Ich mische mich jetzt mal zum Thema Tierschutz ein, denn ich glaube ich habe mehr gesehen als die meisten hier. Ich habe in Ungarn gelebt und in Griechenland in einem Tierschutzprojekt gearbeitet und in all der Zeit viel gesehen, erlebt, v.a. was die Einheimischen angeht und selbst viel getan, was auf den ersten Blick vielleicht kein Tierschutz ist.
In meinem Leben in Ungarn habe ich natürlich auch immer die Leute mit den Kisten mit den Welpen (egal ob Hund oder Katz) gesehen. Und klar waren die zuckersüß und natürlich haben die einem leid getan. Aber was haben wir jedesmal gemacht, wenn wir so einen gesehen haben? Wir haben es ignoriert. Und das ist uns nie leicht gefallen. Man weiß ja, was mit den Welpen passiert, wenn sie nicht verkauft werden. Wenn wir einen Deutschen gesehen haben, der sich dafür interessiert hat, haben wir uns lautstark daneben unterhalten, was wir von den Machenschaften halte und mehr als einmal konnten wir jemanden zum Umdenken bewegen. Und wenn wir uns dann angesehen haben, war uns allen bewusst, dass wir wieder ein paar Welpen zum Tode verurteilt haben.
In der Uni habe ich jeden Tag Hunde aus den Tötungsstationen seziert. Und ich kann nicht behaupten, dass ich das bereuen würde. Das Wissen, das ich dadurch erhalten habe, kann ich sehr, sehr vielen Tieren zugute kommen lassen. Die süßen Welpen werden selten getötet, alles was alt, krank oder aggressiv ist, dagegen sehr schnell. Und in wieweit können wir behaupten, dass ein Restleben in einem kleinen Zwinger besser ist als ein schnelles Ableben? Wir müssen von der momentanen Situation ausgehen. Es sind viel zu viele. Bei weitem viel zu viele. Vorausschauend können wir das nur eindämmen, indem wir den Vermehrern keinen Grund mehr geben, zu vermehren (denn die unverkauften Welpen landen nicht selten auf der Straße) und die Straßenhunde, die es gibt kastrieren. Aber wir müssen auch die momentane Situation betrachten. Sie schaden ja nicht nur dem Menschen, sondern auch ihren Artgenossen.
Ich habe Hunde in der Endstation 2qm Zwinger sitzen sehen, weil sie zu aggressiv/zu krank waren sie ins Rudel zu lassen. Und wenn so ein Hund 5 Jahre alt ist, ist es ethisch vertretar ihn weitere 7 Jahre darin einzusperren? Die beste Tierschutzorganisation wird nicht ihn rausholen, sondern lieber die 10 Schmusehunde, die daneben sitzen.
Für größere Zwinger fehlt der Platz. Es sind zu viele.
Die Tierschutzorgas kämpfen eh einen Kampf gegen Windmühlen, denn von den Ländern, in denen sie arbeiten erhalten sie keine Hilfe. Bestenfalls ein müdes Lächeln, schlimmstenfalls die gesellschaftliche Verstoßung (dazu später mehr). Die Ungarn sind dabei zugegebenermaßen ein besonders schlimmes Volk, da sie Hilfe von Außen, insbesondere in Form von Kastrationsprojekten, verweigern. Dadurch wird sich dort so schnell nichts ändern. Aber wir werden daran bestimmt nichts ändern, wenn wir rüber fahren und uns Welpen holen. Im Gegenteil, wir würden alles aktiv unterstützen.
Davon mal abgesehen, dass bei vielen der Ost-Welpen erst später das böse Erwachen kommt, wenn sie plötzlich starken Husten und Durchfall oder massiv Erbrechen und Durchfall bekommen. Wer erkennt die beiden Krankheiten? Ich wage zu behaupten, dass 90% der Parvo- und Staupehunde aus Osteuropa kommen und zwar nicht von Orgas!
Jetzt noch kurz zu Griechenland. Machen wir es kurz und knapp: ich habe mitgeholfen etwa 120 Welpen zu töten. Etwa jede dritte Hündin, die wir kastriert haben, war trächtig. Jedesmal, wenn wir die OP angefangen haben, haben wir gebetet: bitte sei nicht trächtig! Teilweise haben wir es ja vor der OP gesehen.
Aber was wäre, wenn wir die Welpen am Leben gelassen hätten bzw. die Hündin austragen hätten lassen. Die meisten Welpen hätten die Geburt gar nicht überlebt, da viele der Hunde im Rudel leben und die Rüden schon Schlange stehen, wenn eine Hündin wirft. Da sie gerade in Geburt ist, kann sie ihre Welpen nicht verteidigen. Das habe ich zum Glück nie mit ansehen müssen, das Erzählen davon hat mir schon gereicht. Und es ist ein milder Trost, wenn man wieder einen Uterus mit sieben Welpen rausschneidet. Und die, die überlebt hätten? Da wären wir wieder bei der Platzfrage. Und der Kostenfrage. Jeder von uns hat dort unentgeltlich gearbeitet, selbst die Tierärztin, aber die Materialkosten müssen gedeckt werden, denn die betrugen für das ganze Projekt knapp 7000€. Woher nehmen? Von 120 Welpen sind statistisch gesehen 60 Mädchen, lass nur 40 überleben, dann sind wir bei weiteren Kosten von über 3000€. Und da kommen ja noch die Welpen der ganzen Privatleute dazu, die ja ihre Hunde alle nicht kastrieren, aber frei rumlaufen lassen. Dann kommen noch die "Züchter" dazu, denn scheinbar jeder in Griechenland, der nen Rassehund hat, braucht Welpen, wobei diese nicht zu Straßenhunden werden, weswegen man sie eigentlich nicht dazu rechnen darf.
Unterm Strich haben wir das einzig richtige getan. Und glaubt mir, ich jedenfalls bin danach nicht zur Tagesordnung übergegangen. Und ich bin eigentlich ein sehr "gefühlskalter" Mensch, d.h. nach einer normalen Einschläferung, selbst wenn ich tagelang um den Patienten gekämpft habe, kann ich mich bereits beim Käfig putzen übers Weggehen am Abend unterhalten (btw: ist meine Methode damit klar zu kommen). Aber das ging da unten nicht mehr.
Und wir haben uns alle tierisch gefreut als wir die eine, wunderschöne Hündin und ihre Welpen retten konnten. Eigentlich sinnlos, aber bei all dem Tod, hat es einfach mal gut getan, Leben zu sehen.
Und wir haben Mund zu Nasebeatmung bei einem Kaiserschnitt gemacht, um die kleinen Würmchen zu retten. Es hat allerdings keiner geschafft, auch die Mutter ist am nächsten Tag gestorben.
Noch kurz zur Andeutung von oben: die Frau, die sich dort unten um die Hunde kümmert, ist gesellschaftlich ausgestoßen. Sie findet keinen Job wegen der Hunde, sie wird kaum beim Bäcker oder am Markt bedient. Sie bekommt jeden Tag den Hass zu spüren und Drohungen werden ausgesprochen, aber sie macht es trotzdem. Und sie liebt jeden einzelnen ihrer 300 Hunde.
Ach ja, die griechische Mentalität eines Kastrationsprojekts würde so ausschauen: wir streichen das Geld von der Orga ein und schläfern mindestens 80% der Hunde ein und behaupten, dass sie die Kastra nicht überlebt hätten. DAS haben wir nicht getan! Nur die ganzen Welpen ...
Das ist jetzt ein sehr langer Text geworden, aber ich wollte mal meine Eindrücke zu dem Thema rüberbringen. Und damit auch nochmal verdeutlichen, dass manchmal Tierschutz bedeutet, nicht ein bestimmtes Tier zu schützen.