Kommentkampf und Unterwerfung

Diskutiere Kommentkampf und Unterwerfung im Hunde Verhalten und Erziehung Forum im Bereich Hunde Forum; Ja, das wäre dann heute meine nächste Frage gewesen. Ich kenne meinen Hund und ich weiß, dass er nicht der "Chef" sein möchte, sondern einfach nur...
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  • Kommentkampf und Unterwerfung Beitrag #21
Die nächste Frage wäre wie man sich als Hundebesitzer verhalten sollte, wenn zwei Hunde einen Kommentkampf austragen.
Die erste Regel ist, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Wenn man seinen Hund kennt und ihn im Umgang mit anderen genau beobachtet kann man mit etwas Übung leicht erkennen, wenn es zu Reibungen kommt und dann die Hunde sofort aus der Situation rausnehmen, bevor es zu einem Kampf kommt.
Wenn man weiß das der eigene Hund gerne rauft (gerade Rüden untereinander tragen gerne Kommentkämpfe aus) sollte man ihn an die Leine nehmen wenn ein fremder Hund kommt.

Ja, das wäre dann heute meine nächste Frage gewesen.
Ich kenne meinen Hund und ich weiß, dass er nicht der "Chef" sein möchte, sondern einfach nur spielen will.. Wenn es solche Kämpfe gab bei uns, dann gingen diese immer von den anderen Hunden aus. Mein Hund versucht sich dann nur zu verteidigen (so sieht es für mich aus). Allerdings, wenn ein Rüde schon knurrend und Zähne fletschend an ihm vorbei geht, dann macht er einen ganz großen Bogen um diesen Hund und will dann schnell weit weg von diesem.
 
  • Kommentkampf und Unterwerfung Beitrag #22
Muss euch unbedingt erzählen, was ich grad erlebt habe - bin noch total geschockt!

Ich war im Park mit Max und wir trafen eine nette Dame mit ihrem Rüden, Pinto. Nach kurzer Absprache ließen wir die Hunde von der Leine. Die beiden begrüßten sich, hoben nacheinander das Bein usw... Alles sehr schön und harmonisch.
Dann kam ein anderer Hund (von vorneherein ohne Leine) mit einem älteren Ehepaar. Nach kurzer Begrüßung aller drei Hunde ging es dann auch schon los. Pinto und der andere Hund fingen an zu kämpfen. Max wich zurück und kam zu mir und ich nahm ihn an die Leine. Dann fing auch schon der Besitzer von dem anderen Hund an auf Pinto mit seiner Leder Leine einzuschlagen. Die Besitzerin von Pinto versuchte dazwischen zu gehen, aber der Mann hörte nicht auf, bis Pinto laut jaulend auf dem Rücken lag.
Ich war erst mal total geschockt und wusste überhaupt nicht, was ich sagen sollte. Die Frau war auch am zittern und Pinto erst recht. Der Mann war total hysterisch und meinte irgendwas von "Überfall" auf seinen Hund usw, während er schon am gehen war. Ich konnte nicht viel mehr sagen, als dass er total falsch gehandelt hat und man einen Hund nicht schlägt usw. Bin leider nicht sehr schlagfertig, sonst hätte ich dem echt ein paar Takte erzählt und dazu war ich einfach nur total schockiert, weil ich sowas einfach noch nie erlebt habe von einem anderen Hundebesitzer.

Vor allem habe ich seine Hysterie nicht verstanden, denn es war wirklich nur ein Kommentkampf. Es wirkte natürlich heftig, weil beide Hunde "auf hundertachzig" waren und ordentlich geknurrt und "geschimpft" haben, aber es wurde nicht heftig zugebissen oder so. Es war sicherlich kein Spiel mehr, aber ein gefährlicher Kampf war es nun auch nicht.

Hätte gewünscht, dass mein Freund mit gewesen wäre. Dann hätte der Mann sich das bestimmt nicht getraut oder auf jedenfall aufgehört, wenn man es ihm gesagt hätte.
 
  • Kommentkampf und Unterwerfung Beitrag #23
Hallo zusammen,

Kompassqualle und Anitram: Das sind echt tolle Erklärungen! Ich habe dieses Thema noch nie so klar und kompetent erklärt bekommen. Vielen Dank! :clap:


Hätte da noch zwei Fragen / Unklarheiten:

1. Bei wirklichen "No-Go-Untaten" habe ich eine Unterwerfung so gelernt, dass ich meinen Hund durch anstarren / anknurren und gegebenfalls leichte Knüffe gegen die Schulter dazu bringe, sich auf den Rücken zu drehen. Ich habe das nur einmal bei meiner Süßen gemacht, als sie ganz zu Anfang mal meinte, mir den Zutritt zum Schlafzimmer verwehren zu können, weil sie ihren Knochen verteidigen wollte. Fällt diese Maßnahme schon unter "Alpha"-Wurf oder war das noch im ok-Bereich?

2. Bibi hat sich letztens einen Kommentkampf mit dem Hund einer Bekannten geliefert - so richtig mit viel Getöse. Es ging um ein Spielzeug. Uns war beiden klar, dass es sich um einen reinen Kommentkampf handelt. Da aber 37kg gegen 15kg standen, waren wir natürlich in "Hab-acht-Stellung". Der Kampf endete damit, dass Bibi über ihrem auf dem Rücken liegenden Gegner stand. Das einzige, was mir echt kurz den Atem stocken ließ, war, dass Bibi ihr offenes Maul über seine Kehle hielt und Schüttelbewegungen machte. Letztlich hatten beide Hunde je einen kleinen Kratzer und sonst absolut nichts. War dise Geste von Bibi noch in Ordnung oder geht das nicht ein bisschen zu weit für einen Kommentkampf? Ich habe das noch nie in einem Kommentkampf gesehen.

Liebe Grüße, Julia
 
  • Kommentkampf und Unterwerfung Beitrag #24
Tine:
Ich kann dich nur zu gut verstehen, mir ist sowas nämlich auch schon passiert.
Mein Hund hat sich mit einem Dackel geprügelt und der Besitzer des Dackels hat dann meinen Hund mit der Leine geschlagen (auch richtig doll) als der Kampf dann kurz aufhörte fing er sofort an mich anzuschreien. Die Hunde haben sofort die Gelegenheit genutzt um ihren Kampf wieder aufzunehmen, ich hab mich schnell vor die Hunde gestellt um zu verhindern das er wieder mit der Leine schlägt, aber der Typ hat mich aus dem Weg geschleudert und wieder zugeschlagen :? Dann hat er seinen Hund geschnappt und ist wohlwollend davon flaniert und hat seiner Frau überlassen mich weiterhin anzubrüllen.

Ich hatte auch keine Ahnung mehr was ich noch sagen soll und bin nur heulend stehen geblieben und hab nichts mehr gesagt :(

...mein Freund war übrigens dabei, nur war der auch so entsetzt das er keinen Ton rausbekam (sonst hat er natürlich immer ne große Klappe :)).

Michelis:
Danke für das Kompliment ;)
Ich finde das ist ein sehr wichtiges Thema, ich treffe nämlich immer wieder Leute die meinen jeder Hund der nicht mit jedem anderen "gutschi-gutschi" ist wäre gleich verhaltensgestört und gehöre weggesperrt :?

Wenn du deinen Hund dazu bringst sich auf den Rücken zu legen ohne das du ihn handgreiflicherweise umgedreht hast ist es im klassischen Sinne kein "Alphawurf", wenn der Hund sich von allein auf den Rücken dreht ist es eine echte Demutsgeste. Jedoch sollte bei einer Maßregelung nicht das Ziel sein, seinen Hund immer dazu zu bewegen diese Geste zu zeigen, es gibt viele andere Calming-Signals mit denen der Hund seine Unterlegenheit mitteilt (schmatzen, Nase lecken, Ohren platt machen, beschwichtigungs Wedeln). Wenn man die lesen kann weiß man meistens sehr genau, wann eine Strafe einen Hund "erreicht" hat, auch ohne das er sich auf den Rücken dreht ;)
Futteraggressionen müssen nicht immer ein Zeichen von Dominanz sein, sondern können auch einfach aus Unsicherheit entstehen, wenn der Hund sich in Gegenwart von Menschen nicht wirklich entspannen kann.
Aggression aus Unsicherheit kann man mit Gegenaggression noch verstärken und man sollte deswegen in dem Fall keinesfalls bestrafend einwirken.
Hier ist ein Video in dem sehr nett gezeigt wird, wie man Futteraggressionen aus Unsicherheit angeht:


Den Kampf zwischen den Hunden den du beschreibst klingt sehr nach einem Kommentkampf.
Es ist schon richtig, das es Probleme geben kann, wenn die Gewichtsklassen so unterschiedlich verteilt sind. Man stelle sich einen Kampf Dogge gegen Jack Russel vor, Jack Russels sind sehr mutige und kräftige Hunde die sich selbst auch gerne mal für einen Pitbull halten :mrgreen:
Es kann also schon passieren das so ein kleiner Jacki glaubt er wäre einer Dogge weit überlegen, allerdings ist sicherlich auch schnell passiert das die Dogge in einem Kommentkampf dem Jacki unbeabsichtig größeren Schaden zufügt.
Wenn die Unterschiede zwischen den Hunden zu groß sind muss man notfalls eingreifen und die Hunde auseinander ziehen.


Ein Überfassen der Kehle kann in einem Kommentkampf durchaus vorkommen und ist eine sehr starke Dominanzgeste.
Solange es sich um einen Kommentkampf handelt wird der demütige Hund dabei erstarrt liegen bleiben (die Kehle darbietend) und das Ende der Dominanzgeste abwarten. Gefahr besteht für die Hunde auch dabei nicht.

Das es auch in einem Kommentkampf mal Schrammen oder etwas Blut geben kann ist klar, es ist wie bei Menschen im Boxsport, die bluten am Ende auch oft aber dennoch war alles geplant und abgesprochen ;)
 
  • Kommentkampf und Unterwerfung Beitrag #25
Ich habe dieses Thema mit großem Interesse gelesen, doch jetzt kommen bei mir jede Menge Fragen auf:
Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, sind diese Kämpfe zwischen den Hunden "Normal", nur die HF bewerten sie über?
Hier ist eine Strecke, auf der fast nur HF gehen, die keinem anderen Hund begegnen wollen. Sind diese Hunde dann böse oder verstehen die HF nur was falsch? Oder werden so die Hunde böse gemacht?
Wenn meine Cindy an der Leine ist macht sie sich lautstark bemerkbar weil sie mit den anderem Hund spielen will. Auch während des Spiels bellt sie oft damit der andere Hund loslaufen soll. Den andren HF gefällt das Gebel absolut nicht und sie gehen uns aus dem Weg. Es ist sogar schon vorgekommen, dass wir in die Büsche gehen sollten, damit der andere Hund an uns vorbeikommt.
Stimmt es, dass Weibchen untereinander schlimmer kämpfen als Rüden oder gemischt?
 
  • Kommentkampf und Unterwerfung Beitrag #26
Kompassqualle:
Danke für die Erklärungen! Die Calming Signals kenne ich und ich weiß auch, dass das auf den Rücken drehen die letzte und umfassendste Demutsgeste ist. Ich weiß, dass ich in dieser Situation damals überreagiert habe. Ich bin aber beruhigt, dass das, was ich da gemacht habe, kein Alpha-Wurf war.

Betse Grüße!
 
  • Kommentkampf und Unterwerfung Beitrag #27
@TanteM:
Nein, es sind nicht alle Hunde "böse" wenn sie gerne mal einen Kommentkampf ausfechten, dieser gehört zum natürlichen Verhalten und liegt den Hunden somit im Blut.
Dennoch sollte man seinen Hund natürlich nicht nach Gutdünken Prügeleien ausfechten lassen.
Dafür leint man den Hund am besten an wenn ein Fremder auf einen zukommt und lässt die beiden nur zusammen laufen wenn ein Kampf unwahrscheinlich ist (mein Hund prügelt sich z.B. ausschließlich mit intakten Rüden, deswegen leine ich wenn uns ein fremder Hund entgegen kommt erst ab, nachdem ich erfragt habe ob es sich um einen Kastraten oder eine Hündin handelt, denn dann sind keine Probleme zu erwarten ;)).

Hunde die wirklich gar keine Artgenossen mögen gibt es auch und es macht dann auch wenig Sinn einen Kontakt erzwingen zu wollen wenn es höchstwahrscheinlich doch nur in einem Rangkampf endet. Wenn man einen solchen Hund hat ist es schon sinnvoll den Kontakt zu fremden Artgenossen zu unterbinden, denn es würde nur Stress für alle Beteiligten bedeuten.
Auch während des Spiels bellt sie oft damit der andere Hund loslaufen soll. Den andren HF gefällt das Gebel absolut nicht und sie gehen uns aus dem Weg.
Bellen, knurren oder jaulen während des Spielens ist total normal und gehört zur Spielaufforderung dazu, wenn jemand ein freudiges Spielbellen als Aggression abtut dann versteht er offenbar wirklich nicht viel von Hunden.
Dennoch könntest du trainieren das deine Hündin sich nicht so lautstark bemerkbar macht wenn ein anderer Hund vorbeikommt, sondern dir ihre Aufmerksamkeit schenkt, denn du bestimmtst wann und mit wem gespielt wird ;)

@Michelis: Ich denke auch nicht das ein Hund von einem Alpahwurf gleich verhaltensgestört wird, es ist nur als Erziehungsmittel unangebracht und kann bei unsicheren Hunden oder kleinen Welpen das Vertrauen schon ganz schön erschüttern.

Wenn es jetzt schon etwas her ist, dann wird deine Bibi auch keinen Schaden davongetragen haben :)
Knurren, knuffen und fixieren als Maßregelung sind Hundeverhalten und ich denke es bringt nicht immer was sich wie ein Hund zu verhalten um mit dem Hund zu kommunizieren.
Denn ich glaube ein Hund weiß das ein Mensch kein Hund ist, er sieht uns nicht als "Alphatier".
Denn wir wären verdammt schlechte Rudelführer! Aus der Sicht eines Hundes bekommen wir nämlich gar nichts mit, wir hören nichts, wir riechen die auffälligsten Duftmarken nicht, wir verteidigen oder markieren unser Revier nicht etc...im Grunde müssen wir aus Hundesicht ganz schön lächerlich aussehen :D

Ich glaube fest das es ganz andere Dynamiken sind die Mensch und Hund aneinander binden, als das es nur wäre das der Hund den Menschen mit einem Artgenossen verwechselt. Insofern sind auch die Regeln für das Verhalten von Hunden unter sich nicht immer gültig und stimmig für den Umgang zwischen Mensch und Hund.
Hunde lesen und verstehen den Menschen als ein ganz eigenes Wesen, kopieren sogar manchmal ihre Verhaltensweisen (wie z.B. das typische Dalmatinergrinsen, unter Hunden wäre das Zähne zeigen eigentlich eine Drohgebärde aber sie lächeln weil sie gelernt haben das es Zähne zeigen für Menschen eine freundliche Geste ist).
Wie und warum Mensch und Hund sich so gut verstehen obwohl sie in ihrer Körpersprache so verschieden sind ist sicher ein Ergebnis jahrtausendelangem Zusammenlebens, das sicher schwer in vollem Umfang zu verstehen ist.
Die enge Beziehung zwischen Mensch und Hund ist einzigartig im Tierreich und auch etwas ganz besonders :D
 
  • Kommentkampf und Unterwerfung Beitrag #28
@Kompassqualle
Chapeau für diese Ausführungen!!!:clap:
 
  • Kommentkampf und Unterwerfung Beitrag #29
Hallo zusammen,

Kompassqualle und Anitram: Das sind echt tolle Erklärungen! Ich habe dieses Thema noch nie so klar und kompetent erklärt bekommen. Vielen Dank! :clap:

Schließe mich an konnte nie wirklich was mit den Begriffen anfangen nur vage Vorstellen. Danke für die Ausführlichen Erklärungen.
 
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Für weitere Antworten geschlossen.
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Kommentkampf und Unterwerfung

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