wie bei Vögeln. Prophylaktisch können 200 I.E./kg und Tag Vitamin D3, bei Fleischfütterung der Zusatz einer Vitamin-Mineralstoffmischung eingesetzt werden.
Bei Amphibien ist vor allem die einseitige Fütterung chitinreicher Insekten (Ca-und Vitamin D-Mangel) Rachitis-auslösend. Typisch ist bei ihnen eine Verkürzung und Erweichung des Unterkiefers. Die Therapie erfolgt durch Futterumstellung und zusätzliche Gabe von Calcium und Vitamin D.