Halterschule statt Hundeschule

Diskutiere Halterschule statt Hundeschule im Hunde Verhalten und Erziehung Forum im Bereich Hunde Forum; Ich lese hier und anderswo immer wieder von Hundebesitzern die Probleme mit ihrem Liebling haben: "Wir waren auch schon mal in einer Hundeschule"...
  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #1
suno

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Ich lese hier und anderswo immer wieder von Hundebesitzern die Probleme mit ihrem Liebling haben:
"Wir waren auch schon mal in einer Hundeschule".

Und da schreit in mir schon alles "STOP"
In diesem Satz, finde ich, sind bereits zwei gravierende Fehler. Erstens "Waren auch schon mal" und zweitens "Hundeschule". Anscheinend gibt es einmal den Mythos, daß der Kurs Besuch in einer Hundeschule, ähnlich einem Crash Kurs für PC, eine zeitlich absehbare Angelegenheit ist.
Desweiteren impliziert die Bezeichnung Hundeschule, daß der Hund dorthin gebracht wird und etwas lernt, wie ein Grund-schul Kind und man ihn so zu sagen lesend und schreibend wieder bekommt.

Ein Trainer von mir sagte einmal: "Ein Hund lernt sein Leben lang - und zwar immer wenn er wach ist. Sie kommen nicht mit dem genetischen Programm zur Welt das ihnen sagt, was Komm, Sitz, Platz und Aus bedeutet. Erziehung ist keine Kurs Angelegenheit, die man sporadisch oder 1x wöchentlich angeht, sonder eine wunderbare lebenslange Aufgabe, die täglich und lebenslang stattfindet, wann immer man mit seinem Hund zusammen ist."

Wir möchten, daß der Hund kommt wenn wir ihn rufen, spielt wann wir wollen, nicht zu seinen Artgenossen rennt wenn wir es nicht wollen, nicht jagt, nicht unnötig bellt, nicht an der Leine zieht, nichts zerkaut, uns beachtet wann wir es wollen und uns in Ruhe läßt wenn es uns paßt. Nur um einige Baustellen zu nennen.

All dies muss unser vierbeiniger Freund lernen. Er muss es beigebracht bekommen, unsere Wünsche verstehen und sie dann gerne erfüllen, denn nur so kann und wird er zu einem verlässlichen Partner. Davon ausgehend, daß der Mensch den größeren Intellekt hat muß der Mensch zunächst lernen seine Schüler und deren Sprache, in diesem Fall den Hund, zu verstehen. Jemand der nicht rechnen kann, wird schwerlich Mathematik Unterricht geben können.

Die "Hundeschule" sollte " die Halterschule" heißen und aus "Wir waren schon mal" sollte ein "Ich gehe in" werden.

Deshalb finde ich unter anderem Foren wie dieses extrem wichtig und wenn man mehr Unterstützung braucht oder Fortgeschrittenes erreichen will eben auch immer wieder den Gang zu guten Trainern. Denn, egal wer wie lange schon, egal wie viele Hunde erzogen hat, man lernt nie aus und sollte möglichst nie aufhören die Bank der Halterschule zu drücken.

LG Suno
 
  • Halterschule statt Hundeschule

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  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #2
Wow Suno, ein toller Text dem ich nur unterschreiben kann! :clap:
 
  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #3
Hey, ich finde den text auch super.

Höre auch oft im bekanntenkreis das ihr Hund so schwierig ist. Und man ihm dies und jenes nicht beibringen kann.
Oder ne bekannte hat 3 Hunde und die hören garnicht und sind totale kläffer und springen an allem hoch Aber die sind ja so, und auserdem kann man 3 auf einmal nicht erziehen. Da muss ich immer nur den Kopf schütteln zumal sie nicht alle zusammen bei ihr eingezogen sind.
Und ne Hundeschule ist zu teuer...

Finde mal gut das jemand das mal anspricht !
 
  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #4
Sehr schön :)

Ein Trainer von mir sagte einmal: "Ein Hund lernt sein Leben lang - und zwar immer wenn er wach ist. Sie kommen nicht mit dem genetischen Programm zur Welt das ihnen sagt, was Komm, Sitz, Platz und Aus bedeutet. Erziehung ist keine Kurs Angelegenheit, die man sporadisch oder 1x wöchentlich angeht, sonder eine wunderbare lebenslange Aufgabe, die täglich und lebenslang stattfindet, wann immer man mit seinem Hund zusammen ist."
Wir Menschen lernen auch ein Leben lang, aber wir denken, dass wir bei Tieren mit "minderer Wesen" zu tun haben und somit verschliesst sich bei den meisten die Lernbereitschaft hinsichtlich seiner Tiere... Wir wollen alle, dass unser Hund uns versteht, warum fangen wir nicht damit an zu lernen unsren Hund zu verstehen?
 
  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #5
Ich finde den Text auch sehr gut. Sollten sich viele zu Herzen nehmen ;)
Nur kenne ich auch solche Hunde, die aufm Platz super alles befolgen und jedes Kommando ausführen, aber außerhalb vom Platz sich wie Arsch benehmen :lol:
Bei uns sind viele Schulen eben nur auf den Platz fixiert und das finde ich Blödsinnig.

Ich hatte dagegen noch nicht wirklich Probleme mit dem Dicken die ich nicht alleine lösen konnte.
Wir haben noch keine einzige Schule besucht. Trotzdem klappt es.
Wenn jetzt gravierende Probleme auftreten würden, würde ich mich wohl eher für nen Trainer entscheiden, anstatt in einer diese Schulen hier zu gehen.

Doch die sind bis jetzt noch nicht da. Das jagen hab ich sehr gut unter Kontrolle bekommen und auch die restlichen Kommandos die in der Zeit wo er weg war verkümmert sind, sitzen wieder.
Klar hat er ab und an nen Aussetzer und vergisst plötzlich alles :lol: aber dafür trainieren wir ja bei jedem Gassigang

Und mir hat er auch sehr viel beigebracht. Damals war ich echt ungeduldig und bin fast ausgerastet wenn etwas nicht so klappte wie ich wollte.
Aber dafür ist es nen Hund ;) Ich hab damals die ersten Diktate auch nicht mit 0 Fehlerpunkten abgeschlossen
Wir sind ein Team geworden, wo jeder seine Fehler hat
 
  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #6
Sehr schön, Suno:)

Grundsätzlich sollte der Satz "War in der Hundeschule" auch in allen Vermittlungsanzeigen von Tierheimen verboten werden;)
Das ist so eine banale und irreführende Aussagen wie nur was...Effektiv muss der Hund schließlich sowieso alles nochmal mit dem neuen Herrchen "nachlernen".
"Sitz" ist eben nicht immer "Sitz" und schon gar nicht bei jedem:)

Wirklich schade ist eigentlich, dass es so schwer ist dem Menschen genau das zu vermitteln.
Ich geb´ja auch Kurse und es ist wirklich selten, dass da jmd. dazwischen ist, der nicht nur die Übungen machen will, sondern auch wirklich an theoretischem Hintergrundwissen Interesse hat.

Da freut man sich immer über Streberkurse, die von allein nachfragen und den Sinn des Ganzen erkennen:mrgreen:
 
  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #7
Freut mich, daß euch der Beitrag gefällt.

@Mido. Na da hättest du die hellste Freude an mir und Rosi.
Ich habe Jahre bzw. ein ganzes Hundeleben (das meines ersten Hundes) gebraucht um einen Trainer zu finden, der jede Trainingseinheit mit einem Kapitel
"Die (Körpers-) Sprache des Hundes" beginnt....das erste was er damals sagte war:

"Bevor Du deinem Hund Signale gibst - lern erstmal seine zu lesen - du bist doch die Klügere - ODER?"

Danach folgt immer wieder Signal lesen üben:
Körper / Kopf / Rute / Ohren/ Schnauze und Blick....."wenn du das lesen kannst, darfst du anfangen deine Signale zu kontrollieren"

und erst dann wird angefangen gemeinsam zu arbeiten.....harte Schule - aber toll!

Ich habe das so verinnerlicht, daß ich an Tagen an denen bestimmte Trainingseinheiten nicht klappen wollen, erstmal schaue wie es mir eigentlich geht. Ob ich die richtige Energie und Haltung einbringe....denn man muss wirklich zugeben unsere Hunde sind im signalisieren tausendmal korrekter und konsequenter als wir Menschen.

LG Suno
 
  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #8
@Mido. Na da hättest du die hellste Freude an mir und Rosi.
Ich habe Jahre bzw. ein ganzes Hundeleben (das meines ersten Hundes) gebraucht um einen Trainer zu finden, der jede Trainingseinheit mit einem Kapitel
"Die (Körpers-) Sprache des Hundes" beginnt....das erste was er damals sagte war:

Das klingt nach wirklich gutem Training:mrgreen:

Aber oft ist es eben wirklich so, dass "Hundeschüler" ganz konkrete Erwartungen an eine Hundeschule haben. Man geht hin, macht ein bisschen was und der Hund funktioniert danach.
Deswegen erklären wir auch grundsätzlich erstmal auf welche Zeitspannen sich einstellen muss bis der Hund etwas wirklich verinnerlicht hat.
(3000-5000 Wiederholungen in allen Situationen bis etwas wirklich sitzt z.B.)

Da muss man dann aber eben leider auch Abstriche bei Kunden machen- es gibt immer welche, die dann woanders hingehen, weil da versprochen wird, dass der Hund nach dem Kurs perfekt hört.

Vielleicht sollten wir dich dann einfach als "Vorzeigekunden" in die Kurse packen, damit dir das alle nachmachen mit dem Wissensdurst:mrgreen:

Das hört sich jetzt auch alles total negativ an, aber im Normalfall sind die meisten Menschen ja doch sehr interessiert, wenn man erstmal den Einstieg in die Theorie geschafft hat;)
 
  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #9
"wenn du das lesen kannst, darfst du anfangen deine Signale zu kontrollieren"
Ja, da geht es dann richtig los :)

Wir haben jetzt teilweise Trainingsabschnitte von uns gefilmt ...
... und dann oft erst richtig gesehen, warum der Hund so oder so reagiert.
Es gibt so viele Signale, die der Hund auswertet und die einem selber nicht bewusst sind.

Jetzt übe ich manche Dinge erst mal vor dem großen Spiegel :mrgreen:
 
  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #10
Sehr guter Beitrag!

Ich wundere mich immer wieder darüber, dass Menschen immer an Problemverhalten arbeiten wollen und nicht am Auslöser selbst.
Beispiel: andere Hunde werden angebellt und der hund hängt in der leine.
Jeder normale versucht das Verhalten des Hundes zu unterbrechen oder umzulenken, anstatt dass man hingeht und die Verknüpfung, die offensichtlich negativ ist, verändert wird. Also ich fahre bisher bei allen meinen betreuten Hunden sehr gut damit, dass ich nicht in die Situation gehe mit: "oh mist ein Hund!" sondern "hey, schau mal, ein Hund" und wenn der Hund schaut, bekommt er etwas super leckeres. Das Loben und belohnen geschieht nicht, wenn wir auf Augenhöhe mit dem Auslöser sind, sondern schon 100m vorher! und um so näher wir kommen desto höher wird die Belohnungsrate. Sobald der Hund doch bellt, unterbreche ich die Belohnungsrate. Das findet der Hund doof. Damit habe ich bisher ca 20 Hunde in den letzten Jahren vermittlungsfähig gemacht. Da wir nicht viele Leinenpöbler haben, sind es wenig :D Bzw. ich arbeite lieber mit den Angstnasen ;) Ohne Witz: so habe ich es geschafft, dass einige von ihnen hinterher ohne Probleme zu anderen Hunden vermittelt werden konnten, obwohl sie im Tierheim einzeln gesessen haben, da sie sofort den anderen angegangen sind. Selbst ich habe immer mal wieder fremde Hunde zu den Hunden genommen und es ist nie etwas passiert. Der eine oder andere Pfleger hat nicht schlecht geschaut, wenn ich plötzlich mit nem Kangalmix (unverträglich) und einer zarten Podenca in Minigröße zusammen gelaufen bin.

Also bei den Angstnasen und auch bei den anderen Hunden belohne ich das, was sie mir anbieten.

Das beste Beispiel ist Rocker. An der 2m Leine habe ich ihn immer an die Seite ziehen müssen, wenn ein Auto kam. Er fand Gassi gehen doof usw.
Also bekam er eine 5m Leine und was war? er ging von sich aus an die Seite. Er wollte bloß nicht so nahe bei mir sein, sondern selbst entscheiden dürfen,wohin er ausweicht. Anfangs stand er an der Seite, was ich mit einem Lobwort belohnte. Irgendwann setzte er sich dann hin, was ich wieder belohnte. Dadurch kann er nun "an die Seite", "Kuschelpause" und "set". Ein Hund muss genauso wie ein Mensch merken, dass er was kann! Und deswegen setze ich da an, was der Hund mir anbietet und so lernt er viel schneller. Nicht viele Signale für zwei Jahre, aber er muss nebenbei noch so viele Reize kennen lernen, dass er in seinem Tempo lernen darf. Zumal ich die Ressourcen nutze, die vorliegen, und diese ausbaue anstatt neu erfinde ;) Bringt viel mehr. Aus einer Fähigkeit kann schnell auch eine andere werden.

Ich habe noch nie eine Hundeschule von innen gesehen :D All mein Wissen habe ich durch lesen, beobachten und Menschenverstand bekommen. Ich hatte das große Glück als ich mit Hunden angefangen zu arbeiten, dass ich zwei Gassigänger mit sehr viel Ahnung an meiner Seite hatte und immer intuitiv handeln durfte. Bisher habe ich damit immer am besten gelegen.
 
  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #11
Wenn es doch nur die Halter sind, die in einer Hundeschule lernen sollen, warum nimmt man seinen Hund denn überhaupt dorthin mit?
Um in Ablenkungssituationen zu trainieren? Ja genau, allerdings ist das dann schon die höhere Schule, erstmal sollten es doch die Besitzer lernen wie man einem Hund überhaupt etwas beibringt ;)

Meiner Erfahrung nach gibt es mehr schlechte als gute Hundeschule, die den Haltern kaum mehr vermitteln als das was man in jedem durchschnittlichen Ratgeber selbst nachlesen könnte.
Fast alle Hundeschule nehmen keine Kunden mit unverträglichen Hunden, weil dies das Arbeiten in der Gruppe (natürlich) stören würde, wer einen "Problemhund" hat, hat es also von vorne herein schwerer Hilfe zu finden.

Ich glaube übrigens ebenfalls nicht, dass man aus jedem Hund einen super-duper-mit-allen-verträglich-kann-immer-ohne-Leine-laufen-Hund machen kann. Leute die das behaupten haben meiner Erfahrung nach entweder noch keinen Hund erlebt der wirklich aus vollster Seele jagt oder z.B. unverträglich mit (bestimmten) anderen Hunden ist, oder sie sind gewillt mit Starkzwang zu arbeiten bei der Erziehung.
Denn beides sind selbstbelohnende Verhalten die sich bei entsprechend starker Ausprägung nicht mehr durch einen anderen Positivreiz abmildern lassen.
Von Hundeschulen die von sich behaupten sie würden aus jedem Hund einen perfekt funktionierenden Begleiter machen würde ich also ebenfalls Abstand nehmen.

Da dennoch im Grunde jeder Erziehungsansatz damit beginnt zu verstehen wie Lernen überhaupt funktioniert (beim Hund wie beim Menschen) wäre es vielleicht tatsächlich ganz sinnvoll wenn man als (zukünftiger) Hundehalter einen Kurs besuchen würde der hauptsächlich lehrt wie Lernen funktioniert, ohne gleich eine "Anleitung" (inklusive Eingeninterpretation) für den Hund mitzuliefern. Gibt es überhaupt Hundeschulen die für das "Problem am anderen Ende der Leine" Kurse anbieten ...und nicht für die Hunde? Wäre doch mal eine gute Idee ;)
 
  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #12
Ich glaube übrigens ebenfalls nicht, dass man aus jedem Hund einen super-duper-mit-allen-verträglich-kann-immer-ohne-Leine-laufen-Hund machen kann. Leute die das behaupten haben meiner Erfahrung nach entweder noch keinen Hund erlebt der wirklich aus vollster Seele jagt oder z.B. unverträglich mit (bestimmten) anderen Hunden ist, oder sie sind gewillt mit Starkzwang zu arbeiten bei der Erziehung.

Das kann auch gar nicht funktionieren- bestimmte Dinge sind vllt. kontrollierbar, aber sicherlich nicht vollständig zu "entfernen".
Interessanterweise gibt es aber eben auch noch ganz viele Menschen, die genau das erwarten- bei einem Menschen würde man das nie verlangen, beim Hund herrscht aber nach wie vor die Vorstellung der tabula rasa bzw. das Black-Box-Prinzip.

Das wird ja auch immer wieder gern als Argumentation genutzt und die Lerntheorien damit um Jahrzehnte in ihren Erkenntnissen "zurückgeworfen", wenn man so will...

Off-Topic
Gibt es überhaupt Hundeschulen die für das "Problem am anderen Ende der Leine" Kurse anbieten ...und nicht für die Hunde? Wäre doch mal eine gute Idee ;)
Gibt es ;)
 
  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #13
Off-Topic
Interessanterweise gibt es aber eben auch noch ganz viele Menschen, die genau das erwarten- bei einem Menschen würde man das nie verlangen, beim Hund herrscht aber nach wie vor die Vorstellung der tabula rasa bzw. das Black-Box-Prinzip.
Das deckt sich genau mit meiner Meinung.
Von Seiten der Hundeschulen mag es sich bei derer leih Aussagen wohl auch um Werbestrategien handeln, eine grundsätzliche Konzeptpik ala 'wir reparieren jeden Hund' klingt natürlich immer erst mal gut für den potenziellen Kunden.
Beim Menschen ist man durchaus bereit anzuerkennen, dass unser Verhalten nicht nur und einzig allein aus dem Lernprozess der letzten Wochen/Monate besteht, sondern die Summe ist aus Faktoren unserer Genetik, subjektiven sensorischen Erfahrungen, Kindheitserlebnissen, Erziehung durch Eltern und Dritte, sozialem Umfeld, Lebensraum, Traumatisierungen ...usw.
Warum ist man also beim Hund so schnell mit der Meinung bei der Hand es könnte (und müsste) jeder Hund "funktionieren" wenn man nur ein bestimmtes Konditionierungsverfahren anwendet?

Okay, letztendlich ist das mit Starkzwang wahrscheinlich sogar möglich, aber wir reden hier ja nicht davon den Hund zu brechen und zu programmieren, sondern davon ihn im Einklang mit dem Menschen und unter dem Aufbau von Vertrauen zu erziehen....und was das angeht gehört es meiner Meinung nach auch dazu zu akzeptieren, dass eben nicht jeder Hund 'auf Null gesetzt' werden kann um dann ein perfekter Begleiter zu werden.
 
  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #14
Off-Topic
Das zu akzeptieren ist scheinbar manchmal wirklich schwer...genau so wie das Bild des eigenen Hundes zu korrigieren. "Der ist total selbstbewusst und ein Leithund!". Diesen Zahn muss man auch oft erstmal begründet ziehen können bevor man ein vernünftiges Training starten kann...
 
  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #15
Hallo,
da gebe ich Euch von ganzem Herzen recht.
Mit den meisten Hunden / Besitzern ist es immer wieder verwunderlich. Alpha / Klug / Territorial / super sportlich / Eigensinnig scheinen in den meisten Menschenköpfen etwas positives, begehrenswertes zu sein. Wohl weil diese Attribute bei Menschen "Jugend, Erfolg und Eigenständigkeit" implizieren. Also projizieren viele Besitzer ersatzweise diese Attribute auf ihr "bestes Stück" - auf ihr Tier und ganz oft sind es eben die Menschen die selbst kaum Selbstwertgefühl, Sicherheit und Lebensfreude haben.

Ganz oft liegt es mir da auf der Zunge (ich sage es natürlich nicht). Nein meine Liebe / mein Lieber dein Hund ist weder ALPHA noch sonst irgendwie "stark" sondern lediglich die Antwort auf Dich. Nach dem Motto, ist der Hund zu stark - sorry dann bist du zu schwach.
Und oft wird die Unsicherheit des Hundes (wenn der Mensch die wichtige Sicherheit nicht Gewährleisten kann) bzw. die daraus resultierenden Verhaltensmuster vollkommen falsch interpretiert. Nicht zuletzt aus falscher Eitelkeit.

Das würde natürlich das Lesen lernen von Körpersprache des eigenen Tieres verhindern. Das setzt aber auch voraus, daß man sich mit sich selbst, seinen eigenen Schwächen und einer eventuell unangenehmen eigen Einschätzung befassen müßte.

Ganz schlimm - sorry an alle männlichen Leser - sind da Männer. Sag mal einem Mann, er hat mangelnde Führungsqualität oh oh - das kommt einer Vasektomie gleich.

Ich habe hier einige Nachbarn / Bekannte nun ich würde diese Leute als "verhuscht" bezeichnen und wirklich jeder deren Hunde verhalten sich genauso wie man es erwartet. Sie tanzen a ihren Besitzern auf der Nase herum werden durch diese mangelnde Führung unsicher und dann eben zu anscheinend agressiven Hunden oder zu Kläffern und und und.

Tja, da wäre eine Halterschule (mit Lebensberung...heheh ) super.....

LG Suno
 
  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #16
Ganz schlimm - sorry an alle männlichen Leser - sind da Männer. Sag mal einem Mann, er hat mangelnde Führungsqualität oh oh - das kommt einer Vasektomie gleich.

Oder erzähl mal Frauen, dass ihr Hund ein Grobmotoriker und eine emotionale Dampflok ist und nicht wie vermutet sensibel und nett:mrgreen:
 
  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #17
Wenn es doch nur die Halter sind, die in einer Hundeschule lernen sollen, warum nimmt man seinen Hund denn überhaupt dorthin mit?
Um in Ablenkungssituationen zu trainieren? Ja genau, allerdings ist das dann schon die höhere Schule, erstmal sollten es doch die Besitzer lernen wie man einem Hund überhaupt etwas beibringt ;)

Meiner Erfahrung nach gibt es mehr schlechte als gute Hundeschule, die den Haltern kaum mehr vermitteln als das was man in jedem durchschnittlichen Ratgeber selbst nachlesen könnte.
Fast alle Hundeschule nehmen keine Kunden mit unverträglichen Hunden, weil dies das Arbeiten in der Gruppe (natürlich) stören würde, wer einen "Problemhund" hat, hat es also von vorne herein schwerer Hilfe zu finden.

Ich glaube übrigens ebenfalls nicht, dass man aus jedem Hund einen super-duper-mit-allen-verträglich-kann-immer-ohne-Leine-laufen-Hund machen kann. Leute die das behaupten haben meiner Erfahrung nach entweder noch keinen Hund erlebt der wirklich aus vollster Seele jagt oder z.B. unverträglich mit (bestimmten) anderen Hunden ist, oder sie sind gewillt mit Starkzwang zu arbeiten bei der Erziehung.
Denn beides sind selbstbelohnende Verhalten die sich bei entsprechend starker Ausprägung nicht mehr durch einen anderen Positivreiz abmildern lassen.
Von Hundeschulen die von sich behaupten sie würden aus jedem Hund einen perfekt funktionierenden Begleiter machen würde ich also ebenfalls Abstand nehmen.

Da dennoch im Grunde jeder Erziehungsansatz damit beginnt zu verstehen wie Lernen überhaupt funktioniert (beim Hund wie beim Menschen) wäre es vielleicht tatsächlich ganz sinnvoll wenn man als (zukünftiger) Hundehalter einen Kurs besuchen würde der hauptsächlich lehrt wie Lernen funktioniert, ohne gleich eine "Anleitung" (inklusive Eingeninterpretation) für den Hund mitzuliefern. Gibt es überhaupt Hundeschulen die für das "Problem am anderen Ende der Leine" Kurse anbieten ...und nicht für die Hunde? Wäre doch mal eine gute Idee ;)

Vielleicht hatte ich Glück, aber ich hatte nur Hundeschulen, die von Anfang an klar gemacht haben, dass es hauptsächlich um das andere Ende der Leine geht und wie lernen beim Hund funktioniert.

Ich hatte auch immer Hundeschulen, die klar gemacht haben, dass man eben nicht aus jedem Hund Den Superhund machen kann, sondern nur den ich -kann -ohne -Stress -im -normalen Alltag -mit -ihm -umgehen -Hund erreichen kann.
Problemhunde werden und würden immer genommen allerdings nur, wenn der Besitzer von vornherein einsichtig ist. Wenn der Hundehalter schon reinkommt und sagt er meint das nicht so und er hatte eine schwere Kindheit, dann bekommt er noch ein Einzelgespräch. Wenn er aber weiter nicht bereit ist, Tipps anzunehmen, dann geht es eben nicht.

Natürlich kann man viele Tipps nachlesen und nachmachen, aber in einer Hundeschule guckt sich jemand von außen das ganze nochmal an und ein guter Hundetrainer sieht auch die Reaktion des Hundes und modifiziert das Ganze. Ich bin im Moment in der Hundetrainerausbildung und weiß theoretisch alles mögliche. Praktisch bin ich sehr froh, wenn jemand mal guckt und sagt, hast du eigentlich gemerkt, dass Du eben , z.B " Komm geh voraus "gesagt hast.

Und einen wichtigen Aspekt hast Du finde ich noch vergessen, gerade in einer problematischen Halter-Hund- Beziehung kann es gut sein, wenn die beiden mal zusammen positive Erfahrungen machen oder das die mal gemeinsam eine intensive Stunde miteinander verbringen. Mein Hund geht noch immer sehr gerne in die Hundeschule.

EDIT (automatische Beitragszusammenführung)

Meine Lieblingshalter sind übrigens die die in unsere Hundeschule kommen mit folgenden Aussagen:
Wir haben ja einen Dackel, den kann man sowieso nicht erziehen.
So ein kleiner Hund muss ja nicht erzogen sein.
Ein Labrador gehorcht doch von alleine.
Im ersten Jahr kann man die ja nicht erziehen, da müssen die nur spielen.
Der kommt aus Spanien und hatte eine schwere Kindheit, da wollen wir hier nicht so hart mit ihm sein.
 
  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #18
Toller Text, Suno!:clap: Warum hab ich den erst jetzt entdeckt?:eusa_think:

Meine Lieblingshalter sind übrigens die die in unsere Hundeschule kommen mit folgenden Aussagen:
Wir haben ja einen Dackel, den kann man sowieso nicht erziehen.
So ein kleiner Hund muss ja nicht erzogen sein.
Ein Labrador gehorcht doch von alleine.
Im ersten Jahr kann man die ja nicht erziehen, da müssen die nur spielen.
Der kommt aus Spanien und hatte eine schwere Kindheit, da wollen wir hier nicht so hart mit ihm sein.

Das sind die, die in unserer Huschu, recht schnell auf den Boden der Tatsachen geholt werden.;)
Entweder sie kommen dann nicht wieder, oder sie haben verstanden und bleiben...
 
  • Halterschule statt Hundeschule Beitrag #19
Ich muss dir auf jeden Fall Recht geben, Suno. Ganz toller Text.

Mit den Hundeschulen ist das so eine Sache. Ich war bisher in zwei Einrichtungen. Bei der ersten bin ich nach dem 1. Gespraech ohne Hund gegangen und nicht wieder gekommen. Die Dame hat doch wirklich Wuergehalsbaender empfohlen. Der Gipfel war aber, das sie meinte, bevor man mit dem Hund zu Hause anfaengt zu ueben, sollte man ihn fuer eine Weile in einen dunklen Raum sperren, so dass er bei rauslassen "gefuegiger" ist. Ich dachte ich hoere nicht richtig:shock:. Hab sie dann Wochen spaeter auch nochmal im Park mit einer Schar Hunde getroffen. Die Besitzer konnten ihre Tiere in besagter Hundschule abgeben und nach ein paar Wochen als "Superhund" wieder abholen.

Die zweite Hundeschule ganz in unserer Naehe hat mir von Anfang an sehr zugesagt. Es wird nur mit positiver Verstaerkung gearbeitet. Allein wie die Trainerin mit ihrem Hund umgegangen ist. Man hat sich einfach wohlgefuehlt und wusste das die Trainerin ihr Handwerk versteht.

Wie am oben genannten Beispiel ist das wohl leider nicht ueberall so. Das schlimmste ist aber, dass die Leute das einfach abnicken udn denken, das ist die einzig richtige Methode.
 
Thema:

Halterschule statt Hundeschule

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