Leider ist Größe nicht alles. Die Tiere brauchen auch artgerechte Beschäftigung. Gut, ein Rudel Wölfe können sich vll noch untereinander beschäftigen, aber bei Großkatzen ist es einfach schrecklich. Man kann auch Hauskatzen nicht in der Wohung halten ohne mit ihr Jagt- und Kampfspiele zu machen. Denn irgendwan wird sie faul und verschlafen und vegetiert nur noch vor sich hin.
Und das hat nichts mit arttypischem Verhalten zu tun. Ich finde es schrecklich mit anzusehen, wie Löwen und Tiger gelangweilt in ihren Gehegen herumlaufen. Wenn sie sich überhaupt mal bewegen. Die Tränen kommen mir beim Gepard, der allein in seiner winzigen Voliere den ganzen Tag am Gitter auf und ab läuft.
Diese monotonen, sich immer wieder wiederholenden Verhaltensmuster sind ein starkes Anzeichen für seelische Verstümmelung. Besonders gut ist es auch bei Eisbären in Zoos zu beobachten.
Ein Zoo, dem etwas an seinen Tieren liegt, kuemmert sich darum, dass die Tiere verhaltensgerecht gehalten werden. Da wird auch massiv in die Forschung investiert. Kein guter Zoo will stereotypierende Tiere praesentieren, sie tun viel, damit die Tiere gar nicht erst in Stereotypien kommen.
Die Jagd und der Kampf sind keine Verhalten, die Grosskatzen ausfuehren muessen, genausowenig der Todesbiss. Auch ohne koennen alle wichtigen Verhaltenselemente, die auf Motivationen zurueckgehen, erfolgreich ausgefuehrt werden. Wichtig fuer die Grosskatzen ist die Suche nach Futter.
Der Zoo Zuerich hat dafuer extra ein Boxensystem entwickelt. Diese Futterboxen symbolisieren einen Kaninchenbau - ab und zu kann eine Box geoeffnet werden und enthaelt Futter - oder eben nicht. Die Tiere sind auf Achse, um die Boxen abzulaufen. So wie ab und zu ein Kaninchen aus dem Bau kommen wuerde, dass sie schlagen koennten. Nur kann man so etwas aus Tierschutzgruenden nicht bieten
Klar gibt es auch schwarze Schafe und viel zu wenig Wissen ueber die Arten, ihre Beduerfnisse.
Für mich hat es rein gar nichts mit Arterhaltung zu tun, wenn man in Zoos züchtet. Man erhält nur eine von Inzucht geplagte perversion der ehemalig frei lebenden Tiere! Wenn diese Tiere ausgewildert werden würden, sähe die Sache ganz anders aus, aber da das in den meisten Fällen eben nicht so ist, ist es für mich auch keine Arterhaltung!
Hast du dich mal mit Zuchtbuechern beschaeftigt ? Es wird versucht, die genetische Vielfalt, die in den Zoos vorhanden ist, so gut es geht zu erhalten.
Und es gibt tatsaechlich Arten, die nachgezogen und ausgewildert werden. Schau dir doch mal die Wildpferde an.
Bei den Grosskatzen hat man aber vor allem das Problem, dass es keine Lebensraeume mehr hat. Draussen werden sie gewildert, die Populationen schrumpfen, die Lebensraeume werden "urbanisiert", ausgebeutet oder so veraendert, dass dort keine Tiere mehr leben koennen. Wo sollen sie die Tiere bitte auswildern ? Noch werden draussen Reservate geschaffen, um die wilden Population ueberhaupt erstmal zu erhalten, ob das klappt, weiss niemand, daher wird nachgezogen, um die Art vllt retten zu koennen, wenn der Mensch sie draussen doch auswildert.
Also das musst du aber selbst nochmal überdenken, kleiner Falke.
Kühe, Hühner und Schweine sind Nutztiere und werden gezüchtet um ihre Produkte oder sie selbst zu verzehren. Ergo sie haben einen Nutzen. Und wenn sie gezüchtet werden, werden die Nachkommen, die zur Zucht nicht notwendig sind einem Nutzen zugeführt.
Hier hat es ein reines finanzielles Problem : Tierkinder sind suess und ziehen Besucher an. Daher wird alles vermehrt, was da ist. Da liegt das Problem. Es sollten nur Arten gezogen werden, deren Arterhaltung noetig ist - dann hat es auch weniger Platzprobleme, weil nicht jeder Zoo tausende von Arten halten und vermehren muss.
Man sollte aber nicht vergessen, dass viele Zoos mit ihrer Tierhaltung auch dem Naturschutz dienen. So bringen sie den Besuchern mit guten Gehegen nicht allein das Tier, sondern das Oekosystem anderer Laender nahe, sie sensibilisiert sie fuer Naturschutz, indem solche Probleme thematisiert werden.
Heutige Zoos sind nicht nur dazu da, einfach Tiere auf dem Praesentierteller zu zeigen, sie sind viel komplexer in Natur- und Artenschutz eingegliedert, als so mancher vllt glauben mag. Fuer alle, die das interessiert :
http://www.zoologic.ch/zoos/strategie.pdf
Und wie gesagt, nicht alle. Es gibt auch weiterhin Zoos, die einem die Traenen in die Augen treiben. Aber es gibt Zoos, die ihre Tiere beschaeftigen und grosszuegige, natuerlich gestaltete Gehege schaffen. Und vergesst nicht, was man nicht kennt, schuetzt man nicht. So ist der Mensch nunmal, nicht alle sind so naturverbunden, dass sie alles blind schuetzen wuerden, viele schauen nicht ueber den Tellerrand. Wenn ein Zoo es schafft, diesen Blick ueber den Tellerrand zu schaffen und die Menschen dann mal nachdenken, was ihre Handlungen nach sich ziehen, und so ihr Verhalten aendern, sodass Wildtieren geholfen werden kann, so hat dieser Zoo, solang er Tiere haelt, die verhaltensgerecht gehalten werden koennen und es auch tut, zumindest in meinen Augen eine gewisse Existenzberechtigung.
Von Delfinarien brauchen wir nicht reden, ich hoffe instaendig, dass das Importverbot durchkommt, sodass auch das letzte Delfinarium in der Schweiz bald der Geschichte angehoert und nicht noch weitere Tiere misterioes verenden muessen, wie in den letzten Wochen.