Frage zu Bodenarbeit/Freiarbeit

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  • Frage zu Bodenarbeit/Freiarbeit Beitrag #1
SoylentGreen

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Hallo!

Selber praktiziere ich keine ausschweifende Boden- oder Freiarbeit bzw. Zirkuslektionen, habe aber natürlich schon einige Leute dabei gesehen, live und im Internet gibt es ja auch eine Menge Videos dazu.
Wann immer ich das sehe, fällt mir auf, dass die Pferde dazu neigen bei der Arbeit die Ohren drohend anzulegen und seltener auch mit dem Schweif schlagen. Einige schütteln z.B. beim Angaloppieren mit angelegten Ohren den Kopf oder die Ohren liegen schon drohend beim nebeneinander Traben an - manche senken dabei den Kopf als würden sie den Trainer treiben oder ist das als Unterwerfung zu verstehen, was ich in Anbetracht des Ohrenspiels und des Ausdrucks nur schwerlich glauben mag?
Auch wenn Trainer ihre Pferde steigen lassen, sehe ich häufig einen wütenden Ausdruck im Pferdegesicht, es sieht regelrecht danach aus als würden die Pferde die Trainer attackieren und einzig eine unsichtbare Barriere scheint sie davon abzuhalten.
Für mich macht es den Anschein als würden die Pferde mit dem Gedanken spielen zu beißen oder zu treten.
Gleiches gilt für die Belohnung. Die Pferde zeigen dabei angelegte Ohren und ein regelrechtes Schnappen nach dem Leckerbissen - respektvolles, vorsichtiges genießen sieht bei mir anders aus.

Dies vermittelt mir das Gefühl, dass dabei von Spaß nicht wirklich die Rede sein kann, denn das Pferd scheint dabei ja unter Stress zu stehen? Es erzeugt in mir eben immer den Effekt wie eine Löwendressur: Nur eine Frage der Zeit bis das wütende Tier sich doch beginnt zu wehren.

Nun möchte ich diejenige fragen, die sich damit eingehender beschäftigen: Wie habe ich das zu deuten? Sicher habe ich hier schon meine Meinung in die Zeilen gelegt, bin aber sicher auch bereit meine Ansicht zu ändern, sollte Jemand schlüssige Argumente vorweisen können.
Und welches Ausmaß sollte der praktikable Teil der Boden- oder Freiarbeit eurer Meinung nach haben, dass es sich um eine gesunde Dosis handelt?
 
  • Frage zu Bodenarbeit/Freiarbeit Beitrag #2
Ich kann dich und deine Beobachtungen gut verstehen und nachvollziehen. Es ist wie beim Reiten und beim Rest: es gibt solche und solche! Nur leider ist es wie so oft dass diejenigen, die den schnellen und "spektakulären" "Erfolg" bringen leider oft bewundert und nachgemacht werden. .... ist halt einfacher was nach zu machen als sich selbst zu informieren und nachzudenken. ...

Ich mache selbst viel an der Hand und kann behaupten dass es meinen Ponys und mir/uns Spaß macht!

Auf die Basis kommt es an. Es wird immer noch viel zu sehr auf falsch verstandener Dominanz herumgeritten, und mit Zwang, Druck und blindem Gehorsam gearbeitet, und dabei sich dabei auf Körpersprache und Kommunikation berufen.... aber das Pferd MUSS! Warum frage ich mich immer. ... Kommunikation ist etwas gegenseitiges..... muss denn da der Mensch nicht aucg etwas?.... und zwar auf seinen partner Pferd achten? !
.... vorgefertigte Übungen von altbekannten Pferdeflüsterern, Horsemans etc. verlangen standardisierte Reaktionen von unseren vierbeinigen Partnern. ... erfolgen diese nicht werden sie erzwungen. ....
Das hat für mich nichts mehr mit Kommunikation, Horsemanship.... zu tun....

Aber es gibt zum Glück auch viele Gute! Sind meist nur nicht so populär...
 
  • Frage zu Bodenarbeit/Freiarbeit Beitrag #3
Ich kann Seeley da nur zustimmen. Es wird einfach zu oft mit übertriebener Dominanz und Unterordnung gearbeitet.
Das bedeutet natürlich immer einen gewissen (mentalen) Druck, der auf die Pferde einwirkt. Die Reaktionen darauf
hast Du ja schon erkannt. ;)

Off-Topic
Seeley, darf ich fragen nach welchen Trainern Du arbeitest bzw. an welchen Du Dich orientierst? Ich denke Du wirst
nicht strikt nach einem Trainer arbeiten. Das lässt zumindest dein Test vermuten. ;)
 
  • Frage zu Bodenarbeit/Freiarbeit Beitrag #4
Ich arbeite nach keinem bestimmten Traininer....
Ich "arbeite" mit dem Pferd auf Grundlage des Hintergrundwissens über Verhalten und der Evolution des Pferdes das ich mir über die Jahre angeeignet habe ( über Lesematerial, Kurse und Seminare und eigene Beobachtungen (verschiedene Pfetdegruppen/-Herden) und Erfahrungen. Es geht natürlich nicht ohne auch die weit verbreiteten "Lehren" miteinander zu vergleichen und ab zu wägen was daran gut und weniger gut ist.

Insgesamt kommt meiner " Idealvorstellung" wohl Solinski am nahesten.

Aber insgesamt steht für mich mittlerweile aus eigeneneigenen - leider nicht nur tollen - Erfahrungen fest: die Patentlösung, den einen weg gibt es NICHT! Bzw. schon.... sich auf jedes Pferd individuell einlassen und das annehmen was es dir anbietet. ... jedes Pferd ist genauso wie jeder Mensch anders, hat andere Erfahrungen gemacht, andere Problemzonen, andere Vorlieben und Talente.... da kann es einfach nicht per Knopfdruck oder Schubladenlösung gehen.... wie denn auch....

Wenn man sich bewusst macht we da einem gegenüber steht ( damit meine ich "was ist eigentlich ein Pferd für ein Lebewesen und welch Möglichkeiten hat ihm die Natur gegeben sind auszudrücken, verständlich zu machen und zu handeln) und sich die selbe Frage einmal über sich selbst stellt und dieses Wissen bewusst einsetzt, dann klappt es auch!

Wie gesagt, mein Pony und ich haben unseren Weg miteinander gefunden und lernen immer wieder dazu. Ohne Zwang.... Picasso darf.... vielleicht möchte er ja deshalb auch .... weil er die wahl hat. (Nicht falsch verstehen, bei uns gibt es auch einen Rahmen, gewisse Regeln und Grenzen, innerhalb derer er sich aber frei bewegen kann. )

Off-Topic
sorry für die Tippfehler und Buchstabendreher.... habe gerade nur mein Handy und die Tastatur ist so verdammt klein...
 
  • Frage zu Bodenarbeit/Freiarbeit Beitrag #5
Ähnlich gehe ich auch an die Sache ran. Ich habe mir auch aus mehreren "Arbeitsweisen" etwas zusammengesucht und das auf meine Stute abgestimmt. Ich sehe es auch so, dass man bei jedem Pferd individuell arbeiten sollte und auch muss! Anders kann es garnicht angenehm für das Pferd und letztlich auch für mich als Ausbilder sein.
Letztlich hat ja auch jeder andere Möglichkeiten etwas zu erarbeiten und andere Ziele. Da ist es eigentlich für jeden sinnvoll, sich quasi sein Trainingskonzept selbst zu erarbeiten.

Vielen Dank für Deine Antwort. :)

Liebe Grüße
 
  • Frage zu Bodenarbeit/Freiarbeit Beitrag #6
Hm ich weiß nicht, ob wirklich jeder dieser Trainer, die ich mit so einem Pferd gesehen habe, es derart böse mit dem Tier meint. Ich habe da eher das Gefühl, dass es wie du schon sagst am Denken liegt. Es wird dem Pferd einfach falsch vermittelt oder zu starker psychischer Druck aufgebaut oder die Dominanzfrage nicht eindeutig geklärt wird, ich glaube aber nicht, dass das wirklich absichtlich geschieht, sondern eher, dass Zeichen nicht verstanden werden. Ich meine, es sind ja schließlich nicht nur populäre Trainer deren Pferde so wütend wirken. Vielleicht ist wütend auch nicht das richtige Wort, vielleicht defensiv aggressiv ? :lol:
Ich kann mir jedenfalls nicht erklären, warum man freiwillig dicht neben einem Pferd hertrabt, dass die Ohren anlegt, wenn man da nicht irgendwas ziemlich missverstanden hat... ?!
 
  • Frage zu Bodenarbeit/Freiarbeit Beitrag #7
Hm ich weiß nicht, ob wirklich jeder dieser Trainer, die ich mit so einem Pferd gesehen habe, es derart böse mit dem Tier meint. Ich habe da eher das Gefühl, dass es wie du schon sagst am Denken liegt.

Das ganze ist auch sicher nicht böse gemeint. Es ist eher das "falsche" Denken, wie Du es auch sagst. Viele denken eben, dass es nur über diese Dominanzsache funktioniert. Die Meisten wissen wahrscheinlich sogar, weshalbt das Pferd solche Reaktionen zeigt, halten es aber wahrscheinlich dann für richtig. Das ist zumindest meine Vermutung. :eusa_think:
 
  • Frage zu Bodenarbeit/Freiarbeit Beitrag #8
Genau Fluli. An der Denk-bzw. Herangehensweise liegt der Knackpunkt! Viele der Leute wissen auch viel, setzen ihr Wissen aber zu falschen Zwecken ein! Sie nutzen es um Gefügigkeit und Gehorsam zu erlangen (was sich in den oben genannten Verhalten und Ausdrücken äussert) .... meist weil es schneller geht und der Mensch an sich weniger zur Selbstreflektion gezwungen ist.....
.... armselig wenn man daran denkt, dass man mit dem selben Wissen und ein bisschen Selbstreflektion und Geduld ein Pferd haben kann das die gleichen Dinge gerne mit einem tut....
 
  • Frage zu Bodenarbeit/Freiarbeit Beitrag #9
Hm sehr interessant, da werde ich mir mal Videos anschauen, ist mir noch nicht aufgefallen, kann ich mir aber vorstellen.
Meiner ist prinzipiell erstmal anti. Beim reiten findet er alles meistens eher erstmal doof, wenn es für ihn anstrengend werden könnte. Was er dann mal kann, führt er gerne aus, dann fällt es ihm auch merklich leichter.
Bei der bodenarbeit ist mir das aber noch nicht aufgefallen, ich habe da noch nicht viel mit ihm gemacht, bisschen Basics und zusätzlich das Kompliment. Da arbeitet er aber sehr gerne mit. Glaube gerade beim Kompliment hat er wirklich Spaß. Anfangs ist er oft weg gelaufen, wenn er überfordert war. Dann habe ich langsamer gemacht und er macht das richtig gerne. Er hat immer die Option zu gehen, macht aber gerne mit.
 
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