Hmm, ich kenne weder dich noch deine Freundin. Wenn du sagst, dass du seit 7 Jahren reitest, kann das viel bedeuteten. Ich kenne leider sogar Leute, die seit über 20 Jahren reiten und denen ich kein schwieriges oder junges Pferd guten Gewissens anvertrauen würde.
Da ich auch deine Freundin nicht kenne, ist eine Beurteilung schwierig.
Das man ein Pferd NIE allein ausreiten kann oder gar allein in der Bahn reiten kann, ist unsinn. Es kann eben nur sein, dass du mit diesem Pferd ein wenig mehr Arbeit hast als mit einem anderen Pferd.
Wir haben auch Youngster mit denen man sofort allein loszockeln kann, andere dagegen brauchen etwas länger und kleben anfangs arg an anderen Pferden. Da muss man durch wohldosiertes Durchsetzen Vertrauen und Selbständigkeit aufbauen.
Warum meint deine Freundin, dass du mit diesem Pferd überfordert bist?
Hat sie das irgendwie vernünftig begründet?
Solltest du dir wirklich ein schwieriges (sehr unsicheres) Pferd ausgesucht haben, solltest du dir darüber im Klaren sein, dass dich nur Konsequenz und professionelle Hilfe wirklich weiterbringt.
Auch wenn das Pferd schreit und unruhig ist, allein in der Bahn reiten (möglichst im Unterricht).
Bei schwierigen Klebern tut es gut, eine längere Zeit allein in der Bahn zu reiten. Der RL wird dir helfen und euch beiden die Sicherheit geben, die du dann auch an den Tagen brauchst, an denen du allein mit dem Pferd bist.
Anfangs kannst du an solchen Tagen eben longieren, Bodenarbeit machen und laufen lassen, bis du sicher genug bist, das Pferd allein in der Bahn zu reiten.
Klappt das gut (auch wenn ein anderes Pferd anfangs dabei ist und dann die Bahn verlässt), kannst du auch die ersten vorsichtigen 'Draußenversuche' starten. Hierfür bietet sich dann der Reitplatz an.
Das Pferd sollte in dieser Zeit möglichst ausschließlich allein geritten werden - oder eben mit einem Pferd, das dann die Reitbahn während deiner Reitzeit verlässt.
Ins Gelände geht man in dieser Zeit nur in Begleitung eines souveränen Pferdes.
Sobald du so weit bist, den ersten kleinen Ritt draußen allein zu wagen, sind einige Dinge Pflicht:
1) Helm - evtl. Sicherheitsweste.
2) Reitplaketten (ich weiß nicht ob die in Österreich auch sein müssen) mit Telefonnummer und Adresse des Stalls. Ansonsten irgendwo gut sichbar am Pferd befestigen. Falls du runterfallen solltest und dein Pferd allein unterwegs ist, ist das sehr hilfreich.
3) Handy - eingeschaltet
4) Handschuhe, falls du Absteigen und das Pferd halten (führen) musst.
5) Ein kleiner Zweig, den du sowohl als Gerte benutzen kannst, als auch zum Vertreiben von Fliegen und anderen Plagegeistern. Wenn man unterwegs eine Gerte wegschmeißen muss, muss man anschließend den ganzen Weg nochmal gehen um das Ding aufzusammeln. Bei einem Zweig ist das eben egal.
6) Erst in der Bahn wie gewohnt arbeiten, dann zum Trockenreiten eine kleine Runde, die dem Pferd gut bekannt ist. Diese Runde solltest du zuvor auch nach dem Reiten zur Entspannung mit anderen Pferden oft gegangen sein.
7) Im Schritt bleiben
8) Für die Entspannungsrunde draußen kein Gebisswechsel bzw. Wechsel der Hilfsmittel (Martingal o.ä.). Im Schritt nach der Arbeit braucht man sowas nicht und es soll für das Pferd alles möglichst normal sein - eben wie immer.
Glaub mir: Jedes Pferd kann allein rausgehen, allein geritten werden, allein auf der Wiese bleiben.
Bei einigen Pferden geht das schneller, andere brauchen eben länger.
Falls dein Pferd trotzdem Probleme macht -oder du Angst hast-, lass deinen RL mit dem Pferd allein nach dem Reiten eine Runde laufen. Er (oder eine nette Stallkollegin) kann dich auch das erste Mal -wenn notwendig- zu Fuss begleiten (das mache ich mit meinen RB's und einigen Reitschülern auch).
Da jetzt sowieso die nicht gerade Ausreitzeit kommt, hast du viiiiel Zeit um dein neues Pferd an dich und den neuen Stall zu gewöhnen. Das klappt schon.
Außerdem:
Glückwunsch zu deinem Pferd!
Du solltest dir nur darüber im Klaren sein, dass du mit einem Haflinger ein Arbeitspferd gekauft hast.
Sobald Haffis als Anfängerhoppelpferdchen gekauft werden, entpuppen sie sich häufig als stur und oft auch als schlecht zu reiten. Ein Haffi braucht Arbeit, sowohl körperlich als auch geistig (gerade junge Pferde, die nicht viel geritten werden, sollten psychisch gefordert werden).
Sobald diese Pferde genügend gefordert und nicht zu viel gefüttert werden (Haffis sind genügsame Pferde, die nicht fett sein sollten), entpuppt sich ein Haffi fast immer als tolles Allroundpferd, das gut gelaunt einfach alles mitmacht und enorm flexibel ist.
Alle Haffis, die ich kenne, bauten zu 'ihrem Menschen' (manchmal nach längerer Zeit) eine extrem starke Bindung auf.