- Anlegen einer Hermetosphäre Beitrag #1
I
Isisnofret
- Beiträge
- 1.154
- Punkte Reaktionen
- 0
Da die Resonanz zu meinen H-Sphären so positiv ausgefallen ist, gibts hier nun die gewünschte Anleitung dazu. 
Anmerkung: Die ursprünglichen Versuche, auf denen meine basieren, wurden vom Diplom-Biologen Ulf Soltau durchgeführt und in einem Bericht zusammengefasst. Ich gebe die Anleitung hier mit meinen eigenen Worten und Bildern wieder, so wie ich es selbst durchgeführt habe.
Materialien:

- lange, schmale Pinzette zum besseren Einbringen der Pflanzen, diese gibts u.a. im Zoofachhandel als Futterpinzetten (Man könnte wahlweise auch asiatische Essstäbchen ausprobieren, funktioniert bestimmt auch, eurer Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.)
- einige kleine Stücke Holzkohle (unbenutzt, nicht die nach dem Grillen nehmen
) zur Vermeidung von Schimmelbildung auf dem Substrat
- abgekochtes und abgekühltes Leitungswasser
- kleine Pipette, Spritze oder etwas Ähnliches zum späteren Angießen
- Gefäße
Es eignet sich so ziemlich alles aus Glas oder Acrylglas, was dicht verschlossen werden kann. Farbige oder getönte Gläser sollten nicht benutzt werden, da das Farbspektrum verändert wird und dann nicht optimal für die Pflanzen ist.
Man kann zum Beispiel Glaskaraffen, Stopfenflaschen, Apotheker-, Einmach- Bonbon- und Vorratsgläser etc. verwenden. Am besten nimmt man Gefäße ab mindestens 1 L Füllvolumen.
- Blähtongranulat
Das Granulat ist in jedem Baumarkt erhältlich. Es wird sonst für Hydrokulturen genutzt. Seramis sollte man nicht verwenden, da der Abrieb zu stark ist und man nach einiger Zeit kaum noch durch das Glas sieht.
Das Substrat wird zuerst unter fließendem Wasser gründlich gewaschen. Dann wird es in einen Topf gefüllt und ca. 2 Stunden bei 200°C im Backofen erhitzt. So werden alle störenden Keime abgetötet, die das Ökosystem sonst gefährden könnten. Mit den Pflanzen kommen dann noch genügend Mikroorganismen in die Flasche, da man diese ja nicht unbedingt in den Backofen stecken sollte.
- geeignete Pflanzen
Die Pflanzen müssen eine gewisse Robustheit aufweisen und sollten kleinwüchsig sein. Am besten geeignet sind Pflanzen feuchtwarmer tropischer Herkunft. Aber auch viele Aquarienpflanzen eignen sich. Viele von ihnen leben in ihrer Heimat nicht komplett unter Wasser, sondern eher amphibisch und können daher durch die fast 100%ige Luftfeuchtigkeit in der Flasche auch „an Land“ leben. Aquarienpflanzen können auch bequem im Internetshops bestellt werden, daher habe ich in meinen H-Sphären erst mal auch nur solche drin. Stängelpflanzen sind nicht ganz so geeignet, da die Pflanzen wegen des mangelnden UV-Lichts vergeilen, sie wachsen zu hoch und kippen dann um.
folgende gängige Aquarienpflanzen habe ich bisher „verpflanzt“:
Anubias bateri var. nana - Kleines Speerblatt (auch alle anderen Anubias-Arten möglich) *
Anubias barteri angustifolia – Schmalblättriges Speerblatt (recht große Art, für Gefäße ab 5 L)
Cryptocoryne parva – Wasserkelch *
Echinodorus tenellus - kleine Amazonasschwertpflanze
Eleocharis acicularis – Nadelsimse
Glossostigma elatinoides - Australisches Zungenblatt
Hemianthus callitrichoides cuba - Kubanisches Perlkraut (sehr zartes Pflänzchen) *
Ceratopteris thalictroides - Sumatrafarn
Riccia fluitans - Flutendes Teichlebermoos (braucht es sehr feucht)
* meine Favoriten bisher und auch heute verwendet worden
Welche auch sehr gut geeignet und überall zu finden sind:
Begonia sp. - Begonie (kleinbleibende Arten)
Chlorophytum comosum - Graslilie
Drosera sp. – Sonnentau (tropische Arten)
Peperomia sp. (z.B.: P. caperata; aber auch viele tropische Kleinarten)
Phalaenopsis-Hybride (Zwergformen)
Saintpaulia ionantha - Usambaraveilchen (kleine Zuchtlinien)
Marchantia polymorpha – Brunnenlebermoos
Ihr könnt natürlich auch andere Pflanzen (feuchtwarmer Herkunft!) einbringen und sehen, ob sie über einen längeren Zeitraum stabil sind. Eure Ergebnisse könnt ihr gern hier posten.
Durchführung:
1. Als erstes wird das gereinigte und sterilisierte Tongranulat in dem abgekochten Wasser kurz getränkt und dann ca. 1-2 cm hoch in die Flasche gefüllt. Dazu mischt man einige kleine Stücke Holzkohle unter.

2. Die Pflanzen sollten einmal unter fließendem Wasser vorsichtig abgewaschen und die Wurzeln vom vorherigen Substrat befreit werden. Die Wurzeln von Aquarienpflanzen sind häufig in Cellulose gewickelt, diese löst sich unter fließendem Wasser recht schnell ab und man muss nicht groß dran rumzerren.


3. Dann werden die Wurzelpflanzen nach Wunsch platziert. Es bietet sich an die kleinsten Pflanzen zuerst und dann die größeren einzufügen. Lange Pinzetten eignen sich dafür besonders gut. Vorsichtig vorgehen, damit die Wurzeln keinen Schaden nehmen.

4. Es wird eine abschließende Schicht Tongranulat zugegeben. Dazu kann man bei sehr engen Flaschenhälsen bequem ein Blatt Papier zu einer Röhre formen und das Substrat zielgenau einfüllen (sonst werden die Pflänzchen ja förmlich „erschlagen“).

5. Bodendeckende Pflanzen und Moose werden dann einfach nur aufgelegt und müssen nicht weiter befestigt werden.

6. Das Angießen erfolgt mit einer Pipette o.ä. Es wird soviel abgekochtes Leitungswasser zugefügt, bis das Substrat gesättigt ist. Sobald am Flaschenboden ein kleiner Wasserstand zu sehen ist, hört man auf. Meist reichen schon wenige ml aus. Die Pflanzen dürfen dabei ruhig ein paar Tropfen abbekommen. Es kann ein paar Stunden dauern, bis das Granulat sich dann komplett vollgesogen hat, am besten einfach über Nacht geschlossen stehen lassen. Wichtig ist, dass man zum Schluss keinen Meniskus mehr sieht, dass Wasser muss komplett vom Substrat aufgenommen worden sein. Sollte dennoch ein Wasserstand unten erkennbar sein, lässt man die Flasche einfach ein oder mehrere Tage stehen, bis das überschüssige Wasser verdunstet ist.

7. Zum Abschluss wird das Gefäß entgültig dicht verschlossen und fertig ist eure Hermetosphäre.

Standort:
Die H-Sphäre braucht sehr viel Licht um die Lebensprozesse in Gang zu halten. Kunstlicht ist weniger geeignet, da es andere Spektren aufweist als Sonnenlicht. Daher sollte sie am besten an einem hellen Nordfenster stehen. Direkte Sonneneinstrahlung sollte wegen Überhitzung aber tunlichst vermieden werden.
Pflege:
Die Hermetosphäre braucht nur sehr wenig Pflege.
Durch Kapillarkräfte steigen nach einiger Zeit oftmals Mikropartikel hoch, diese kann man aber mit einem selbstgebauten Magnetreiniger entfernen. (Dazu nimmt man zwei Magnete, beklebt eine Seite mit Filz und bringt einen davon in die Flasche. Der Andere von außen hält den Magnet innen dann an der Glaswand.)
Es kann vorkommen, dass besonders nach der Errichtung der H-Sphäre einige Pflanzenteile absterben, weil die Pflanze noch nicht an die umgebenden Bedingungen gewöhnt ist. Diese kann man aus ästhetischen Gründen mit einer Pinzette entfernen, muss man aber nicht.
Bei nicht komplett dicht schließenden Gefäßen kann es vorkommen, dass man von Zeit zu Zeit ein wenig Wasser nachfüllen muss.
Ansonsten sollte die Flasche immer geschlossen bleiben. Dieses kleine Ökosystem reguliert sich ganz von alleine und sollte über Jahre hinweg stabil sein.
Meine beiden heute entstandenen H-Sphären:

Viel Spaß beim Nachbasteln und zeigt her eure Hermetosphären!
Anmerkung: Die ursprünglichen Versuche, auf denen meine basieren, wurden vom Diplom-Biologen Ulf Soltau durchgeführt und in einem Bericht zusammengefasst. Ich gebe die Anleitung hier mit meinen eigenen Worten und Bildern wieder, so wie ich es selbst durchgeführt habe.
Materialien:

- lange, schmale Pinzette zum besseren Einbringen der Pflanzen, diese gibts u.a. im Zoofachhandel als Futterpinzetten (Man könnte wahlweise auch asiatische Essstäbchen ausprobieren, funktioniert bestimmt auch, eurer Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.)
- einige kleine Stücke Holzkohle (unbenutzt, nicht die nach dem Grillen nehmen
- abgekochtes und abgekühltes Leitungswasser
- kleine Pipette, Spritze oder etwas Ähnliches zum späteren Angießen
- Gefäße
Es eignet sich so ziemlich alles aus Glas oder Acrylglas, was dicht verschlossen werden kann. Farbige oder getönte Gläser sollten nicht benutzt werden, da das Farbspektrum verändert wird und dann nicht optimal für die Pflanzen ist.
Man kann zum Beispiel Glaskaraffen, Stopfenflaschen, Apotheker-, Einmach- Bonbon- und Vorratsgläser etc. verwenden. Am besten nimmt man Gefäße ab mindestens 1 L Füllvolumen.
- Blähtongranulat
Das Granulat ist in jedem Baumarkt erhältlich. Es wird sonst für Hydrokulturen genutzt. Seramis sollte man nicht verwenden, da der Abrieb zu stark ist und man nach einiger Zeit kaum noch durch das Glas sieht.
Das Substrat wird zuerst unter fließendem Wasser gründlich gewaschen. Dann wird es in einen Topf gefüllt und ca. 2 Stunden bei 200°C im Backofen erhitzt. So werden alle störenden Keime abgetötet, die das Ökosystem sonst gefährden könnten. Mit den Pflanzen kommen dann noch genügend Mikroorganismen in die Flasche, da man diese ja nicht unbedingt in den Backofen stecken sollte.
- geeignete Pflanzen
Die Pflanzen müssen eine gewisse Robustheit aufweisen und sollten kleinwüchsig sein. Am besten geeignet sind Pflanzen feuchtwarmer tropischer Herkunft. Aber auch viele Aquarienpflanzen eignen sich. Viele von ihnen leben in ihrer Heimat nicht komplett unter Wasser, sondern eher amphibisch und können daher durch die fast 100%ige Luftfeuchtigkeit in der Flasche auch „an Land“ leben. Aquarienpflanzen können auch bequem im Internetshops bestellt werden, daher habe ich in meinen H-Sphären erst mal auch nur solche drin. Stängelpflanzen sind nicht ganz so geeignet, da die Pflanzen wegen des mangelnden UV-Lichts vergeilen, sie wachsen zu hoch und kippen dann um.
folgende gängige Aquarienpflanzen habe ich bisher „verpflanzt“:
Anubias bateri var. nana - Kleines Speerblatt (auch alle anderen Anubias-Arten möglich) *
Anubias barteri angustifolia – Schmalblättriges Speerblatt (recht große Art, für Gefäße ab 5 L)
Cryptocoryne parva – Wasserkelch *
Echinodorus tenellus - kleine Amazonasschwertpflanze
Eleocharis acicularis – Nadelsimse
Glossostigma elatinoides - Australisches Zungenblatt
Hemianthus callitrichoides cuba - Kubanisches Perlkraut (sehr zartes Pflänzchen) *
Ceratopteris thalictroides - Sumatrafarn
Riccia fluitans - Flutendes Teichlebermoos (braucht es sehr feucht)
* meine Favoriten bisher und auch heute verwendet worden
Welche auch sehr gut geeignet und überall zu finden sind:
Begonia sp. - Begonie (kleinbleibende Arten)
Chlorophytum comosum - Graslilie
Drosera sp. – Sonnentau (tropische Arten)
Peperomia sp. (z.B.: P. caperata; aber auch viele tropische Kleinarten)
Phalaenopsis-Hybride (Zwergformen)
Saintpaulia ionantha - Usambaraveilchen (kleine Zuchtlinien)
Marchantia polymorpha – Brunnenlebermoos
Ihr könnt natürlich auch andere Pflanzen (feuchtwarmer Herkunft!) einbringen und sehen, ob sie über einen längeren Zeitraum stabil sind. Eure Ergebnisse könnt ihr gern hier posten.
Durchführung:
1. Als erstes wird das gereinigte und sterilisierte Tongranulat in dem abgekochten Wasser kurz getränkt und dann ca. 1-2 cm hoch in die Flasche gefüllt. Dazu mischt man einige kleine Stücke Holzkohle unter.

2. Die Pflanzen sollten einmal unter fließendem Wasser vorsichtig abgewaschen und die Wurzeln vom vorherigen Substrat befreit werden. Die Wurzeln von Aquarienpflanzen sind häufig in Cellulose gewickelt, diese löst sich unter fließendem Wasser recht schnell ab und man muss nicht groß dran rumzerren.


3. Dann werden die Wurzelpflanzen nach Wunsch platziert. Es bietet sich an die kleinsten Pflanzen zuerst und dann die größeren einzufügen. Lange Pinzetten eignen sich dafür besonders gut. Vorsichtig vorgehen, damit die Wurzeln keinen Schaden nehmen.

4. Es wird eine abschließende Schicht Tongranulat zugegeben. Dazu kann man bei sehr engen Flaschenhälsen bequem ein Blatt Papier zu einer Röhre formen und das Substrat zielgenau einfüllen (sonst werden die Pflänzchen ja förmlich „erschlagen“).

5. Bodendeckende Pflanzen und Moose werden dann einfach nur aufgelegt und müssen nicht weiter befestigt werden.

6. Das Angießen erfolgt mit einer Pipette o.ä. Es wird soviel abgekochtes Leitungswasser zugefügt, bis das Substrat gesättigt ist. Sobald am Flaschenboden ein kleiner Wasserstand zu sehen ist, hört man auf. Meist reichen schon wenige ml aus. Die Pflanzen dürfen dabei ruhig ein paar Tropfen abbekommen. Es kann ein paar Stunden dauern, bis das Granulat sich dann komplett vollgesogen hat, am besten einfach über Nacht geschlossen stehen lassen. Wichtig ist, dass man zum Schluss keinen Meniskus mehr sieht, dass Wasser muss komplett vom Substrat aufgenommen worden sein. Sollte dennoch ein Wasserstand unten erkennbar sein, lässt man die Flasche einfach ein oder mehrere Tage stehen, bis das überschüssige Wasser verdunstet ist.

7. Zum Abschluss wird das Gefäß entgültig dicht verschlossen und fertig ist eure Hermetosphäre.

Standort:
Die H-Sphäre braucht sehr viel Licht um die Lebensprozesse in Gang zu halten. Kunstlicht ist weniger geeignet, da es andere Spektren aufweist als Sonnenlicht. Daher sollte sie am besten an einem hellen Nordfenster stehen. Direkte Sonneneinstrahlung sollte wegen Überhitzung aber tunlichst vermieden werden.
Pflege:
Die Hermetosphäre braucht nur sehr wenig Pflege.
Durch Kapillarkräfte steigen nach einiger Zeit oftmals Mikropartikel hoch, diese kann man aber mit einem selbstgebauten Magnetreiniger entfernen. (Dazu nimmt man zwei Magnete, beklebt eine Seite mit Filz und bringt einen davon in die Flasche. Der Andere von außen hält den Magnet innen dann an der Glaswand.)
Es kann vorkommen, dass besonders nach der Errichtung der H-Sphäre einige Pflanzenteile absterben, weil die Pflanze noch nicht an die umgebenden Bedingungen gewöhnt ist. Diese kann man aus ästhetischen Gründen mit einer Pinzette entfernen, muss man aber nicht.
Bei nicht komplett dicht schließenden Gefäßen kann es vorkommen, dass man von Zeit zu Zeit ein wenig Wasser nachfüllen muss.
Ansonsten sollte die Flasche immer geschlossen bleiben. Dieses kleine Ökosystem reguliert sich ganz von alleine und sollte über Jahre hinweg stabil sein.
Meine beiden heute entstandenen H-Sphären:

Viel Spaß beim Nachbasteln und zeigt her eure Hermetosphären!