Dominanz, Angst oder doch was anderes?

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  • Dominanz, Angst oder doch was anderes? Beitrag #1
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weißauchnicht

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Hier ein Ruf um Hilfe.
Ich bin schon echt am verzweifeln! Vor ~ 2 Monaten haben wir einen Mischling adoptiert. Wir wissen nicht viel über ihn, er soll um die 2 Jahre alt sein. Vom Verhalten her zu urteilen, hat er in seinem bisherigen Leben nicht viel erlebt, wurde wohl nie sozialisiert.
Da liegt das Problem. Beim Spazierengehen fällt er jeden Hund an!
Er reißt an der Leine und ich kann ihn kaum noch halten. Er schnappt zwar (nur), aber natürlich kann ich den Besitzern der anderen Hunde das nicht zumuten - sieht ganz schlimm aus, obwohl er noch nie gebissen hat.
Hundetrainer haben bisher nix ausgerichtet. Leinenklapse (wovon ich nicht überzeugt bin), Leckerlis, Ausweichen - ist ihm alles egal.

Er spinnt total wenn ich ihn nicht zu den Hunden lasse, springt an mir hoch, bellt wie verrückt und schnappt auch mal nach mir.
Es gibt ein paar Hunde (genau 4) die er von Anfang an mochte. Keine Ahnung wieso. Man erkennt den Unterschied in seinem Verhalten nicht.
Manchmal beginnt er zu schleichen, wenn er Hunde sieht, manchmal legt er sich ganz brav hin (aber wenn dann einer auf ihn zukommt, schnappt er).

Er benimmt sich bei allen gleich, ob er sie mag oder nicht, erkennt man erst wenn er schnappt bzw. nicht schnappt. Ich lasse ihn jetzt gar nicht mehr zu anderen hin (außer denen die er mag).Was mir leid tut, denn er würde so gerne spielen. Nur kann ich ihn auch nicht freilaufen lassen, fürs spielen, weil er sofort weg ist, wenn er einen anderen Hund sieht.

Kann mir jemand einen Rat geben? Mit unserem Hund spazieren gehen ist bis jetzt eine richtige Qual!
 
  • Dominanz, Angst oder doch was anderes? Beitrag #2
Hallo und willkommen,

versuche, so viel Abstand wie möglich zu den anderen Hunden und deren Besitzern zu schaffen. Am besten gehst du Feldwege oder durch Parks, wo du zur Not auf eine Wiese oder ein Feld ausweichen kannst. Jeder Hund hat eine Individualdistanz, die es bei deinem anscheinend erst noch rauszufinden gilt. Wird diese Distanz eingehalten, bleibt er ruhig (oder ist zumindest noch recht leicht ablenkbar). Anfangs wirst du wirklich große Haken schlagen müssen, damit dein Hund nicht ausrastet an der Leine, aber das sollte es dir wert sein. Zum einen lernt dein Hund dadurch, sich vorwiegend auf dich zu konzentrieren, und zum anderen lernst du, in solchen Situationen die Ruhe zu bewahren. Diese Ruhe musst du auch deinem Hund dann unbedingt vermitteln, denn derzeit wirst du ja selbst nervös bei Hundebegegnungen, was dein Hund natürlich spürt. Dementsprechend häufig sind dann auch seine Scheinangriffe. Also immer schön cool bleiben, egal was auch passiert.

Hast du dann herausgefunden, wie groß der Abstand zu anderen Hunden sein muss, machst du dich an die nächste Aufgabe: Du musst austesten, mit was der Hund sich am besten ablenken lässt. Es gibt Hunde, die fahren total auf Leckerchen ab (versuch auch ruhig mal Fleischwurst oder Käsestückchen), andere dagegen würden alles für ihr Lieblinsspielzeug tun. Hast du das Nonplusultra für deinen Hund gefunden, beginnt das eigentliche Training.

Der Abstand zu den anderen Hund muss immer so groß bleiben, dass der Hund noch ablenkbar ist (eben mit Leckerchen oder Spielzeug), jedoch versuchst du mit der Zeit, immer kleinere Bögen zu machen. Das alles kann sich über viele Wochen hinziehen, also nicht entmutigen lassen. Ich selbst bin auch oft genug durch herrlich nasses Laub gestapft und die mir entgegen kommenden Menschen haben mich wahrscheinlich für total bekloppt gehalten. Aber dazu sind wir Hundehalter ja da, wir haben die Lizenz, uns öfter mal zum Volldeppen zu machen. Wahrscheinlich wirst du feststellen, dass dein Hund je nach Gegenüber verschieden große Distanzen benötigt (je nachdem, wie groß sein "Hasspotential" dem anderen Hund gegenüber ist). Sieh es dann nicht als Nachteil an, dass du bei einigen Hunden Riesenhaken schlagen musst, sondern sieh einfach den Vorteil, dass du bei den anderen Hunden halt nicht ganz so weit ausweichen musst. Das motoviert einfach besser. Und nimm dir bitte selbst den Druck, dass ihr beide das in ein paar Wochen in den Griff kriegen solltet. Ich selbst war nach einem halben Jahr Training mit meinem Leinenpöbler gerade mal soweit, dass eine komplette Straßenbreite gerade eben ausreichte, um keinen Leinenkrieg auszulösen.

Dies ist allerdings nur das Training für die akute Situation. Was wirklich dazu von Nöten ist, ist ein generelles Rangordnungstraining in so ziemlich jeder Situation am Tag. Soll heißen, du musst jetzt verstärkt dem Hund zeigen, dass du der Chef im Rudel bist und er rein gar nichts zu sagen hat. Das klingt jetzt hart, aber ein Hund braucht eine klare Rangordnung, klare Regeln und einen Leader, der mit wirklich jeder Faser seines Körpers einer ist. Das bedeutet natürlich nicht, dass du nun den Haustyrannen spielen sollst, aber ab und zu eine arrogante Nickeligkeit, wie sie auch in reinen Hunderudeln zu finden ist, wirkt da Wunder. Ich weiß jetzt nicht, wie gut du informiert bist über die Verhaltensweisen von Alpharüden oder auch die Körpersprache von Hunden, weswegen ich nun auch nicht gerade alles hier jetzt im Einzelnen aufführen möchte. Aber es ist halt ganz wichtig, dies dem Hund zu zeigen (und auch ab und zu mal wirklich schon fast provokant zu demonstrieren)... und zwar in beiden potentiellen Fällen, nämlich der Angstpöbelei und dem Dominanzgehabe. Deinen Schilderungen zufolge tippe ich allerdings auf Angstverhalten bei deinem Hund, der nach dem Motto verfährt, dass Angriff noch immer die beste Verteidigung ist.

Wenn dein Hund dann kapiert, dass du Chef bist und du ihm auch die ganze Zeit zeigst, dass du es nicht akzeptierst, wenn er rumpöbelt, wird sich das mit der Zeit deutlich bessern. Dennoch solltest du damit rechnen, dass er bei einigen besonders verhassten Hunden auch weiterhin den dicken Max macht. Aber diese Handvoll Hunde kann man dann auch weiterhin weitläufig "umgehen".
 
  • Dominanz, Angst oder doch was anderes? Beitrag #3
Ich selbst bin auch oft genug durch herrlich nasses Laub gestapft und die mir entgegen kommenden Menschen haben mich wahrscheinlich für total bekloppt gehalten. Aber dazu sind wir Hundehalter ja da, wir haben die Lizenz, uns öfter mal zum Volldeppen zu machen


@Dogma: Das hast du mal wieder schön ausgedrückt :D aber recht hast du wie immer mal wieder... Deine Tips sind einfach super, mach mich zwar grad auch regelmäßig zum Vollei, da ich meinem Aro grad beibring, wer bei uns der "Master&Commander" ist... ABER ich seh bereits jetzt erste Erfolge - und wir machen das erst seit paar Tagen... und mein Hund hat echt nen Dickkopf ;)

Daher... @ weißauchnicht ? :lol: nimm dir den Tip mit dem Leader sein zu Herzen, mein Hund spinnt auch regelmäßig, manchmal bei Hunden, mehr bei Menschen und spazieren gehen kann so anstrengend sein, ich fühle mit Dir!!! Aber durch üben und ihm klar machen wer Chef im Rudel ist - nämlich Du - kriegst Du schonmal viel hin, vor allem achtet Dein Hund mehr auf Dich und schaut eher...das ist schon die halbe Miete, wenn Du mal seine Aufmerksamkeit hast... und bis dahin, tatsächlich auch erst mal Wege suchen wo nicht so viel los ist und im Notfall ausweichen, wenns auch durch besagtes Laub ist und jeder denkt "oje was macht die denn da?"... wir sind heut erst wieder auf nen neuen Lärmschutzwall geklettert um auszuweichen, um Riesengalama zu vermeiden... jetzt sagen vielleicht einige, flüchten ist auch keine Lösung aber zu Anfang sehr hilfreich... zumal ich die volle Aufmerksamkeit meines Hundes hatte da er nicht mal gecheckt hat, dass wir grad ausweichen, es aber superspannend fand da rumzuklettern, Frauchen beim rutschen zuzusehen und wildwachsende Zucchini haben wir auch noch gefunden ;)

Wie schon von Dogma gesagt, Du mußt an eurer Beziehung arbeiten und dann nebenbei das Hundeproblem in den Griff kriegen und ich kann aus eigener Erfahrung sagen es macht echt Spaß, wenn Du siehst, Dein Hund blickt langsam was Sache ist und achtet garnicht so sehr auf das Drumrum beim laufen, sondern scahutviel öfter mal zu Dir... da fängt Gassi gehen an Spaß zu machen!!!

Du kriegst das hin, bin ich mir sicher...
 
  • Dominanz, Angst oder doch was anderes? Beitrag #4
Off-Topic
... wir sind heut erst wieder auf nen neuen Lärmschutzwall geklettert um auszuweichen, um Riesengalama zu vermeiden... jetzt sagen vielleicht einige, flüchten ist auch keine Lösung aber zu Anfang sehr hilfreich... zumal ich die volle Aufmerksamkeit meines Hundes hatte da er nicht mal gecheckt hat, dass wir grad ausweichen, es aber superspannend fand da rumzuklettern, Frauchen beim rutschen zuzusehen und wildwachsende Zucchini haben wir auch noch gefunden ;)
Einfach herrlich... :005:

Und Zuchhini sind doch mal ein Prachtfund... da kann ich mit meinen gut versteckten Brombeersträuchern nicht mithalten. Willkommen im Club der unfreiwilligen Streuner und Matschsockenträger. :lol:
 
  • Dominanz, Angst oder doch was anderes? Beitrag #5
Danke für den Rat.
Ich versuch es weiter. Mit viel Schweiß, noch mehr Tränen, bis mein Haustyrann sich irgendwann wieder einkriegt. :roll:
Die neue Hundeschule beginnt in einer Woche - hoffentlich krieg ich ihn damit unter Kontrolle.
Zuhause ist er der liebste Hund der Welt, also steckt irgendwo (tief drinnen) ein guter Kern/Hund.
Ich wünsche mir nichts mehr, als dass er eines Tage mit anderen Artgenossen auf der Hundewiese spielen kann.
Drückt mir die Daumen!:D
 
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