Trance:
Frage: Vor kurzem wurde mir gesagt, dass mein Kaninchen es vielleicht nicht mag, auf seinem Rücken gedreht zu werden und sich den Bauch kraulen zu lassen. Stimmt das? Es liegt dann immer so still, dass ich davon ausgehe, dass es entspannt und glücklich ist. Ich kann nicht wirklich glauben, dass es nicht glücklich ist, da es sich manchmal aus eigenem Antrieb auf den Rücken rollt.
Antwort: Leider muss ich sagen, dass das, was sie gehört haben, so stimmt. Es ist ein verbreiteter Irrglaube, Kaninchen, die auf den Rücken gedreht wurden, seien entspannt und glücklich. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Wenn es auf den Rücken gedreht wird, kämpft ein Kaninchen vielleicht anfangs noch, aber die Muskeln entspannen sich sehr schnell und das Tier verfällt in einen anscheinend tranceartigen Zustand, in dem die einzige Bewegung im gelegentlichen Zittern eines oder beider Hinterbeine besteht. Das Ende dieses Zustandes tritt so schnell ein, wie er gekommen ist, und zwar mit einem charakteristischen, plötzlichen korrigierenden Reflex und einer Vorwärtsbewegung. Wenn das Tier zu diesem Zeitpunkt weiter festgehalten wird, wird es kämpfen und kann aggressiv werden. Die gängige Erklärung, die auf dem beruht, was wir über Hunde- und Katzenverhalten wissen, lautet, das Kaninchen befinde sich in einem Zustand >> vollkommener Glückseligkeit <<; der Wechsel in die Aktivität wird als anomal betrachet. Wir sollten jedoch daran denken, dass ein Kaninchen weder eine Katze noch ein Hund ist, sondern ein Beutetier. Wenn wir uns das Verhalten aus diesm Blickwinkel ansehen, dann gelangen wir zu einer vollkommen anderen und schlüssigeren Interpretation.
Wenn sie von einem Raubtier gefasst werden, erstarren viele Beutetierarten. Das Kaninchen legt seine Ohren an, schließt seine Augen teilweise oder ganz und verfällt in einem Starrkrampf. Diese Unbeweglichkeit erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Tier unverletzt oder nur leicht verletzt fliehen kann, da es so einer erfolgreich erlegten Beute ähnelt. Das Raubtier lockert daraufhin seinen Biss, um die Beute in eine Position zu bringen, in der sie leichter verschluckt werden kann. Die Veränderung des Griffes stimmuliert bein Kaninchen die Fluchtreaktion wie oben beschrieben. Wenn ihm entgegengewirkt wird, wechselt das Fluchtverhalten in Kampf, dem letzten Versuch, dem Tod zu entkommen ...