Das Problem betrifft ja nicht nur den Pferdesport - hier stört es in diesem Rahmen natürlich am meisten, weil eben Tiere betroffen sind, die sich nachweislich nicht wehren können, aber es betrifft den gesamten Leistungssport - und noch viele andere Bereiche, in denen außergewöhnliche Leistung erwartet und honoriert wird, nicht zuletzt vom Publikum.
Kinder werden für Erfolge im Sport bereits "gesundgespritzt", Verletzungen zumindest während der Wettkampfsaison nicht mehr auskuriert - das steht für mich dem Doping von Pferden in nichts nach. Viele Sänger, gerade klassische Opern- und Operettensänger, können von Glück sagen, daß es vor ihren Auftritten noch keine Dopingkontrollen gibt - es ist ein offenes Geheimnis, daß hinter den teueren Opernbühnen Cortisone praktisch Kiloweise konsumiert werden. Für alle Belastungen gibt es eine physische Grenze, aber die wird durch hohe Erwartungen immer weiter verschoben: es wird erwartet, daß man immer besser ist als der vorher, daß die Leistungen immer besser werden müssen - egal wo.
Solange das honoriert wird ohne zu hinterfragen, wie diese Leistungen zustande kommen, wird sich auch nichts ändern. Die Empörung ist jetzt groß - in spätestens 3 Monaten ist das vergessen, und man macht weiter wie bisher: ein Reiter wird ein neues Pferd mit toller Leistung vorstellen, und man wird ihm applaudieren und begeistert sein, bis sich eben irgendwann herausstellt, daß auch da irgendwo nachgeholfen wurde, dann ist die Empörung wieder groß - für einige Wochen, und alles beginnt von vorne. Rad-, Schwimm- und Laufsport sind da unrühmliche Vorbilder, seit ich denken kann, gibt es alle paar Jahre einen riesigen Dopingskandal. Warum man in den Jahren dazwischen nichts findet... naja, auch die medizinische Forschung macht Fortschritte :102:
Das wirklich Traurige ist, daß diese Methoden mittlerweile ja sogar im Alltag und im Breitensport Einzug gehalten haben, und dort sind die Kontrollen weit weniger umfangreich, ebenso die medizinische Betreuung der "Opfer".