Hi!
Also die Kastra hat nichts damit zu tun, ob ein Hund wacht oder wie scharf die Sinne sind.
Ich bin in einem Tierheim, wo ALLE Hunde kastriert sind. Wir haben auch eine Hündin, die zum Wach- und Schutzhund ausgebildet wurde und definitiv, trotz Kastra noch wacht! Fremde Menschen dürfen einem nicht zu nahe kommen und ihr Auslauf gehört ihr. Oder ein Goldi-Hovawart Mischling. Rein kommste, aber du wirst nicht mehr raus gelassen! Der Hund wiegt ca 70-80kg und den kannste nicht mal eben so wegschieben, wenn er dein Haus bewacht!
Labradore sind in der Regel, wenn sie nicht anders erzogen worden sind, sehr menschenbezogen und ruhig. Dass man dann unten einbricht und der Hund nichts macht, liegt am Wesen der Tiere. Der Goldi meines Exfreundes hätte den Dieben sogar noch geholfen beim raustragen, wenn du verstehst was ich meine

Ich kenne auch einen Labrador mit nicht fachmännischer Schutzausbildung. Den durften wir nur mit Mauli ausführen, weil er unkontrolliert gebissen hat!
Eine Kastra verändert nur den Hormonhaushalt des Tieres. Bei ängstlichen Hunden ist es zum Beispiel nicht ratsam, sie kastrieren zu lassen bevor sie zwei/drei Jahre alt sind und man sie an einige Dinge gewöhnt hat. Werden sie zu früh kastriert, fehlen ihnen wichtige Hormone, die sie in ihrer Entwicklung stabilisiert hätten. Andererseits ist so eine Läufigkeit bei Hündinnen sehr viel Stress für den Hund. Ich sehe das bei den Hündinnen meiner Freundin. Ganz zu schweigen von dem Stress für einen Rüden, wenn er eine läufige Hündin riecht.
In der Nachbarschaft laufen vier nicht kastrierte Rüden herum, die als Welpen zusammen gespielt haben und sich jetzt gegenseitig zerfleischen wollen, seit sie geschlechtsreif sind. Zwei davon stammen sogar aus dem gleichen Wurf.
Vor ca 1 1/2 Jahren kam es zwischen dem Labrador und dem Jack Russel von Nachbarn zu einer Auseinandersetzung. Der Labrador, unkastriert, und der JR Rüde, mit Chip hormonell kastriert, hatten sich in den Haaren, weil die kastrierte Hündin unserer Nachbarn mit dazwischen wuselte. Die Halter des Labradors hielten es nicht für notwendig, ihren Hund an ein Halsband oder an die Leine zu nehmen, während die mit dem Jack Russel ihre beiden Hunde sofort wegbringen wollten. Der Labrador, so ohne HB wurde 1m vom JR weggezogen und als Herrchen losließ, stürzte er sich erneut auf den JR Rüden. GsD ist nichts schlimmeres passiert, aber aus den vormals sehr guten Freunden, sind nun zerstrittene Parteien geworden. Dabei hat der Labrador auf unserer Straße sogar Leinenpflicht, da er sich nicht auf umzäunten, von den Haltern befriedetem Boden aufhielt und zu den 20/40 Hunden gehört.
Ach ja, der Labrador bekam vor ca einem Jahr einen Hormon-Chip eingesetzt, damit er sich nicht mehr so leicht auf dem HuPlatz beim Agility ablenken lässt. DAS hab ich vorher noch nie gehört! Denn da stimmt die Beziehung einfach nicht. Wer "Stressfrei über alle Hürden" gelesen hat, weiß was ich damit meine

Dieser Hund dackelt seinen Leuten einfach bloß hinterher. Und chemisch zu kastrieren, nur damit er aufmerksamer ist bei einem Sport, der für ihn mit seinem Übergewicht nicht mal der beste ist und an dem er offensichtlich keinen Sport hat, ist schwachsinnig.
Meine Hunde sind kastriert nach Deutschland gekommen. Im Tierschutz und wenn die Hunde in Gruppen zusammen leben geht es manchmal nicht anders. Zu früh sollten sie nicht kastriert werden, weil dadurch auch das Wachstum gehemmt werden kann (nicht muss).
Ich habe schon Hunde kennen gelernt, die kastriert werden mussten, weil sie epileptische Anfälle durch den zu hohen Hormonpegel hatten. Bei einem Bernersennen Hund nicht gerade ungefährlich, wenn er plötzlich umkippt und zuckt. Den kann man nicht wie einen Yorki auf den Arm nehmen und fest halten.
Also die Begründung deines Vaters und deines Onkels ist nicht hieb- und stichfest! Ich musste solche Diskussionen schon sehr oft führen.
Eine Kastration macht Sinn, wenn das Tier gestresst ist, man beweisen kann, dass die Epilepsie oder andere Krankheiten darauf zurück zu führen sind und wenn man nach Testung mit Hormonchip sagen kann: ja, das Verhalten X kommt tatsächlich daher, dass er seine Hormone noch hat und die ihn dazu verleiten. Es gibt noch viele andere Gründe, die dafür sprechen, aber auch unzählige, die dagegen sprechen. Man muss es letzten Endes für sich entscheiden.
Bzgl. der scharfen Sinne: wenn die Wahrnehmung des Hundes nicht mehr durch Hormone verfälscht wird, ist sie im Grunde noch intensiver bzw. klarer oder? (dessen bin ich mir jetzt nicht so bewusst, weil ich kein Tierarzt bin, wäre aber für mich eine logische Konsequenz)
Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen weiter helfen.
Gruß Hexe