Abwandlung u. Änderung von Lebenseinstellungen

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  • Abwandlung u. Änderung von Lebenseinstellungen Beitrag #1
Foss

Foss

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Grüß euch!

Ich möchte gerne ein Thema anschneiden, das mich seit ein paar Tagen bewegt, da ich mich derzeit wieder einmal selbst in Frage stelle - und daher dachte ich, vielleicht hat jemand von euch Erfahrungen damit oder sogar ähnliche Beweggründe?

Und zwar geht es um die Änderung von Lebenseinstellungen und Beweggründen, die mit dem Alter und Erfahrungen zunehmen.
Früher habe ich Tiere geliebt, konnte mich stundenlang hinsetzen und einer Ameisenstrasse beim Wandern zusehen, hab jedes tote Tier mitgeschleppt um es im Garten zu beerdigen. Das begann bei toten Vögeln auf einer Radtour und endete bei einem Marder, den ich als Kind hinter dem Haus fand.

Doch seit einiger Zeit merke ich, umso mehr ich mich mit dem Tierschutz und Tierhaltung befasse, umso mehr Meinungen und Erfahrungen ich höre, umso mehr drifte ich von der "Tierliebe" ab.
Ausschlaggebend war letztens das Erlebnis in Wien in der Hundezone.

Ich war mit dem humpelnden Akos vor der Hundezone, konnte nicht mal reingehen, weil iohm 2 Chihuahuas fast ins Gesicht gesprungen wären. Die keiften und bellten keine 20 cm vor seinem Gesicht. Akos hat mich angesehen, die Hunde angesehen, mich angesehen...so nach dem Motto: "Was soll das werden?"
Nicht mal in die Zone reingehen konnte man, da die Hunde unangeleint waren und sie Akos dann direkt begrüßt hätten. Aber dank seinem Humpeln möchte ich derzeit keinen Hundekontakt...reicht ja eine schlechte Bewegung..zudem mag er es nicht wenn er gleich vonv ornherein so angepöbelt wird und seit der Krankheit neigt er auch bei ner blöden Berührung dazu zu schnappen.

Man ist also ein verständnisvoller Hundebesitzer und bittet darum, das die zwei Chis angeleint werden....was passiert? Nichts? Das Mädchen brüllt über den Platz: "Kommen's ruhig rein!"

Ja...den Teufel werde ich tun....also dieses mal etwas schärfer zurück geschrien, sie soll ihre Hunde doch bitte anleinen, meiner ist krank. Jetzt endlich steht die Jugendliche auf, betrachtet Akos und meint zu mir: "Dann geh halt nicht mit nem kranken Hund in die Hundezone!" - und ging wieder.

Mein Donnerwetter könnt ihr euch wohl vorstellen oder? Das fing an bei: "Hundezone ist für alle da, Rücksichtnahme,..."

Und da haben wir den Haken:
Ich war soweit, das ich mir gedacht habe:
"Tja...ich kann Akos ja mal einfach ableinen und wenn er beißt sagen: Huuuch! Das hat er ja noch nieeee gemacht! Ihr Hund kann nichts dafür...aber vielleicht wäre das mal ne Lektion für sie, wenn sie ihre Mistviecher mal anleinen würde." Und ich habe mich dabei ertappt, das ich dann nicht mal Mitleid hätte. Weder mit ihr, noch mit dem Hund.

Ich war so kurz vor dem Explodieren und habe mich in den letzten Tagen sehr intensiv mit meinen Gedankengängen beschäftigt und bin zu dem Entschluß gekommen, umso mehr ich jetzt in der Ausbildung stecke, umso mehr ich solche "Idioten" treffe, desto mehr fällt meine Überzeugung in die: "Tja, Pech....Opfer gibt es halt mal..."

Und diese Denkweise erschreckt mich zutiefst, das früher jedes Lebewesen für mich "heilig" war.
Aber umso mehr ich solche Leute treffe, umso rabiater wird meine Gefühlswelt. Meine Einstellung zum Tierschutz wird immer lockerer.
Vor ein paar Wochen sind 3 Rehe über das Auto vom Vordermann gesprungen und hat sich im Graben überschlagen. Früher wäre ich sofort stehen geblieben und hätte nachgesehen - bin letztens einfach weiter gefahren.
Und irgendwie erschreckt mich das schon, das ich im Laufe der Zeit so abgehärtet bin, was das Ganze angeht.

das macht mich irgendwie sehr traurig und ich beschäftige mich derzeit mental sehr damit und wollte mal herumfragen, wie es bei euch damit aussieht? Welche Einstellungen habt ihr beim Erwachsenwerden/-sein verloren? Was kam dazu? Was ist euch nichtig geworden, was wichtig?

LG Foss
 
  • Abwandlung u. Änderung von Lebenseinstellungen Beitrag #2
Bei mir ist es absolut genau umgekehrt.
Bei uns zu Hause gab es nie Haustiere, ich bin also komplett tierlos großgeworden - gefehlt hat mir nichts, eben weil ich es nicht kannte.
Tierlieb war ich schon immer, außer Mücken hab´ich alle Tiere geschont, hab´ Regenwürmer von der Straße gesammelt und auf die Wiese gesetzt, hab´ Seesterne und Quallen zurück ins Meer geworfen, hab´ Hummeln, Bienen und sogar Wespen im Glas eingefangen und an die frische Luft gesetzt...
Und dann kamen unsere ersten eigenen Tiere, Farbmäuse und dann Ratten und jetzt seit 5 Jahren eben Katzen. Und meine Einstellung hat sich - naja, geändert würde ich nicht sagen, aber mein Blick ist deutlich schärfer geworden und meine Kritik an so manchen Haltungsweisen ist deutlich lauter geworden. Damit hab´ ich mir schon öfter den Unmut von Freunden und Bekannten zugezogen, wenn ich gesagt habe: "So geht das aber nicht."
Die Geschichte, die Du auf dem Hundeplatz erlebt hast, ist natürlich nicht schön, und da kann ich Deinen Frust auch gut verstehen - in dem Moment hätte ich wahrscheinlich genauso reagiert. Andererseits: Die Hunde können ja nix dafür, wenn die Halterin so bekloppt ist. Das ist dann immer das Dilemma: Kein Tier kann was dafür, dass es so ist, wie es ist... In der Regel wird es vom Menschen so "gemacht"...

Ob dieser Beitrag für Dich jetzt hilfreich war, bleibt dahingestellt - das ist jedenfalls das, was ich in den letzten Jahren so "erfahren" habe und wie ich mich verändert habe... Früher hätte ich niemals über sowas nachgedacht - joar, ein Hase ("Hase"!) in Einzelhaltung, ein Meerie im Knast, ein Kanarienvogel im Winzkäfig - war für mich "normal", ich kannte es nicht anders und wusste nix... Das hat sich um 180 Grad gedreht, inzwischen kann ich da im Sinne der armen Tiere richtig massiv werden...

LG, seven
 
  • Abwandlung u. Änderung von Lebenseinstellungen Beitrag #3
Hey,

das kann ich total nachvollziehen.

Vor ein paar Jahren hätte ich vermutlich jeden einzelnen Hund sofort mit nach Hause genommen von dem ich der Meinung bin, dass er es nicht gut hat.
Inzwischen bin ich, sowohl bei Tieren als auch bei Menschen, zu dem Schluss gekommen:"Ich kann nicht alle retten".

Traurig, aber es ist nun mal so.

In der Hundezonen-Situation wäre mir wahrscheinlich genau das gleiche in den Kopf gekommen.
So leid es mir dann tun würde für den Hund: Da wäre mir mein Hund wichtiger.

Sofern möglich richte ich alles "tieroptimiert" ein.
Wir haben ein paar Hecken aus dem Garten entfernt- alternativ gibt´s neue Brutstätten in Form von zig Kästen usw. usf.

Hier rennt auch eine Streuner-Hündin rum, die von unserem Nachbarhof kommt.
Süße, kleine Maus, x-mal die Besitzer angerufen usw. usf. und es passiert nichts.

Ämter sind alle informiert, es interessiert aber niemanden.

Es würde mir das Herz brechen, wenn sie irgendwann vom Auto überfahren wird, aber letzten Endes würde ich doch irgendwo denken "Das habt ihr ****** davon".

Gerade im Hundebereich bin ich da auch recht flexibel geworden.
"Optimale" Bedingungen sind fast nie zu realisieren, wenn es denn Problemfälle sind...also wenigstens das Minimum.
 
  • Abwandlung u. Änderung von Lebenseinstellungen Beitrag #4
Foss ich kann dich sehr gut verstehen, mir geht es ähnlich.
Bedauerlicherweise habe ich mittlerweile die Mentalität: man kann nicht die ganze Welt retten.

Ja, sowas kommt vor und geht evtl. irgendwann auch wieder vorbei.
Ich merke nur bei mir, dass ich (überspitzt gesagt) immer mehr verrohe, was an den ganzen Dingen liegt,
welche man im laufe der Jahre persönlich oder anderweitig mitbekommt.

Eigentlich eine traurige Welt.
 
  • Abwandlung u. Änderung von Lebenseinstellungen Beitrag #5
Was ich nicht ganz verstehe ist, warum sich deine allgemeine Einstellung zu Natur und Tieren ändert, nur weil du dich über deine Mitmenschen ärgerst :eusa_think: Ich meine, Ameisenstraßen beobachten hat doch nichts damit zu tun, dass man sich darüber ägert, wenn jemand anders seine Hunde nicht angeleint hat.

Ich weiß nicht, natürlich ärgern wir uns alle über unsere Mitmenschen - im Straßenverkehr, beim Einkaufen, über Politiker, andere Hundehalter, die Arbeitskollegen ...usw
Ich versuche da immer nach Möglichkeit locker mit umzugehen und mich eben gar nicht erst zu ärgern, denn wenn man sich ärgert geht es einem schlecht und Menschen denen es schlecht geht wollen früher oder später dass es anderen auch schlecht geht (fasst ja so ziemlich das zusammen was du momentan erlebst).
Deswegen versuche ich immer davon auszugehen, dass die anderen es nicht böse meinen und vielleicht nur gerade ein wenig nachlässig oder unvorsichtig waren. Auf diese Weise kann ich Leuten leichter verzeihen und schleppe nicht die dauernde Last des Ärgers mit mir rum die mich ja nur selbst belasten würden.

Ich finde es aber gut, dass du dich dahin selbst beobachtest und kann nur ganz banal sagen "in der Ruhe liegt die Kraft" ;)
 
  • Abwandlung u. Änderung von Lebenseinstellungen Beitrag #6
Grüß dich,

Ich kenne es ja von mir nicht, daher bin ich selbst über das Erlebnis überrascht. ich wäre früher auch nie auf die Idee gekommen, mich über ein Lebewesen jeglicher Art aufzuregen. Ein böses Wort? Streit? Nee, ich wäre umgedreht und gegangen.
Früher (im Alter von 12 bis 21) war ich so freundlich und lieb zu allen, so ruhig und so ausgeglichen...aber in den letzten paar Jahren sehe ich gewisse Dinge immer relativ kritisch.
Ich war früher ein Stadtkind - Wien mit seinen 1,2 Mio. Einwohnern war damals noch völlig normal für mich, aber seit ich jetzt wieder regelmäßíg in die Großstadt muss, steigt meine Reizbarkeit und meine schlechte Laune. Umso mehr Leute ich um mich herum habe, umso genervter bin ich, auch wenn ich trotz allem noch versuche, respektvoll und rücksichtsvoll zu sein.

Seit 5 Jahren lebe ich jedoch am Land und man wird schon "wachsam und misstrauisch" wenn man hinter dem Haus nur mal den Nachbar beim Heckenschneiden zuhört oder unbekannte Stimme am Vorplatz vorbei marschieren.

Habe mir auch heute wieder Gedanken dazu gemacht und denke, das der Auslöser wohl damals der Einstieg in den Sicherheitsbereich war und die derzeitige Ausbildung macht es wohl nicht besser.
Ich musste mich damals als Frau ziemlich schnell durchsetzen können - auch gegenüber einen 120 Kilo-Mann und ich denke, das es in der Zeit engefangen hat, das mir vieles einfach gleichgültig bzw. nicht mehr relevant genug wurde.


Mhhh ich werds auf jeden Fall weiter analysieren, spannend ist es allemal.
Danke, Kompass!

LG Foss

EDIT: Genau diese Mentalität macht mir derzeit irgendwie zu schaffen...ich habe letztens wieder von dem Unfall geträumt, das hängt mir ja trotz zahlreicher Gespräche ja leider immer noch nach und wird es auch eine ganze Weile. Egal wie ich es drehe und wende...eine andere Entscheidung von mir hätte an der Situation nichts geändert....und im Traum macht das einen echt fertig, egal wie man es durchspielt.

ich habe am FR mal einen betriebsinternen Termin wegen der Sache, da werde ich das alles mal in Ruhe ansprechen, vielleicht gehts dann wieder besser.

LG
 
  • Abwandlung u. Änderung von Lebenseinstellungen Beitrag #7
Ich bin mittlerweile skrupellos geworden, wenn der fremde Hund uns keiffend zu nahe kommt und der Besitzer nicht reagiert spendiere ich dem Hund eine Ladung Pfefferspray, einen gezielten Schlag mit der Maglite oder lasse Emma das klären. Mir vollkommen egal. Ich bin nicht für die Unfähigkeit anderer Hundehalter verantwortlich. Ebenso bin ich vollkommen dafür das wildernde Haustiere von Jägern angeschossen werden dürfen. Am schlimmsten finde ich aber das Eltern ihren Sprösslingen mit 12 Jahren den Familienhund der 40 Kilo Kampfgewicht auf die Waage bringt zum Gassi gehen in die Hand drücken und die Kinder dann überfordert dem Tier hinterherhetzen. Solchen Familien gehört der Hund abgenommen und auf Lebenszeit eine Haltungssperre ausgesprochen. Und ja ich merke auch das umso länger ich wieder in der Sicherheitsbranche arbeite umso abgestumpfter werde.
 
  • Abwandlung u. Änderung von Lebenseinstellungen Beitrag #8
Ich kann nachvollziehen das man, als gerade von überzogenen klein Hunden angekeifter Hundehalter, mal denkt; Joa wenn ich meinen großen jetzt loslasse hat er zumindest schon mal gefressen...
aber dann denke ich wieder; Schaden tut es nur dem großen Hund und dann ist jede Versuchung es auszutesten wieder dahin. Bei aller Gedanken mein eigener Hund ist mir heilig.

Wenn ich einen wild Unfall sehe währe ich aber nicht weitergefahren oder hätte zumindest nen Forster hingeschickt. :eusa_think:
 
  • Abwandlung u. Änderung von Lebenseinstellungen Beitrag #9
Huhu,

in Bezug auf dein Geschriebenes Foss muss ich mich Kompassqualle anschließen...;)

Nur weil du inzwischen vielleicht dünnhäutiger bist in Situationen mit anderen Tierbesitzerin und realistischer/erfahrener in Situationen mit verletzten/toten Tieren, muss sich ja nicht grundsätzlich deine innere Einstellung geändert haben...:eusa_think: Tierliebe heißt ja nicht blindwütige Zuneigung zu allem, was krabbelt, fliegt und Fell hat. Tierliebe heißt für mich vielmehr Respekt gegenüber der Vielfalt des Lebens, Anerkennung der artenreichen Umwelt und Interesse auch an den "Kleinen". Als Kind/Jugendlicher ist doch jeder von uns naiver, gutgläubiger und hoffnungsvoller eingestellt, oder? Egal um welchen Lebensbereich es geht.

In Bezug auf mich muss ich mich dann Seven und auch Mido anschließen.

Ich durfte nie Tiere haben (bis ich 11 wurde), allerdings durfte ich Reiten lernen (mit 4 habe ich angefangen. Eigene Tiere gab es nicht. Ich habe jeden Hund gestreichelt, bin in der Stadt verloren gegangen (so mit 4-5 Jahren), weil ich der Oma mit dem Pudel nachgelaufen bin und nicht meiner Mama. Ich habe Regenwürmer und Schnecken gerettet, die "auf dem Trockenen" lagen, ich habe um jeden toten Vogel, der Kontakt mit unserer Wohnzimmerscheibe hatte geweint, ich hab von Katzen halb zerfetzte Mäuse heimlich mit heim genommen und versucht gesund zu bekommen - all das hab ich in einem kindlichen, guten Glauben gemacht, dass ich die Welt retten kann. :eusa_shhh: Jetzt bin ich groß und vielleicht habe ich genau, weil es früher nicht ging jetzt so viele Tiere - da müsste man dann mal einen Psychologen fragen...:lol:

Inzwischen bin ich erwachsen geworden. Habe durch meine Arbeit im Tierheim viel Elend gesehen. Habe mich ausführlich mit vielen Themen beschäftigt von Tierversuchen bis hin zur Überfischung. Ich habe wie Mido schmerzhaft lernen müssen, dass ich nicht alle retten kann. Dass ich auch mal "Nein" sagen muss. Dass ich auch mal bewusst die Augen zu machen muss um nicht verrückt zu werden (aber das macht man ja in bezug auf viele andere Themen wie z.B. Krieg auch, da man sonst gleich in die Klapse müsste, wenn man sich das alles zu Herzen nehmen würde). ABER mein Motto ist und bleibt die Geschichte vom Seestern - kennst du die?

Grob erzählt: Mann geht am Strand spazieren und sieht einen anderen Mann der gestrandete Seesterne zurück ins Wasser wirft. Der ganze Strand ist kilometerweit voll mit Seesternen. Sagt der spazierende Mann zum werfenden Mann "Was soll das? Du kannst doch gar nicht alle retten. Warum mühst du dich ab? Es macht doch keinen Unterschied..." Sagt der werfende Mann mit Blick auf den Seestern in seiner Hand "Doch für diesen einen macht es einen Unterschied."

Joa, das sage ich mir immer wieder. Für meine eigenen 23 Seesterne macht es einen Unterschied und für die anderen 20-30 Seesterne, die ich das Jahr über so retten kann, macht es auch einen Unterschied. Und besser 40 Seesterne, als gar keiner oder?

So eine Einstellung kann man meiner Meinung nach aber sogar erst bekommen, wenn man älter wird, mehr Erfahrung hat, Hintergründe versteht, Zusammenhänge erkennt.
Das man da fürher anders dran gegangen ist, ist doch keine Persönlichkeitswandlung, sondern eine Persönlichkeitsentwicklung. *so find*

Und rücksichtslose Menschen gehen mir ebenfalls tierischen auf den Zeiger und ja oft kann ich dann auch nicht mehr trennen zwischen Herr und Hund, aber das ist für mich weder ein Tierliebeproblem, noch ein Lebenseinstellungsproblem - das ist meine bescheuerte Menschlichkeit. :mrgreen:

P.S. Einen Eimer zum Kröten über die Straße tragen, hab ich trotzdem immer im Auto, ebenso Gummihandschuhe und Plastiktüten für überfahrene Tiere, die ich einsammle, weil ich es schrecklich finde, wenn die immer platter gefahren werden - mach ich natürlich nur auf den normalen Straßen bei uns, nicht auf der Schnellstraße oder der Autobahn, ich bin ja nicht verrückt...;) Ersatzleine, Geschirr und Halsband, falls ich mal einen Hund finde, Transportbox, falls es mal was anderes ist. Aber da bin ich einfach geprägt und solange ich weiß, ich kann helfen, fahre ich auch nicht weiter. Bei allem anderen bin ich auch abgehärtet und ignoriere es.
 
  • Abwandlung u. Änderung von Lebenseinstellungen Beitrag #10
Ich finde, sowas kann man doch durchaus auch ein bisschen beeinflusse.. Das mit den Rehen zum Beispiel. Im ersten Moment denkt man vielleicht "ist nicht meine Sache" aber wenns einem ein paar Sekunden später einfällt, dass sich ja sonst keiner dafür interessiert, könnte man ja immernoch umdrehen.. :eusa_think:

Ich finde, wenn man merkt wie sich die eigene Einstellung so verschlechtert, muss man sich eben einfach mal an der eigenen Nase nehmen. Auch wenns mal anstrengend ist, dann kommt man eben zu spät zur Arbeit wenn man eine angefahrene Katze aufliest und zum Tierarzt bringt (Nur Beispiel) Na und? Tut niemandem weh und der Katze ist geholfen. Klar kann man nicht die ganze Welt retten, das sollte man auch nicht versuchen sonst wird man noch depressiv.. ist leider wirklich eine traurige Welt :( Aber ein bisschen was dazu beitragen kann jeder, muss man sich eben auch mal etwas reinknien oder einfach wenigstens versuchen, die Dinge anders zu sehen.

Zum Beispiel würde ich niemals mit Pfefferspray auf einen anderen Hund losgehen oder ihn schlagen oder sonst irgendwie Gewalt anwenden nur weil er meine etwas anpöbelt :shock: Da sollte man besser auf den Besitzer losgehen. Klar, wenn die Hunde sich schon gegenseitig in den Lefzen hängen und man eine Möglichkeit hat, sie auseinander zu bringen (die Hand dazwischen stecken sollte man ja nicht :lol:), sollte man es tun. Aber nicht aus Vorsicht einfach mal auf den anderen Hund losgehen :eusa_eh: Vor allem wenn mein Hund sich auch ein Stück weit selber wehren kann. Liegt aber vielleicht auch ein bisschen an einem selber (oder an der Vorgeschichte des Hundes) wenn der Hund sich von jedem anderen Hund so provozieren lässt, dass er gleich voll drauf ein geht..

Jedenfalls habe ich bei mir auch schon ab und zu bemerkt, wie ich ein bisschen diese "nicht meine Sache"- Gedanken hatte oder dass man eben nicht die ganze Welt retten kann und es an anderen Orten noch schlimmer ist.. Aber bis jetzt habe ich es jedesmal gleich gemerkt und denke mir dann auch wer zum Teufel glaube ich eigentlich zu sein, dass ich sowas denken kann?! Die Menschheit tut der Tierwelt soviel zu leide, manchmal schäme ich mich richtig dafür, ein Mensch zu sein. Da finde ich es nur richtig, der Tierwelt zu helfen wo es geht, auch wenn es noch lange keine gute Entschuldigung ist, für das was Tieren tagtäglich von Menschen angetan wird.
 
  • Abwandlung u. Änderung von Lebenseinstellungen Beitrag #11
Kuschelmonsterchen, Warp-one meint bestimmt nicht, dass sie "aus Vorsicht einfach mal auf den anderen losgeht", sondern sie hat ja gesagt, dass wenn der Hund schon keiffend auf einen zukommt (und vermutlich auch die Zähne zeigt) was dagegen unternimmt.

Ich hab auch zwei Hunde und eine Katze, letzte Woche hab ich ein 4 Wochen altes Kätzchen gefunden (und natürlich behalten :roll:) und bekomme heute Abend nochmal eins dazu, damit er nicht so alleine ist, da unser TH total überfüllt ist und auch noch der Katzenschnupfen umgeht. Ich bin schon wirklich tierlieb und schaue schon auf andere Tiere, wenn was ist (wie zB das Katzenkind, das jetzt bei uns lebt). Aber wenn es um meine Tiere geht, dann setzt es auch aus.

Wir haben ein paar Wildkatzen, die mehr oder weniger bei uns auf dem Hof im Heu wohnen und da kann es schon mal sein, dass eine auf meine Katze losgeht - da werf ich der schneller was hinterher, als sie schauen kann. Natürlich keine Steine, meistens hab ich meine Zigarettenschachtel oder Schlüssel in der Hand, das fliegt dann oder ich verscheuche sie, wenn ich nah genug dran bin.

Ich war auch erst spazieren, hatte meinen Yorkie an der Leine und dann kam ein Schäferhund auf uns zu (unangeleint), hat gebellt, geknurrt und ist voll karacho auf Rocky zugerannt. Er hat sich gleich hinter mir versteckt und hat gezittert (an dem ist ja auch nix dran...), hab den Hund angeschrieen und wollte ihn halt ablenken, aber das war dem egal. Tja, da er ungebremst angerannt kam und schier in mich reingerannt ist, habe ich ihn halt getreten und ich muss sagen, es hat mir in dem Moment überhaupt nicht leidgetan. Da ging es um MEINEN Hund, der angeleint war und überhaupt nichts gemacht hat. Ich hab ihn dann hochgenommen, der Schäferhund ist an mir hoch gesprungen, der Besitzer war bestimmt noch 20m weg und hat nur gerufen, er soll herkommen - der ist nicht mal schneller gelaufen. Ein knurrender Schäferhund springt an mir hoch und zeigt die Zähne - dann hat er gleich nochmal eine abbekommen. Dann scheißt der Besitzer MICH noch zusammen, wo ich nur mich und meinen Hund verteidigt habe, was mir einfällt, seinen Hund zu treten. Also am liebsten hätte ich den auch noch getreten. Ich glaub, ich hab noch nie einen Menschen so angeschrien wie den... :evil::uups: Tja, er hat sich dann seinen Hund geschnappt (ohne sich die Mühe zu machen, ihn anzuleinen) und ist gegangen. Normal bin ich nicht so, aber wenn es um meine Tiere geht und in SO einer Situation, da setzt es bei mir aus. Mir tut es auch immer noch nicht Leid, was mich schon auch etwas erschreckt, aber was hätte ich tun sollen?

Wir haben letzten Sommer einen beobachtet (sind mit dem Auto vom einkaufen gekommen), wie ein Mann einen Husky am Boden drückt und mit der Faust auf ihn einschlägt, Blut haben wir auch gesehen. Mein Freund hat sofort angehalten, wir haben den angeschrien, dann sagt er nur, dass es uns nichts angeht, hat den Hund am Kragen gepackt, in seinen Jeep geschmissen (also wirklich geschmissen) und ist gefahren. Ich hab mir das Kennzeichen gemerkt, Basti kannte den Typen (wohnt ein paar Häuser weiter) und hab daheim sofort bei der Polizei angerufen und ihn gemeldet. Kam letztendlich nicht viel raus, da der Hund ja sein "Eigentum" ist und er leider lt. Gesetz mit ihm machen kann, was er will... Letztendlich ist der Hund abgehauen (was er fast täglich macht - warum nur?? :eusa_think:) und darum hat er ihn so geprügelt - er wollte ihm eine Lehre erteilen. Polizei konnte nichts machen, hat aber den Tierschutz informiert. Das war eben letzten Sommer. Der Hund ist alleine diese Woche 3 mal frei rumgelaufen und somit abgehauen, der Tierschutz hat sich nicht darum gekümmert, obwohl man den Typen schon mehrmals gemeldet hat.

Ich finde, es kommt einfach auf die Situation an. Man kann nicht sagen, dass man Tieren gegenüber feindlich geworden ist, da es sich ja nicht um alle handelt. Deswegen finde ich, man braucht nicht daran zweifeln oder geschockt sein, wie man vll mal reagiert. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich mal einen Hund treten werde, habe aber kein schlechtes Gewissen deswegen. ;)
 
  • Abwandlung u. Änderung von Lebenseinstellungen Beitrag #12
Grüß euch!

Erstmal danke für die Antworten. Da habe ich gestern nen elendslangen Beitrag geschrieben und dann schmiert mein Internet wieder für ein paar Stunden ab -.-
Ich schau mal, ob ich es noch halbwegs hinbekomme:

Und rücksichtslose Menschen gehen mir ebenfalls tierischen auf den Zeiger und ja oft kann ich dann auch nicht mehr trennen zwischen Herr und Hund, aber das ist für mich weder ein Tierliebeproblem, noch ein Lebenseinstellungsproblem - das ist meine bescheuerte Menschlichkeit.

Mir auch - aber umso mehr ich drüber nachdenke, komme ich zu der Feststellung: die kommen damit durch.
Die trampeln durch den Alltag wie ne Kuh im Prozellanladen und kommen damit durch.
Und irgendwie ärgert mich das. Ich versuche meistens auch Fremden zu helfen wenn es geht - siehe den Suizid-Mann damals, die ohnmächtige Türkin in der U-Bahn, der besoffene Farbige, der nicht mehr ansprechbar war, und keiner der Zug-Gäste reagiert hat, als ich gefragt habe ob jemand den Arzt rufen kann...kein einziger hat irgendwas getan.
Und die kommen alle damit durch. Die juckt das nicht.
Die sitzen da, lesen ihre Zeitung, starren vor sich hin....und steigen wieder aus.


Und ich mache mir immer noch einen Kopf, das ich dem brennenden Mann nicht helfen konnte.

Mir tut es weh. Beides. Dieses "Nichts tun" und das "Etwas tun aber trotzdem verzweifeln".


Ist es vorteilhafter nichts zu tun und sich wegdrehen wie die anderen, damit es nicht so schmerzt? Ich hätte gute Lust, genauso herum zu trampeln, ohne Rücksicht auf Verluste.
Heutzutage wird ja eine einfache Hilfestellung schon als Flirten angesehen, weil es so selten vorkommt o_O


bleibt die Geschichte vom Seestern - kennst du die?


Oh ja, ich kenne und liebe sie.
Auch das Zitat aus Seabiscuit trifft einfach den Kern:


"Warum helfen Sie dem Pferd? Das ist doch nur ein Pferd."
"Weil ich es kann!"


Ich merke einfach immer mehr, das ich zwischen so vielen Sachen schwanke und gerade dabei bin, mich in der neuen Situation zu finden. Und das ist teilweise nicht so leicht.


*kopfkratz*

LG Foss
 
  • Abwandlung u. Änderung von Lebenseinstellungen Beitrag #13
Huhu,

ich muss sagen, bei mir ist es ähnlich, aber doch irgendwie anders. So sehr mich als Hundehalter andere Hundehalter und ignorante Menschen häufig nerven, lass ich das NIE am Hund aus. Wenn ich mit meinen Hunden einen schlecht erzogenen Hund mit Halter treffe, bin ich nicht angefressen oder angewidert vom Hund, sondern immer vom Menschen. Das hat mit Sicherheit seinen Teil dazu beigetragen, dass ich mit Menschen generell anfangs mein Schwierigkeiten habe und sie generell mit jedem habe, der ignorant durchs Leben mit der Einstellung "nach mir die Sintflut" geht.

Ich gehe eigentlich jährlich bewusster mit allen Lebewesen um. Das Forum trägt da deutlich seinen Teil bei, da ich hier Menschen erlebe, die alle so verschieden sind und in dem jeder ein anderes Steckenpferd bezüglich Tieren hat. Der eine mag Hunde, der andere empfindet Mitleid für die noch so kleinste Maus, ich lerne viel über Pflanzen. Das hat mich schon geprägt und es interessiert mich auch zunehmend. Ich bin immer noch totunglücklich, wenn ich eine tote Katze auf der Straße sehe und ich trage immer noch jede Schnecke aus dem Garten, bevor einer der Nachbarn sie kleinschneidet, damit sie nicht an den Salat geht. Menschen sind oftmals mein Problem. Da merke ich deutlich, dass ich erwachsen werde/bin und mein Gutmenschentum und Weltverbesserei absolut nichts an der Welt ändert, sondern höchstens für einzelne Individuen. Ich glaube, der Trick ist, sein Gutmenschentum ein wenig zu bewahren, damit man nicht wird wie die anderen.
 
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