Ich oute mich mal auch als "böse tierquälerin" und Exotenhalterin.
Meine Eierschlange gehört nicht unbedingt zu den Standard-Haustieren. Ist aber ein interessantes Tierchen, dass wohl mit weniger Platz zufrieden wäre als ich biete. Schlangen neigen nun mal dazu sich nicht viel zu bewegen (mein wurm hängt seit knapp 20std an der selben Stelle)
Zum Zoo: einerseits sind die haltungsbedingungen nicht gut, das ist klar.
doch leider zwingt die mentalität der menschen dies auf.
Wir haben mal in der schule einen versuch gemacht, und leute um Spenden für tiere gefragt die sie noch nie im leben gesehen oder von denen gehört haben, weder im Fernsehen noch im Zoo noch sonst wo. (ich hatte in meiner Gurppe den 4-Zehen-Pferdespringer, ein eigentlich verbreitetes Haustier, nur weniger in Europa als in Amerika)
Nur 40% der Leute wären bereit gewesen etwas für die zu tun.
So nach dem Motto "kenn ich nicht, weiß ich nicht, hab ich nie gesehen und gehört, kann nicht besonders wichtig sein".
Es ist nun mal was anderes wenn man Eisbärchen im fernsehen sieht, und sie dann live im Zoo rumtapern sieht. Da sind die dann erst "real", genauso wie deren Probleme. Vorher sind sie halt ein bild in der Flimmerkiste.
Wir menschen müssen nun mal etwas erst "live" sehen damit es für uns real wird und in unsere welt passt. Warum sonst kann man sich im fernsehen zig videos mit blutigen schießereien ansehen ohne mit der wimper zu zucken, aber bei einer harmlosen platzwunde beim Kind wird einem übel?
Das auswildern ist ja lieb und nett und gut.... und verdammt blauäugig, es tut mir leid.
Aber was bringt es, "überschüssige" tiger auszuwildern wenn die aufgrund der lebenssituation in der wildniss eine lebenserwartung von nicht mal einem jahr haben? züchten wir tiger denn wirklich nach damit irgendwelche spinner sich noch mehr kaminvorleger daraus machen können?
auswildern wird erst gehen wenn der lebensraum und die situation es zulässt. Vorher wäre eine Geburtenplanung im Zoo keine schlechte idee (im notfall muss man halt einige tiere kastrieren, das tut ihnen in gefangenschaft nicht weh, und wir haben nicht jedes Jahr zig jungtiere für die kein platz ist)
zur Haltung von "exoten"...
vor einigen jahrzehnten war jeder der sich Wellensittiche zuhause hielt ein Exotenhalter.
vor einigen Jahrhunderten galt das auch für Kaninchen und Meerschweine.
JEDES tier war mal wild, oder denkt jemand dass die Kaninchen freiwillig angehoppelt kamen und sagten "domestiziert uns!"?
Nur dass es vor einigen jahrzehnten/jahrhunderten eben normal war, tiere zu zähmen und zu unseren gefährten zu machen.
Das meerschwein ist ein gutes beispiel. es ist in unserer Gesellschaft kein Nutztier, zur nahrungsmittelgewinnung hatten wir schon große tiere wie rinder, ziegen, schafe und co.
sie jagen nicht, werden allerhöchstens gejagt.
sie stöbern keine bomben auf.
"sie dienen allein unserer unterhaltung" d.h sie haben für den menschen keinen nutzen im sinne von arbeit verrichten oder etwas liefern.
Dito Hamster, Ratte, Chinchilla und co. (kaninchen und Hasen mal ausgenommen, die waren fleischlieferanten)
Frettchen sind wie die vielen Hunderassen eine erfindung des menschen, ehemals auf leistung gezüchtet, nun zu 90% als "einfaches haustier" ohne aufgabe gehalten.
ich denke hier im Forum werden die wenigsten frettchenhalter frettieren, oder?
Und: sowohl kaninchen, als auch Meerschweine und auch viele Räubtiere in menschlichen Händen haben alle ihre vorfahren deutlich mehr platz gebraucht als unsere heutigen Gefährten (ich meine, wildkaninchen bewohnen über 100qm, "haustier"kaninchen bekommen selten mehr als 3-4qm)
was für uns HEUTE noch ein exotisches Wildtier ist kann für unsere enkel bereits ein normales Haustier sein. Wieso sollten da stinktiere, kleinstaffen und füchse nicht dazugehören?
wenn wir uns heute über den versuch der domestikation an stinktieren aufregen ist das so als ob man sich vor hunderten und tausenden von jahren über den versuch der domestikation am Wolf aufgeregt hätte...
nur weil es nicht in unser heutiges weltbild passt muss es nicht zwangsweise falsch sein... sonst hätten unsere Vorfahren mit all unseren Haustieren auch schon falsch gehandelt, aber dann müssten wir alle Kaninchen, Meerschweine, Hamster, Mäuse, Hunde, Chinchillas und co SOFORT auswildern...
wenn wir vom Nötigen Platzbedarf ausgehen dürften wir viele Nager nicht halten, genauso wie Pferde, Rinder und co.
Im gegenzug dazu wären Faultiere ja super Haustiere, da die keien großartigen ansprüche in punkto platz stellen.
Und doch sind faultiere in Heimhaltung verpönt, aber lauftiere sind in Boxen gesperrt (auch mit auslauf, aber es ist nun mal wieder die natur) sind ok? wieso? weil keiner vor hunderten vor jahren auf die idee gekommen ist das faultiere nette haustiere abgeben würden?
und: mir sind polarfüchse in guter Heimtierhaltung lieber als fast ausgerottet in der Wildnis. klar würden die füchse das wilde leben vorziehen, aber die verstehen auch nicht das sie da vom aussterben bedroht sind.
Solange man tieren die bedroht sind nicht verständlich machen kann dass sie in gefangenschaft besser aufgehoben sind werden sie immer freiheit bevorzugen.