Die Entscheidung darüber, ob seine Äußerung jetzt angebracht ist oder nicht?
Was sonst?
Aber wenn ich für mich allein eine Entscheidung darüber treffe, woher soll ich dann wissen ob sie sich mit dem Empfinden der breiten Masse deckt?
Und wenn es bei meiner Entscheidungssache um etwas sehr persönliches geht (Kunst), muss es mich dann überhaupt interessieren, ob es den Geschmack der breiten Masse nicht beleidigt?
Die Schuld jetzt aber ausschließlich bei den aktiven Attentätern zu sehen ignoriert dann aber, dass da eine Gruppierung im Hintergrund steht.
Das ändert nichts, eine Gruppierung im Hintergrund ist ja ein Teil des Aggressors und damit auch von Schuld betroffen.
Wer niemals Schuld ist an Gewalt ist das Opfer, man kann nicht einfach sagen, dass Provokationen eben zu Reaktionen führen und man dann "Pech" gehabt hat oder "selber Schuld" ist, wenn man solche Zugeständnisse macht legtimiert man Gewaltanwendung als grundsätzliches Mittel zur Konfliklösung.
Und auch wenn ich das jetzt schon mehrfach geschrieben habe: Meinungsfreiheit an sich sollte keinen staatlichen oder sonstigen Restriktionen unterworfen sein, sondern es wäre ganz schlicht begrüßenswert, wenn auch unter gegebener Meinungsfreiheit derjenige, der seine Meinung kundtut auch berücksichtigt, dass das a) nicht unbedingt auf Gegenliebe stoßen wird was er da sagt und b) auch die Formulierung bzw. das Wie seiner Formulierung/Karikaturen usw. nicht unwichtig sind.
Okay, aber selbst wenn derjenige das bedenkt, erscheint mir deine Argumentation so als würdest du darauf hinaus wollen, dass er zwingend den Rückschluss ziehen müsste, eine Äußerung für sich zu behalten sobald sie Provokation nach sich ziehen könnte?
Hier drehen wir uns dann aber im Kreis, weil dann darf man wirklich gar nichts mehr sagen, weil sich irgendwer immer provoziert fühlt.
Oder sollte er deiner Meinung nach nur dann seine Äußerung für sich behalten, wenn er damit Gewalt heraufbeschwören könnte? Dann geben wir aber wieder den Aggressoren recht und lassen uns von ihnen Rechte nehmen im Austausch gegen ihre Friedlichkeit (sowas nennt man dann auch Unterdrückung).
Ich kann die enorme Solidarisierung mit Charlie Hebdo derzeit übrigens durchaus nachvollziehen, aber ich finde es trotzdem bemerkenswert, dass hier so massiv auf die Meinungsfreiheit gepocht wird, während ein Mitarbeiter dieses Blattes von selbigem entlassen wird, weil er in einem Artikel das Judentum hoch nimmt.
Ich für meinen Teil solidarisiere mich weder ausdrücklich it Charlie Hebdo, noch interessieren mich welche internen Probleme die Redaktion vielleicht hat.
Ich argumentiere nur allgemein für meinen Standpunkt auf freie Meinungsäußerung.
Was nichts an meiner persönlichen (persönlich- wie auch schon zuvor mehrfach geschrieben) Meinung ändert, dass die Karikaturen von Mohamet dem entsprechenden Kunstanspruch nicht gerecht werden und ich da keine Anregung zum Nachdenken, sondern reine Provokation drin sehe.
Und genau WEIL solche Ansichten subjektiv sind dürfen wir nichts verbieten, jeder kann sich seine Gedanken machen, ja, aber niemand hat einen Anspruch darauf dass seine Ansichten oder Empfindungen die einzig richtigen sind und nun danach gehandelt werden müsste.
Du findest diese Karikatur doof, mir ist sie ziemlich egal, ein Dritter findet sie vielleicht lustig. So what, Menschen sind verschieden, dass ist kein Grund jemanden einzuschränken, oder von ihm zu verlangen, dass er sich von sich aus einschränken sollte.
Und hier wäre dann auch wiederum meine wiederholte Frage was in der konkreten Karikatur eben noch erkennbar ist außer Provokation?
Bisher habe ich dazu nämlich nicht wirklich was finden/erkennen können.
Für mich ist das unerheblich, wie gesagt der eine empfindet so, der andere empfindet so, jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung und diese auch kund zu tun.
Darüber zu streiten wessen Empfindung im Bezug auf die Karikatur nun die "richtige" ist halte ich für müßig.
Ich persönlich fühle mich übrigens durchaus von Mario Barth und seiner ewigen Reinstallierung von gesellschaftlich bereits verankertem Sexismus mal so richtig angekotzt.
Aber...andere finden ihn offenbar toll. Stört es mich - ja, schon - aber bitte, ich muss ja nicht hinsehen und wenns so vielen Leuten gefällt wer bin ich denn da jetzt zu sagen die würden alle falsch liegen.
Würde ich mich jetzt empören und den Kerl von der Bühne holen wollen, oder mit Gewalt drohen, man würde mich auslachen oder vielleicht gleich einsperren.
...warum noch mal sollten wir den Aggressoren des Attentats (inklusive Hintergruppen) eine andere Haltung gegenüber haben?
Genau, mir fällt nichts ein! (Es sei denn wir lassen Angst vor weiterer Gewalt als Argument gelten...aber das würde dann eben wieder Unterdrückung bedeuten).