Leber wie bei Alkoholikern
Mehr als 60% aller Meerschweinchen. Die im Institut für Veterinärphatologie in Leibzig untersucht wurden, litten unter einer hochgradigen Fettleber. Bei einigen Tieren war die Verfettung dieses Organs so weit fortgeschritten, dass die Leberkapsel kurz vor dem Zerreißen war.
Beim Menschen ist die Fettleber häufig die Folge eines übermäßigen Alkoholkonsums, beim Meerschweinchen wird sie meist von einer falschen Ernährung verursacht. Viele Meerschweinchen sind viel zu dick. Ihr Organismus ist auf das rohfaserreiche und kalorienarme Heu eingestellt. In vielen Haushalten erhalten sie zu viel Kraftfutter und zuckerreiche Leckerlis. Übrigens ist auch Honig für Meerschweinchen alles andere als gesund – denn auch er ist zuckerhaltig und äußerst kalorienreich. Das Überangebot an Kalorien setzt sich als Fett nicht nur auf den Meerschweinchen – Hüften ab, sondern wird auch in der Leber gespeichert. Und zwar vor allem in den Leberzellen. Das hat zwei Folgen: Das Fett verdrängt die Zellstrukturen, die für den Stoffwechsel und auch die Entgiftung in der Leber verantwortlich sind, so dass das Organ seine lebenswichtigen Aufgaben nicht mehr erfüllen kann. Es kommt zu einer Art Selbstvergiftung. Außerdem lässt das überschüssige Fett die Leber anschwellen. Die Kapsel, die sich als schützende Hülle dem Organ anschmiegt, wird so sehr gespannt, dass sie einreißen kann. Solch ein Riss kann leicht zum inneren Verbluten des Tieres führen.
Aber auch Hunger kann zu einer Fettleber führen. Wenn der Organismus nicht genügend Energie über die Nahrung erhält, greift er seine Fettreserven an- Das Körperfett gelangt über das Blut in die Leber. Mit geringen Fettmengen wird das Organ auch fertig, doch große Mengen kann die Leber nicht verarbeiten, sie werden gelagert und führen zur Fettleber. Das ist der Grund, warum Meerschweinchen selbst vor einer Narkose immer fressen sollten. Am häufigsten führen übrigens Zahnprobleme zu einer mangelnden Futteraufnahme. Aber auch die Fettleber selbst hat eine Appetitlosigkeit zur Folge. Ein Meerschweinchen, das nicht fressen mag, ist daher ein Notfallpatient – es muss so schnell wie möglich zum Tierarzt.
Quelle: Gesunde Tierliebe – Das Magazin von ihrem Tierarzt (Sommer 2006) , S.21