Wildunfälle :o(

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  • Wildunfälle :o( Beitrag #1
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peacemaker01

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Hallo zusammen,

mir brennt etwas auf der Seele, das ich gern einmal los werden möchte.
In letzter Zeit höre ich immer wieder negative und abfällige Äußerungen über das Verhalten von Polizisten "Bullen" bei Wildunfällen. Auf youtube gibt es ja auch entsprechende Beiträge. Ich bin selbst Polizist im ländlichen Bereich. Ich möchte das Verhalten vieler Polizisten ganz bestimmt nicht in Schutz nehmen. Viele meiner Kollegen sind Jäger und haben überhaupt keine Probleme damit, ein verunfalltes Wildtier zu erschießen. Manche haben in der Tat eine fragwürdige Einstellung zum Töten von Wildtieren nach Wildunfällen; mancher hinzugerufener Jagdpächter übrigens ebenso. Ich möchte hier aber nicht pauschalisieren.

Ich selbst hingegen habe eine völlig andere Einstellung zu Wildunfällen. Jeder dieser Einsätze macht mir zu schaffen und jedes Mal hoffe ich während der Anfahrt, dass das Tier sofort tot war. Oft frage ich bei der Leitstelle nach, ob das Tier noch lebt und ebenso oft höre ich "keine Angaben dazu" (man hat eben nicht gefragt, weil unwichtig :086:).
Wenn wir dann eintreffen und z.B. ein Reh noch lebt, schnürt sich mir den Magen zu und ich werde sehr wortkarg. Ich weiß, was jetzt zu tun ist und ich weiß, dass ein Wildtier vor Menschen große Angst hat und unter extremem Stress steht. Die Leute meinen es ja gut, streicheln das Tier oder decken es zu. Das macht ihm oftmals noch viel mehr Angst und wenn ich dann erkläre, dass ich das Tier leider erlösen muss, werde ich oft beschimpft, angebrüllt, es wird vor mir ausgespuckt, ich werde als Tierquäler bezeichnet und man droht mit Anzeigen gegen mich wegen Tierquälerei.
Ich bin ein großer Tierfreund, habe mit der Jagd nichts am Hut und erfreue mich an jedem lebendigen Tier. Ich esse aus ethischen Gründen (Stichwort Massentierhaltung, unwürdige Behandlung unserer Mitgeschöpfe, etc.) kein Fleisch und achte Tiere sehr. Doch das kann ich den Leute nicht erklären und man würde mir auch nicht zuhören, geschweige denn mir dies abnehmen.
Schweren Herzens entschuldige ich mich innerlich beim Tier und erlöse es mit der Schusswaffe. Meist werden es zwei Schüsse, um ganz sicher zu sein, dass das Tier nicht weiter leiden muss. Nach dem ersten Schuss erfolgt oft ein mehrfaches Zucken, was wirklich schlimm aussieht. Und jedes Mal habe ich große Schuldgefühle. Ich erinnere mich an jedes der vielen Tiere, die ich schon erschießen musste und ich trage dies natürlich in mir :010:
Niemand sieht das. Zwar diskutiere ich das Thema mit Kollegen und Freunden und die meisten Leute haben Verständnis. Ich drücke mich auch nicht davor, denn das Tier soll ja nicht länger leiden als nötig. Und doch fühle ich mich verantwortlich.
Ich will einfach mal sagen, dass nicht in allen Uniformen "komische Leute" stecken, sondern es auch Polizisten gibt, die sich dazu Gedanken machen.
Gestern war wieder so ein Einsatz und es tut mir von Herzen leid, dass ich das Tier erschießen musste.

Liebe Grüße!
 
  • Wildunfälle :o( Beitrag #2
Huhu Peacemaker

Das ist ein schwieriges Thema mit dem ich mich auch nicht wirklich auskenne
Also kann ich nur das schreiben was mir eben in den Sinn kommt dabei

Die Leute die einen Wildunfall hatten stehen meistens selbst unter enormen Schock
Das bekommst du ganz sicher auch oft genug mit ...
Ich denke das die Leute in solchen Momenten gar nicht mitbekommen was sie da überhaupt von sich geben und wollen dich damit auch bestimmt nicht verletzen wenn sie so etwas sagen
Ebenso denke ich auch, dass die Leute denken, dass es unfair ist einem Tier das Leben zu nehmen wo sie vielleicht gerade so verschont worden
Ich weiß es nicht

Vor kruzem hatte ein sehr guter Freund mit einem anderen Freund einen schweren Wildunfall
Das Tier war gott sei dank sofort tot und den beiden ist nichts weiter passiert außer der Schock und das kaputte Auto

Aber du sollst dir sicher sein, dass du nur deinen Job machst
Und du weist ja selbst das es das beste für das Tier ist :/

Liebe und mitfühlende Grüße
 
  • Wildunfälle :o( Beitrag #3
Hallo peacemaker01,

auch wenn viele sagen, dass es nicht gut ist, dass Tier in so einem Moment zu "erlösen", ist es doch so. Wir Menschen lassen unsere Tiere auch einschläfern, wenn wir sie nur noch leiden müssen. Auch wenn es andere anders sehen, ich sehe es so wie du.
Ich kann dich verstehen, auch, dass du das mit dir trägst, aber du tust das richtige. Das ist zumindest meine Meinung.

Liebe Grüße
Elisabeth
 
  • Wildunfälle :o( Beitrag #4
Schönen Dank!

Sehr, sehr selten kommt es vor, dass ein Tier nur unter Schock steht, sich dann wieder berappelt und davon springt. Das sind Momente, die mich unglaublich freuen.
Da ich Tiere liebe, weiß ich auch, dass sie es nicht verdient haben zu leiden und ich ihnen beim Übergang helfen kann. Verletzt würden sie auch nicht überleben, sich verkriechen und qualvoll verenden. Das wäre viel schlimmer. Und doch fühlt es sich jedes Mal wie eine Hinrichtung an und das ist wirklich ein schwerer Weg.
Ich mache wirklich alles lieber als zu Wildunfällen fahren. Egal welcher Einsatz - kein Problem. Aber sobald Tiere leiden, wird es heikel.

Viele Grüße!
 
  • Wildunfälle :o( Beitrag #5
Ich hatte vor ein paar Jahren selbst einen Wildunfall. Ich habe frühmorgens meinen Freund zur Arbeit gefahren und uns rannte ein Reh seitlich ins Auto. Wir haben natürlich angehalten und da lag es (es war wohl ein Kitz vom Jahr davor) mitten auf der Straße, es lebte, hatte "nur" eine kleine Schramme am Rücken. Da es nicht aufsprang und weiterlief haben wir es in unseren Kofferraum getan (Kombi), weil wir es ja - gerade im Dunkeln - nicht mitten auf der Straße liegen lassen konnten, denn dies wäre ja gefährlich für Reh und andere Autofahrer geworden. Dann haben wir die Polizei angerufen und uns mit denen auf einen Parkplatz ganz in der Nähe verabredet. Es kam eine Polizistin, die schon mit Tränen in den Augen aus ihrem Wagen stieg. Sie ging auch davon aus, dass sie jetzt das Reh erschießen muss. Sie schaute sich das Tier an und rang mit sich und rief auf der Wache an. Denn das Kitz sah an sich total gesund aus und sie wollte dem Reh eine Chance geben und hat sich geweigert es zu erschießen. Sie wollte es dann an eine Stelle bringen wo viele Rehe sind und hat uns dort hingeführt (es musste in unserem Kofferraum bleiben, weil in ihrem Wagen kein Platz war). Dort haben wir es dann "ausgeladen", aber es blieb einfach nur stehen und rührte sich nicht (Schock eben). Wir mussten dann weiter, es war der erste Arbeitstag meines Freundes und er kam ja so schon viel zu spät da an. Auf dem Rückweg habe ich nochmals geschaut, das Kitz stand immer noch da. Ich bin dann noch 3 x hingefahren und es stand immer noch an der gleichen Stelle. Die Polizistin hatte gesagt, dass ihre Kollegen auch regelmäßig schauen gehen würden. Wir also dann nochmals bei der Polizei angerufen und die sagten, es wären grad schon wieder Kollegen auf dem Weg um nach dem Reh zu schauen. 2 Stunden später bekamen wir einen Rückruf, dass die Kollegen entschieden hätten, dass das so keinen Sinn hat und dass sie das Tier in eine Auffangstation gebracht hätten.
Ob das Reh überlebt hat, das wissen wir nicht, aber so hatte es wenigstens eine gute Chance, denn schließlich war es nicht verletzt (äußerlich) und vielleicht hat es ja in der Auffangstation seinen Schock überwinden können und hat überlebt. Jedenfalls wünschen wir uns das auch wenn wir wissen, dass die Chance nicht sehr groß war.

Ich erzähle Dir dies um Dir zu zeigen, dass Du nicht der einzige Polizist bist, der ein Reh (oder anderes Wild) nicht mal eben freudestrahlend erschießt. In unserem Fall hat eine ganze Wache sich um das Kitz gesorgt und gekümmert.
 
  • Wildunfälle :o( Beitrag #6
Es ist ein schwieriges Thema, wir sind oft in Skandinavien unterwegs - da haben Wildunfälle eine ganz andere Bedeutung... Alles was kleiner ist wie ein Elch ist "Niedrigwild" - was ein Elch ist - ist ein Problem, nicht nur wegen der Grösse - sondern die gehen auch nicht weg - die sind sich ihrer Grösse bewusst - ausweichen können sie in den seltensten Fällen - wo gibt es schon im Wald einen 2 meter Breiten Trampelpfad wo so ein "Untier" ausweichen kann - dh. die müssen eigentlich auf der Strasse bleiben. und gegen so ein Tier musst du ein Heer an Schutzengel haben - wenn du einen Frontalcrash überlebst. Auch bei Unfällen mit Jungtieren wird es gefährlich- big Mama is watching you, du hast kaum eine Chance dich so einem Jungtier zu nähern, denn die Mütter werden echt bösartig.

Mir ist vor Jahren ein grosser Rehbock ins Auto gelaufen, mitten in der Nacht, er hat mich nur gestreift - er ist mir in die Beifahrerseite hintertüre gelaufen...Da ich zwei Jäger im Auto hatte, sind die raus, haben sich das Tier angesehen und via Polizei das nächste Tierheim informiert... Er hatte wohl eine Gehirnerschütterung und war offensichtlich auch so bedient... Aufgepäppelt wurde er wieder und in die Natur entlassen...
 
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