Ich werde mich jetzt mal spontan unbeliebt machen:
Wer garantiert dir, dass du von der Hundeschule etc. auf jeden Fall weiterhin die Unterstützung behältst?
Eine Hundeschule ist ein Dienstleister- kein Wohlfahrtsverein.
Im Zweifelsfalle wäre es für die Hundeschule immer wichtiger zahlende Kunden zu "bedienen" als sich kostenlos abzuarbeiten.
Klingt böse, aber ernsthaft: Welcher andere Dienstleister macht das schon?
Nächster Punkt: Der Hund ist vermutlich kein Stück erzogen.
Die bisherigen Umstände haben also den Hund, egal wie hübsch er ist, nicht unbedingt zu einem einfachen Kandidaten gemacht.
12 Stunden allein sein können einen so jungen Hund massiv verstören- stell´dich also prophylaktisch auf Bindungsstörungen ein.
Sei es, dass er Menschen uninteressant findet oder aber, dass er total fixiert auf Menschen ist und nicht allein gelassen werden kann.
Der zweite Hunde ist keine Garantie dafür, dass die beiden gut zusammen allein bleiben können.
Was tust du, wenn sie nur in deiner Anwesenheit miteinander klar kommen- sobald du weg bist gibt es aber Stress ohne Ende?
Du hast dann 2 Hunde, die sozial absolut nicht gefestigt sind und sich gegenseitig hochpushen werden.
Der Nachbarshund bellt? Ja, geil, lass mitmachen!
Selbst wenn beide isoliert es nicht tun- zusammen kommen gerade pubertierende Jungrüden auf die dollsten Ideen.
Das nächste wäre dann der wahrscheinlich vorhandene Wach"trieb" deines jetzigen Hundes.
Du hast da einen GSS, der sich zum totalen Wächter entwickeln kann- noch ist er so jung, dass man das nicht abschätzen kann. Wie sieht es da bei dem Schäfer aus?
Gibt es da erste Tendenzen in die Richtung Schutzverhalten etc.?
Was tust du, wenn du zwei pöbelnde Jungrüden an der Leine hast?
Bist du in der Lage beide zu halten bzw. kannst so viel Zeit aufwenden mit jedem einzeln mal eben 2 Stunden am Tag zu laufen und zu arbeiten? Mindestens?
Selbst, wenn der Hund nur übergangsweise bleibt muss er irgendwie beschäftigt werden.
Kannst du beide entsprechend auslasten bzw. hast Zeit und Lust mit ihm am Grundgehorsam zu arbeiten damit er nicht komplett "roh" in ein neues Zuhause einzieht?
Hast du die Kosten durchkalkuliert?
Ein Schäferhund ist kein Chi...Der futtert locker nochmal das doppelte von dem was dein "Kleiner" im Moment frisst.
Wie sieht das mit deiner Versicherung aus?
Ist das abgeklärt, wenn du zwei Hunde hast?
Was sagt dein Vermieter etc.?
Wo werden die Hunde untergebracht, wenn irgendwas bei euch schief laufen sollte? (Besonders: Würde eure Ersatz-Person auch mit einem Schäferhund losziehen? Viele Menschen haben da Skrupel)
Und sei es nur, weil jmd. spontan krank ist und nicht mit den Hunden raus kann o.ä.?
Auch nicht unwichtig: Wo kommt der Hund her?
Ist er vllt. schon krank bzw. was macht ihr, wenn ihr ihn habt und es stellt sich raus, dass er hochgradig HD/ED hat und dringend operiert werden muss?
Hättet ihr theoretisch die finanziellen Mittel bzw. seid ihr bereit dazu, wenn er vorerst übergangsweise bleibt?
So.
Wenn du alle Fragen 100% sicher beantworten kannst würde ich sagen: Mögest du hingehen in Frieden:mrgreen:
Aber dir sollte wirklich klar sein, was du tust.
"Der ist so lieb" und der "Der tut mir so leid" ehrt dich als empathisches Wesen, aber bedenke ganz besonders: Er wird dir nicht dankbar sein.
Er wird sich nicht erkenntlich zeigen und schon gar nicht spontan eine gute Bindung zu dir haben.
Er wird Menschen kaum als etwas wirklich gutes kennengelernt haben.
Er wird "undankbar" sein und dir auf der Nase herumtanzen so gut es eben geht. Und das bis zur Schmerzgrenze.
Wie pubertäre Jungrüden eben so sind.
Das ist nicht böse oder sonstwas, sondern normal
Sonst habe ich dann erstmal keine weiteren Fragen
Nur noch eine persönliche Anmerkung:
Ich finde es toll, dass du ihm helfen willst.
Aber vllt. ist ihm mehr damit geholfen, wenn du alle Hebel in Bewegung setzt und ein Zuhause für ihn findest in dem er entweder an einen souveränen Althund gerät oder an jmd. der Erfahrung damit hat deprivierte Hunde (und danach klingt er) hinzukriegen- übergangsweise wäre es natürlich schön, wenn er erstmal bei dir unterkommen könnte. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass er lange im TH wäre. Jung, hübsch und ein Schäfer...Die gehen tatsächlich meist sehr, sehr schnell weg. Aber das nur anbei
Mit deinem Ersthund wirst du noch mehr als genug Arbeit haben, wenn er erstmal richtig in der Pubertät ist- deine Nerven würden es dir vermutlich danken.
Ich ganz persönlich würde es nicht tun.