Kannibalismus

Diskutiere Kannibalismus im Hunde Verhalten und Erziehung Forum im Bereich Hunde Forum; Hallo, ich hoffe, dass ich die Frage hier stellen darf. Vorweg: die Frage ist nur aus reinem Interesse und hat nichts mit meinen Tieren oder mir...
  • Kannibalismus Beitrag #1
Husky85

Husky85

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Hallo,

ich hoffe, dass ich die Frage hier stellen darf. Vorweg: die Frage ist nur aus reinem Interesse und hat nichts mit meinen Tieren oder mir zu tun.

Ich habe mit einer Frau gesprochen, die Welpen aus Notfällen vermittelt und die hat mir eine unglaublich schlimme Geschichte erzählt. Sie sagte, dass sie 2 Boxer-Neufundländer-Mixe hatte, die zu dem Zeitpunkt gerade 5 Monate jung waren. Nicht gerade riesig, also vom Neufi hatten sie die Größe nicht vererbt bekommen. Zudem hatte sie 3 junge Chinesische Schopfhunde, Gewicht ca. 12 Kilo. Diese 5 Hunde waren schon eine Weile zusammen in einem Raum, ohne irgendwelche Probleme miteinander zu haben. Eines morgens wollte sie die Hunde füttern und musste feststellen, dass die Boxer-Neufi-Mixe über Nacht 2 der Chinesen getötet und fast vollständig aufgefressen haben. Sie konnte sich nicht erklären warum sie das gemacht haben. Ich habe sowas (zum Glück) noch nie erlebt und auch nicht davon gehört und frage mich nun, was die Hunde dazu veranlasst haben könnte? Eine psychische Störung vielleicht?

Liebe Grüße
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Kannibalismus Beitrag #2
Huhu,

solches Verhalten zeugt für mich von einer sehr schweren Störung beziehungsweise einer äußerst schlimmen Haltung. Es gibt Berichte über ähnliches Verhalten bei Animal Hoardern, wobei Kannibalismus selbst dort recht selten ist. Am häufigsten sind Verletzungen, die aus Kämpfen resultieren. Die Tiere sind nunmal auf sehr engem Raum, haben keine Bewegung, keine Nahrung, keine Ruhe. Da kommt es zu Streitigkeiten, die auch mal im Tod eines der Tiere enden können. Besonders, wenn ein recht starker Größenunterschied besteht. Da braucht es nicht viel, dass ein Großer einen Kleinen totbeißt.
Du kannst dir zu dem Thema mal die Studie von Tina Sperlin anschauen. Wir hatten da in der TierZeit auch nen Artikel zu, S. 42:
Wobei selbst unter diesen Umständen nur in 4,6% der Fälle Kannibalismus auftrat, zusammengerechnet mit Infantizid (dem Töten der eigenen Nachkommen).

Es braucht also schon mehr als ein wenig Stress, um einen Hund zum Kannibalen zu machen. Die Tötung könnte auch aus einem »normalen« Kampf resultieren, besonders wenn wie gesagt ein größerer Unterschied in Sachen Kraft vorhanden ist.

Was mir an deinem Text auffällt: Du schreibst, die Hunde wären längere Zeit zusammen in einem Raum gewesen. Vielleicht waren die Bedinungen einfach entsprechend, dass es zu derartigem Stress gab? Der Raum klein, die Tiere nicht richtig ausgelastet, zwei davon am pubertieren – das ist ein Pulverfass. Wobei selbst dann der Kannibalismus erschreckend ist in Sachen Verhaltensstörung. Die Tiere kommen ja aber scheinbar auch aus schlechten Verhältnissen?
 
  • Kannibalismus Beitrag #3
Danke für deine Antwort und den verlinkten Artikel. Ich werde ihn mir mal in Ruhe durchlesen.

Dass Hündinnen ihre Welpen unter bestimmten Bedingungen töten, weiß ich. Bei Animal Hordern oder auch bei Straßenhunden unter extrem schlimmen Bedingungen, habe ich auch schon von Kanibalismus gehört. Aber bei ihr bekamen sie 3x täglich eine große Portion Trockenfutter. Also am Hunger kann es definitiv nicht gelegen haben. Ich weiß nicht viel darüber, woher die Hunde stammen und die Frau auch nicht, denke ich. Sie kommen wohl aus schlechten Verhältnissen, wurden mit Schlachtabfällen ernährt. Irgendwer (keine Ahnung wer, aber es ging über den Tierschutz) hat sie da raus geholt und sie sind zu der Frau zur Vermittlung gekommen. Durch die Vermittlungssperre über Weihnachten, waren die Hunde eben etwas länger bei ihr und haben zusammen in einem Raum gelebt. Sie hat sich wohl auch mit den Hunden beschäftigt, aber eben nicht so intensiv wie man es mit den eigenen Hunden macht.

Wenn da "nur" ein Kampf tötlich geendet hätte, wäre das zwar schlimm genug gewesen, aber so richtig schokiert hat uns hauptsächlich der Kanibalismus.

Liebe Grüße
 
  • Kannibalismus Beitrag #4
Aber bei ihr bekamen sie 3x täglich eine große Portion Trockenfutter. Also am Hunger kann es definitiv nicht gelegen haben.
Das hat auch nicht zwangsläufig mit Hunger zu tun. Solches Verhalten zeigt sich auch bei extremem Stress.
Für mich klingt es halt ein wenig so, als seien da fünf Hunde unbekannter Herkunft und Vorgeschichte in einen Raum gesperrt und drei Mal am Tag mit Futter versorgt worden und das wars. Ich kenn die Hunde und die Situation nicht, aber ich kann mir das als äußerst ungünstige Mischung vorstellen.
Die Ernährung mit Schlachtabfällen hat da übrigens wenig mit zu tun. Das ist grundsätzlich eine legitime Form der Ernährung und wird sicherlich nicht der Grund gewesen sein, warum die Hunde ihrem Halter abgenommen wurden. Kein TS-Verein der Welt hätte das durchdrücken können. Da wird schon mehr hinter gewesen sein. Aber wieso weiß man da nichts? Wenn die Frau Pflegestelle bei dem Verein ist, der die Hunde abgenommen hat, wird der Verein ja wohl wissen, wieso er das getan hat? :eusa_eh:
 
  • Kannibalismus Beitrag #5
Sie hat die Hunde schon erstmal an einander gewöhnt, nicht einfach nur zusammen gesperrt. Das hat sie mir erzählt. Und bis zu dem Vorfall haben sie sich ja auch gut verstanden.

Die Ernährung mit Schlachtabfällen hat da übrigens wenig mit zu tun. Das ist grundsätzlich eine legitime Form der Ernährung und wird sicherlich nicht der Grund gewesen sein, warum die Hunde ihrem Halter abgenommen wurden.

Das meinte ich auch nicht. Ich meinte nur, dass die Boxer-Neufi-Mixe Frischfleisch kannten. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass das einen Einfluss hat, wollte es aber der Vollständigkeit halber erwähnt haben...

Und was die Wegnahme angeht... Der Verein wird das natürlich wissen, aber ich weiß kaum etwas über die Hintergründe. Die Hunde waren vorher kurzfristig bei einer anderen Pflegestelle, aber wie das alles nun genau zusammenhängt, kann ich nicht sagen. Da habe ich so genau auch nicht nachgefragt, um ehrlich zu sein.

Liebe Grüße
 
  • Kannibalismus Beitrag #6
Die Hunde waren trotzdem sicherlich erst kurz zusammen. Immerhin sind die erst fünf Monate alt. Dann waren sie vorher noch auf einer anderen PS – das ist nicht viel Zeit für Hunde, die aus so schlechter Haltung kommen, dass sie weggenommen wurden. Das meinte ich ;). Und in irgendeiner Form wird denke ich ein »Schaden« da gewesen sein, was das Verhalten angeht. Sonst wäre es vielleicht zum Tod der Hunde, aber nicht zum Kannibalismus gekommen. Da gehört denke ich schon einiges mehr dazu. Sowohl an vorheriger Erfahrung als auch an aktuellem Stress. Und wenn die Tiere sich bspw. zwei Tage gut verstanden haben, heißt das noch nicht, dass sich zwei pubertierende, eventuell stark vorbelastete Hunde auf engstem Raum mit drei anderen Hunden verstehen. Auslöser kann alles mögliche gewesen sein – Streit um Ressourcen, zu wenig Raum zum ausweichen etc.. Und das eben gepaart mit vielleicht vorhandenen Deprivationsschäden o.ä..

Also prinzipiell kann ich mir vorstellen, dass einige Faktoren ungünstig zusammen gekommen sind, sodass es zu dem Vorfall kommen konnte. Nur sehe ich da auch die Schuld bei der Unterbringung der Tiere. Durch eine Trennung hätte das sicherlich verhindert werden können.

Das meinte ich auch nicht. Ich meinte nur, dass die Boxer-Neufi-Mixe Frischfleisch kannten. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass das einen Einfluss hat, wollte es aber der Vollständigkeit halber erwähnt haben...
Ich wollts auch nur gesagt haben, weil es den Irrglauben gibt, dass Fleisch die Hunde krank oder sogar blutrünstig macht. Zu Kannibalismus wird es aber kaum kommen, nur weil ein Hund Rohfleisch kennt. Wie gesagt – nichts gegen dich, aber es hätte von anderen Mitlesern vll falsch verstanden werden können ;).
 
  • Kannibalismus Beitrag #7
Hm, vielleicht war es wirklich ein ungünstiges Zusammenkommen von verschiedenen Faktoren. Aber das:

Und in irgendeiner Form wird denke ich ein »Schaden« da gewesen sein, was das Verhalten angeht. Sonst wäre es vielleicht zum Tod der Hunde, aber nicht zum Kannibalismus gekommen.

vermute ich auch ganz stark... :(

Liebe Grüße


Edit: Aber vielen Dank für deine ausführlichen und freundlichen Antworten :)
 
  • Kannibalismus Beitrag #8
Hey,

je nachdem wo genau die Hunde herkommen kann es auch schlicht sein, dass sie das schon "kennen".
Bei Hoarding-Fällen kommt das wie schon erwähnt immer mal wieder vor und wenn die Welpen damit aufwachsen, dass vor lauter Elend zwischendurch (verstorbene) Artgenossen gefressen werden...ja.

Aber da wird sicherlich ein ziemlicher Schaden bei den Hunden angerichtet worden sein, dass es überhaupt erst zur Tötung gekommen ist. Ernstkämpfe in dem Alter sind eigentlich extrem selten.
 
  • Kannibalismus Beitrag #9
hab mal so ne reportage über hunde gesehen, die illegal für hundekämpfe abgerichtet werden. diesen werden wehrhafte lebendtiere zum fraß vorgeworfen unter anderem auch katze und hunde die vorher irgendwo gestohlen wurden...aber bei so mischlingen wie du sie beschreibst ist das wohl eher unwahrscheinlich... :eusa_think:
 
  • Kannibalismus Beitrag #10
Wobei ich mich frage, ob Hunde tatsächlich einen toten Hund (noch) als Artgenossen erkennen oder ihn in diesem Fall nicht nur noch als Aas betrachten und eben fressen wie sie es auch mit einem anderen toten Tier tun würden :eusa_think:
Mit anderen Worten, dass die beschriebene Situation vielleicht zustande kommen ist, weil die größeren Hunde die kleineren aus welchen Stress-Gründen auch immer getötet haben und sie dann, als sie tot waren nach einiger Zeit eben verspeist haben?

Sowas kommt doch häufiger vor, ich meine Hühner töten einander auch nicht mit dem Motiv sich gegenseitig aufzufressen, aber trotzdem werden sich alle Hühner aus dem Stall wie ein Festmahl drauf stürzen wenn man ihnen die Reste eines abgenagten Brathähnchens reinwirft.

Trotzdem nur ein Schuss ins Blaue von mir, natürlich kann man da jetzt im Nachhinein nicht wirklich klären ob Kannibalismus eines der Tötungsmotive der beiden größeren Hunde war oder nicht. Klar ist, dass da aus irgend welchen Gründen eine Stesssituation eskaliert ist und es gehört auf jeden Fall einiges dazu, dass Hunde sich nicht nur verletzten sondern wirklich töten.

Mir erscheint die Kombination übrigens auch sehr unglücklich gleich 5 junge Hunde, die sich wohl kaum schon längere Zeit kennen und die sehr unterschiedliche Kraftverteilung haben, zusammen in einen Raum zu sperren und längere Zeit unbeaufsichtigt zu lassen.
 
  • Kannibalismus Beitrag #11
Hallo,

erstmal danke für eure Antworten.

Zu den Größen-Verhältnissen... Einen der Boxer-Neufi-Welpen habe ich gesehen und so groß war die echt nicht. Die Chinesen waren übrigens auch Mixe (ich weiß nur nicht genau was da noch drin war, könnte irgendein Terrier gewesen sein) und nicht ganz so "zart" wie reinrasssige Chinesen. Die habe ich aber nicht gesehen, daher kann ich zu deren Größe nichts sagen. Weiß halt nur, dass die ca. 12kg hatten.

@Midoriyuki
Ob die Kleinen das schon kannten, weiß ich leider nicht. Aber wenn das so wäre, wäre das natürlich eine Erklärung. Dann hätten sie nur getan, was ihnen vorgelebt wurde...

@louiss
Das ist mit den Hundekämpfen ist eine richtig miese Sache :( Aber das können wir in diesem Fall wohl ausschließen.

@Kompassqualle
Interessante Gedanken. Ich vermute, dass Hunde einen toten Artgenossen schon noch als Hund/Freund erkennen, wenn sie beispielsweise zusammen aufgewachsen und ihr Leben miteinander verbracht haben. Man hat ja auch schon davon gehört, dass Hunde um verstorbene Artgenossen trauern, sie suchen und es ihnen manchmal leichter fällt, wenn sie Abschied nehmen bzw. den toten Kumpel nochmal sehen konnten um seinen Tod zu realisieren. Habe ich zumindest so mal gehört?!
Aber wenn keine enge Bindung zwischen den Tieren herrschte, könnte es schon sein, dass sie tote Artgenossen nur noch als Aas sehen oder es ihnen schlicht egal ist welcher Art das potenzielle Mahl angehörte...

LG Husky
 
  • Kannibalismus Beitrag #12
ich denke sehr wohl, dass Tiere tote Artgenossen erkennen. Ein abgenagtes Hähnchen ist da sicher eine andere Sache. Tiere erkennen sich schließlich durch ihren optischen und Geruchssinn. Wenn man mir ein Gulasch aus Menschenfleisch vorsetzen würde, würde ich wohl auch zum Kannibalen, weil ich es schlicht nicht erkenne.
Genauso wird ein Huhn keinen zubereiteten Artgenossen erkennen können.
 
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