Man muss bei solchen Fragen dreierlei unterscheiden:
1. Was ist ökologisch sinnvoll?
2. Was ist wirtschaftlich sinnvoll?
3. Was ist aus Tierschutzsicht sinnvoll?
1. Populationen sind stets sogenannten Katastrophen unterworfen. Das können Ausbrüche von Krankheiten sein, Wetterkatastrophen etc. Solchen Katastrophen sorgen dafür, dass die Population innerhalb eines kurzen Zeitraumes von der Kapazitätsgrenze, die in unserer Kulturlandschaft häufig recht hoch liegt, abweicht. D.h., dass viele Tiere dann sterben. Als folge können sich verschiedene Biotope wieder erholen. Wälder profitieren von niedrigen Dichten an Schalenwild (Wildschwein, insbesondere Reh und Hirsch). Womit wir zu 2. kommen.
2. Unsere Landschaft ist eine Kulturlandschaft. Verschiedene Berufszweige verdienen mit der Natur und Landwirtschaft ihr Geld. Insbesondere die Forste haben Probleme, wenn das Wild ihnen die Bäume schält und diese dann sterben. Hirsche vernichten teilweise ganze neu angelegte Schonungen. Auch landwirtschaftliche Flächen werden teilweise verwüstet. Bei wenig Schnee dürfen Förster und Jäger nach Genehmigung auch füttern. Bei Schneehöhe wie im Augenblick macht das aber keinen Sinn. Man käme eh nicht an die Gebiete heran, in denen sich die Tiere aufhalten.
3. Aus Tierschutzsicht würde man sich natürlich wünschen, dass kein Tier verhungern muss. Andersherum muss auch der Tierschutz einsehen, dass Populationsschutz über Individuenschutz stehen sollte. Was für das Einzeltier schlecht bzw. tödlich ist, kann für die gesamte Population (und den Lebensraum!) von Vorteil sein. Kranke Tiere werden ausselektiert und die Überlebenden haben im Folgejahr mehr Nahrung zur Verfügung, mehr Raum und teilweise weniger Konkurrenz in der Partnerwahl.