Ich komme nun nicht gerade aus dem deutschen Schulsystem, aber ich trau mich auch mal was zu sagen.
In meiner Ausbildung (auf KiGa und Grundschule ausgelegt) haben wir zwar auch so manches was ich schlicht Schwachsinnig nennen würde, allerdings deutlich mehr Pädagogik und praktisch orientierte Veranstaltungen als reine Theorie und pauken von Fachinhalten, die nicht mal in Mittel- oder Oberschulen Thema sind. Begleitetes Praktikum (= 1 Student zu 1 Lehrer! + Begleitung durch Unidozent) hatte ich jetzt jedes Jahr so an die 80 bis 140 Stunden.
Die Ausbildung ist zwar auch bei weitem noch nicht perfekt, aber ich finde doch auf einem richtigen Weg. Vor allem kriegen wir nicht (nur) beigebracht, was unsere Lehrpersonen vor 50 Jahren in ihrer Ausbildung gelernt haben, sondern eben auch neue Unterrichtsformen und Wege.
Ich finde es zum Beispiel absolut traurig, wenn ich lesen muss, dass Kinder sich über Jahre hinweg bei Mathe/Deutsch/was auch immer langweilen und sich (bestenfalls...) mit Bleistiftzeichnungen auf der Schulbank beschäftigen müssen, weil sie den Stoff schon längst beherrschen. Oder eben das umgekehrte: dass Schüler die sich anstrengen (!) aber leistungsschwach sind, auf der Strecke bleiben, weil die Lehrpersonen sich am "durchschnittlichen" Schüler orientieren und einfach weiter machen.
Wenn die Leistungen so weit auseinander gehen, dann gibt es eben keinen Frontalunterricht mehr für die ganze Klasse. Offener Unterricht, gesonderte Arbeitsaufträge, Differenzierung bei Aufgaben, ...
Klar, mehr Aufwand für den Lehrer, aber ja, das geht, vielleicht nicht immer und es hängt auch von den Schülern ab, aber prinzipiell geht es - und manchmal hat man eh keine andere Wahl. Weiß nicht ob es in Deutschland noch Mini-Schulen gibt, wo auch mal mehrere Jahrgänge in eine Klasse zusammen gelegt sind?
Hausaufgaben: Ich finde HA sind schon wichtig - wenn sie denn auch Sinn machen und der Schüler was dabei lernen kann. Ansonsten lieber einmal keine Hausaufgabe als das die Eltern sie machen. Denn das ist nicht nur sinnlos, sondern sogar schädlich, da ich als Lehrperson dann ja wie Seven schon sagte davon ausgehe, dass das Kind alles verstanden hat.
Bei uns war es in der Oberschule bei einem Mathelehrer sogar so, dass Hausaufgabe "freiwillig" war. Wer dachte er kann schon alles musste sie nicht machen, wer sie gemacht hat konnte sie sich auch verbessern lassen oder noch Fragen stellen, wenn er irgendwo nicht mehr weiter gekommen war.
Der eine oder andere der schlicht zu faul war hatte das Ergebnis dann bei den Klassenarbeiten, aber das war selbstverschuldet.
Umgekehrt gibt es halt aber leider auch Lehrer, die wirklich ausgebrannt sind oder schlicht im falschen Beruf stecken. Hab eine Nachhilfeschülerin, die in ihrem Matheheft aus der Schule nicht einmal die Formeln richtig stehen hatte, gar nicht zu reden von den Rechnungen. Auch wenn es wohl nicht die ordentlichste Schülerin war - da habe ich schon mal blöd geguckt und mich gefragt, wie so eine Unterrichtsstunde bei ihnen aussieht. Seit sie Nachhilfe geht, hat die Schülerin keine einzige negative Note mehr geschrieben.
Mein Bruder wurde von einer Lehrerin über Jahre hinweg gemobbt. Klar hat er auch ein wenig provoziert, aber das war so extrem, dass er jetzt nach dem Wechsel auf die nächsthöhere Schulstufe in den entsprechenden Fächern 3-4 Noten besser ist, um mal das Offensichtlichste zu nennen. Inzwischen ist eine Cousine bei derselben Lehrerin und hat ganz arg zu kämpfen, seid die Verbindung zu meinem Bruder bekannt ist (ganz, ganz unterste Schublade!).
Das traurige ist, dass Lehrer auch nicht mal eben so entlassen werden können, wenn nicht etwas wirklich ganz extremes vorgefallen ist. Das muss dann aber schon fast Körperverletzung sein, sonst passiert einfach nichts. Es ist einfach schade für alle Beteiligten. Es ist eine Sache, wenn ich mal eine Klasse oder einen Schüler habe, mit dem es nicht geht - aber wenn es dauernd so ist, dann bin ICH im Beruf ebenso unglücklich wie die Schüler mit mir.
Und es ist erwiesen, dass NICHTS einen so großen Einfluss auf den Lernerfolg eines Schülers hat wie die Lehrperson die den jeweiligen Unterricht macht.
Da können dann auch mal ein paar wenige schlechte Lehrer den Ruf von vielen guten ruinieren, von der Zukunft der betroffenen Kinder mal abgesehen.
Zum Thema Inklusion: Ich bin vielleicht die falsche Ansprechperson, nachdem ich mit Inklusion groß geworden bin. Es gab bisher kaum eine Gruppe oder Klasse, in der keine "Integrationskinder" waren und ehrlich gesagt, ich sehe das Problem nicht.
Okay, wir hatten auch Integrationslehrer, je nach Bedürfnis mehr oder weniger Stunden. Klar gibt es auch sehr viele verschiedene Gründe, warum ein Kind in das System rein fällt, daher lässt sich schwer verallgemeinern. Einfach ist die Umsetzung sicher nicht immer, gerade wenn die Mittel knapp sind.
Prinzipiell vertrete ich aber immer noch die Auffassung, dass Inklusion (oder wie auch immer man es nennen will) etwas sehr sehr wertvolles ist, wo die Kinder unheimlich viel lernen können und zwar sowohl die "Integrationskinder" als auch die "normalen".
Für mich - die ich das deutsche System nicht genauer kenne! - haftet am Begriff "Sonderschule" immer etwas von Abschiebung, Ausgrenzung, Isolation und Abstempelung von Kindern.
Naja... in etwa aus denselben Gründen bin ich auch kein Freund von Gymnasium, Haupt- oder Realschulen... glaube das deutsche Schulsystem ist einfach allgemein nichts für mich.
