Nun Versammlung kommt in der Ausbildungsskala ganz zum Schluss. Erstmal sind
Takt - das Pferd geht ohne große reiterliche Unterstützung taktmäßig vorwärts (egal ob schnell oder langsam, das Pferd soll den Takt eigenständig halten können)
Losgelassenheit - innere Losgelassenheit (Ruhe, Konzentration), äußere Losgelassenheit (Lockerheit der Muskulatur, Fähigkeit die Muskulatur differenziert An- und Abzuspannen)
Anlehnung - Dehnungsbereitschaft an die Hand
Schwung - Engagement der Hinterhand, Schubkraft
Geraderichtung - Überwindung der natürlichen Schiefe
gemeistert werden. Erst danach kommt der letzte Punkt, die Versammlung - relative Aufrichtung (so viel sich die Hanken beugen, kommt das Pferd in der gesamten VH nach oben), Tragkraft
Demnach ergibt sich, dass das Pferd erstmal Lust am Laufen entwickeln muss. Dazu gehört Motivation des Pferdes und Erziehung zum Fleiß und zur Konzentration auf den Reiter. Mit 16 ist ein Pferd nicht alt, so es fit ist und keine körperlichen Probleme (z.B. Verschleiß durch Reiterfehler in der Jugend, jahrelange schlechte Haltung ...) hat!
Mit 16 Jahren ist ein Pferd jedoch erfahren und stellt sich ungern um - es erfordert einfach ein wenig mehr Mühe als ein Youngster.
Erstmal muss das Pferd lernen, sich auf dich zu konzentrieren. Extrem faule Pferde ignorieren den Reiter oft und sind entweder umweltorientiert oder introvertiert. Damit das Pferd dich entsprechend wahrnimmt, würde ich das Pferd nicht mehr zum Anwärmen oder Trockenreiten reiten. Ich führe solche Pferde dann, damit sie wissen, dass sie wirklich entspannen können. Bei Konzentrationsschwächen steige ich auch zwischendurch ab und führe zur Pause kurz Schritt oder ich lasse das Pferd stehen und entspannen, wobei ich ein immer wiederkehrendes deutliches Zeichen gebe, wenns wieder los geht.
Sobald ich dann im Sattel sitze, reite ich zwar noch Schritt, verlange aber immer wieder kleine Übungen, z.B. 2-3 Schritte seitwärts, Anhalten, Anreiten, 5-6 Tritte Traben, Wendungen, Kruppe herein (Travers), Kruppe heraus (Renvers).... Ich reite nichtmal eine lange Seite ohne irgendetwas zu machen.
Diese Abwechslung hält das Pferd wach, ermüdet aber mental - das darf man nie vergessen.
Gleichzeitig muss ein solches Pferd lernen, sich selbst zu kontrollieren und zu koordinieren. Dein Posting liest sich wie ein Pferd, das immer auf die Hilfe des Reiters angewiesen ist und einfach mit den Jahren durch zu viele Hilfen abgestumpft und des Laufens müde ist. Man kann so etwas an der Longe regeln. Das Pferd unausgebunden longieren, dabei den Kopf immer sanft nach innen zupfen und die Peitsche von hinten nach vorn in einem Halbkreis von oben nach unten werfen (eine Bewegung wie ein Halbmond oder eine Banane). Dabei mit der Peitsche das Pferd an der Schenkellage oder am Hinterbein oberhalb des Sprunggelenks sanft abstreichen und so vorwärtstreiben. Reagiert das Pferd nicht, darf es auch 1x (nicht häufiger) etwas mehr als ein Abstreichen sein - wichtig das Pferd darf nicht aus Angst vor der Peitsche oder gar in Hektik laufen, so was hält bei solchen Pferden nur kurz.
Beim Longieren kann man dem Pferd mit einem Körperband anfangs helfen.
Das Pferd soll so gebogen größere und kleinere Zirkel laufen und soll ohne großartiges Treiben des Longenführers den Takt halten. Dieses Longeren so lange als Standadprogramm beibehalten, bis das Pferd taktmäßig korrekt läuft und den Hals in allen GGA fallen lässt und hinten aktiv mitläuft (HH Muskulatur der Schubkraft und seitliche Bauchmuskulatur - Dampfrinne- und Hüfte -die muss schön gleichmäßig wackeln- beobachten.
Beim Reiten dann genauso verfahren. Das Pferd treiben und dann aufhören. Das Pferd soll den Takt halten. Es ist erstmal egal ob das Pferd z.B. im Galopp wirklich vernünftig läuft, es darf nur NIE ausfallen. Das Ausfallen muss man dem Pferd unangenehm machen - dafür gibt es verschiedene Methoden, die den Thread sprängen würden und je nach Pferd inividuell zugeschnitten sein müssen, du kennst das Pferd besser als ich. Sobald das Pferd den Galopp also irgendwie hält (und sei es Tralopp) stellt man ihm Aufgaben, die es nur bewältigen kann, wenn es hinten Last aufnimmt und vernünftig läuft.
Im Trab ist es das selbe, durch seitliche Verschiebungen (muss anfangs nicht viel sein und die HH darf ruhig ein wenig fudeln) wird die VH gelöst, die Schulter ist ganz wichtig! Ist sie nicht oben, wird auch die HH nicht arbeiten oder falsch arbeiten -nach hinten raus.
Sobald die HH vernünftig arbeitet wirst du merken, dass das Pferd im Maul sehr viel nachgiebiger und weicher ist als du es kennst.
Sehr viel Lob ist Pflicht!
Du kannst das Programm dann noch mit Bodenarbeit auffrischen, indem du dem Pferd beibringst, das mit der Gerte angetickte Bein anzuheben und nach vorn (wichtig) zu setzen. Beim Reiten kannst du das nutzen, das Pferd anticken und gleichzeitig treiben, damit das Bein weiter vor gesetzt wird.
Ach ja, ganz wichtig, nicht versuchen das Pferd zu früh nach unten zu ziehen, das ist völlig unproduktiv. Erst mal locker reiten, dann erst gehts ans Gebiss.