18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam?

Diskutiere 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? im Hunde Verhalten und Erziehung Forum im Bereich Hunde Forum; Hallo, ich habe mir in dem Forum hier bereits viele hilfreiche Posts durchgelesen, komme aber bei meinem Hund nicht weiter. Es ist ein 18 Wochen...
  • 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? Beitrag #1
B

Bandou

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Hallo,
ich habe mir in dem Forum hier bereits viele hilfreiche Posts durchgelesen, komme aber bei meinem Hund nicht weiter.
Es ist ein 18 Wochen alter Bearded Collie Rüde und wir (meine Freundin und ich) haben ihn schon seit der 8. Woche.
Ich versuche erstmal mein Problem kurz zu schildern und beschreibe dann "uns" etwas genauer - falls das wichtig ist :)
Unsere Probleme sind:
1. Er hört generell sehr gut, egal ob drin oder draußen, allerdings ist es mit Reizen schwierig. Sieht er einen Menschen irgendwo, ist es noch gut möglich, ihn abzurufen, aber sieht er einen Hund, ist ganz vorbei. (Heute z.B. waren wir auf einer Hundewiese und er ist zu einem anderen Hund in der Ferne hin, obwohl wir ihn gerufen haben und weggelaufen sind - haben uns sogar versteckt! Nachdem der andere Hund bereits von der Wiese weglief, hatten wir dann doch Angst, dass unser Hund mit auf die Straße läuft und sind ihm hinter her und haben ihn angeleint)
2. Wir können ihn kaum alleine lassen. Selbst wenn nur einer von uns beiden geht, jammert er - wenn wir das korrigieren, wird es nur noch schlimmer.

So nun zu uns:
Im Haushalt leben nur meine Freundin, unser Hund und ich. Wir sind von Anfang an in einer Hundeschule gewesen und waren relativ häufig auf einer Hundewiese mit vielen Hunden (groß und klein). Er ist sehr gut sozialisiert und auch auf der Wiese können wir ihn häufig - wenn wir einen guten Moment abwarten - abrufen.
Wir haben so gut wie alles von Martin Rütter gesehen und auch von anderen "Hundeprofis", also wir wissen, dass wir im richtigen Moment belohnen müssen und nicht erst 2 Sekunden danach, wir wissen, dass wir wie ein Rudelführer auftreten müssen und unseren kleinen körperlich wie auch geistig auslasten müssen.
Wir gehen jeden Tag drei mal mit ihm raus (plus maximal zwei Pinkelgängen nur schnell auf die Wiese gegenüber) - morgens 40 Minuten mit Schleppleine im Park (da er dort nicht frei laufen darf), lassen ihn dort apportieren, laufen etwas mit ihm, fahren Inliner, lassen ihn schnuppern, rufen ihn oft ab, üben Kommandos und versuchen ihn schon aus Situationen heraus zu holen, bevor er sich versteift.
Mittags waren wir bis jetzt fast täglich 90 Minuten auf der besagten Hundewiese, nachdem er aber zwei mal fast mit jemandem anderen mitgegangen ist, wollen wir erst einmal klare Regeln aufstellen und seinen Gehorsam schulen. Vorher haben wir ihn auch dort immer mal wieder abgerufen in guten Situationen und sonst ihn einfach spielen lassen.
Abends sind wir meistens noch einmal so eine halbe Stunde draußen, da wechselt sich das Programm aber ab zwischen spazieren, apportieren oder auch nur etwas üben im Freien.
Er kann sitz,platz,bleib (auch aus anderen Räumen heraus),pfote (und "andere"), Futter nur auf Befehl essen("nimms"), leg dich, "hier hin",in deine box, auf deine decke, bei Fuß mit Leckerchen und wenig Ablenkung, pfui und aus (er hat Anfangs ALLES gefressen - Steine, Stöcke, Hasenköttel,...), apportieren und wir fangen gerade mit einer Frisbee an.
Wir haben jetzt schon seit 3 Tagen sein Futter komplett weg gelassen und füttern ihn nur noch aus dem Beutel und ignorieren ihn Zuhause auch recht häufig, damit er sich umso mehr freut, wenn wir etwas mit ihm machen (hoffentlich ist das soweit nicht falsch :D ).
Ach und Zuhause hat er immer zwei Spielzeuge liegen (die wir jeden Tag wechseln, damit sie spannend bleiben), da er gerade zahnt.
Interessant ist vielleicht auch, dass er seit ca. 10 Tagen locker 8 mal pinkelt auf der Hundewiese oder wo auch immer wir lang gehen (aber noch gehockt) - heißt das, dass die Pubertät beginnt und er ein Rüde wird?

Wir würden einfach gerne wissen, wie wir es hin bekommen, dass wir das Zentrum seiner Welt werden? Nachdem wir das ganze Forum durchgelesen haben, haben wir einfach das Gefühl, dass er entweder uns nicht respektiert oder uns einfach zu langweilig findet?
Aber wie sollen wir uns noch interessanter machen als mit Futter und Spiel?
Alleine lassen üben wir auch häufig am Tag - in einem anderen Raum kann er meist ohne Probleme eine Stunde liegen und auch kurzes vor die Tür gehen ist in Ordnung. Wir hatten auch schon mehrmals 30-45 Minuten geschafft, aber irgendwann ist er einfach von 'total ruhig' auf 'bellen und jammern' umgeschlagen und wenn wir wieder da sind, hat er uns in die Wohnung gemacht und ist total durch.

Falls ihr noch irgendwas wissen wollt, lasst es uns wissen :)

Wir hätten nur gerne langsam einen guten Rat, denn wir haben das Gefühl, dass selbst das Futter ihn nicht bekommt, sobald er mehr als 200g Trockenfutter intus hat (obwohl er in seinem Alter und 15kg [er hat kaum Fett über den Rippen] doch locker 550g am Tag fressen müsste?).
Wie kann man sich noch interessanter draußen machen, sodass er sich mehr auf uns konzentriert?
Oder habt ihr vielleicht sogar das Gefühl, dass unser Problem ganz woanders liegt?

Vielen Dank schonmal fürs Lesen!
 
  • 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? Beitrag #2
Also 1. denke ich, dass ihr jetzt schon wesentlich zuviel mit dem Hund macht :D Der Hund ist erst 4,5 Monate, da würde ich weder groß Inline skaten (auch nicht so der Hit für die Gelenke, solange die noch im Wachstum sind) oder Frisbee spielen.
Der Hund ist JETZT noch im Wachstum. Wenn ihr jetzt schon so viel mit ihm macht, werden seine Ansprüche an Auslastung jeglicher Art während der Pubertät und später nur noch mehr wachsen.

2. Ihr habt da einen noch relativ kleinen Hund. Da klappt einfach nicht alles auf Anhieb ;) Andere Hunde sind für die meisten die größte Ablenkung die es gibt, so manch ein Hundehalter arbeitet da Jahre dran bis in so einer Situation der Abruf sitzt :D

Ansonsten ist das wie überall. Vertrauen und Bindung muss wachsen, das geht auch nicht von heute auf morgen ;)

edit: also bitte nicht falsch verstehen. Es ist wahnsinnig toll, dass ihr euch da scheinbar echt informiert habt und euch Mühe gebt, den Hund auszulasten.
Das, was ihr im Moment macht ist aber mMn nicht wirklich altersgerecht. Man lässt ja ein 4-jähriges Kind auch keinen Marathon laufen ;)
Bleibt einfach spannend und schaut, was Spaß macht. Interessant bleibt ihr, indem ihr immer Abwechslungsreich seid. Aber Achtung, manchen Hunden wird es auch langweilig, wenn sie immer nur "bespaßt" werden.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? Beitrag #3
Huhu und willkommen ^^

er ein Rüde wird?

Das war er schon von Anfang an :angel:

Zu dem Allein sein, so eine lange Zeit würde ich es noch nicht riskieren. Du sagst ja selber, es kippt schnell ins jammern um.
Ihr müsst den Augenblick erwischen, bevor das so endet. Wie reagiert ihr wenn er bellt? Geht ihr gleich zu ihm?
Somit würde der Hund nämlich lernen, das Alarm machen heißt das ihr kommt. Keine gute Vorraussetzung ;)

Ansonsten kann ich Infano nur zustimmen. Nicht übertreiben.
Man sagt so im Volksmund 5 minuten Gassi pro Lebensmonat.
Grade Sport und Sprünge und viel rennen können sich fatal auf die Gesundheit auswirken.
So lieb ihr es meint, umso undankbarer werden es euch gelenke und Knochen nehmen.

Außerdem erzieht ihr euch da, wenn es so weiter geht, eventuell nen Junkie zurecht. Wenn ihr jetzt schon soviel Aktion macht, was soll der Hund später wollen?
Mit dem pensum von jetzt wirds ihm nicht reichen. Sprich er will mehr. Und das kann sicher anstrengend werden.
 
  • 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? Beitrag #4
Ich glaube auch, dass ihr da ein ganz schön volles Programm für den kleinen Kerl durchzieht. Als grobe Richtlinie heißt es zum Gassigehen ca. 5 Minuten pro Lebensmonat, die der Zwerg am Stück laufen soll - bei euch wären das dann so 20-25 Minuten. Wenn er ohne Leine frei läuft und spielt geht sicher auch mal etwas mehr, aber übertreiben sollte man es nicht.

Vielleicht geht ihr anstatt auf die Hundewiese einfach mal in den Wald oder auf eine ruhige Wiese mit ihm, wo er sich mehr auf euch konzentriert als auf die anderen Hunde. Wenn man mal einen Hund zum Spielen trifft, ist das ja schön, aber der Kleine soll doch erstmal lernen, dass bei euch was los ist. Bei so vielen Artgenossen zum Toben ist es nicht leicht, noch spannender zu sein. Wenn ihr schon aus dem Futterdummy füttert, ist das doch das ideale Mittel, um den Zwerg auf euch zu konzentrieren. Außer dem üblichen Apportieren kann man das Ding auch prima für z.B. Suchspiele oder kleine Gehorsamsübungen einsetzen.

Was das Futter angeht, ich weiß ja nicht, was ihr füttert, aber das kommt mir sehr viel vor. Mein Labbi (5 Monate, wiegt über 20 kg) bekommt weniger als 400gr Trockenfutter am Tag und wächst damit wie Unkraut. In dem Alter ist es auch noch sinnvoll, das Futter auf mehrere Mahlzeiten aufzuteilen und über den Tag verteilt zu geben.
 
  • 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? Beitrag #5
Edit

doch locker 550g am Tag fressen müsste?).

Woher hast du diese Info?
Die Richtwerte auf der Futterverpackung? Nun da kannst so ca die Hälfte abziehen. Diesen Werten würde ich nicht trauen.
Was füttert ihr? Ich sag mal minderwertigeres Futter macht lange nicht so satt, wie ein Gutes.
Kostet zwar mehr, aber du siehst... er würde es nicht wien Scheunendrescher weghauen. Sprich ist ergibiger
 
  • 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? Beitrag #6
Danke direkt mal an die super schnellen Antworten! :)
1. da würde ich weder groß Inline skaten oder Frisbee spielen.

2. Ihr habt da einen noch relativ kleinen Hund. Da klappt einfach nicht alles auf Anhieb ;) Andere Hunde sind für die meisten die größte Ablenkung die es gibt, so manch ein Hundehalter arbeitet da Jahre dran bis in so einer Situation der Abruf sitzt :D
Das habe ich vielleicht etwas blöd beschrieben - unser "Skaten" bezog sich auf bis jetzt nur zwei Mal und dann auch nur 5-6 Minuten in Trabgeschwindigkeit :) aber okay, dann lassen wir das erstmal ganz. Die Gummi-Frisbee (extra für Welpen) haben wir ihm nur erstmal gezeigt und diese Grundübungen aus dem Internet gemacht, sprich ihm die Frisbee mit Zieh- und Zerrspiel interessant gemacht, die Scheibe über den Boden gekullert und ihn die Scheibe aus der Hand (mit Hoppser) schnappen lassen.
Aber was sollen wir denn machen, wenn der Moment kommt, dass es nicht klappt? Uns ist klar, dass wir ihn weder bestrafen noch belohnen dürfen, wenn er mal weg rennt, aber ist das auf Dauer die richtige Möglichkeit - einfach nix machen?
Im Moment beenden wir dann immer das "Training" nach so einer Situation und gehen nach Hause.



Zu dem Allein sein, so eine lange Zeit würde ich es noch nicht riskieren. Du sagst ja selber, es kippt schnell ins jammern um.
Ihr müsst den Augenblick erwischen, bevor das so endet. Wie reagiert ihr wenn er bellt? Geht ihr gleich zu ihm?

Man sagt so im Volksmund 5 minuten Gassi pro Lebensmonat.
Grade Sport und Sprünge und viel rennen können sich fatal auf die Gesundheit auswirken.
So lieb ihr es meint, umso undankbarer werden es euch gelenke und Knochen nehmen.
.
Egal ob wir nur Sekunden, Minuten oder eben 30 Minuten und mehr mit ihm das "Alleine Bleiben" trainieren, wir gehen immer erst rein, wenn er aufhört zu bellen und zu jammern und beachten ihn auch erst einmal nicht, bis er sich beruhigt hat - ist das soweit richtig? Wir üben derzeit nochmal von 0 an, sprich wir gehen täglich 10-20 mal mit Jacke und Schuhen einfach nur vor die Tür, warten ein paar Sekunden und gehen wieder rein. "Bald" wollten wir uns dann Minute für Minute steigern.

5 Minuten pro Monat... Meine Freundin hat mir gerade gesagt, dass er doch schon fast 20 Wochen alt ist (ups :D), also wäre es altersgerecht, wenn wir morgens 25 Minuten in den Park gehen würden (mit Kommandos, apportieren und bisschen spielen), Mittags dann auch nur 25 Minuten irgendwo hin und auch nur wir drei oder seht ihr eine Hundewiese als okay an, auch wenn er da nicht hört und so lernen könnte, dass er dort nicht hören muss?

Mit anderen Worten: wir verlangen derzeit zuviel von ihm und sollten alle Anforderungen etwas runterschrauben? Normalerweise haben wir all das auch nicht direkt verlangt, aber nachdem einer seiner Brüder bereits bei Fuß laufen kann auch unter Ablenkung und uns unsere Hundeschule auch gesagt hat, dass wir der Mittelpunkt seines Lebens sein müssen und es NIEMALS passieren darf, dass er nicht auf uns achtet, sind wir nachdenklich geworden.... Bis vor 1,5 Wochen waren wir absolut zufrieden, aber durch die ganze Kritik von allen Seiten (die Hundetrainerin ging sogar soweit zu sagen, dass unser Hund keinerlei Bindung hat, weil er mit seiner besten Freundin getobt hat - die beiden kennen sich schon seitdem sie 8 Wochen alt sind und toben echt süß miteinander - und er nicht nach 2 Minuten gemerkt hatte, dass wir alle weg gegangen sind in der Hundeschule [man sollte noch dazu sagen, dass die zwei nicht die einzigen unten waren - es sind 6 von 8 Hunden inkl. Hundetrainerin unten geblieben] - hat die Trainerin recht?)

Vielleicht geht ihr anstatt auf die Hundewiese einfach mal in den Wald oder auf eine ruhige Wiese mit ihm, wo er sich mehr auf euch konzentriert als auf die anderen Hunde. Wenn man mal einen Hund zum Spielen trifft, ist das ja schön, aber der Kleine soll doch erstmal lernen, dass bei euch was los ist. Bei so vielen Artgenossen zum Toben ist es nicht leicht, noch spannender zu sein.

Was das Futter angeht, ich weiß ja nicht, was ihr füttert, aber das kommt mir sehr viel vor. Mein Labbi (5 Monate, wiegt über 20 kg) bekommt weniger als 400gr Trockenfutter am Tag und wächst damit wie Unkraut. In dem Alter ist es auch noch sinnvoll, das Futter auf mehrere Mahlzeiten aufzuteilen und über den Tag verteilt zu geben.
Was ist denn, wenn wir einen anderen Hund treffen und die zwei spielen lassen - sollen wir ihn dann zwischendurch versuchen abzurufen oder sollten wir es gar nicht erst versuchen und das Training lieber später machen?
Also wir haben hauptsächlich Nassfutter gegeben (vom Züchter so empfohlen) und sind nach und nach auf Trockenfutter umgestiegen - die letzten Mahlzeiten aus dem Napf waren dann zwei mal täglich 120g Trockenfutter und 80g Nassfutter und das dritte mal 200g Nassfutter - und wollten ihm jetzt eigentlich drei mal am Tag 150g Trockenfutter aus dem Beutel geben - das ist zu viel?

Woher hast du diese Info?
Was füttert ihr?
Naja wir haben mit der Futterdosierung vom Züchter angefangen und haben dann immer mehr gegeben, während wir den Tipp befolgt haben, dass er nur leicht Fett auf den Rippen haben darf und so sind wir dann zu den Portionen gekommen, bei denen wir nun sind :)
Da ihr zwei aber nun ganz klar sagt, dass das viel zu viel ist, werden wir dann also lieber maximal drei mal am Tag 100g Trockenfutter geben - was auch erklärt, warum er irgendwann nicht mehr so interessiert an uns ist :D
Wir füttern von der Marke "Für Ihren Liebling" das Trocken- und Nassfutter.

Sind denn drei Ausflüge jeweils 25 Minuten und maximal zwei mal extra zur Pinkelwiese okay für den Kleinen oder müsste er in dem Alter schon mit den drei Ausflügen alleine klar kommen und nicht mehr als drei Mal am Tag pinkeln müssen?
Und wie seht ihr das generell mit "Fehlern"? Wenn er mal nicht hört, wenn wir ihn rufen an der Schleppleine z.B., dann geben wir ihm nur kein Leckerchen und gut ist oder sollten wir dann das Training beenden oder wie würdet ihr das machen?
So haben wir nämlich auch das Problem mit der Leinenführigkeit, dass er z.B. zur Pinkelwiese zieht wie ein Ochse, wenn wir aber das normale stehen bleiben, Richtungwechseln und co. machen, pinkelt er uns einfach auf den Bürgersteig, weil er so nötig muss - sollen wir ihn dann einfach ziehen lassen oder lernt er dadurch nur, dass er ziehen darf? Wir geben ihm im Moment das Kommando "lauf" und dann kann er so schnell zur Pinkelwiese laufen, wie er möchte (eine Minute Gehweg).
Dass das unser erster Hund ist, muss ich nicht erwähnen oder? :D

Edit: Da er mit 5 älteren Hunden groß geworden ist beim Züchter, war er auch ein totales Energiebündel und wir haben ihn jetzt schon relativ ruhig bekommen, nur zur Info noch :)
Ach und Suchspiele sind bei uns ja etwas schwierig draußen, da er doch alles draußen gefressen hat - sollen wir die trotzdem machen und dann halt nur mit dem Fressbeutel? Denn nachdem wir Suchspiele auch drin gemacht haben, sucht er nun immer mal wieder die Wohnung ab und frisst dann alle Krümel und Flusen vom Boden.
 
  • 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? Beitrag #7
Also 1. mal: Entspannt euch! Ihr wirkt informiert und scheint ein gutes Gefühl für euren Hund zu haben. Lasst euch das nicht von irgendwelchen selbsternannten "Hundetrainern" kaputt machen.

Schaut euch euren Hund an und seht, welchen Grad an Auslastung/Auslauf er braucht um ausgelastet, aber nicht überdreht zu sein. "Raus gehen" ist ja auch nicht gleich "raus gehen". Geht ihr nur mit ihm an der Leine müsst ihr etwas länger gehen. Geht ihr in neue Gebiete ist das auch viel für´s Köpfchen und der Hund braucht nicht so viel.
Wenn euer Hund mit anderen Hunden spielt macht er ja noch mal mehr Meter gut und ist außerdem anstrengend für den Kopf, also braucht er davon auch nicht so viel.
Ich kann mit meinem Hund dreimal die gleiche Route gehen und jedesmal ist er am Ende anders erschöpft ;)
Ihr könnt auch durchaus längere Ausflüge machen, solltet dann aber auf Ruhepausen achten.

Ein Patentrezept gibt es dafür leider nicht ;)


2. Diese "Trainerin"... naja. Sicher ist es wünschenswert, den Hund immer in jeder Situation abrufen zu können. Aber ist es nicht auch herrlich, den Hunden einfach mal beim Toben zuzusehen? Ich würde das Abrufen langsam aufbauen, die Ablenkung immer weiter steigern. Wie gesagt, andere Hunde sind für die Meisten wirklich das höchste Level an Ablenkung, also kommt das zum Schluss. Wenn du das Gefühl hast dein Hund wird dich gerade eh nicht hören, lass es. Damit versaust du dir einerseits nur die Stimmung, andererseits auch das Kommando.
Es wäre doch zu langweilig, wenn ab heute für die nächsten 15 Jahre einfach alles problemlos funktionieren würde ;)

Werdet ein bisschen lockerer. Ein Hund ist ein Lebewesen und es wird noch Jahre dauern, bis alles perfekt läuft. Also seid großzügig bei Fehlern. Ich handhabe das je nach Stimmung und Situation. Es gibt Situationen, da muss der Hund dann einfach hören. Missachtet er das Kommando bin ich sauer, leine ihn an, ignoriere ihn und marschiere nach Hause. Ein Spaziergang würde da eh nichts mehr bringen weil ich frustriert bin und das mein Hund natürlich merkt -> es funktioniert gar nichts mehr ;)
Find ich es nicht ganz so schlimm kriegt er entweder nur kein Leckerlie oder wird angeleint.

Andererseits solltet ihr den Rückruf schon richtig trainieren ;) Also wenn er nicht kommt, obwohl ihr ruft würde ich schon deutlich machen, dass das Kommando eingehalten werden muss. Mein Hund bekommt dann ein "nein" (egal was du tust, das ist gerade nicht das Richtige) und als Alternativverhalten nochmal das Kommando. Passiert das nicht, marschiere ich hinterher und verderbe ihm seinen Spaß (stelle mich zB auf den tollen Duft, so dass er nicht mehr schnüffeln kann).

Zur Pinkelwiese würde ich ihn (derzeit) noch ziehen lassen, schließlich scheint er ja wirklich dringend zu müssen. Dafür dann nach dem ersten Erleichtern wirklich konsequent darauf achten.
Die fünf Spaziergänge würde ich derzeit noch beibehalten, wenn ihr das Gefühl habt, dass er es braucht ;)
Mit unserem Hund (knapp2) gehen wir auch heute noch oft 4mal am Tag, wenn wir das Gefühl haben die Zeit dazwischen würde sonst einfach zu lang. Nicht, dass er nicht einhalten könnte, aber zu lange einhalten kann auch auf die Nieren gehen.

Was ich wirklich durch meinen Hund gelernt habe: Informieren und dazulernen ist wichtig und richtig. Man muss aber auch lernen, auf sein Bauchgefühl zu vertrauen und einfach zu reagieren. Mit dem richtigen Hintergrundwissen passiert das automatisch :)
Geht raus und habt Spaß mit dem Hund. Schaut, was ihm Spaß macht und was euch Spaß macht und findet eine Schnittmenge ;) Glaub mir, dein Hund wird so lernen, dass es einfach toll in eurer Nähe ist und er gerne bei euch bleibt.
 
  • 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? Beitrag #8
Ich denke auch, dass es einerseits gut ist, dass ihr euch Gedanken macht, habe aber andererseits auch selber schon die Erfahrung machen müssen, dass zu viele unterschiedliche Tipps von allen Seiten, die man alle befolgen will, einen wahnsinnig machen können. Also entspannt euch, hört auch mal auf euer Bauchgefühl und bestimmt werdet ihr euren Weg mit euerm Hund finden. Er ist ja noch klein und vieles spielt sich mit der Zeit auch ein. Nachdem du es jetzt näher erklärt hast, finde ich euer Programm auch nicht mehr ganz so voll, wie es sich im ersten Post angehört hat.

Wir gehen auch einmal täglich etwas länger als nach der 5-Minuten-Regel vorgegeben raus. Allerdings dann wie gesagt irgendwo in Feld, Wald und Wiese wo der Kleine selbst entscheiden kann, wieviel und wie lange er läuft oder ob er jetzt mal lieber eine Pause macht und erstmal irgendwo schnüffelt. Besonders bei Gängen an der kurzen Leine, wo der Hund also gezwungen ist, in meinem Tempo mitzulaufen, finde ich es schon wichtig, die Zeiten wenigstens ungefähr einzuhalten (mal 5 Minuten mehr schaden sicher nicht) oder aber regelmäßig ausreichende Pausen einzulegen.

Beim Spielen mit anderen Hunden (Hundewiese haben wir hier nicht, es geht also um eher zufällige Treffen beim Gassigehen) handhabe ich es derzeit so, dass ich ihn nie rufe, wenn ich nicht auch ziemlich sicher bin, dass er das Kommando jetzt befolgen kann. Meinen Wildfang mitten aus dem Toben abzurufen ist derzeit noch ziemlich aussichtslos. Ich warte also eine kurze Spielpause ab oder nutze eine Gelegenheit, wo der andere Hund gerade irgendwo schnüffelt und nicht so an meinem interessiert ist. Zusätzlich bitte ich den anderen Halter, seinen Hund dann auch kurz ranzurufen und ggf. festzuhalten, dann ist der Reiz für meinen, doch wieder durchzustarten, nicht so groß ;). Wenn Paco dann bei mir ist, wird er natürlich dolle gelobt und zur Belohnung fliegt sein über alles geliebter Futterdummy in die Richtung, wo ich weitergehen will (oder je nach anderem Hund laufe ich mit dem Dummy wedelnd in die Richtung weiter ...). Da er zusätzlich momentan fast nur an der Schleppleine hängt, kann ich die auch noch aufnehmen und ihn so sanft an das Weitergehen erinnern. Das ist aber nur selten nötig.

Nochmal zum Futter ... ich kenne die Marke nicht, aber was stehen denn für Mengenangaben auf dem Beutel? Da ist ja normalerweise eine Tabelle drauf, die eingeteilt nach Alter und voraussichtlichem Endgewicht des Hundes aufschlüsselt, was der Welpe bekommen sollte. Ich fahre ganz gut damit, dem Kleinen einfach die Menge für die nächst kleinere "Gewichtsklasse" als Tagesration zu geben. Meist wiege ich das morgens einmal ab und teile das dann nach Bedarf auf. Mal gibt es was aus dem Napf mit z.B. etwas Gemüse oder Joghurt aufgepeppt, mal nehmen wir einen gefüllten Dummy mit zur Gassirunde und mal nutzen wir es als Leckerchen zum Clickern oder für Gehorsamsübungen. Da wir abends ebenfalls Nassfutter geben, bekommt er eben über den Tag verteilt nur 2/3 der Trockenfutterration und abends dann 1/3 der Tagesration vom Nassfutter.

Das Ziehen zur Pinkelwiese finde ich jetzt nicht so dramatisch, wenn er ansonsten gescheit an der Leine laufen kann. Ihr habt ja für euch einen Weg gefunden, ihm zu zeigen, wann Ziehen erlaubt ist und wann nicht. Das wird schon, wenn er älter ist und seine Blase besser kontrollieren kann.

Off-Topic
Magst du uns nicht mal ein Bild von dem Kleinen zeigen? Wir haben einen Bearded Collie mit in der Hundeschule und ich finde diese Wuschels einfach nur goldig!
 
  • 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? Beitrag #9
Danke nochmal für eure langen Antworten! Ihr habt uns schon sehr beruhigt... :)
Wir haben unser Training nun umgestellt und gehen jetzt morgens 25-30 Minuten an einer 10m Schleppleine durch einen Park oder über (leere) Hundewiesen (immer wieder andere Orte) und lassen ihn zwischen durch einen Ball apportieren, rufen ihn ab, lassen ihn rum wuseln, üben etwas bei Fuß laufen und spielen etwas mit ihm - ein paar Kommandos trainieren wir auch immer mal wieder.
Mittags noch einmal das Gleiche und Abends gehen wir nur noch einmal um den Block 10-15 Minuten und üben etwas bei Fuß laufen.
Muss er dazwischen mal raus, gehen wir natürlich noch einmal extra auf die Pinkelwiese.
Eure Sätze klingen echt toll, dass man auf sein Bauchgefühl hören soll und dass er das schon alles lernen wird, nur sagen immer so viele Leute was anderes... Und man hätte ja schon gern, dass der kleine Dickkopf einen nicht wortwörtlich im Regen stehen lässt und lieber zum Hund rennt :p
Zum Futter: Das wurde uns vom Züchter empfohlen und die besagte Hundetrainerin meinte auch, dass das Nassfutter eine gute Zusammensetzung hat, aber das Trockenfutter zwar einen hohen Fleischanteil hat, allerdings nur Fleischmehl... Nun füttern wir das nur noch zuende und wollen dann wohl wechseln... Hättet ihr da eine gute Idee für einen Junghund? Uns wurde von allen Seiten gesagt, dass es möglichst viel Fleisch haben soll und am Besten gar kein Getreide?
Achja und so günstig wie möglich sollte es auch sein, da wir nur Studenten sind :)
Eine Futterempfehlung steht leider nicht drauf... Genau deshalb sind wir uns da ja so unsicher, aber wir haben nun bereits einen Tag 3 mal 100g Trockenfutter gefüttert und haben das Gefühl, dass er immernoch Hunger hat...
Ob er sonst gut an der Leine läuft... Wir haben irgendwie das Gefühl, dass er nicht versteht, was wir von ihm wollen, wenn wir mit ihm bei Fuß laufen üben :D
Wir lassen ihn sitz machen, damit er sich konzentriert, sagen dann Fuß und loben ihn immer wenn er brav neben uns läuft und uns anguckt - wenn er nach vorne zieht, wechseln wir die Richtung und zieht er nach hinten oder zur Seite, dann ziehen wir ihn wieder an unsere Seite.
Habt ihr eine bessere Idee, wie man dem Kleinen das beibringen kann? Wir haben das Gefühl, dass er nach ca. 15 Sekunden "ja fein, brav, super, feiner Bandou" versteht, dass er so kein Leckerchen bekommt und wird dann unkonzentriert - sollten wir das überhaupt mit Leckerchen üben? In der Hundeschule wurde uns gesagt, dass es mit Leckerchen nur länger dauert, bis er es ohne macht?

Ach und Infano du hast geschrieben, dass du ihm den "Spaß" versaust, wenn er nicht kommt, aber wie versaust du ihm den Ausblick auf einen anderen Hund, wenn er dann nicht hört? :)
Wir haben es schon mit "vor ihn stellen" versucht, allerdings ist das mehr ein Spiel, weil er dann nur hin und her guckt im Sitzen, sodass er doch an uns vorbei schauen kann...

Vielen Dank nochmal, dass ihr euch die Zeit nehmt, um uns so viele Fragen zu beantworten :)

Ein Bild wird auch bald folgen - habe nur gerade keine auf dem Computer... :-(
 
  • 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? Beitrag #10
Das hört sich doch soweit schon ganz gut an. Wegen dem Trockenfutter schau doch hier mal im Unterforum "Ernährung" nach, da gibt es eine Liste mit empfehlenswerten Futtersorten.

Ich persönlich denke, dass ein Welpe / Junghund noch nicht über weitere Strecken perfekt "Fuß" laufen muss. Mir reicht es im Alltag, wenn mein Hund an lockerer Leine mitläuft und mir weder den Arm ausreißt, noch zwischen meine Beine rennt ... ob er dabei jetzt mal einen Meter vor oder hinter mir bleibt, ist mir ziemlich egal. Das haben wir inzwischen relativ gut im Griff, indem wir konsequent jedes Mal angehalten haben, wenn unser Kleiner gezogen hat. Dazu gab es das Kommando "langsam". Wenn Spannung auf der Leine ist einfach abwarten, bis Hund sich daran erinnert, dass du auch noch da bist und die Leine wieder entspannt. Dann loben und weitergehen. In den ersten Tagen und Wochen sind wir zwar manchmal mehr Gassi gestanden als gegangen, aber inzwischen macht er das schon sehr schön und es ist nur noch ganz selten ein Stop nötig.

Das wirkliche "Fuß" habe ich mit ihm gelernt, indem ich ihn immer dann, wenn er zufällig gerade mal links neben mir gelaufen ist, gelobt habe ("Prima, fein Fuß, toller Junge, ... Fuß!" ;)) und dabei gab es natürlich auch ein Leckerchen. So hat er erstmal die Position neben mir mit dem Kommando verknüpft. Irgendwann habe ich das dann auch eingefordert, erst nur für wenige Schritte, dann immer länger. In der Hundeschule hat man es uns auch durch Locken mit Leckerchen vor der Nase gezeigt, das haben wir aber kaum gemacht, weil er es da eigentlich schon beinahe konnte und außerdem mit dem Keks vor der Nase immer so aufgedreht war, dass es schlechter war als ohne..
 
  • 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? Beitrag #11
Mein Hund kann gar nicht bei Fuß laufen :D
Das ist auch eins der ödesten und anstrengendsten Kommandos - der Hund muss langsam laufen (Menschen schleichen immer so!) und sich doch in einer Tour auf dich konzentrieren. Dabei verpasst er auch noch alles andere Tolle, was um ihn herum passiert :D
Wichtiger ist mir, wie fluty, auch das geordnete an der Leine gehen. Stehen bleiben hat bei meinem nicht funktioniert, dafür aber umdrehen. Also jedesmal wenn die Leine straff ist wurde die Richtung gewechselt.

Ich verderbe ihm den Spaß indem ich mich vor ihn stelle. Klar schaut er erstmal um dich rum, aber wenn man das länger trainiert wird er das irgendwann nicht mehr. Dann kannst du anfangen, kleine Kommandos von ihm zu verlangen. Aber schon allein dass er um dich rumkucken muss heißt ja, dass er dich noch sieht - der Hund kann dich, auch wenn es gerne den Anschein macht, nicht völlig ignorieren können :)
Umdrehen und einfach in die andere Richtung spazieren wäre auch eine Möglichkeit.

Wie gesagt, ein Hund der bei anderen Hunden voll ansprechbar bleibt ist quasi die Königsklasse ;) Seid gnädig, er ist auch noch jung. Wenn er nicht kommt, versucht ihm den Weg zu verstellen. Passt auf dass ihr nicht rennt, sonst macht ihr nur ein tolles Fangspiel draus ;) Wenn er sich irgendwann hinsetzt und sich anleinen lässt - loben. Wenn ihr ihn fangt - nicht loben.

Ob mit Leckerchen oder ohne... alles wird erstmal seine Zeit dauern ;) Ich persönlich habe kein Problem damit, meinen Hund zu "bestechen", solange er dann wenigstens hört. Im Endeffekt ist das nichts anderes als mit ihm zu spielen wenn er etwas toll gemacht hat oder ein paar Meter zu rennen oder ob ein Ball fliegt. Leckerchen kann man auch wieder abbauen. Aber ja, da hat jeder eine andere Meinung. Ich denke, wenn der Hund etwas super macht hat er etwas Tolles verdient. Die wenigsten Hunde machen etwas, weil sie einen so gern haben, sondern weil sie gelernt haben, dass du in den meisten Fällen einfach toller bist.
 
  • 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? Beitrag #12
Hallo, ich finde es hört sich schon nach einem tollen Erfolg für so einen jungen Hund an. Macht aber auch nicht zuviel mit ihm, ich glaube er könnte auch ein bisschen Ruhe in seinem Alltag gebrauchen. Das mit dem Alleinebleiben solltet ihr mit diesen Ruhephasen vielleicht sogar in einer Box trainieren. Er ruht sich aus bekommt einen Kauartikel, wenn der aufgebraucht ist, verlässt ihr für 5- 10 min den Raum. Viel Lob wenn er ruhig ist, wenn ihr wiederkommt, sonst ignorieren bis er ruhig ist.
 
  • 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? Beitrag #13
Hallo,

wir wollten euch mal einen Zwischenstand posten:
Wenn wir mit ihm im Park spazieren gehen (Schleppleine) und wir haben sein Futter, was wir nur aus der Hand füttern (Klicker-Training), dabei, dann hört er super - bei anderen Hunden schaut er uns auf das Kommando "nein" zu 95% an und kommt zu uns zurück - bei Raben, Joggern und was da sonst noch so alles ist zu 100%. Jetzt versuchen wir ihn auch im "Stadttrubel" bei uns zu halten. Wir haben jetzt eine große Frage:
Wenn wir sein Futter mitnehmen, läuft er 100% super an der Leine (sogar Fuß), hört auf jedes Nein, rennt an keinen ran und konzentriert sich fast nur auf uns. Sobald wir dieses aber nicht dabei haben, zieht er IMMER nach vorne, weil er alles sehen will, wir probieren:
- in die andere Richtung laufen
- sitz machen lassen
- blockieren mit dem Bein
- stehen bleiben
- nein sagen (damit die höchste Erfolgschance)
- ihn zurück ziehen
Und er kommt nicht einmal auf den Gedanken, uns an zu sehen, wenn wir eins von den Dingen machen, nur auf seinen Namen guckt er uns an.
Auf dem Rückweg ist es jedes Mal besser (weniger Menschen und weniger Autos) - wir haben das Gefühl, dass er dabei auch nur augenfixiert ist und erst wenn wir nach Hause gehen (nach spätestens 20 Minuten sodass wir maximal 30 Minuten unterwegs sind), fängt er an zu schnuppern.
Jetzt die Frage:
Muss er das ohne Futter schon können? (Er ist jetzt schon 6 Monate alt)

Die Sache mit dem alleine lassen läuft leider schleppender als erwartet. Er kann es jetzt 5 Minuten mit zwischen durch mal jammern aushalten, dass wir vor der Türe stehen (wir reden ab und an, sodass er uns hört). Bevor wir reingehen, warten wir immer darauf, dass er ruhig ist und begrüßen ihn auch gar nicht. Erst wenn er sich hingelegt hat und sich beruhigt hat, gehen wir wieder vor die Tür. Hier haben wir aber das Problem, dass er nach dem 3. mal schon jammert, bevor wir überhaupt vor der Türe sind bzw. schon wenn wir aufstehen und Richtung Flur laufen. Wie oft sollten wir das dann am Tag üben? Wir haben aber nicht das Gefühl, dass das jammern von ihm ein richtiges "verlasst mich nicht"-Heulen ist, sondern es eher ein "ich will auch mit - was soll das denn jetzt" ist. Es ist kein Motzen mit bellen, sondern so ein leichtes Janken und auch immer nur wieder kurz - nicht durchgehend. Und er steht IMMER und DURCHGEHEND die kompletten 5 Minuten an der selben Stelle direkt vor der Türe - er bewegt sich nicht einen Millimeter weg und er hätte Zugang zu seiner Box (die er liebt), Spielzeugen und seiner Decke.
Wir haben vor längerer Zeit ihn auch schon an 40 Minuten gewöhnt gehabt, allerdings dann nur mit Ochsenziemer und danach musste er auch immer SOFORT pinkeln - sind wir 5 Minuten zu spät gekommen, hat er angefangen zu bellen und in die Wohnung gemacht (Was er mit 4 mal rausgehen am Tag sonst gar nicht mehr macht).
Sollten wir das also mit solch einer Ablenkung erstmal weiter steigern oder lieber direkt ohne Ablenkung trainieren, da wir ihm in der Zukunft ja auch nicht immer etwas geben wollen, wenn wir kurz das Haus verlassen oder reicht es, wenn er es jetzt mit Ablenkung lernt und wir später das dann einfach mal hin und wieder weg lassen?

Und was vielleicht auch noch interessant ist, ist die Tatsache, dass er letzte Woche 4 Stunden am Stück gejammert hat, als meine Freundin längere Zeit weg war. Wir hatten gehört, dass ein Hund doch nach 45 Minuten das Zeitgefühl verliert - wieso jammert er dann so lange am Stück?
Wenn ich weg bin, auch wenn es mehrere Stunden sind, ist das kein Problem (kein Jammern oder Bellen) - nur normale Freude wenn ich wieder komme. Bei meiner Freundin ist es aber anders, er jammert jedes Mal, sobald sie das Haus verlässt, obwohl sie schon seitdem wir ihn haben, regelmäßig mehrere Stunden weg war (genauso wie ich).
Auch in der Wohnung ist er stärker auf sie fixiert, sodass er bei jedem Raumwechsel ihr hinterher schaut und auch nach einigen Sekunden hinterher dackelt - macht sie allerdings die Türe hinter sich zu, dann schaut er nur kurz und dreht wieder um. Also er meckert sie dann nicht an oder ähnliches. Ist das ein Verhalten, was wir unterbinden bzw. wegtrainieren müssen? Meine Freundin stört es nicht, da sie ihn gerne bei sich hat und wenn nicht, macht sie einfach die Türe zu - wir wollen nur nicht, dass das für ihn schlecht ist.

So obwohl es nur ein Zwischenstand werden sollte, sind es ja doch wieder genug Fragen für ein neues Thema geworden :p
Ich hab mein Profilbild auch in ein Bild von dem Kleinen geändert, damit ihr auch mal wisst, um welchen Racker es sich handelt :)
 
  • 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? Beitrag #14
Ist doch schön, dass ihr Fortschritte macht!

Was die Leckerchen unterwegs angeht, müsst ihr das langsam reduzieren. Er wird es nicht schaffen, von jetzt auf gleich ganz darauf zu verzichten und sich trotzdem auf euch zu konzentrieren. Also, wenn er heute noch z.B. ungefähr alle 15m einen Keks bekommt, dann versucht es doch morgen mal auf 20m rauszuzögern. Bis ihr immer längere Strecken ohne Belohnung schafft.

Alternativ kann ich euch einen Futterdummy empfehlen. Seit ich unterwegs viel damit arbeite, ist mein Kleiner wesentlich besser auf mich konzentriert. Auch das muss natürlich langsam aufgebaut werden, aber es macht unheimlich viel Spaß (Hund und Halter) und man kann echt viel damit machen.

Das mit dem Alleinebleiben ist natürlich nicht so toll. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Problem darin besteht, dass ihr den Kleinen (wenn ich das oben richtig verstanden habe) zwischendurch doch immer wieder mal länger alleine lasst, als er es eigentlich schon kann. Du hattest was von 4 Stunden geschrieben, obwohl ihr beim Üben gerade mal 5 Minuten schafft. Besteht die Chance, für solche Zeiträume eine Betreuung zu organisieren?
 
  • 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? Beitrag #15
Das klingt sehr gut. Dann werden wir das nur langsam reduzieren.
nein nein. Es ist immer einer von uns beiden da. Also in den vier Stunden war ich zuhause :)
es sind nur beide von uns weg, wenn wir mit ihm trainieren - also die 5 Minuten :p
es war mehr die Frage, warum er 4 Stunden am Stück jammert, wenn meine Freundin weg ist, aber ich da bin? Ich habe schon vieles probiert in den Situationen:
- kurz mit ihm spielen
- ihn ignorieren
- ihn korrigieren
aber er beruhigt sich einfach kaum, wenn sie weg ist.
 
  • 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? Beitrag #16
Ich würde ihn einfach dann ablenken, mit Spielzeug und Futtersuche, kleinen Tricks, auch während sie am gehen ist. Dass er dies nicht so dramatisch mitbekommt.
Wie alt ist er jetzt?
 
  • 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? Beitrag #17
Hallo,
wenn ich richtig gerechnet habe ist dein Hund heute ca 21 Wochen - 5 Monate und 1 Woche alt.
Also ein Junghund und kein Welpe mehr,
Was du beschreibst hört sich nach den Anfängen eines Kontroll Freaks an - etwas daß durchaus zu einem Zwang werden kann.
Vermenschtlich deutet man dies Verhalten gerne (wir werden alle gerne mal gepleased) - ach der Hund hat mich sooo lieb und vermißt mich sooo sehr , hängt halt an mir....
Ja, aber auf hündisch bedeutet es: Ich trau dem Mädchen Mensch nicht zu OHNE mich zurecht zu kommen. Ich muss auf sie aufpassen und sobald ich sie aus den Augen verliere , sie das Rudel verläßt geht alles schief - die kriegt das ohne mich nicht hin.Und zwar weder wenn sie nur den Raum verläßt - noch wenn sie aus der Wohnung geht.

Ausser daß dies super nervig ist - ist es auch super anstrengend für den Hund....denn der könnte ja entweder was mit die unternehmen oder sich gechillt ablegen. Stattdessen ist er unter dauer Stress und wartet darauf wieder die Kontrolle zu übernehmen.

Wenn du gehst, jammert er nicht? Tja, dann traut er dir ein Überleben ohne seine Aufsicht zu - und aus Hunde Sicht, erkennt er dich mehr als Führender Mensch an als deine Freundin (die ja von ihm "geführt-kontrolliert - beaufsichtigt" werden muss).

Meiner Erfahrung nach müßtet ihr den Fokus des Hundes auf dich legen um dagegen zu steuern:
Du fütterst,du bespielst, du befiehlst, du kraulst und deine Freundin überläßt die erstnmal das gesamte Feld....in sehr schweren Fällen müßte sie ihn gar "links liegen lassen" während du dich vermehrt kümmerst....

Auch wenn es für uns Menschen unlogisch klingt - aber in einer 3er WG (Du Hund Freundin) : je weniger deine Freundin "gedöns" macht und sich kümmert - um "stärker" scheint sie für den Hund und um so weniger muss er kontrollieren.

LG Suno
 
  • 18 Wochen alter Bearded Collie - Gehorsam? Beitrag #18
Der Thread ist ja schon ein paar Wochen her, aber ich hab mich extra angemeldet, weil ich ihn so nett finde. Der Threadstarter bestätigt mich in meiner Vermutung, dass Menschen, die sich einen Bearded Collie anschaffen nette Menschen sind, die sich nette Hunde aussuchen (ich hab mal auf einem T-Shirt den Spruch "Andere Hunde haben Besitzer, Beardies haben Eltern" gelesen - und meiner Erfahrung nach stimmt das - ich erklär' gleich wieso).
Das kommt jetzt vielleicht arrogant rüber, aber: Bloß nicht von der Hundetrainerin mit dem "Rudeldominanzunterordnung"-Gedöns kirre machen lassen. Bindung zeigt sich dadurch, ob der Hund in Krisensituationen Schutz bei euch sucht, Gehorsam ist einfach eine ganz andere Baustelle. Kinder hören auch nicht immer und suchen trotzdem die Nähe ihrer Eltern. Dieser Stuß hält sich gerade wegen Martin Rütter hartnäckig, dabei ist doch eigentlich offensichtlich, warum das nicht stimmen kann. Der Hund unterscheidet sich doch gerade darin vom Wolf, dass er NICHT im Rudel mit Artgenossen, sondern immer schon mit dem Menschen zusammenlebt. Bis auf einige Hunderassen (Beagle --> Meute, Husky --> Schlitten) wurden die meisten Hunderassen dafür gezüchtet, als einziger Hund mit mehreren Menschen, entweder in ihrer unmittelbaren Nähe (z.B. Pitbull --> Rattenfang in beengten Quartieren armer Leute) oder zur Bewachung ihres "Territoriums" (Wachhunde wie Doggen, Herdenschutzhunde wie der Berner Sennenhund) zu leben. Das geht so weit, dass einzelne Hunderassen deutlich besser auf den Menschen, als auf andere Hunde eingestellt sind (z.B. Malteser, die sich lieber drinnen aufhalten). Beardies fallen eindeutig in diese Kategorie, weswegen sie mittlerweile statt zum Hüten oft als Therapie- oder Besuchshunde eingesetzt werden - und damit vollkommen glücklich sind.
Dass wir Hunde unabhängig von Rasse und "Zweck" als Familienhunde halten, ist erst seit wenigen Hundegenerationen so, deswegen lassen sich die meisten Eigenschaften noch auf den ursprünglichen Zweck der jeweiligen Rasse zurückführen. Z.B. haben Pitbulls - man möchte das bei den heutigen Vorurteilen kaum noch glauben - gegenüber einer Auswahl von verschiedenen Rassen die höchste Reizschwelle - die sind es einfach gewöhnt, dass sie in einem überfüllten, trubeligen Haushalt gehalten werden und die Probleme entstehen erst, wenn sie entgegen ihrem Wesen entfernt vom Menschen im Zwinger gehalten oder vom Menschen zur Aggression, z.B. in Hundekämpfen, animiert werden. Früher nannte man sie sogar "nanny dogs", weil sie so stresstolerant und loyal gegenüber ihrer Familie sind, dass man sie zum Aufpassen auf die Kinder einsetzen konnte. Allerdings wurden sie dann neben der Rattenjagd auch zu Hundekämpfen eingesetzt, weswegen sie gegenüber Artgenossen Kommunikationsprobleme haben - es wurden eben die Hunde weitergezüchtet, die auf Aufforderungen zum Frieden schließen am wenigsten reagiert haben. Dieser Zweck war eben nicht bei allen Hunden gleich, deswegen gibt es das Patentrezept für die Hundeerziehung, dass die Hundetrainer versprechen einfach nicht.
Ein relatives stabiles Ergebnis der Psychologie zur Hund/Mensch-Beziehung ist, dass Hunde sehr wohl einen Unterschied machen zwischen "Mensch" (=DOSENÖFFNER, FUTTER, DACH ÜBER DEM KOPF, STREICHELEINHEITEN!) und "Artgenosse" (= Spielkamerad oder Konkurrenz). Z.B. zeigen Hunde gegenüber "ihren" Menschen Bindungsverhalten (sie orientieren sich in neuen Situationen durch Blicke am Menschen, zeigen Trennungsangst, erwarten in Problemsituationen Hilfe vom Menschen), gegenüber Artgenossen aber nicht. Wenn ein Hund also seinen Besitzer beim Heimkommen stürmisch begrüßt und an ihm hochspringt, dann hat das mitnichten etwas damit zu tun, dass er den Menschen als Rudelführer nicht respektiert, sondern ist eher darauf zurück zu führen, dass der Mensch genau dieses Verhalten in der Vergangenheit gefördert hat und der Hund einfach nicht weiß, was richtig ist. Die Hundetrainer machen es sich deutlich zu einfach, wenn sie unterschiedslos bei jedem Hund empfehlen, dass man sich als Rudelführer profilieren soll. Was für einen Beagle richtig ist (= Jagdhund, muss unbedingt gut abrufbar sein, weil der Imperativ zum Gehorsam stärker als der noch vorhandene Jagdtrieb sein muss, hat aber ein gutes Gespür für die Signale anderer Hunde und ist deswegen in der Regel gut verträglich), muss für einen Pitbull (= sollte gegenüber anderen Hunden mitleidslos sein, gleichzeitig aber auch im Ring vom Mensch gut abrufbar sein) oder einen Bearded Collie (= Hütehund, behält seine Schäfchen und den Schäfer im Auge und hat den Tötungsbiß "verlernt") nicht richtig sein.
Guck' mal in die Videos, da sieht man schönes Beardie-Verhalten: hohe Bindung an den Menschen, fehlende Aggression, Geschick bzw. der Wunsch, gefordert und gelobt zu werden.




Die Tiffin im ersten Video guckt sich immer wieder nach ihrem Frauchen um - das ist bei Beardies absolut üblich. Der Hund behält in dem Fall den Menschen im Blick, darauf könnt ihr bauen. "Stromern" ist bei Beardies absolut unüblich. So lange der Hund noch ein bisschen ... ähem ... aufmerksamkeitsdefizitär ist (unglaublich, wie viele Ablenkungen es auf den zehn Metern zwischen mir und dem Hund geben kann ...), ist die Schleppleine zur Sicherheit super, ansonsten einfach mal aus dem Blickfeld des Hundes weggehen oder wenn er euch foppt (annähern, aber außerhalb eurer Reichweite bleiben), wegscheuchen. Das kann ihn so erschrecken, dass er von da an aufpasst.
Das zweite Video zeigt worauf ihr euch einstellen müsst: Die bleiben wirklich lange verspielt. Das "einfache" Spazierengehen ist nicht deren Fall - aber da seid ihr ja ganz drauf eingestellt ;). Und insgesamt ist das auch der Weg ins Beardie-Herz. Es gibt Hunderassen, die genießen und brauchen autoritäre Besitzer (z.B. Chow-Chow, die als Kriegshunde (!!!) gezüchtet wurden und ihre Besitzer quasi "herausfordern"). Beardies möchten wirklich immer nur spielen und neigen sogar dazu, Menschen mit lauter, ruppiger Stimme und Körpersprache zu meiden. Im Internet gibt es einen Versand mit Klamotten für "Hundemenschen" und ein Motiv zeigt einen Beardie, der die Haltung zur Aufforderung zum Spiel einnimmt (Vorderpfoten nach vorne ausgestreckt, Popo in die Höh'), mit der Unterschrift "Los, los, wir sind ja nicht zum Spaß hier!". Das verleitet sie in der Pubertät manchmal zu Blödsinn, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich bin mittlerweile fest überzeugt, dass sie zwischen billiger Baumwolle (= Geschirrtuch, wenn ich das zum Spielen nehme, gibt es keine Reaktion) und guter Wolle (= Lieblingspullover, wenn ich das zum Spielen nehme, macht Frauchen sicher mit!) unterscheiden können!
Das dritte Video zeigt, wie "resourceful" (finde keine Übersetzung) Beardies sind. Die sind ziemlich erfinderisch, wenn es darum geht, Hindernisse zu überwinden oder an Gegenstände zu gelangen, die sie interessieren. Wenn ihr eurem Hund aber "Arbeit" gebt (z.B. fehlende Brille finden, eure Namen lernen, Tricks ausführen, Dinge aus irgendwas rausfischen), wird er so damit beschäftigt sein, von euch gelobt zu werden, dass er keinen Blödsinn macht. Körperlich sind sie schwerer zu ermüden, weil sie vom Körperbau auf lange Trecks mit Schafen angelegt sind, deswegen ist es leichter sie mit Denksport zu ermüden.
Zur Erklärung, warum die Wuschel sich verhalten, wie sie sich verhalten: Bearded Collies wurden als Hütehunde für komplexe, selbstständige Aufgaben "gezüchtet". Die Schäfer haben immer aus jedem Wurf diejenigen ausgewählt, die die besten Anlagen (z.B. Arbeitseifer) hatten, so dass die Rasse über die Jahre ihre eigenen Wesensmerkmale ausgebildet hat. Z.B. wurden Aggression und Territorialität nahezu weggezüchtet, weil die Hunde nicht als Herdenschutzhunde eingesetzt wurden und Angreifer abwehren mussteen. Daher der immer wiederkehrende Witz, dass sich niemand über einen Einbrecher so freut, wie der Beardie des Hauses. In der Regel geben sie aber Laut zur begrüßen. Im Vergleich zum Beagle, der ein ganzes Repertoire an Lauten hat, um z.B. zu zeigen, dass er Beute gemacht hat oder seine Meute verloren hat, sind Beardies zwar kommunikativ (= sie bellen gerne, wenn man ihnen das nicht abgewöhnt), sie nutzen aber in der Regel kaum das Knurren oder andere Laute.
Statt des Jagdtriebs wurden - und das ist besonders charmant - der Spieltrieb und eigenständiges Entscheiden gefördert, weil Beardies z.B. verirrte Schafe aufspüren und zur Herde zurückbringen mussten, die aber bitte schön nicht verletzen sollten Viele Beardies machen das noch, indem sie bei Spaziergängen "ihre" Menschen ständig umkreisen und Abweichler durch Bellen und leichtes Zwicken in die Füße auffordern zur Gruppe zurück zu kehren - muss man ihnen durch Ignorien natürlich abgewöhnen, wenn man das nicht will. Anders als der Border Collie, der immer eng mit dem Schäfer zusammengearbeitet hat und deswegen einen ausgeprägten "will-to-please" (= exaktes Hören auf verbale Kommandos und Gesten, gelten heute als die intelligentesten Hunde, wenn man Intelligenz als Gehorsamsintelligenz definiert) mitbekommen haben, kann man beim Beardie keinen Kadavergehorsam erwarten. Typischerweise steht der Besitzer mit einem "Hier! Cooper! Komm! Leckerlie!" in der Gegend rum, aber Wuschelhund muss erst noch an den Blümchen riechen. Irgendwann kommt er dann angetrabt, freudig wedelnd, weil ja die Sonne scheint, der Wald so schön und die Blümchen so bunt sind. Da hilft nur Ausdauer, Konsequenz und idealerweise das "Komm!" nicht nur dann üben, wenn der Hund wirklich kommen soll (meine Wuschels hatten als Welpen eine Art sechsten Sinn dafür, wann ich sie anleinen wollte, um nach Hause zu gehen - und entdeckten genau dann die süße Verlockung der Freiheit). Ich hab ganz gute Erfahrungen damit gemacht, das Spazierengehen in "Zeit zum Spielen", z.B. mit einem mitgebrachten Spielzeug und einem klaren "Jetzt ist Schluß!" zum Ende, und "Zeit zum Aufpassen" aufzuteilen, in denen Kommandos geübt wurden.
Das Rudelgedöns ist bei Beardies schließlich auch deshalb so unsinnig, weil Bearded Collies so gut wie keine Dominanz, vor allem nicht gegenüber dem Menschen, zeigen und auch beim Menschen Sanftmut und Freundlichkeit bevorzugen. Als Hütehunde mussten sie früher z.B. die Herde zum Markt begleiten und dann alleine zurückkehren, wobei sie auf dem Weg von Fremden verköstigt wurden. Dadurch haben sich natürlich immer die Exemplare durchgesetzt und vermehrt, die den charmantesten Augenaufschlag hatten. Heute können sie oft als Therapie- oder Besuchshunde eingesetzt werden, weil sie so gnadenlos freundlich zu wirklich jedem sind und sich in der Köpersprache stark auf den Menschen eingestellt haben. Die wissen ganz genau, dass der Mensch der Herrscher über den Freßnapf ist und wollen ihn deshalb glücklich machen. Das macht die Erziehung erfreulich einfach: So lange der Mensch nur äußerst klar ist, in dem was er positiv bestätigt (also nicht beim Welpen das Hochspringen niedlich finden, aber dann beim ausgewachsenen Hund plötzlich nicht mehr), erziehen die sich fast von allein. Sie werden z.B. relativ schnell stubenrein, weil sie begreifen, dass der Mensch sich vor Freude nahezu selbst anpieselt, wenn Baby-Wuschel draußen sein Geschäft macht, aber nicht so begeistert ist, wenn er drinnen die Pfütze weg machen muss. Aversive Techniken sind absolut unnötig (Ein Hundetrainer, der es wagen würde mit einer Kette o.Ä. nach meinen Hunden zu werfen, spielt mit seinem Leben ...). Der beste Weg wurde hier schon beschrieben: Unerwünschtes Verhalten darf halt nie zum Erfolg führen. Zerren führt zu stehen bleiben, wenn Hundi auf Erkundungstour gehen will, kann er nicht darauf bauen, dass seine Lieblingsmenschen brav warten und - leider, ich weiß es ist hart - jammern sollte nicht durch Ansprache, auch hinter einer Tür, belohnt werden.
Die Sensibilität birgt die Gefahr, dass sie schreckhaft werden. Deswegen niemals trösten, wenn der Hund Angst zeigt oder jammert. Der Hund kann die Stimmlage bei Trost und Lob nicht unterscheiden und glaubt, dass er für seine Aufmerksamkeit gegenüber Stressoren belohnt wird. Der Schreckhaftigkeit beim Beardie ist schon eine ganze Dissertation (.) gewidmet worden, da sind auch gute Tipps zur Bewältigung des Problems drin. Die Geräuschempfindlichkeit setzt übrigens in der Regel erst nach dem ersten Jahr ein (könnte vielleicht mit dem Aufhellungsgen zusammenhängen, das auch im ersten Jahr aktiv wird), deswegen sind die Silvester und Gewitter, die der Junghund erlebt, entscheidend.
Problematisch ist auch die Tendenz zur Objektfixierung, die hier schon angesprochen wurde: Dadurch dass zum Hüten immer die Hunde aus einem Wurf ausgewählt wurden, die am besten auf Lob und Strafe durch den Schäfer ansprachen, hat man mit der Zeit bei den Collies Rassen geschaffen, die vom Dopamin-Kick bei gut bewältigten Aufgaben abhängig werden können (das mussten alle schmerzhaft feststellen, die sich einen Lassie geholt hatten und keinen Timmy hatten, der regelmäßig hinter der alten Scheune in den Brunnen gefallen ist ...). Wiederholte Aufgaben können dazu führen, dass der Hund sich nur noch schnell seinen "Schuss" (muss man so nennen, es sind die gleichen hirnorganischen Mechanismen, die beim Menschen zur Drogensucht führen) holen will und gar nicht mehr spielt, sondern fast aggressiv immer nur noch zu einer Aufgabe auffordert. Deswegen würde ich (ohne Hundetrainerin zu sein) zur Stärkung der Bindung eher zu abwechslungsreichen, anspruchsvollen Aufgaben und zur kognitiven Auslastung raten, als zu dem Trick mit dem Beutel. Wenn er viel denken muss, hat er gar nicht mehr so stark das Bedürfnis, sich die Welt anzugucken.
Das Schöne ist: Da Beardies gar nicht das "Rudel" anführen wollen, spielt es keine Rolle, ob der Hund auch auf die Couch darf oder ob der Mensch das Spielzeug, das ihm der Wuschel als Aufforderung zum Spielen hinlegt, hin und wieder aufhebt und mitmacht - der Beardie liebt die am meisten, die nett zu ihm sind. Mein Vater ist z.B. sehr, sehr sanftmütig und schrecklich inkonsequent - und der Hund betet ihn an und folgt ihm überall hin, obwohl meine Mutter füttert und versorgt. Deine Freundin macht es schon richtig, wenn sie sich darüber freut, dass der Hund bei ihr ist - Hütehunde wählen generell bevorzugt Orte, an denen sie ihre Menschen (und Schafe) im Blick behalten können (anders zum Beispiel Wachhunde, die eher die Zugänge zu ihrem Territorium im Auge behalten und Runden drehen) oder Hunde, die sich nicht daran gewöhnt haben, vom Menschen ernährt zu werden (z.B. Straßenhunde, die in der Prägephase nicht in der Nähe von Menschen waren und deswegen nach Futter suchen). Manchmal muss man sie an den Rand schieben, aber auch das lernen sie schnell, wenn es konsequent gemacht wird. Von sich aus nutzen sie eher selten das Körbchen, aber es kann - wie ihr das ja schon macht - Sinn machen, das Körbchen als Signal zum "hier kann ich mich beruhigen" einzusetzen. Einen Beardie kannst du damit glücklich machen, dass du die Bügelwäsche machst, während der Hund im gleichen Raum sein Nickerchen machen kann. Und glaub' mir, deren Bindung anden Menschen ist so stark, dass ihr ganz sicher das Zentrum seines Universums werdet ;).
Das Jammern und die Trennungsangst ist damit zwar rassetypisch, aber natürlich ein Problem. Habt ihr es schon mit Geschicklichkeits- und Denksportaufgaben beim Weggehen versucht? Z.B. so Gummiknochen, in die Leberwurst gefüllt wird oder Bälle, aus denen Leckerlies fallen, wenn der Hund sie in Bewegung hält? Ist natürlich nur eine Krücke, aber grundsätzlich gilt, dass Hunde kognitiv keine parallelen Aufgaben bewältigen können. Wenn er also konzentriert den Ball durch die Gegend kickt, könnt ihr probehalber mal gehen, um dann wieder zu kommen, ohne ihn zu begrüßen. Alternativ kognitiv fordern (z.B. haben wir mit den Welpen ein Spiel gespielt, bei dem sie ein Leckerlie bekommen, wenn sie eine aufgestellte Flasche mit der Nase berühren - fünf Minuten und die sind so platt, dass sie den Rest des Nachmittags verpennen).
Zum Fressen: Wir haben bei unseren Beardies gute Erfahrungen mit gutem Trockenfutter gemacht, dass wir mit Quark, gekochten Möhren mit einem Schuss Olivenöl, einem Eigelb und hin und wieder Tatar (oder auch einfach Rinderhackfleisch) ergänzt haben. In der Welpenzeit gerne auch mal etwas öfter Quark, aus dem einfachen Grund, dass das Fertigfutter fast ausschließlich aus Kohlehydraten und Proteinen besteht. Wenn das nicht gestreckt wird (oder zu viel ist), schießen die Hunde regelrecht in die Höhe, was zu Gelenkproblemem führen kann. 15 kg finde ich vollkommen Ordnung für einen Welpen, etwa 20 kg ist die untere Grenze für ausgewachsene weibliche Beardies. Der Beardie ist - unter dem ganzen Fell sieht man das ja nicht so - eher ein drahtiger Hund, Rippen die man fühlen kann, sind vollkommen okay.
Was schon gesagt worden ist: Auch wenn es schwerfällt, aber das Hüpfen und Springen müsst ihr unbedingt unterbinden, bis er mindestens ein Jahr ist (auch Treppensteigen). Das ist bei den "bouncy Beardies" (= die Hüte-Beardies "hüpften" durch hohes Gras, um sich einen Überblick zu verschaffen), bei denen man manchmal vermutet, dass sie Flummies gefressen haben, besonders schwierig, lohnt sich aber. Hüftprobleme gibt es bei der Rasse so gut wie nie und als ausgewachsene Hunde sind die Bewegungsabläufe sehr fließend und ausdauernd (= mussten früher mit gemäßigter Kraftanstrengung lange Strecken zurücklegen). Aber Flummies bleiben sie - meistens ihr ganzes Leben lang.
Falls sich das hier so liest, als hätte ich Weisheit in der Beardie-Erziehung mit Löffeln gefressen, muss ich gleich ergänzen, dass ich so sicher nicht rüberkommen wollte. Meine Hunde machen auch oft Sachen, die nicht okay sind (z.B. Hochspringen zur Begrüßung, Geschirrtuch aus der Küche holen, um zum Spielen aufzufordern). Ich mag aber am Beardie besonders, dass die auch bei nicht so konsequenten Besitzern in der Regel nette Hunde bleiben. Das Hochspringen freut mich oft mehr als sie, und so lange sie allein bleiben können und fremde Menschen nicht durch Hochspringen begrüßen, sollen sie dabei bleiben. Ich muss nochmal sagen, wie süß ich es finde, dass ihr euch so engagiert. Da scheinen sich zwei bzw. drei gefunden zu haben und ich bin sicher, ihr werdet noch viel Spaß miteinander haben.
 
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