Zu dick,zu dünn..was ist richtig?

Diskutiere Zu dick,zu dünn..was ist richtig? im Kaninchen Ernährung Forum im Bereich Kaninchen Forum; Hallo ihr lieben. Ich habe mal eine Frage bezüglich des Gewichtes bei meinen 4 Zwergkaninchen (2 Farbenzwerge,2 Löwenköpfchen) Wie viel dürfen die...
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #1
J

Joliluha

Beiträge
42
Punkte Reaktionen
0
Hallo ihr lieben.
Ich habe mal eine Frage bezüglich des Gewichtes bei meinen 4 Zwergkaninchen (2 Farbenzwerge,2 Löwenköpfchen)
Wie viel dürfen die Tierchen denn wiegen?

Hier mal die Wiegeergebnisse meine 4 Ninchen.

Lucky-3 Jahre-kastrierter Rammler-Löwenköpfchen-wiegt 1739 Gramm
Lily-2 Jahre-Weibchen unkastriert-Farbenzwerg-wiegt 1630 Gramm
Happy-4 Monate-Weibchen unkastriert-Farbenzwerg-wiegt 816 Gramm
Jonny-4 1/2 Monate-kastrierter Rammler-Löwenköpfchen-wiegt 936 Gramm

Gerade bei Happy mache ich mir Sorgen da sie wirklich sehr dünn wirkt..
Dabei frisst sie alles was ihr in den Weg kommt.Allerdings rennt sie auch dementsprechend viel.

Zum Futter:
-Salate- Salatherzen u.ä.
-Stück Möhre
-getreidefreies Trofu (gelegentlich)
-Sellerie
-Fenchel
-Stück Apfel
-Stück Banane
-Weintrauben
-Brot
es wird nicht alles auf einmal gefüttert,über den Tag verteilt immer mal etwas
Gerade die Kalorienbomben gebe ich ziemlich wenig,maximal 1x pro Tag

sind meine Kaninchen zu dick/dünn?
Und wie bekomme ich etwas mehr Gewicht auf Happy´s Rippen?
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #2
Hallo Joliluha,

das Gewicht anhand der jeweiligen Kaninchenart fest zu machen ist leider nicht möglich, dazu gibt es einfach zu viele Kaninchen die mal kleiner, größer, stabiler oder zierlicher gebaut sind.
Am einfachsten ist es eigentlich, wenn du dem jeweiligen Tier sachte über den Rücken streichelst. Spürt man die Wirbelsäule so, dass mann die einzelnen Wirbeln zählen könnte, ist es zu dünn und könnte noch etwas mehr vertragen. Spührt man gar nichts mehr und wirkt das Tier auch etwas zu stabil, wird es etwas zu dick sein.

Deine Ernährung klingt an sich recht gut. Blättriges, Kräutiges macht den Hauptanteil aus, Wurzeliges- und Knolliges nur einen kleineren anteil und Obst meines Wissens nach nur als Leckerei, wenn sie in der Wohnung leben und du rationiert fütterst.
Das Brot kannst du weg lassen, es trägt nicht zur Gewichtszunahme bei und schädigt nur den Zähnen und Verdauung der Tiere. Bei dem Getreide freien Trockenfutter ist ebenfalls Vorsicht geboten, welches reichst du da und wie viel gibst du am Tag davon?


Liebe Grüße
Amber
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #3
Ich stimme meinem Vorredner zu. Die Rasse sagt nicht zu dem Gewicht aus. Gerade bei Farbenzwergen und Löwenköpfen ist es besonders schwer. Farbenzwerge haben den sogenannten Zwergfaktor. Reinerbige Tiere sind nicht Lebensfähig und entsprechende Verpaarungen bei denen sie entstehen können verboten. Dann gibt es die spalterbigen, auch Typzwerge genannt. Sie kennt man als klassischen Farbenzwerg mit kurzen Ohren und einem Gewicht von ca. 1,1-1,4kg. Aufgrund der Genetik gibt es noch eine dritte Möglichkeit bei den Farbenzwergen, nämlich Tiere ohne Zwergfaktor. Es sind nach wie vor Zwerge aber können durchaus auch an die 2kg Marke gehen.
Bei den Löwenköpfen ist es ähnlich. Laut Rassestandard sollen sie zwar größer sein und keinen Zwergfaktor haben. Da man allerdings bei der Herauszucht Zwerge benutzt hat, können die Gewichte ähnlich sein. Gerqade bei nicht im Verband organisierten Züchtern werden oft Farbenzwerge zur Gewichtsreduktion eingekreuzt.

Somit kann das Gewicht zum einem genetisch vorgegeben sein, dann spielt auch Ernährung, Futterverwertung, Gesundheitszustand, Haltung, Bewegungsdrang des einzelnen Tieres mit eine Rolle. Ebenso der "Typ". Es gibt Kaninchen die sind immer sportlich schlank (z.B. Hasenkaninchen), während andere vom Körperbau eher massig sind mit breiten Kopf und breit gezüchtetem Körper (Blauer Wiener, weißer Neuseeländer als optischer Vergleich/Gegensatz).

Ich habe schon einige Jahrzente Farbenzwerge. Es gibt durchaus Typzwerge, die mit 6 Monaten gerademal bei 900-1000g liegen, ausgewachsen dann bei ca. 1000-1100g. Hatte schon öfters so welche hier. Für 4 Monate fände ich die Gewicht bei einem Typzwerg noch voll im Rahmen. Bedenke auch, dass sie im Moment noch wachsen und somit viel Energie eher ins Wachstum geht als auf die Rippen.
Am besten kann man es wirklich messen, wenn man über den Rücken streicht. Spürt man die Wirbelsäule deutlich, können noch ein paar Gramm auf die Rippen. Spürt man wenig bis nichts, ist das Gewicht ok. Spürt man gar nichts und eher Fett, sollte man über etwas mehr Bewegung nachdenken.

Brot kannst du weg lassen. Es bringt zwar etwas Kalorien mit, aber du kannst es mit Schokolade, Pommes oder ähnlichem Vergleichen. Für die Tiere lecker, aber nicht gesund. Bei falscher Trocknung können Schimmelsporen entstehen. Ebenso Kaninchen mit einem emfindlichen Verdauungssystem oder Hefen kann das Getreide im Brot zu schaffen machen. Für den Zahnabrieb auch eher weniger förderlich. Durch den Speichel im Mund wird das Brot weich und der Zahnabrieb wird auf ein Minimum gesenkt. Zumal das Brot im Magen aufquillt. Die Tiere sind entsprechend länger satt, fressen weniger -> weniger Zahnabrieb. Das gleiche passiert auch bei Pelletfutter. Es quillt im Magen auf. Deswegen sollte es sparsam gefüttert werden.
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #4
Mein Kastrat hat durch Krankheit abgenommen und jetzt 1300 g, vorher waren es 1900 g und die waren schon etwas viel. Ich denke die Mitte, also so 1500 g wären für ihn ok. Er ist aber nun schon 10 Jahre alt und wie gesagt krank, mehr als Kalorienreich (Haferflocken usw.) füttern geht eig. nicht.
Meine Häsin ist etwas größer als er und hat 1900 g, optisch genau richtig.

Das ich ein Jungtier hatte, ist schon ewig her und damals habe ich nicht gewogen...

Vielleicht würden Bilder helfen, zu sagen, ob das Gewicht passt oder nicht. :eusa_think:
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #5
Bilder müsste ich erst machen.
Also gerade bei Happy merkt man die Wirbelsäule ziemlich stark. Ich hab ehrlich gesagt manchmal angst sie anzufassen.Nicht das ich sie verletze.

Das Trofu gibt es nicht täglich.1-2 mal pro Woche pro Tier einen Teelöffel.
Dann lasse ich das Brot weg und reiche ein paar Haferflocken
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #6
Hast Du mal einen Tierarzt drauf schauen lassen? Das wäre das erste was ich machen würde, denn er kann das Tier sehen und auch mal abtasten.;)
Was das füttern angeht, könntest Du auch frische Küchenkräuter wie Dill, Petersilie und co geben, die sind sehr kalorienreich
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #7
Sämerein oder Sonnenblumenkerne haben auch noch Kalorien. Ebenso Wurzel- und Knollengemüse
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #8
Was mir bei der Fütterung
-Salate- Salatherzen u.ä.
-Stück Möhre
-getreidefreies Trofu (gelegentlich)
-Sellerie
-Fenchel
-Stück Apfel
-Stück Banane
-Weintrauben
-Brot
es wird nicht alles auf einmal gefüttert,über den Tag verteilt immer mal etwas
Gerade die Kalorienbomben gebe ich ziemlich wenig,maximal 1x pro Tag
auffällt, ist die extreme 'Einseitigkeit, Nährstoffarmut und Wirkstofflosigkeit der Nahrung ...

Wildlebende Kaninchen sind Frischköstler und Blattspitzenfresser, sie bevorzugen eiweißreiche, pflanzliche Kost mit hohem Wirkstoffgehalt (die meisten Pflanzen, welche von wildlebenden Kaninchen gefressen werden, sind für uns Menschen Giftplanzen! Kommen diese im Kaninchenrevier nicht vor, werden die Wilden auf Dauer krank - und unsere Gefangenen demzufolge auch).

Zum getreidefreiem TroFu kann ich kaum was sagen - was soll das sein?
Pellets?
Strukturfutter?
Wiesenheu?
Laubheu?
getrocknete Kräuter?
Ölsaaten?
Es gibt nur eines dazu zu sagen - es ist zu trocken, da fehlt das Wasser, schließlich heißt es Trockenfutter, weil es trocken ist.
Es gibt jedoch gesundes Trockenfutter für Kaninchen, welches in geringer Menge auch von den Wilden aufgenommen wird: Sämereien, Eicheln, Biohaferkörner (dafür beißen sie sogar den Hafer kurz über dem Boden ab, um die Haferkörner abzufressen! Nach meiner Beobachtung verlassen sie sogar ihr Revier, um an Biohafer ranzukommen.) Es ist Kraftfutter und als Ergänzungsfutter zu verstehen, wenn Kaninchen naturnah ernährt werden, fressen sie im Herbst und Winter zwar vermehrt davon, aber nie wirklich viel.

Hauptfutter ist und bleibt frische Wiese und frischer Wegrand - und hier sind es die nahrhatften und eiweißreichen jungen Blattspitzen, Sproßtriebe und Jungpflanzen, die von Kaninchen bevorzugt werden. Einen Großteil machen auch solche als Giftpflanzen verschrieenen Pflanzen, wie Robinien, Wolfsmilchgewächse, Feldrittersporn und ähnliches aus ... was für uns teilweise tödlich giftig ist, ist für Kaninchen sowas wie Salat für uns! Wildlebende Kaninchen nutzen sogar die Top10 der Giftigkeit, ohne daß es ihnen schadet!
Es gibt einen Nachteil der ganzen Giftfresserei - Kaninchen brauchen diesen überaus hohen Wirkstoffgehalt, um überhaupt gesund zu bleiben!
Gemüse und Salat bieten diesen Wirkstoffgehalt nicht mal im Ansatz - und die von dir aufgelisteten Pflanzen enthalten zudem viel zu wenig Eiweiß ... ohne supplementiertes Futter muß es also bei einer solchen Fütterung zu Nährstoffmängeln kommen ... und supplementiertes Futter, täglich gereicht, bringt den Stoffwechsel durcheinander, ist also auch nicht das Gelbe vom Ei, aber immer noch besser, wie eine nährstoffarme, eiweißarme Kost ...

Wenn du im Winter mit Gemüse ernähren willst, wirst du um solch eiweißreiche und wirkstoffreiche Pflanzen, wie Kohl und Mangold nicht drumrumkommen ... du verfüttest momentan nur wässriges Zeugs (Salatherzen) und Früchte!
Früchte sind jedoch nur Beikost ... können also nicht zur Hauptspeise werden! Wurzelgemüse (Möhren) enthalten zuviel Stärke und zuwenig Wirkstoffe, um als Hauptnahrung gelten zu können, auch das ist wie die Früchte Beikost!
Das Einzige, was noch als Hauptkost gelten könnte, wäre bei dir der Sellerie und der Fenchel - und die enthalten nicht mal im Ansatz genügend Eiweiß, geschweige denn, daß sie die richtige Eiweißzusammensetzung hätten!
Wovon also sollen deine Kaninchen leben?

Man kommt bei Kaninchen nicht um Wiese und Wegrand herum ... der Winter ist ja nu in den meisten Gegenden Deutschlands sehr mild verlaufen, gerade in den Städten findet sich deshalb sehr viel Kaninchenkost, die man sammeln kann:
- Pflückgut von verwilderten Bereichen auf Friedhöfen (natürlich sollte vorher der Friedhofswärter gefragt werden, ob es in Ordnung ist, auf dem Friedhof für die eigenen Kaninchen zu sammeln)
- Brachliegende Grundstücke
- Parks mit Wiese und Büschen ... die Hundekotgefahr ist da deutlich geringer, wie die Gefahr, die Kaninchen mit Ersatzkost a la Gemüsetheke mangelzuernähren!
- verwilderte Stadtgärten (Besitzer fragen)
- Hinterhöfe - die bieten oft sogar ein sehr unbelastetes, hochwertiges Futter, je nachdem, wie die Hinterhöfe gepflegt werden und was dort angepflanzt wird. Es gibt halt die Trittrasenhinterhöfe, wo nur noch plattgetretenes Weidelgras wächst, gibt aber auch Hinterhöfe mit Löwenzahn, Bärenklau und Co, wo man mit gutem Gewissen sammeln kann - einfach mal die Hausmeister ansprechen, ob man schauen und pflücken darf ... es lohnt sich!
- Dachgärten
- Schrebergärten - sie sind zwar eine weniger gute Alternative, da nirgendwo so viel Pestizide gespritzt werden, wie ausgerechnet in Schrebergärten, auf der anderen Seite hat man in Schrebergärtenanlagen oft auch verwilderte Bereiche, in denen von Gänsefuß bis Ampfer alles wächst, was Kanin halt so braucht ...
- Nebenstraßen - sie werden oft unterschätzt, aber bieten vielfach solche tollen Futterpflanzen wie Löwenzahn, Wegwarten, Gänsefuß und viele weitere Ruderalpflanzen - allesamt äußerst wertvoll fürs Kanin aufgrund des Wirkstoffgehaltes!

Wenn im Winter wegen hoher Schneelage nicht gepflückt und gesammelt werden kann, ist das wertvollste Futter für die Kanin Kohl! Dieser muß möglichst schnell langsam angefüttert werden ... heißt also, man fängt mit Chinakohl und Kohlrabiblättern an und schaut, wie die Kanin es vertragen ... wirds vertragen, heißt es, die Menge möglichst schnell steigern und weitere Kohlsorten ausprobieren. Innerhalb von zwei bis drei Wochen sollten Kaninchen Kohl in sämtlichen Lebensformen vertragen und man hat ein sehr wertvolles, eiweißreiches Winterfutter!
Da die Gemüsetheke nur ein sehr unzureichender und zudem hochbelasteter Ersatz für Wiese und Wegrand ist, sollte zudem viel Gehölz angeboten werden - auch dann, wenn es erstmal nicht gefressen wird.
Hier sind Tanne, Fichte, Efeu und Kiefer sehr wertvoll, da sie viele Gerbstoffe und ätherische Öle enthalten und der natürlichen Giftnahrung von wildlebenden Kaninchen sehr nahe kommen. Efeu enthält zusätzlich noch eine große Menge an Saponinen, welche den Darm reinigen.
So können die Kaninchen die winterliche Gemüsethekenkost ausgleichen und Darmbeschwerden vorbeugen.

Auch nutzbringend sind aromatische Sämereien - sie werden nur sehr, sehr wenig gefressen, sind aber gut für den Darm. Im Grunde genommen kann man hier alle Sämereien, die als Gewürz in der Küche Verwendung finden, ausprobieren, wobei Nachtkerzensamen, Schwarzkümmel, Kümmel, Kreuzkümmel, Anis, Fenchel und Dillsamen besonders wertvoll sind, da sie eine sehr gute Wirkung auf den Darm haben.

Weiterhin ist saisonales Gemüse besser wie irgendwelches importiertes Zeugs aus Spanien und Wer weiß wo sonst noch woher und Bio ist besser wie konventionell ... wobei man bei Konventionell auch ein wenig schauen muß, woher es stammt, kennt man den Landwirt und weiß, daß er in Mischkultur anbaut und nur spritzt, wenn es sein muß, kann Konventionell sogar besser wie Bio sein ... erfahrungsgemäß sind regionale Futtermöhren der Raiffeisenmärkte besser wie Bioaldimöhren aus Israel oder Spanien.
Also nicht immer ist bio besser - aber meistens, vor allem das, was in den Naturkostläden verkauft wird, hat oft eine doch recht brauchbare Qualität und ist überdurchschnittlich oft regional.

Besonders wertvolles Gemüse ist alles, was Blättrig ist und NICHT zu den Gartensalaten zählt ... also Kohl, Mangold, Melden, Ampfer, Löwenzahn, Feldsalat, Chicoree, Radicchio, Möhrengrün, rote Bete Blätter (das heißt, wenn die noch bezahlbar sind ... ), Kresse (wenn sie gefressen wird), Lauch, Pastinakengrün, Selleriestangen, Postelein und vieles mehr, was insbesondere in den Naturkostläden als Blattgemüse und Salat im Angebot ist ... im Sommer sollte man besser Wiese, Wegrand und Gehölz verfüttern, ist gesünder!
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #9
Danke Murx für diese sehr ausführliche und gute Erklärung:):clap:
Ich möchte nur zum Thema Giftpflanzen eins hinzufügen, diese sollten nur dann gefüttert werden, wenn das Tier genug Auswahlmöglichkeiten hat und selbst entscheiden kann, ob, wann und wieviel es davon frisst. Es sollte also zu jeder Zeit selektieren können und niemals gezwungen sein, "Giftpflanzen" zu fressen, weil nur eine handvoll Wiese reingelegt wurde und nix anderes mehr da ist.
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #10
Wobei man dazusagen muß ...

Wenn mal nen Tag oder zwei nur ne Handvoll Wiese und Wegrand bei den Kaninchen landet oder nur im Winter, wo es nunmal schlecht zum sammeln ist, hauptsächlich mit blättrigem, abwechslungsreichen Gemüse ernährt, dann ist das nicht so tragisch, die Kaninchen vertragen trotzdem alles von Wiese und Wegrand - wenn man jedoch die Ernährung der Kaninchen auf Wiesenheu und eine Handvoll Frischem reduziert und das dann auch noch auf wenige Pflanzenarten, die man halt so an der Alditheke bekommt, einschränkt, werden die Kaninchen irgendwann über die Jahre im Verdauungstrakt krank - vollkommen egal, ob man da bisweilen noch ne Handvoll Wiese zupackt, oder nicht ... diese bisweilen Handvoll Wiese ist dann einfach zuwenig!
Schließlich sollte das die Hauptspeise der Kaninchen sein!
Die einseitig und unzureichend ernährten Heu-bissi was anderes Kaninchen sind genau die vielen Kaninchen mit Aufgasungen, Blasensteinen, zu mageren oder zu dicken Kaninchen etc, die dann irgendwann beim TA landen und wo versucht wird, die Symptome mit CC, BB und ka was sonst noch so alles für ungeeignetes Zeugs zu bekämpfen. Nur leider klappt das nicht ... die Kaninchen sterben zwar nicht davon, haben aber dennoch Bauchweh - ihr Leben lang.
Im Grunde genommen ist da eine Ernährung mit Strukturfutter immer noch besser, weil es von den Nährstoffen her nicht so unzureichend ist - und selbst das macht viele Kaninchen über die Jahre im Darm krank, weil es einfach zu trocken ist.

Um ein Kaninchen ein Leben lang gesund zu halten, braucht es pro Kilo Lebendgewicht jeden Tag 300g abwechslungsreiche Frischkost - der Löwenanteil sollte aus, möglichst vielen unterschiedlichen Wildkräutern, Gräsern und blättrigem Gemüse bestehen ... heißt also, wer zwei 8kg-Riesen bei sich zu Hause hocken hat, muß jeden Tag irgendwie 2,4kg Wiese, Wegrand und blättriges Gemüse anschleppen! Das ist ne ganze Menge ... und die Kaninchen kümmert es einfach nicht, ob man das kann oder nicht kann, sie sind an eine solche Ernährung angepaßt und werden nunmal früher oder später im Darm krank, wenn sie das nicht bekommen! Schließlich sind sie nicht für unsere Wohnungen gemacht, sondern sie sind dafür gemacht, als standorttreue Weidetiere in einer Buschsteppenlandschaft zu überleben.
Und die bietet ganzjährig jede Menge sehr unterschiedliche Wildpflanzenarten in frisch mit hohem Wirkstoffgehalt!

Es gibt übrigens etliche wildwachsende Pflanzen, die selbst dann nicht schaden, wenn das Kaninchen schon über eine zu einseitige und unzureichende Kost krankgefüttert wurde und entsprechend empfindlich wurde ... dazu zählt fast jedes Gehölz (jetzt im Winter beispielsweise Kiefer, Fichte, Tanne), sehr viele Wiesenpflanzen wie Wegeriche, Nelkenwurz, Mädesüß, Flockenblumen, Laucharten, alle Ampferarten, Bambus, Sauergräser, Binsen etc - das kann man übrigens auch im Winter sammeln, wenn der Schnee nicht zu hoch liegt. Diese Pflanzen sollten wirklich so viel zu den Kaninchen wandern, wie man auftreiben kann ... selbst ohne Anfütterung werden diese Pflanzen vertragen - und leiten etliche Heilprozesse ein, wenn sie gefressen werden.

Im Frühjahr muß man ein wenig aufpassen - die Knospen der Laubgehölze werden sehr eiweißreich, enthalten jedoch, kurz bevor die Blättchen sprießen, kaum mehr Harze und Gerbstoffe.
Hier muß einfach verhindert werden, daß diese Knospen zu gierig gefressen werden - meist hilft es schon, die Zweige einfach so aufzuhängen, daß die Kaninchen sich die Knospen mühsam erarbeiten müssen und sie nicht in sich hineinstaubsaugern können.
Rinden dagegen, insbesondere frische Rinde, können sie zu jeder Zeit in beliebiger Menge bekommen - frische Rinde beugt Blähungen vor, da der Gerbstoffgehalt sehr hoch ist. Die Lignine in der Rinde gelangen in den Dickdarm und werden dort von schnellwachsenden Bakterien und Hefen zu Phenolen abgebaut - die wiederum giftig für diese Mikroorganismen sind! Je mehr also an schädlichen, schnellwachsenden Mikroorganismen im Darm sitzen, desto mehr Phenole werden frei und desto radikaler wird der Darm ausgelichtet, damit die für das Kaninchen gesunden Mikroorganismen wieder nachwachsen können.

Wiese im Frühjahr hat das gleiche Problem, wie die frischen Knospen - das sind alles eiweißreiche, nährstoffreiche Pflanzen, die noch kaum Fraßschutzstoffe ausgebildet haben ... aber auch hier gibt es einen Trick, wie man gleich ne Handvoll Wiese und mehr, ohne anzusehen, was da für Pflanzen drin sind, ohne anzufüttern, geben kann, ohne daß was passiert (außer daß die Kaninchen dadurch die Chance bekommen, wieder im Darm zu gesunden), man mischt einfach die frische Wiese mit Wiesenheu oder Laubheu ... so ist ein gieriges Fressen gar nicht mehr möglich und die Kaninchen können trotz kaputten Darm die Wiesenpflanzen fressen, die sie brauchen und lassen zuverlässig das im Heu, was sie nicht brauchen ... ist nämlich richtig mühsehlig, da im nährstoffarmen und geschmacklosem Heu nach frischen Wiesenpflanzen zu wühlen!

Je mehr ihr für die Kaninchen sammeln könnt und je mehr Frisches ihr ihnen bieten könnt, desto besser kann der Darmtrakt wieder gesunden ... die Kaninchen werden es euch danken! :D
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #11
@Murx: Warum ist gekaufter Salat denn nun so scheiße und gekaufte Kohlblätter so toll? Die Erklärung habe ich nicht verstanden.

Und ich kann nur für MEINE Kaninchen sprechen, die zumindest einige von Dir aufgezählten Winterfutter-Sachen schlicht und ergreifend nicht fressen. Fenchel, Sellerie, Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, Mangold Mairübchen werden beispielsweise generell verschmäht, egal oft ich das anbiete. Chinakohl, Brokkoli, Kohlrabi+blätter, Grünkohl, Radiccio, Blumenkohl werden gefressen. Sowie sämtliche Salate und Spinat.

Wo ich abwechslungsreiches Wiesengrün in ausreichender Menge jetzt im Winter herkriegen soll, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Schnee ist weggetaut, ja, aber zum Teil ist der Boden noch gefroren, und das, was hier an "Grünzeug" steht, ist vergammeltes, verpilztes und verschimmeltes braunes Zeug vom Vorjahr. Und ja, ich gehöre zu den Leuten, die selber sammeln, wenn die Jahreszeit es zulässt. Und ich kenne eine ganze Menge Pflanzen und es bleibt beileibe nicht bei Löwenzahn.

Mit den Giftpflanzen habe ich auch so ein Problem. Nein, ich füttere durchaus auch mal Sache, die "giftig" sind. Allerdings "schwach giftige" Dinge, von denen ich weiß, dass Mensch, Pferd, Huhn oder Hund nicht gleich davon umfallen und von denen ich annehme, dass deshalb auch die genügsamen Kaninchen damit klarkommen, und durch ausprobieren rausfinde, dass das so ist. Eben weil es recht wenig fundierte Literatur zu dem Thema gibt, was Kaninchen an Giftpflanzen vertragen und was nicht. Kannst Du mir vielleicht welche nennen? Du scheinst Dich sehr mit dem Thema befasst zu haben.

Das einzige, was ich persönlich gefunden habe zum Thema Giftpflanzen und Kaninchen, war "Kaninchen würden Wiese kaufen" im Internet. Fand ich einerseits interessant und lesenswert, andererseits missfiel mit der rotzige und besserwisserische Krawall-Ton der Texte, der den Großteil aller Kaninchenbesitzer als ahnungslose Dummdödel hinstellt, die nur der raffgierigen Tierfutter-Werbebranche glauben,während man selbst offenbar die Weisheit mit Löffeln gefressen hat und gleich noch für äußerst reichlich Kohle das selbstkreierte Trockenfutter anpreist - nachdem man sich vorher seitensweise über die ach so große Schädlichkeit von Trockenfutter ausgelassen hat..

Und einige der Angaben dort halte ich jedenfalls für fragwürdig. Ich würde ich nie hochpotente Pflanzen wie zB Eiben, Fingerhut, Rainfarn verfüttern - auch wenn es Hinweise gibt, dass Wildkaninchen das (angeblich) vertragen.

Daher nochmal die Frage: Woher beziehst du dein Wissen bezüglich Kaninchen und Giftpflanzen? Ich würde da wirklich gern lesen und dazu lernen.
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #12
Ich verfüttere ja Salate, aber da tatsächlich (mit der Ausnahme Lollo, weil sie den gern mochten) vor allem die Wintersalate wie Endivie oder Feldsalat. Oftmals sind Salate ziemlich belastet, leider wenig oder nicht mehr wirklich nährstoffhaltig. Kopfsalat und Eisbergsalat verfütter ich zum Beispiel garnicht mehr, da es für mich im Grunde nur noch grünes Wasser ist.
Ich hatte ja ein sehr anfälliges Tier musste mir daher sehr viel über Ernährung anlesen. Für mich hat im Grunde eine ganz einfache Formel letztendlich funktioniert, Dazu muss ich sagen, dass ich ein Blasenschlammkaninchen und ein Matschkotkaninchen hatte, was das ganze mitunter etwas schwierig machte. Aber das was funktioniert hat war dies:
Ausschließlich artenreiche Wiese plus Blätter und Ästen so viel und so lange es geht . In der Zeit wo keine Wiese geht vor allem blättriges und krautiges Futter . Heißt: Salate und Kohl wie Endivie, Ruccola, Feldsalat, Chicorree, Chinakohl und Gemüsegrün wie Fenchelgrün, Mairübchenblätter etc und krautiges wie Petersilie, Dill und Brokoli. An knolligen wurzligem Gemüse gab es nur eine Sorte und davon auch nur wenig: Möhre. Da für meine Tiere alles andere wie Fenchelknolle, Sellerieknollen etc wieder zu Problemen geführt hat, weil einfach die Struktur von Knolle nicht passt .
Gutes Heu
Keine zusätzlichen Trockenkräuter da im Heu genügend vorhanden waren, Sämerein am Schluß garkeine mehr höchstens als Leckerli mal ein paar wenige.
Vitaminisiertes Futter auch nicht.
Letztendlich hab ich auch die Erfahrung gemacht, dass jeder für sein Tier den eigenen Weg finden muss. Für mich hats gepasst viel Wiese und im Winter blättrig , krautig zu füttern. Bei anderen Tieren passt es womöglich nicht. Wobei ich schon denke, dass gerade artenreiche Wiese ad lib, die Idealfütterung für Kaninchen darstellt
Fakt ist aber für mich, dass diese oben genannten Fütterung der Ernährung von Wildkaninchen am nächsten kommt.
Kohl denk ich auch ist ein gutes Winterfutter, da es Wintergemüse ist und sehr nährstoffreich ist, mehr als Salate und womöglich weniger belastet mit Schadstoffen (wobei letzteres eher ein Vermutung ist).
Aber da muss man eben auch gucken verträgts das Tier oder nicht. Gilt aber meines erachtens für jedes Futtermittel, egal ob Kohl, Salat oder was auch immer.
Was die Giftpflanzen angeht, kann ich nur von mir sprechen, ich hab am Anfang meiner Wiesenpflückzeit sehr genau hingeschaut was ich pflücke und ausschließlich verträgliche Pflanzen gepflückt bin da aber mit der Zeit auch entspannter geworden.
Allerdings würde ich Eibe beispielsweise auch nicht verfüttern. Und andere "bedenkliche" Pflanzen nur dann, wenn das Spektrum an Futter mengentechnisch und artentechnisch sehr groß und breitgefächert ist, so dass die Tiere jederzeit selbst selektieren können
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #13
Eine Anmerkung vorweg ...
Es gibt eine Handvoll Pflanzen, wo wir bis jetzt nicht wissen, wo die Stolperstellen beim Verfüttern dieser Pflanzen sind.
Ein Beispiel:
Kohl wissen wir, daß Kohl, wenn er das erste Mal an Kaninchen in großen Mengen verfüttert wird, die bislang nur mit Kuntibunti gefüttert wurden, zu schlimmen Koliken bis hin zu Trommelsucht führen kann. Wir wissen also, daß Kohl immer langsam angefüttert werden muß, dann vertragen ihn die Kaninchen ohne Problem und überschätzen sich dann auch nicht mehr mit Kohl. Kohl ist eine sehr gute Futterpflanze für Kaninchen, die deshalb im Winter nicht fehlen sollte.

Wildlebende Kaninchen fressen im Frühjahr gefleckten Schierling, um die Parasiten, die sie über den Winter sich eingefangen haben, wieder loszuwerden ... bislang weiß jedoch noch niemand, ob unsere gefangenen Kaninchen den Schierling genauso nutzen können, ohne sich dabei zu schaden. Wenn sie sich verschätzen, würde es für sie im Worst Case tödlich ausgehen ... nur deshalb sollte Schierling (und die anderen Top10 der Giftigkeit) NICHT geziehlt verfüttert werden.

@Murx: Warum ist gekaufter Salat denn nun so scheiße und gekaufte Kohlblätter so toll? Die Erklärung habe ich nicht verstanden.
Wo habe ich geschrieben, daß gekaufte Salate so {sry, dieses Wort pressiert mir zwar jeden Tag auf dem Klo, aber ich mag es nicht in aller Öffentlichkeit ausschreiben ... }?
Was ich geschrieben habe ist, daß Gartensalate nicht gut sind ... also sowas wie Kopfsalat, Bindesalat oder Eisbergsalat.
Diese Salate sind aus dem Stachellattich herausgezüchtet.
Nun vergleich mal den Stachellattich mit nem Kopfsalat - das auffälligste Merkmal sind beim Stachellattich die derben Blätter, die sich nur relativ schwer einreißen lassen. Die Blätter lassen sich nur schwer vom Stiel lösen - das ist, weil der Stachelllattich als Wildform noch ein gesundes, stabiles Cellulosegerüst hat, in welchem mit der Zeit immer mehr Lignine zum Stabilitätsgewinn eingebaut werden - bei den mordernen Gartensalaten ist das jedoch nicht mehr der Fall, die Blätter lassen sich leicht einreißen und vom Stiel abziehen ... dazu kommt, sie werden recht schnell von Bakterien zersetzt. Stachellattichblätter dagegen halten sich deutlich länger und matschen unter gleichen Bedingungen nicht.
Stachellattich enthält einen Milchsaft, der reich ist an Lactucin und Lactucopicrin, welche beide nicht nur beruhigend wirken, sondern auch auf die Blase wirken. Bei Kaninchen hemmen sie deshalb die Entstehung von Blasengries und Blasensteinen.
Die mordernen Gartensalatsorten enthalten diese Wirkstoffe nicht mehr, sind ihnen weggezüchtet, damit sie die Kraft, die sie brauchen, um solcherart Wirkstoffe herzustellen, in reine Blattmasse stecken ...
Das gilt nicht nur für gekaufte Gartensalate, sondern für alle Gartensalate, auch die im Garten und Gewächshaus gezogenen ... es sei denn, man hat das außerordentliche Glück, eine wirklich alte Gartensalatsorte noch im Garten zu haben, die über die Generationen von Hand weitervermehrt wurde und nicht zur industriellen Produktion weiterentwickelt wurde. Diese ganz alten Sorten unterscheiden sich von den mordernen Gartensalatsorten dadurch, daß sie noch Milchsaft mit Lactucin und Lactucopicrin haben und derbe, bitter schmeckende Blätter ... wer solche wirklich alten Gartensalatsorten im Garten zieht, hat durchaus ein gutes Kaninchenfutter - nur ich kenne bislang niemanden mit solch alten Sorten!
Die sind nämlich am gerade aussterben und dementsprechend selten.

Kurzum, Gartensalate sind schnell faulende (also schnell matschig werdende) Wasseransammlungen mit löchrigem Cellulosegerüst und ohne Lignineinlagerung. Der Wirkstoffgehalt tendiert gegen Null ... genau das, was sogar für uns Menschen ungesund ist, trotzdem wir lange nicht einen so hohen Wirkstoffgehalt brauchen, wie Kaninchen!

Kohlrabiblätter sind im Gegensatz zu Gartensalaten sehr derbe, schwer reißbare Blätter, der Stiel ist nur relativ schwer zu brechen. Das Stützgerüst der Blätter ist also noch recht ursprünglich und es wird im Alter Lignin eingelagert, insbesondere im Stengel, um die Pflanze zu stützen. Dazu kommt ein sehr hoher Eiweißgehalt und ein sehr hoher Wirkstoffgehalt, Kohlrabiblätter enthalten Senfölglycoside, welche das Kaninchen für das Immunsystem braucht. Weiterhin werden den Senfölglycosiden eine antitumorale Wirkung zugeschrieben, die Kohlrabiblätter schützen also zusätzlich vor Krebs.

Und ich kann nur für MEINE Kaninchen sprechen, die zumindest einige von Dir aufgezählten Winterfutter-Sachen schlicht und ergreifend nicht fressen. Fenchel, Sellerie, Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, Mangold Mairübchen werden beispielsweise generell verschmäht, egal oft ich das anbiete. Chinakohl, Brokkoli, Kohlrabi+blätter, Grünkohl, Radiccio, Blumenkohl werden gefressen. Sowie sämtliche Salate und Spinat.
Na, das ist doch toll!
Mal ganz davon abgesehen, wo entspricht das nicht meinen Aufzählungen?
Das ist doch genau blättriges Gemüse, wovon ich in den vorherigen Post gesprochen hab!
Daß nun nicht jedes blättrige Gemüse beim Kaninchen ankommt, liegt doch auf der Hand - da gibts einfach persönliche Vorlieben, lokale Besonderheiten etc, welche mitbestimmen, ob ein Kaninchen ein Gemüse futtert oder nicht!
Du hast also die blättrigen Gemüse gefunden, die deine Kaninchen fressen - und es ist jede Menge Kohl bei: Grünkohl, Blumenkohl, Kohlrabiblätter, Brokoli, Chinakohl ...

Wo ich abwechslungsreiches Wiesengrün in ausreichender Menge jetzt im Winter herkriegen soll, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Schnee ist weggetaut, ja, aber zum Teil ist der Boden noch gefroren, und das, was hier an "Grünzeug" steht, ist vergammeltes, verpilztes und verschimmeltes braunes Zeug vom Vorjahr. Und ja, ich gehöre zu den Leuten, die selber sammeln, wenn die Jahreszeit es zulässt. Und ich kenne eine ganze Menge Pflanzen und es bleibt beileibe nicht bei Löwenzahn.
Wenn du nicht gerade in der Stadt wohnst, sondern auf dem Land - und zudem auch noch in irgendeinem agrarindustriell stark genutzten Gebiet, kann ich das absolut verstehen - es ist gerade in solchen Gegenden tatsächlich oft gar nicht möglich, etwas anderes wie Nadelgehölz für die Kanin zu sammeln ... in der Stadt jedoch gibt es jede Menge Nischen, wo man auch im Winter sowohl Kräuter, als auch Gräser findet. Wenn du mit mir zusammen durch die Stadt wandern würdest, würdest du staunen, was dort alles an Kaninchenfutter wächst, angefangen vom Schöllkraut bis hin zu Löwenzahn.

Eben weil es recht wenig fundierte Literatur zu dem Thema gibt, was Kaninchen an Giftpflanzen vertragen und was nicht. Kannst Du mir vielleicht welche nennen?
Ich beschränke mich der Einfachheit halber auf die Literatur, die bei Andreas Rühle im Buch Kaninchen würden Wiese kaufen als Quellenangabe zu dem Thema aufgeführt ist, denn die ist schon umfangreich genug!
Weltweit gibt es zu diesem Thema weitaus mehr wie 1000 belastbare Studien, sowohl Fütterungsstudien, als auch Studien über Beobachtungen an wildlebenden Kaninchen ... also von wenig fundierter Literatur weit entfernt!
Folgende Arbeiten weisen nach, daß selbst Pflanzen aus den Top10 von Kaninchen als Futterpflanzen angenommen und vertragen werden bzw nicht schaden:
Turcek, F. & Stiavnica, B. (1959): Beitrag zur Kenntnis der Fraßpflanzen des Wildkaninchens, Oryctolagus cuniculus (Linne, 1758), in freier Wildbahn. Säugetierkundliche Mitteilungen 7. 151-153
Williams, O. B.; Wells, T. C. E.; Wells, D. A. (1974): Grazing Management of Woodwalton Fen: Seasonal Changes in the Diet of Cattle and Rabbits. Journal Appl. Ecol. 11. 499-516
Ehrenberg, P. & von Romberg, G. (1913): Die Giftigkeit der Eibe. Die landwirtsch. Versuchsstat. 339-388

Weitere Litratur:
Allgöwer, R. (2005): Wildkaninchen. In: Die Säugetiere Baden-Württembergs. Braun, M. & Dieterl, F. (Hrg). Bd. 2. Stuttgart: Ulmer. ISBN 3-8001-4246-5. 134-142
Alves, J.; Vingada, J.; Rodrigues, P. (2006): The Wild Rabbit (Oryctolagus Cuniculus L.) Diet on a Sand Dune Area in Central Portugal: A Contribution Towards Management. Wildl. Biol. Pract. 2(2): 63-71
Angermann, R. (1972): Die Hasentiere. Das Europäische Wildkaninchen. In: Grzimeks Tierleben. Enzyklopädie des Tierreichs. 3. Bd. XIII Säugetiere. Erstausgabe. Zürich. Kindler. S. 419-450
Bhadresa, R. (1977): Food preferences of rabbits (Oryctolagus Cuniculus L.) at Holkham sand dunes, Nor- folk. The journal of applied ecology 14. S. 287-291
Bhadresa, R. (1987): Rabbit Grazing: Studies in a grassland community using faecal analysis and exclosures. Field Studies 6. 657-684
Boback, A. W. (2004): Das Wildkaninchen: (Oryctolagus cuniculus [Linné, 1758]). 2., unveränd. Aufl. Westarp-Wiss.-Verl.-Ges. ISBN 3-89432-791-X
Bonino, N. A. & Sbriller, A. P. (2006): Dietary Overlap Of Two Sumpatric Lagomorphs, Lepus europaeus and Oryctolagus cuniculus, Introduced in the Patagonia, Argentina. Communicacion Technica No. 58. Area Recursos Naturales Dieta
Crawly, M. J. (1990): Rabbit Grazing, Plant Competition and Seedling Recruitment in Acid Grassland. The journal of applied ecology 27. 803-820
Duffy, S. G.; Fairley, J. S.; O'Donnell, G. (1996): Food of Rabbits Oryctolagus cuniculus on Upland Grasslands in Connemara. Biology and Environment: Proceedings of the Royal Irish Academy Vol. 96B, No. 2. 69-75
Faust, C. (2009): Impact of rabbit grazing in a threatened sand ecosystem: flower phenology, seed production and phytomass extraction. FB Biologie. Vegetationsökologie. TU Darmstadt.
Gaffrey, G. (1954): Zur Ernährungsweise des Wildkaninchens. Säugetierkundliche Mitteilungen 2. S. 81
Homolka, M. (1985): Die Nahrung einer Population des Wildkaninchens (Oryctolagus Cuniculus) auf dem Böhmisch-Mährischen Höhenzug. Folia Zoologica 34 (4). 303-314
Katona, K.; Bíró, Z.; Hahn, I.; Kertész, M.; Altbäcker, V. (2004): Competition between European hare and European rabbit in a lowland area, Hungary: a long-term ecological study in the period of rabbit extinction. Folia Zool. 53(3): 255-268
Kumerloeve, H. (1956): Kaninchen, Oryctolagus ccuniculus (Linne, 1758), und Hasen, Lepus europaeus (Pallas 1778), als Pilzfresser. Säugetierk. Mitt. 4, 3. 125-126
Lincke, M. (1943): Das Wildkaninchen. Naturbeschreibung, Jagd, Fang, Abwehr und Verwertung, sowie die als Jagdgehilfen verwendeten Tiere. Neudamm: Neumann
Petzsch, H (1959): Zur Frage animalischer Nahrungs-Anteile bei Wildkaninchen und Feldhasen. Säugetierkundliche Mitteilungen 7. S. 118
Rogers, P. M.; Arthur, C. P.; Soriguer, R. C. (1994): The rabbit in continental Europe. In: Thompson, H. V.; King, C. M. (Eds.): The European Rabbit. The history and biology of a successful colonizer. Oxford, New York, Toronto: Oxford University Press. ISBN 0-19-857611-0
Wolfe, A.; Whelan, J.; Hayden, T. J. (1996): Dietary Overlap between the Irish Mountain Hare Lepus timidus hibernicus and the Rabbit Oryctolagus cuniculus on Coastal Grassland. Biology and Environment: Proceedings of the Royal Irish Academy Vol. 96B. No. 2. 89-95

Das einzige, was ich persönlich gefunden habe zum Thema Giftpflanzen und Kaninchen, war "Kaninchen würden Wiese kaufen" im Internet.
So ... das ist also das Einzige ... sonderlich stark gesucht haben kannst du nicht, denn all die Literatur, die ich dir nun rausgesucht hab, stammt von der Seite "Kaninchen würden Wiese kaufen".
Und nicht nur das, Andreas Rühle, der Urheber dieser Seite, hat sich zudem noch die Mühe gemacht, eine Quellenzusammenfassung zum Thema was frißt ein Wildkaninchen zu schreiben!

Fand ich einerseits interessant und lesenswert, andererseits missfiel mit der rotzige und besserwisserische Krawall-Ton der Texte, der den Großteil aller Kaninchenbesitzer als ahnungslose Dummdödel hinstellt, die nur der raffgierigen Tierfutter-Werbebranche glauben,während man selbst offenbar die Weisheit mit Löffeln gefressen hat und gleich noch für äußerst reichlich Kohle das selbstkreierte Trockenfutter anpreist - nachdem man sich vorher seitensweise über die ach so große Schädlichkeit von Trockenfutter ausgelassen hat..
Andreas Rühle hat ein Trockenfutter kreiert als ein Ersatz für das, was sonst so in den Geschäften vertrieben wird. Dieses Trockenfutter wurde sogar vermarktet: nämlich über Danis Futtershop - allerdings hatte daran, wenn überhaupt, die Betreiberin des Futtershops was dran verdient und nicht etwa Herr Rühle, der nur die ursprüngliche Zusammensetzung des Futters zusammengestellt hatte!
Was du hier also von dir gibst, sind wilde Unterstellungen!
Wenn du dann auch noch den Part gelesen hättest, wo Herr Rühle begründet hatte, was warum wieso weshalb in dem Futter drin war, hättest du auch kapiert, daß dies keinesfalls mit Pellets, supplementierten Strukturfutter oder Extrudatengetreidemischungen zu tun hatte!
Das Einzige, was man an diesem Konzept Herrn Rühle vorwerfen kann - er hat es nicht geschafft, dieses Futter in die Supermärkte zu bringen - und wer bei Danis Kaninchenladen einkaufte, fütterte doch sehr überlegt, die Zielgruppe stimmte da also gar nicht.

Und einige der Angaben dort halte ich jedenfalls für fragwürdig. Ich würde ich nie hochpotente Pflanzen wie zB Eiben, Fingerhut, Rainfarn verfüttern - auch wenn es Hinweise gibt, dass Wildkaninchen das (angeblich) vertragen.
Das ist ja schön, daß du diese Angaben dort für fragwürdig hältst - nur sind diese Angaben gut belegt und über die Quellenangabe von Herrn Rühle abgesichert!
Ich kann übrigens aus meiner Erfahrung beisteuern - meine Kaninchen haben sich ihrerseits im Frühjahr an den jungen Trieben der Eibe gütlich getan ... ohne einen Schaden davonzutragen. Im Gegenteil, sie hatten mit der Eibe ihren Magen-Darmtrakt gereinigt.

Ich selbst hab jahrelang Kaninchen gehalten, davon fast 8 Jahre lang Kaninchen auf der Weide bzw später sogar fast vollständig frei. Sie wurden durch Zufüttern am Haus gehalten, die Nachzucht wurde kontrolliert und die Kaninchen selbstverständlich behandelt, wenn sie krank waren ... dabei hatten sich die Kaninchen wie wildlebende Kaninchen verhalten und vermehrt. Dazu kommt, daß ich vielen Leuten mit Problemen mit Kaninchen geholfen hab, also auch umfangreiche Erfahrungen mit krankgefütterten Kaninchen erwerben konnte. Dazu kommt dann wieder das mit alten Leuten reden, wie sie früher Kaninchen gefüttert und gehalten haben und ich war mir nicht zuschade, auch mal in die Quellen, die Herr Rühle in bewundernswerter Arbeit zusammengetragen hat, reinzuschauen, sie zu lesen und sie zu verstehen ...
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #14
Off-Topic
nur mal um gleich Missverständnissen vorzubeugen "Danis Kaninchenladen" hat nichts mir mir zu tun, ich bin eine andere Danie.
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #15
Erstmal danke für die umfangreiche Antwort! :clap:
Mit dem Salat verstehe ich nun. Die Hintergründe und der Ursprung der Salatzucht war mir nicht bekannt, sehr interessant zu erfahren.
Wobei ich solche Salatsorten wie Eisbergsalat tatsächlich eher selten verfüttere, ohne vertieft darüber nachgedacht zu haben - einfach weil ich den Eindruck habe, sie mögen die bitteren Sorten lieber - und ich habe bisher auch Feldsalat und Co und Rucola zu den Salaten gezählt (zu denen sie offenbar "abstammungsmäßig" nicht gehören)

Okay, Quellenangaben bei Kaninchen würden...habe ich tatsächlich nicht weiter verfolgt, touché. Mein Versäumnis. Ich habe mich aber sowohl im Internet als auch über Bücher versucht, im Thema "Essbare Pflanzen für Kaninchen" weiterzukommen. Fazit: Was auf einigen Websites als essbar angegeben ist, davor wird teils auf von anderen gewarnt. Ein Ratgeber über essbare Pflanzen für Nager und Kaninchen fand ich nach Ansicht im Laden schon nicht kaufenswert - da wurden alle möglichen Pflanzen als "giftig" eingestuft, die ich alle schon verfüttert hatte.

Was das Trockenfutter betrifft: Das bezog sich nicht auf Pelletfutter, sondern war von mir wörtlich gemeint auf auf "trockenes Futter", also Futter mit keinem bzw sehr geringem Wasseranteil, also zB auch getrocknete Kräuter, Saaten, Getreidekörner und -flocken, Heu. Und das war mir eben etwas aufgestoßen, dass Herr Rühle sicher zu recht die "wasserarme" Ernährung - selbst wenn sie gut strukturiert ist - anprangert, andererseits aber getrocknetes Futter herstellt, wobei ich nicht auf die Vertriebswege geachtet habe - die mir aber auch ziemlich egal sind, und wer da wieviel dran verdient oder nicht verdient lässt sich für mich auch nicht erkennen.

Ich finde die Inhalte, wie gesagt, auch lesens- und sicher nachdenkenswert - meine persönliche Meinung ist jedoch, dass Herr Rühle vielleicht mehr Leser und mehr offene Ohren finden würde, wenn er anders schreiben würde. Ich finde seinen Ton eben "vorwurfsvoll-angriffslustig" - und ich reagiere eben drauf. Wären die Infos sachlicher rübergebracht worden, hätte ich vielleicht nicht irgendwann genervt weggeklickt, sondern mich bis zu den Quellenangaben durchgearbeitet.

Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung und die Wirkung, die das auf mich hat - es mag sich jeder seine eigene Meinung hierzu bilden.

Jedenfalls danke für die sehr ausführliche Antwort. Ob ich mich jemals überwinde, Eiben anzubieten...weiß ich ehrlich gesagt nicht. Anderes Nadelholz bekommen sie durchaus.
Und ich frage mich auch immer, inwieweit meine "degenerierten" Löwenkopf-Kaninchen, tierärztlich zu Recht als "extrem plattgezüchtete Nasen - Qualzucht" bezeichnet, in den ersten vier Lebensjahren beim Vorbesitzer definitiv sehr ungesund ernährt, noch damit zurecht kommen und wache Instinkte haben...

Es grüßt Tapa mit Eugen und Henri, die gerade ein Mahl aus Grünkohl, Brokkoli, Radiccio, Endiviensalat, Kohlrabiblättern, Möhrengrün, etwas Pastinake, Basilikum, Dill, 1/8 Apfel - und Heu - zu sich nehmen. Und als Nachtisch ein Tannenzweig.
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #16
Also Eibe wird es hier ganz sicher auch nicht geben, denn da gab es auch wenn es sicher Kaninchen gibt, die es vertragen, genügend und ausreichend Todesfälle, als dass ich das an meinen Kaninchen ausprobieren würde. Ich bin mittlerweile ganz sicher nicht mehr von der ganz vorsichtigen Fraktion und bin wie gesagt durchaus der Ansicht, dass Kaninchen bei genügend großer Auswahl selbst gut selektieren können. Wiesen-Bärenklau ist ja auch einer der Pflanzen die immer verschrien ist, die aber zum Beispiel bei Ec Tieren (auch hier rede ich von Tieren die mit artenreicher Wiese und somit artgerecht ernährt werden) ein sehr gutes Futter zur Unterstützung der Genesung ist.
Aber Eibe nee das Experiment werde ich sicher nicht durchführen. Und man kann es nicht oft genug sagen. "Giftplanzen" NUR wenn die Tiere entsprechend ernährt werden, das heißt Wiese Wiese Wise und die gekennzeichnet durch großen Artenreichtum und große Menge will sagen ad lib.
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #17
Najagut - Eibe gehört nun auch zu den Top10 der Giftigkeit ... sie ist zwar vielleicht nicht tödlich und wird von wildlebenden Kaninchen manchmal gefressen, aber sie kann bei Tieren den Darmtrakt endgültig, irreversibel, tutti completti kaputtmachen. Das Taxin ist da doch recht heftig.
Wenn die Eibe im artenreichen Garten steht und die Kaninchen gehen ran, hab ich damit keine Probleme. Aus Erfahrung weiß ich, daß sich Kaninchen im Garten einfach nicht verschätzen, was Pflanzen angeht (bei einer Trittwiesenmonokultur mit Eibenhecke drumrum wär ich mir allerdings auch nicht mehr sicher, es muß ein artenreicher Garten sein.) ... aber im Stall oder in der Wohnung sind doch ganz andere Bedingungen, wie im Garten - die Kaninchen bekommen ihr Futter komplett vorgesetzt, sie müssen das von uns Menschen eingeschränkte Angebot fressen, sie können sich nicht mal eben die passenden Pflanzen zum Entgiften suchen und ausgleichen - zudem sind die Pflanzen abgerupft, wurden vielleicht über Nacht gelagert, um am nächsten Tag nicht schon wieder sammeln gehen zu müssen, die Kaninchen kommen eventuell aus Verhältnissen, wo sie krankgefüttert wurden - kurzum, hier kommen Dinge zusammen, wo bislang noch keiner weiß, ob Kaninchen immer wissen, wieviel Eibe genug Eibe ist ...
Immerhin wissen wir bei der Eibe, daß Kaninchen bis zu 15g davon vertragen, auch wenn sie die Menge über mehrere Tage angeboten bekommen, da gibts Fütterungsversuche zu - ist insofern beruhigend, wenn man mal unter einer Eibe senst, daß man nicht gleich seine Kaninchen gefährdet, wenn da mal nen kleiner Zweig mit abgesenst wird und nun unbemerkt in die abgesenste zu verfütternde Wiese gerät - aber wir wissen eben zuwenig, um sie ohne die Kaninchen zu gefährden, geziehlt zu verfüttern.
Vielleicht sieht das mal in einiger Zeit ganz anders aus - nur bei momentanen Wissensstand ...
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #18
Wiesen-Bärenklau ist ja auch einer der Pflanzen die immer verschrien ist
Auch so eine Sache...die ist mir allerdings nur im Internet begegnet. In meinen Pflanzenführern (z.B. Knaurs Taschenlexikon der Pflanzen und Tiere, ältere Auflage) heißt es dazu als Randbemerkung "gute Futterpflanze für Kaninchen"

Wahrscheinlich ist es entstanden, weil einige Leute es mit dem Riesen-Bärenklau verwechseln.
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #19
Die Verunglimpfung des Wiesenbärenklaus geht auf Verunglimpfungen während der Industrialisierung zurück ...

Wiesenbärenklau war einmal ein wertvolles Gemüse für den Menschen und wurde als solches seit der Steinzeit genutzt. Verwendet wurden vornehmlich die jungen Blätter, die zu Suppen und Gemüse verkocht wurden. Wiesenbärenklau läßt sich allerdings auch roh essen - solange man sich an die jungen Blätter hält und nicht auf die Idee kommt, die alten, großen Blätter auch roh verspeisen zu wollen.

Mit den Anfängen der Flurbereinigung Ende des 18. Jhr/anf. des 19. Jhr wurden flächendeckend die Kräuterläden, die damals durchaus noch häufig waren, verboten. Heilkräuter und Heilkräuterzubereitungen durften nur noch über Apotheken vertickert werden, wobei die Apotheker selten Ahnung von den Pflanzen hatten, sie wurden in der Herstellung von Medikamenten, Salben etc ausgebildet. Fertigarzneien stellten damals schon einen großen Anteil der empfohlenen Heilmittel. Das Gesundessen durch Kräutern wurde schlichtweg vergessen - und das Anwenden von Wildkräutern als Gemüse und natürliche Arznei auch. Dazu kam die Schulbildung, wo den Kindern beigebracht wurde, wer von selbstangebautem Gemüse oder Wildgemüse lebt, ist rückständig, wozu gibt es denn die mordernen Anbaumethoden ... die sind eh alle sehr viel effektiver ...
Es wurde zunehmend in der Schule Werbung für Spritzmittel und Fertigarzneien gemacht ... erst in den 70er/80er Jahren wurde diese Art der Werbung verboten.

Eine Renaissance gab es für Wildkräuter nach dem 2. Weltkrieg - hier gabs sogar in Deutschland kleine Propagandablättchen mit Rezepten für Wildkräuter ... darunter auch Rezepte für den Wiesenbärenklau.
Diese Phase hielt nicht lange an - mit dem Wirtschaftsaufschwung wurden wieder Nahrungsmittel erschwinglich und erhaltbar, die man lange vermißt hatte, an die Kriegs- und Nachkriegszeit mit ihren Hungerzeiten wollte niemand erinnert werden - Kohlsuppe und Wildkost waren recht schnell wieder out - dazu kamen diverse Kräuterbücher und Informationsblättchen, die herausgegeben wurden, die regelrecht Angst machte vorm Selbstsammeln von Kräutern für die Küche.
Ihir wißt schon: Man muß die Kräuter sicher kennen, bevor man sie pflückt und ißt, weil ja die Gefahr, sich tödlich zu vergiften, so wahnsinnig hoch ist!
Schon 1990 stand der Wiesenbärenklau als tödlich giftige Pflanze in einigen Listen der Vergiftungszentralen! Das war noch vor der Wirkung des Internets ...
Damit hat der Wiesenbärenklau etwas geschafft, was sonst kaum eine andere Pflanze schaffte - er wurde von einem häufig gegessenen, sehr gesundem Gemüse zu einer tödlich giftigen Pflanze!
Noch extremer erging es eigentlich nur dem Hanf, der von einer wertvollen Heil-, Nahrungs- und Genußpflanze zu einer furchtbar gefährlichen, süchtigmachenden und verbotenen Droge wurde ...

Was dann im Internet mit dem Kaninchenfutter passierte, ist einfach nur die logische Fortführung dessen ... der morderne Kaninchenhalter wußte schon gar nicht mehr, wie Großmama und Großpapa die Kanickel hielten - mal ganz davon abgesehen, wer will schon sein süßes Zwergkaninschatzerl draußen in der Kälte in ner winzigen Bucht unterbringen?
Kaninchen wurden zu einem mordernen Spielzeug der Kinder einer satten Gesellschaft - eigentlich wußte doch kaum einer mehr, wie man Kaninchen ernährt, man verfütterte den Inhalt von den hübschen bunten Packungen, wo Kaninchenköpfe draufgemalert waren und verließ sich drauf, daß das, was da drin ist, auch das Richtige fürs Kanin ist.
Irgendwann, ich glaub, 2002, machten einige TÄ, unter anderem Birgit Drescher, drauf aufmerksam, daß die zunehmenden kranken Kaninchen in ihren Praxen krankgefüttert waren - krankgefüttert durch diese hübschen bunten Kringel und Klümpchen im Kaninchenfutter!
Es wurde klar, das war ungesund, das durfte nicht mehr verfüttert werden - was aber dann?
Kräuter, das wußte ein Jeder, sind gefährlich, giftig, man sieht es ja, Wiesenbärenklau ist eine tödlich giftige Pflanze, kann man überall in den Notgiftzentralen in den Listen nachlesen ... außerdem darf ja nicht gesammelt werden, weil dort wo gesammelt werden darf, darf keine Kuh, kein Hund und kein Vogel hingemacht haben, da dürfen keine Kaninchen vorkommen und in der Nähe von Straßen geht schon mal gar nicht und in der Stadt auch nicht und auf dem Lande nur, wo kein Mensch seinen Fuß je hingesetzt hat und überhaupt, ist alles höchst giftig und höchst gefährlich!
Da ist logisch, daß auch der Wiesenbärenklau zu einer äußerst gefährlichen und giftigen Pflanze für Kaninchen mutierte!
Alles, was nicht gekauft ist, ist giftig und gefährlich - so einfach ist das ...
... und dann kommen plötzlich son paar Lackerln daher, die behaupten, daß ihre Kaninchen mit diesen hochgiftigen Kräutern nicht nur gut leben, sondern auch gesünder sind wie die heugehungerten und höchstens bissi Gemüse abgespeisten Kaninchen, wo man doch soooo drauf achtet, die Kaninchen gesund zu ernähren und es inzwischen dann auch noch auf vielen TA-Internetseiten stand, daß man Kaninchen allein mit Heu ernähren könnte und das gesund sei ... ich meine, Heu kann man kaufen, das ist also tatsächlich gesund!

(Sollte jemand Ironie, Sarkasmus oder ähnliches in diesem Text finden, einfach mitnehmen und drüber freuen :D)
 
  • Zu dick,zu dünn..was ist richtig? Beitrag #20
Hm. Nein, ich kann jetzt keine Quellen nennen. Es ist rund 20 Jahre her, dass ich mich sehr für Phytotherapie interessiert habe - und in diversen Bibliotheken der Umgebung nicht nur ein Buch, sondern meterweise die Regale zu Heilpflanzen, Pflanzenbestimmung und natürlichen Heilmitteln verschlungen habe...der Gutteil meiner Pflanzenkenntnisse resultiert aus dieser Zeit. Das Wiesenbärenklau angeblich tödlich giftig ist, habe ich dabei allerdings noch nie gelesen, wo hast Du das her? Klar, Wiesendermatitis kann ausgelöst werden, wie bei anderen Doldenblühern auch...aber sonst?

Riesenbärenklau ist sicher eine andere Sache, der soll sehr schwere Hautreizungen bei Hautkontakt auslösen, wobei ich keinerlei persönliche Erfahrungen habe. Diese Pflanze taucht auf den Seiten der Giftnotzentralen auf, nicht jedoch der Wiesenbärenklau.

Ich halte es nicht für richtig, Pflanzen zu verteufeln, aber auch nicht für richtig, sie zu verharmlosen.
Noch extremer erging es eigentlich nur dem Hanf, der von einer wertvollen Heil-, Nahrungs- und Genußpflanze zu einer furchtbar gefährlichen, süchtigmachenden und verbotenen Droge wurde
Nutzung von Hanf als Faserpflanze und als Medizin bei Krankheiten in allen Ehren- aber Missbrauch als Droge wird dadurch nicht besser oder harmloser.
Ich habe beruflich bedingt häufig mit Menschen zu tun, die Drogen nehmen - und ich sehe, was es anrichtet. Auch wenn es "ja nur Hanf" ist. Klar gibt es Substanzen, die körperlich heftiger sind. Sich den Verstand wegkiffen, klappt mit Hanf aber auch ganz gut.
 
Thema:

Zu dick,zu dünn..was ist richtig?

Zu dick,zu dünn..was ist richtig? - Ähnliche Themen

Ist das schon ein Fall für das Veterinäramt? Hilfe bei Meerschweinchenfall: Guten Morgen, ich war auf der Suche nach einem Meerschweinchen für meine Gruppe und habe mich dann an eine Adresse gewendet, welche erst seriös...
Meerschweinchen zu dick - wie abnehmen?: Hallo liebe Foren-Mitglieder, mich beschäftigt momentan das Problem, dass ich nicht weiß wie ich mein Meerschweinchen abnehmen lassen soll.. Fynn...
Zu dünn?: Heyho, ich habe gleich 2 Fragen... 1.) Bei meinem Zwergkaninchen (Anton), spüre ich die Wirbelsäulenknochen mehr als bei meinem Weibchen...
Junges und altes Pärchen zusammensetzen?: Hallo ihr Lieben, ich bin neu im Forum und würde gerne eure Kenntnisse hören. Ich habe seit 2 Jahren ein Kaninchenpaar, kastrierter Rammler und...
Wann ist eine Schlange zu dick/zu dünn??: Guten Abend alle zusammen! Irgendwie werde ich grade aus dem Internet nicht ganz so schlau. Mich würde mal interessieren wann eine Schlange zu...
Oben