@Susanne: Ich muss mich doch sehr wundern. Wieso ist es unnatürlich, zwei Weibchen zusammen zu halten?? Es ist durchaus gut möglich eine reine Mädelsgruppe zu halten, die sich nicht gegenseitig beißen und verletzen.
Von wegen Natur...wieviele Kastraten gibt es denn in der Natur?
Kastraten gibt es keine - aber es werden etwa gleich viele Böcke wie Weibchen geboren.
auf einige Hektar kommen auch einige hundert Meerschweine. Da gibt es vor allem harmensgruppen, also einen Bock mit 3-6 Weibchen und deren nachwuchs. Wenn die Kleinen größer werden verjagt der Bock vor allem die männlichen aber auch einen teil der Weiblichen nachkommen, wenn es zu viele für dieses Revier werden.
Die Jungböcke schließen sich dann mit ihren brüdern und Cousins zusammen, weil es für grüppchen einfach sicherer ist - da kann einer Wache halten, während die anderen fressen oder schlafen.
Es bliebt also immer ein bock mit seinen Weibchen und Bockgruppen rundrum, die jede gelegenheit nutzen, mal ein kleines Schäferstündchen mit einem fremden Weibchen zu erleben. Wird ein alter Bock krank oder schwach, stirbt er wegen Raubtieren, wird sich sofort von den umliegene Jungböcken eienr finden,d er die gruppe erkämpft und übernimmt.
aber mit sicherheit werden niemals Weibchen länger als wenige tage ohne Bock leben.
So, und jetzt zu unseren Hausmeerschweinchen: sie sind in ihrer ganzen geschichte nie gezwungen worden, ohne Bock zu leben. auch die indios in peru halten gemischte gruppen sie wollen ja Nachwuchs für ihren Sonntagsbraten.
Und nun sperren wir Weibchen zueinander. Weibchen sind damit aber gnadenlos überfordert. Sie können die Führungsrolle nicht so übernehmen weil sie dafür genetisch nciht vorbereitet sind, es bildet sich zwar eine Rangordnung, aber oft wird dennoch immer wieder rumgezickt, noch dazu drehen viele wirklich am Rad, wenn die gerade "bereit und willig" sind und besteigen ihre Geschlechtsgenossinnen weil sie nicht mehr wissen wohin mit ihrem Trieb.
Dass sie niemand besteigt hat noch einen Nebeneffekt: der Eisprung wird durch das fehlende Besteigen oft nicht richtig ausgelöst, weswegen in Gruppen ohne Bock oder Kastrat Eierstockzysten gehäuft auftreten - verbunden mit Schmerzen; Tierarztbesuchen und natürlich Kosten.
Weibchengruppen mit Bock geht natürlich nicht, wir wollen ja nicht dauernd Nachwuchs, aber kastrierte Böcke werden ja nur am Hoden operiert nicht am Gehirn. Angeborene Verhaltensweisen bleiben erhalten.
Der Kastrat übernimmt in einer Weibchngruppe die Chefrolle (sofern man nicht gerade ein halbes Baby zu deutlich älteren Weibchen setzt). Das heißt, er besteigt willige Weibchen, schlichtet Streit und Zickereien, führt die Gruppe an, wenn fremdes Terrain erkundet wird (alle im Gänsemarsch hinter dem Kastraten her), er beruhigt die Weibchen wenn sie sich erschrocken haben. Er hat eine ganz wesentliche Funktion für die Gruppe, die man leider nicht anderweitig nachmachen kann.
Ich kenne auch wirklich niemanden, der längere Zeit eine Weibchengruppe mit einem fähigen Kastraten hatte, und nochmal längere Zeit darauf verzichten würde. Es ist wirklich ein ganz anderes zusammen leben, sie sind viel glücklicher und ausgeglichener.
reine Weibchengruppen bringen sich nicht gegenseitig um und haben auch nicht dauernd Beißereien - aber im Vergleich zu Weibchengruppen mit Kastrat ist es dennoch ein großer Unterschied. Nur mit Kastrat können sie alle angeborenen Verhaltensweisen wirklich ausleben - und das meint man ja mit "artgerecht".
aus eigener Erfahrung: reine Bockgruppen sind meistens immer noch glücklicher als Weibchen ohne Kastrat.
Ich schreib das auch nicht einfach so, sondern aufgrund jahrelanger erfahrung mit sehr vielen meerschweinen, arbeit im Tierschutz und Beratung vieler anderer meerschweinchenhalter. Ich bin diejenige, die meine Tierärztin anruft, wen sie bei verhaltensproblemen bei meerschweinen nicht weiter weiß.
Ich habe schon viele Gruppen beobachten können, nur Weibchen, nur Böcke, Weibchen mit Kastraten. Es ist ein Himmelweiter unterschied, und die Weibchen sind mit kastrat viel friedlicher, lebensfroher, ausgeglichener. sie trauen sich beim Freilauf mehr und zeigen viel mehr verhaltensweisen, die es in reinen weibchengruppen gar nicht gibt. und auch wen sich die Notmeerschweine hier langsam stapeln: vermittelt wird nur in gruppen mit Kastrat.