Eine Anmerkung vorweg ...
Es gibt eine Handvoll Pflanzen, wo wir bis jetzt nicht wissen, wo die Stolperstellen beim Verfüttern dieser Pflanzen sind.
Ein Beispiel:
Kohl wissen wir, daß Kohl, wenn er das erste Mal an Kaninchen in großen Mengen verfüttert wird, die bislang nur mit Kuntibunti gefüttert wurden, zu schlimmen Koliken bis hin zu Trommelsucht führen kann. Wir wissen also, daß Kohl immer langsam angefüttert werden muß, dann vertragen ihn die Kaninchen ohne Problem und überschätzen sich dann auch nicht mehr mit Kohl. Kohl ist eine sehr gute Futterpflanze für Kaninchen, die deshalb im Winter nicht fehlen sollte.
Wildlebende Kaninchen fressen im Frühjahr gefleckten Schierling, um die Parasiten, die sie über den Winter sich eingefangen haben, wieder loszuwerden ... bislang weiß jedoch noch niemand, ob unsere gefangenen Kaninchen den Schierling genauso nutzen können, ohne sich dabei zu schaden. Wenn sie sich verschätzen, würde es für sie im Worst Case tödlich ausgehen ... nur deshalb sollte Schierling (und die anderen Top10 der Giftigkeit) NICHT geziehlt verfüttert werden.
@Murx: Warum ist gekaufter Salat denn nun so scheiße und gekaufte Kohlblätter so toll? Die Erklärung habe ich nicht verstanden.
Wo habe ich geschrieben, daß gekaufte Salate so {sry, dieses Wort pressiert mir zwar jeden Tag auf dem Klo, aber ich mag es nicht in aller Öffentlichkeit ausschreiben ... }?
Was ich geschrieben habe ist, daß
Gartensalate nicht gut sind ... also sowas wie Kopfsalat, Bindesalat oder Eisbergsalat.
Diese Salate sind aus dem Stachellattich herausgezüchtet.
Nun vergleich mal den Stachellattich mit nem Kopfsalat - das auffälligste Merkmal sind beim Stachellattich die derben Blätter, die sich nur relativ schwer einreißen lassen. Die Blätter lassen sich nur schwer vom Stiel lösen - das ist, weil der Stachelllattich als Wildform noch ein gesundes, stabiles Cellulosegerüst hat, in welchem mit der Zeit immer mehr Lignine zum Stabilitätsgewinn eingebaut werden - bei den mordernen Gartensalaten ist das jedoch nicht mehr der Fall, die Blätter lassen sich leicht einreißen und vom Stiel abziehen ... dazu kommt, sie werden recht schnell von Bakterien zersetzt. Stachellattichblätter dagegen halten sich deutlich länger und matschen unter gleichen Bedingungen nicht.
Stachellattich enthält einen Milchsaft, der reich ist an Lactucin und Lactucopicrin, welche beide nicht nur beruhigend wirken, sondern auch auf die Blase wirken. Bei Kaninchen hemmen sie deshalb die Entstehung von Blasengries und Blasensteinen.
Die mordernen Gartensalatsorten enthalten diese Wirkstoffe nicht mehr, sind ihnen weggezüchtet, damit sie die Kraft, die sie brauchen, um solcherart Wirkstoffe herzustellen, in reine Blattmasse stecken ...
Das gilt nicht nur für gekaufte Gartensalate, sondern für alle Gartensalate, auch die im Garten und Gewächshaus gezogenen ... es sei denn, man hat das außerordentliche Glück, eine wirklich alte Gartensalatsorte noch im Garten zu haben, die über die Generationen von Hand weitervermehrt wurde und nicht zur industriellen Produktion weiterentwickelt wurde. Diese ganz alten Sorten unterscheiden sich von den mordernen Gartensalatsorten dadurch, daß sie noch Milchsaft mit Lactucin und Lactucopicrin haben und derbe, bitter schmeckende Blätter ... wer solche wirklich alten Gartensalatsorten im Garten zieht, hat durchaus ein gutes Kaninchenfutter - nur ich kenne bislang niemanden mit solch alten Sorten!
Die sind nämlich am gerade aussterben und dementsprechend selten.
Kurzum, Gartensalate sind schnell faulende (also schnell matschig werdende) Wasseransammlungen mit löchrigem Cellulosegerüst und ohne Lignineinlagerung. Der Wirkstoffgehalt tendiert gegen Null ... genau das, was sogar für uns Menschen ungesund ist, trotzdem wir lange nicht einen so hohen Wirkstoffgehalt brauchen, wie Kaninchen!
Kohlrabiblätter sind im Gegensatz zu Gartensalaten sehr derbe, schwer reißbare Blätter, der Stiel ist nur relativ schwer zu brechen. Das Stützgerüst der Blätter ist also noch recht ursprünglich und es wird im Alter Lignin eingelagert, insbesondere im Stengel, um die Pflanze zu stützen. Dazu kommt ein sehr hoher Eiweißgehalt und ein sehr hoher Wirkstoffgehalt, Kohlrabiblätter enthalten Senfölglycoside, welche das Kaninchen für das Immunsystem braucht. Weiterhin werden den Senfölglycosiden eine antitumorale Wirkung zugeschrieben, die Kohlrabiblätter schützen also zusätzlich vor Krebs.
Und ich kann nur für MEINE Kaninchen sprechen, die zumindest einige von Dir aufgezählten Winterfutter-Sachen schlicht und ergreifend nicht fressen. Fenchel, Sellerie, Weißkohl, Rotkohl, Wirsing, Mangold Mairübchen werden beispielsweise generell verschmäht, egal oft ich das anbiete. Chinakohl, Brokkoli, Kohlrabi+blätter, Grünkohl, Radiccio, Blumenkohl werden gefressen. Sowie sämtliche Salate und Spinat.
Na, das ist doch toll!
Mal ganz davon abgesehen, wo entspricht das nicht meinen Aufzählungen?
Das ist doch genau blättriges Gemüse, wovon ich in den vorherigen Post gesprochen hab!
Daß nun nicht jedes blättrige Gemüse beim Kaninchen ankommt, liegt doch auf der Hand - da gibts einfach persönliche Vorlieben, lokale Besonderheiten etc, welche mitbestimmen, ob ein Kaninchen ein Gemüse futtert oder nicht!
Du hast also die blättrigen Gemüse gefunden, die deine Kaninchen fressen - und es ist jede Menge Kohl bei: Grünkohl, Blumenkohl, Kohlrabiblätter, Brokoli, Chinakohl ...
Wo ich abwechslungsreiches Wiesengrün in ausreichender Menge jetzt im Winter herkriegen soll, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Schnee ist weggetaut, ja, aber zum Teil ist der Boden noch gefroren, und das, was hier an "Grünzeug" steht, ist vergammeltes, verpilztes und verschimmeltes braunes Zeug vom Vorjahr. Und ja, ich gehöre zu den Leuten, die selber sammeln, wenn die Jahreszeit es zulässt. Und ich kenne eine ganze Menge Pflanzen und es bleibt beileibe nicht bei Löwenzahn.
Wenn du nicht gerade in der Stadt wohnst, sondern auf dem Land - und zudem auch noch in irgendeinem agrarindustriell stark genutzten Gebiet, kann ich das absolut verstehen - es ist gerade in solchen Gegenden tatsächlich oft gar nicht möglich, etwas anderes wie Nadelgehölz für die Kanin zu sammeln ... in der Stadt jedoch gibt es jede Menge Nischen, wo man auch im Winter sowohl Kräuter, als auch Gräser findet. Wenn du mit mir zusammen durch die Stadt wandern würdest, würdest du staunen, was dort alles an Kaninchenfutter wächst, angefangen vom Schöllkraut bis hin zu Löwenzahn.
Eben weil es recht wenig fundierte Literatur zu dem Thema gibt, was Kaninchen an Giftpflanzen vertragen und was nicht. Kannst Du mir vielleicht welche nennen?
Ich beschränke mich der Einfachheit halber auf die Literatur, die bei Andreas Rühle im Buch Kaninchen würden Wiese kaufen als Quellenangabe zu dem Thema aufgeführt ist, denn die ist schon umfangreich genug!
Weltweit gibt es zu diesem Thema weitaus mehr wie 1000 belastbare Studien, sowohl Fütterungsstudien, als auch Studien über Beobachtungen an wildlebenden Kaninchen ... also von wenig fundierter Literatur weit entfernt!
Folgende Arbeiten weisen nach, daß selbst Pflanzen aus den Top10 von Kaninchen als Futterpflanzen angenommen und vertragen werden bzw nicht schaden:
Turcek, F. & Stiavnica, B. (1959): Beitrag zur Kenntnis der Fraßpflanzen des Wildkaninchens, Oryctolagus cuniculus (Linne, 1758), in freier Wildbahn. Säugetierkundliche Mitteilungen 7. 151-153
Williams, O. B.; Wells, T. C. E.; Wells, D. A. (1974): Grazing Management of Woodwalton Fen: Seasonal Changes in the Diet of Cattle and Rabbits. Journal Appl. Ecol. 11. 499-516
Ehrenberg, P. & von Romberg, G. (1913): Die Giftigkeit der Eibe. Die landwirtsch. Versuchsstat. 339-388
Weitere Litratur:
Allgöwer, R. (2005): Wildkaninchen. In: Die Säugetiere Baden-Württembergs. Braun, M. & Dieterl, F. (Hrg). Bd. 2. Stuttgart: Ulmer. ISBN 3-8001-4246-5. 134-142
Alves, J.; Vingada, J.; Rodrigues, P. (2006): The Wild Rabbit (Oryctolagus Cuniculus L.) Diet on a Sand Dune Area in Central Portugal: A Contribution Towards Management. Wildl. Biol. Pract. 2(2): 63-71
Angermann, R. (1972): Die Hasentiere. Das Europäische Wildkaninchen. In: Grzimeks Tierleben. Enzyklopädie des Tierreichs. 3. Bd. XIII Säugetiere. Erstausgabe. Zürich. Kindler. S. 419-450
Bhadresa, R. (1977): Food preferences of rabbits (Oryctolagus Cuniculus L.) at Holkham sand dunes, Nor- folk. The journal of applied ecology 14. S. 287-291
Bhadresa, R. (1987): Rabbit Grazing: Studies in a grassland community using faecal analysis and exclosures. Field Studies 6. 657-684
Boback, A. W. (2004): Das Wildkaninchen: (Oryctolagus cuniculus [Linné, 1758]). 2., unveränd. Aufl. Westarp-Wiss.-Verl.-Ges. ISBN 3-89432-791-X
Bonino, N. A. & Sbriller, A. P. (2006): Dietary Overlap Of Two Sumpatric Lagomorphs, Lepus europaeus and Oryctolagus cuniculus, Introduced in the Patagonia, Argentina. Communicacion Technica No. 58. Area Recursos Naturales Dieta
Crawly, M. J. (1990): Rabbit Grazing, Plant Competition and Seedling Recruitment in Acid Grassland. The journal of applied ecology 27. 803-820
Duffy, S. G.; Fairley, J. S.; O'Donnell, G. (1996): Food of Rabbits Oryctolagus cuniculus on Upland Grasslands in Connemara. Biology and Environment: Proceedings of the Royal Irish Academy Vol. 96B, No. 2. 69-75
Faust, C. (2009): Impact of rabbit grazing in a threatened sand ecosystem: flower phenology, seed production and phytomass extraction. FB Biologie. Vegetationsökologie. TU Darmstadt.
Gaffrey, G. (1954): Zur Ernährungsweise des Wildkaninchens. Säugetierkundliche Mitteilungen 2. S. 81
Homolka, M. (1985): Die Nahrung einer Population des Wildkaninchens (Oryctolagus Cuniculus) auf dem Böhmisch-Mährischen Höhenzug. Folia Zoologica 34 (4). 303-314
Katona, K.; Bíró, Z.; Hahn, I.; Kertész, M.; Altbäcker, V. (2004): Competition between European hare and European rabbit in a lowland area, Hungary: a long-term ecological study in the period of rabbit extinction. Folia Zool. 53(3): 255-268
Kumerloeve, H. (1956): Kaninchen, Oryctolagus ccuniculus (Linne, 1758), und Hasen, Lepus europaeus (Pallas 1778), als Pilzfresser. Säugetierk. Mitt. 4, 3. 125-126
Lincke, M. (1943): Das Wildkaninchen. Naturbeschreibung, Jagd, Fang, Abwehr und Verwertung, sowie die als Jagdgehilfen verwendeten Tiere. Neudamm: Neumann
Petzsch, H (1959): Zur Frage animalischer Nahrungs-Anteile bei Wildkaninchen und Feldhasen. Säugetierkundliche Mitteilungen 7. S. 118
Rogers, P. M.; Arthur, C. P.; Soriguer, R. C. (1994): The rabbit in continental Europe. In: Thompson, H. V.; King, C. M. (Eds.): The European Rabbit. The history and biology of a successful colonizer. Oxford, New York, Toronto: Oxford University Press. ISBN 0-19-857611-0
Wolfe, A.; Whelan, J.; Hayden, T. J. (1996): Dietary Overlap between the Irish Mountain Hare Lepus timidus hibernicus and the Rabbit Oryctolagus cuniculus on Coastal Grassland. Biology and Environment: Proceedings of the Royal Irish Academy Vol. 96B. No. 2. 89-95
Das einzige, was ich persönlich gefunden habe zum Thema Giftpflanzen und Kaninchen, war "Kaninchen würden Wiese kaufen" im Internet.
So ... das ist also das Einzige ... sonderlich stark gesucht haben kannst du nicht, denn all die Literatur, die ich dir nun rausgesucht hab, stammt von der Seite "Kaninchen würden Wiese kaufen".
Und nicht nur das, Andreas Rühle, der Urheber dieser Seite, hat sich zudem noch die Mühe gemacht, eine Quellenzusammenfassung zum Thema was frißt ein Wildkaninchen zu schreiben!
Fand ich einerseits interessant und lesenswert, andererseits missfiel mit der rotzige und besserwisserische Krawall-Ton der Texte, der den Großteil aller Kaninchenbesitzer als ahnungslose Dummdödel hinstellt, die nur der raffgierigen Tierfutter-Werbebranche glauben,während man selbst offenbar die Weisheit mit Löffeln gefressen hat und gleich noch für äußerst reichlich Kohle das selbstkreierte Trockenfutter anpreist - nachdem man sich vorher seitensweise über die ach so große Schädlichkeit von Trockenfutter ausgelassen hat..
Andreas Rühle hat ein Trockenfutter kreiert als ein Ersatz für das, was sonst so in den Geschäften vertrieben wird. Dieses Trockenfutter wurde sogar vermarktet: nämlich über Danis Futtershop - allerdings hatte daran, wenn überhaupt, die Betreiberin des Futtershops was dran verdient und nicht etwa Herr Rühle, der nur die ursprüngliche Zusammensetzung des Futters zusammengestellt hatte!
Was du hier also von dir gibst, sind wilde Unterstellungen!
Wenn du dann auch noch den Part gelesen hättest, wo Herr Rühle begründet hatte, was warum wieso weshalb in dem Futter drin war, hättest du auch kapiert, daß dies keinesfalls mit Pellets, supplementierten Strukturfutter oder Extrudatengetreidemischungen zu tun hatte!
Das Einzige, was man an diesem Konzept Herrn Rühle vorwerfen kann - er hat es nicht geschafft, dieses Futter in die Supermärkte zu bringen - und wer bei Danis Kaninchenladen einkaufte, fütterte doch sehr überlegt, die Zielgruppe stimmte da also gar nicht.
Und einige der Angaben dort halte ich jedenfalls für fragwürdig. Ich würde ich nie hochpotente Pflanzen wie zB Eiben, Fingerhut, Rainfarn verfüttern - auch wenn es Hinweise gibt, dass Wildkaninchen das (angeblich) vertragen.
Das ist ja schön, daß du diese Angaben dort für fragwürdig hältst - nur sind diese Angaben gut belegt und über die Quellenangabe von Herrn Rühle abgesichert!
Ich kann übrigens aus meiner Erfahrung beisteuern - meine Kaninchen haben sich ihrerseits im Frühjahr an den jungen Trieben der Eibe gütlich getan ... ohne einen Schaden davonzutragen. Im Gegenteil, sie hatten mit der Eibe ihren Magen-Darmtrakt gereinigt.
Ich selbst hab jahrelang Kaninchen gehalten, davon fast 8 Jahre lang Kaninchen auf der Weide bzw später sogar fast vollständig frei. Sie wurden durch Zufüttern am Haus gehalten, die Nachzucht wurde kontrolliert und die Kaninchen selbstverständlich behandelt, wenn sie krank waren ... dabei hatten sich die Kaninchen wie wildlebende Kaninchen verhalten und vermehrt. Dazu kommt, daß ich vielen Leuten mit Problemen mit Kaninchen geholfen hab, also auch umfangreiche Erfahrungen mit krankgefütterten Kaninchen erwerben konnte. Dazu kommt dann wieder das mit alten Leuten reden, wie sie früher Kaninchen gefüttert und gehalten haben und ich war mir nicht zuschade, auch mal in die Quellen, die Herr Rühle in bewundernswerter Arbeit zusammengetragen hat, reinzuschauen, sie zu lesen und sie zu verstehen ...