Hallo liebe Fories,
so - nun möchte ich Euch nicht vorenthalten, was sich bei uns so getan hat, ist ja schon wieder eine ganze Zeit vergangen...
Ich hatte mit Dr. Rosin erstmal noch telefonisch gesprochen - ein ausgesprochen nettes und sehr informatives Telefonat, und ich habe daraufhin dann einen Termin für eine Voruntersuchung gemacht.
Was günstig war, war dass ich den Termin hatte, nachdem ich den Post von "Tierdoktor" gelesen hatte, somit habe Herrn Rosin natürlich mit den Vorbehalten konfrontiert und um ehrliche Meinung gebeten.
Erstmal zur Untersuchung: Es war die gründlichste (und im Übrigen rein schulmedizinische) klinische Untersuchung, die ich je erlebt habe und hat mit allem drum und dran inklusive natürlich Abwägen von weiteren Therapieoptionen.
Die Anamnese begann mit einem langen Gespräch, was uns bei Nelli wann auffiel, wie die Beschwerden begannen, wann sie am häufigsten und deutlichsten lahmt, was genau an Veränderungen und Verbesserungen nach den Arthroskopien zu erkennen war etc. Herr Rosin schrieb sich alles genau auf.
Dann ging es raus auf die Straße und es wurde eine sehr gründliche Gangbildanalyse gemacht, im Schritt, und Trab, dann sollten wir Nelli einige Stufen laufen lassen, sich setzen, legen und aufstehen lassen. Sie hatte meiner Meinung nach einen guten Tag, wie das ja beim TA irgendwie dann immer klassischwerweise so ist - Vorführeffekt halt... Allerdings sah Dr. Rosin das anders und stellte schon hier sehr viel fest: Ich bat um eine Kopie des Protokolls, daher kann ich ja einfach schonmal hier aufschreiben, was er so fand: Im Schritt Passgang sowie ein Twist im lumbosakralen und thorakolumbalen Übergang, die Rute schwingt mehr nach links, mgr. Lahmheit vorne links, hgr. Lahmheit vorne rechts, ausgestellte Carpalgelenke. Im Trab kein Passgang, hinten wackelnd und sie läuft schräg nach links, Lahmheit wie im Schritt. Liegen und sitzen jeweils auf der rechten Seite, beim Aufstehen "zieht" sie sich nach vorne hoch. Der Stellreflex hinten links ist ggr. verzögert. Herr Rosin ist sich sicher, dass es sich nicht um ein Bandscheibenprobem handelt, sondern eher einen eingeklemmten Nerv oder eine Verspannung im Lendenwirbelbereich. Möglich wäre auch eine Verwachsung zweier Wirbel, was zwar selten der Fall ist, aber möglich wäre es. Das würde sich dann bei der Behandlung genau herausstellen.
Das war schon mal einiges...
Dann kam eine sogenannte Triggerpunktuntersuchung, wo man an bestimmte, überlastete Punkte geht: Auch da reagierte sie leider ganz stark, jeweils an den Hüftpunkten, den Ellenbögen und den Knien.

Herr Rosin führte die gesamte Untersuchung extrem ruhig und feinfühlig durch, sodass Nelli ihm wenigstens nicht böse war
Dann gingen wir die Röntgenaufnahmen und die CT-Bilder durch, die wir mitgebracht hatten. Leider wurden komischwerweise keine HD-gelagerten Aufnahmen gemacht sondern nur welche von den Vordergliedmaßen. Herr Rosin sagte, dass laut OP-Bericht und anhand der Bilder keine Gelenkchips gefunden wurden, also keine Knorpelabsplitterungen im Gelenk, sondern nur dass ein es gespült und geglättet wurde und eine Entzündung festgestellt wurde.
Er vermutet, dass die Ursache eher in den Hintergließmaßen zu finden ist: Nelli hat deutliche Schmeren an den Hüften, die Oberschenkelmuskulatur ist auch deutlich atrophiert, auf der einen Seite sogar stärker. Dadurch hat sie anderen Gelenke überlastet, um dem Schmerz auszuweichen. Vorne hat sie somit mehr Last aufgenommen. Der Bizepsmuskel ist rechts richtig stark verquollen und hart, links auch ein bisschen.
Wir sind alle Optionen durchgegangen: Von Physiotherapie (die ich ja schon lange mit ihr mache) über Schmerzmittelgabe, evt. Hüftoperation, wenn wirklich vorhandene HD, Gelenksinjektionen etc. Aber ganz ehrlich: Wo will man anfangen? Es sind schon zu viele Folgeerscheinungen.
Toll fand ich, dass Herr Rosin nicht "verbohrt" ist, also so rein esotherisch oder alternativ denkend: Er war sehr kompetent, die Auswertung der klinischen Untersuchung und sämtlicher Bilder war so detailliert und gründlich erklärt wie ich es vorher nicht kannte. Er scheint Schulmedizin und die ganzheitliche Medizin zu verbinden und für sich das Optimum für die Behandlung rauszusuchen.
Herr Rosin sieht gute Chancen mit einer Goldakupunktur. Er würde Nelli sedieren und erstmal alle Röntgenbilder machen. Er hat ein ziemlich geniales digitales Röntgensystem. Diese würden wir durchgehen, wenn nichts dagegen spricht könnte er dann gleich vergolden. Den Termin haben wir morgen!
Für die erste Zeit nach der Goldakupunktur bekommen wir ein Bewegungsprogramm mit auf den Weg, an das wir uns genau halten sollen. Dann kommt nach ca. zwei Wochen eine erste Nachkontrolle, da können dann wohl schon oft erste Veränderungen festgestellt werden, auch ob Nelli z. B. Muskelkater hat und zur Physiotherapie sollte. Nach der GI soll ich in jedem Fall bis zur ersten Nachuntersuchung auf die Physio verzichten. Nach 6 Wochen käme dann die zweite Nachuntersuchung.
Lieber Tierdoktor: Warum sollte ich bei einer Studie der Uniklinik Leipzig mitmachen, die wohl noch weniger über eine Langzeitstudie verfügen dürften als die Goldakupunktur, ich dieser aber keine Chance geben, obwohl diese Methode mittlerweile auch seit vielen Jahren durchgeführt wird?
Das macht keinen Sinn, zumal die Studien in den USA über Goldakupunktur auf fast 30jährige Erfahrung zurückgehen, die Studien in Österreich, Norwegen, Deutschland und Dänemark auf eine über 10 jährige Erfarung beruhen. Dr. Rosin hat vor einigen Wochen an der FU Berlin einen Vortrag über seine 10 jährige Erfahrung mit der GA/GI gehalten.
Es gibt wohl auch eine schwedische Studie, durchgeführt von irgendeiner Universität, die ganz klar belegt dass die GA deutlich bessere Ergebnisse hat bei Hunden mit HD als eine Femurkopfresektion oder Endoprothese. Du schreibst dass es nicht ungewöhnlich ist, dass mein Hund nach einer Arthroskopie weiterhin lahmt, sprichst aber von frustrierten Tierbesitzern nach einer GI, wenn der Hund hiernach ebenso weiterhin lahmt. Ich darf doch nach einer OP davon ausgehen, dass mein Hund zumindest schmerzreduziert ist, oder? Herr Rosin sagte mir, dass z. B. bei einem Gelenkchip eine GI überhaupt nix bringen wird und Frust beim Tierhalter mehr als verständlich ist, sollte eine Bescherdefreiheit über Goldakupunktur bei dieser Diagnose versprochen werden. Das ist einfach schier unmöglich. Das wichtigste ist eine genaue Diagnose, dann kann man davon seine Prognose abhängig machen. Es gibt einfach Fälle (z.B. OCD), da hilft einfach nur eine OP und der TA, der trotzdem eine GI empfiehlt, tut damit seinem Ruf nicht unbedingt Gutes. Sollten nach Entfernung des Chips weiterhin Schmerzen aufgrund von z. B. postoperativer Arthrosebildung bestehen, ist die Begründung für eine GI eine völlig andere und mit Sicherheit sinnvoll.
Ich habe vieles gelesen über die Goldakupunktur, auch dass es wohl viele unterschiedliche Methoden gibt. Es gibt in der Medizin keine 100% Garantie ,das sagte mir auch Dr. Rosin. Auch er kann sie mir nicht geben. Ich denke, es ist wichtig BEI WEM man eine GI durchführen lässt, hier kommt es auf die Erfahrungswerte an. Mir ist eine GI immer noch lieber als eine OP mit all ihren Risiken und Nebenwirkungen, und sei es alleine das Risiko der Arthrosebildung.
Dass es in der Humanmedizin keine Goldakupunktur gibt, stimmt übrigens nicht: Es wird in Österreich schon seit langem praktiziert.
http://noe.orf.at/magazin/daheiminnoe/gesundheit/stories/49253/
In Deutschland wohl mittlerweile auch.
So, das war ja nun schon fast ein halber Roman... Ich werde weiter berichten, wie es bei uns so läuft... In jedem Fall übernimmit meine OP-Kostenversicherung die Kosten für die Goldakupunktur, das ist wirklich cool!!!