Liebe Amalie,...
Punkt 1: Das Faultier ist vom Aussterben bedroht.
Man korrigiere mich, wenn ich nicht auf dem neuesten Stand bin, aber von den meines Wissens 29 Faultierarten stehen bisher nur 3 Arten auf der berühmten Roten Liste, und nur eine dieser Kategorisierungen beruht auf gesicherten Erkenntnissen (Kragenfaultier), die anderen beiden Arten stehen zwar auch auf der Liste, doch es fehlt an hinreichend gesicherten Daten.
Ich möchte aber gar nicht beschwichtigen, dass man sich keine Gedanken über das Überleben der Faultiergattungen machen sollte, schließlich sind sie allesamt Regenwaldbewohner und somit auf einen schrumpfenden Lebensraum angewiesen (so wie z.B. auch etliche Ara-Arten, die sich ebenfalls auf der Roten Liste wiederfinden). Allerdings sind die Faultiere in diesem stetig schrumpfenden aber dennoch sehr großen Lebensraum sehr weit verbreitet, was vermutlich der Grund ist, weshalb bisher nicht alle Arten auf der Roten Liste stehen.
Nur am Rande, der gemeine Hausspatz (Passer Domesticus) ist nicht all zu weit davon entfernt, für Europa auf die Rote Liste aufgenommen zu werden. Sein Hauptfeind (vom Menschen mal abgesehen), sind Hauskatzen mit Freigang. Soviel zum Bewußtsein von Tierhaltern bzgl. Artenschutz vor der eigenen Haustür.
Punkt 2: Die artgerechte Haltung eines Faultieres in privater Hand ist nur sehr sehr schwer und nur mit hohem finanziellen Aufwand zu gewährleisten.
Genau das habe ich Palme ja schließlich auch gesagt. Aber vielen Dank, dass Du es nochmal wiederholst. Ich glaube allerdings, Palme hätte sich gefreut, wenn er/sie eine so sachliche Antwort vor einem halben Jahr in diesem Forum erhalten hätte.
Punkt 3: Wenn es um die Haltung eines so komplizierten Tieres wie dem Faultier geht, kann man Sachkenntnis nicht einfach recherchieren. Schon mal gar nicht in einem allgemeinen Haustierforum wie diesem! Der Ansatz der Recherche ist falsch, das Forum ist falsch, die Fragestellung ist falsch . . .
Da kann ich Dir teilweise Recht geben. Das man in diesem Forum kaum qualifizierte Antworten erwarten darf, wurde Palme ja eindrucksvoll demonstriert.
Allerdings wollte Palme keine "Sachkenntis recherchieren", sondern er/sie wollte sich zunächst allgemein umhören, ob es (in diesem Forum) vielleicht Menschen gibt, die Faultiere halten. Eine eindeutige Antwort diesbezüglich folgte bis heute nicht.
Gegen dieses Vorgehen ist meiner Ansicht nach nichts einzuwenden. Es hätte ja durchaus sein können, dass es hier mindestens einen Faultierhalter gibt, oder jemanden, der einen solchen kennt. Was Palme hier stattdessen fand, grenzt aus meiner Sicht an Unverschämtheit, und es spricht meines Erachtens nicht für die soziale Atmosphäre in dieser Community.
Punkt 4: . . . Du hältst es wirklich für eine Unterstellung, dass Palme hier einer Laune gefolgt ist ???
Palme hat hier einen (vermutlich) ersten Schritt gemacht, sich über die Haltung zu informieren. Es geht hier wirklichen NIEMANDEN etwas an, wie sein Interesse motiviert ist, und Palme hätte das Recht gehabt, eine sachliche Antwort zu erhalten. Hat er/sie leider nicht.
Man hätte ihn/sie auch sachlich und fundiert an die Komplikationen der Faultierhaltung heranführen können. Was er/sie hier zu lesen bekommen hat, hat seine/ihre ursprünglich Einstellung bezüglich dieses ausgefallenen Haustierwunsches wohl kaum geändert, wohl aber seine/ihre Meinung über die Nutzer dieses Forums.
Es wurde von Anfang an unterstellt, die Haltung würde nicht ernst genug genommen. Das war zunächst ein Vorurteil (tja, so leicht erwischt es einen), dass bis heute nicht wirklich bestätigt ist. Niemand weiss, welchen Aufwand Palme zu betreiben bereit ist bzw. gewesen wäre, auch wenn seine/ihre erste Vorstellung etwas naiv-romantisch klingen mag. (Vielleicht wurden die Vorstellungen auch einfach etwas zu knapp geschildert, wodurch sie so naiv wirkten. In dubeo pro reo!)
. . . Du weißt nix über die rechtlichen Voraussetzungen, sagst aber:
Dass der Halter eine Sachkundeprüfung absolvieren muss, bezweifel ich . . .
Ich habe praktische Erfahrung mit der Haltung einer bedrohten einheimischen Art (einem Kolkraben) in zwei Bundesländern (NRW & SAH). Es hat mich Tage gekostet, bis sich die Behörden in beiden Ländern davon überzeugen ließen, dass sie tatsächlich zuständig sind.
Ich lasse mich gerne aufklären, welche Behörde sich (aus eigener Motivation) zuständig fühlt, einem potentiellen Faultierhalter eine Sachkundeprüfung abzunehmen.

Meine Erfahrung ist jedoch leider, und man möge daraus bitte keine allgemeine Schlussfolgerung ziehen, dass Behörden im besten Fall selber keine Ahnung haben, im schlimmsten Fall behaupten Sie leichtfertig, die Haltung sei nicht möglich, weil sie keine Lust haben, zuständig zu sein.
Nun, soviel kann ich Dir sagen, von mir werden sie geprüft . . . und zwar seeehr streng!
Aha. Da Du dementsprechend ja selber auch über seeehr viel Fachkenntnis über Faultiere verfügen musst, wäre es ja wirklich sehr einfach für Dich gewesen, Palme mal kurz sachlich aufzuklären. Schade!
. . . Du weißt nix über die rechtlichen Voraussetzungen, sagst aber:
Allerdings wird man beim Kauf dieses Tieres eine gewisse Sachkenntnis vorweisen müssen
. . . Quark, wäre zwar schön, ist aber nicht so!
Ich bezweifle sehr stark, dass man in der von mir erwähnten Berliner Zoohandlung einfach an den Schalter geht und sagt: "Ich hätte gern einen Sack Frolic und das Faultier da hinten!" und marschiert 5 Minuten später mit dem Tier unter dem Arm aus der Zoohandlung. In der Reportage, auf die ich mich bezogen habe, entstand eben der gegenteilige Eindruck.
Sollte ich mich diesbezüglich geirrt haben, gebe ich Dir natürlich Recht. Es ist erschreckend, wenn es dermaßen skrupellose Zoohändler gibt.
Deiner Aussage entnehme ich, dass Du aus eigener Erfahrung sprichst.
Darf ich im Gegenzug fragen, wieviele Zoohandlungen Du kennst, in denen man Faultiere einfach so kaufen kann?
Die Haltung dürfte sich eher kompliziert gestalten, insbesondere hinsichtlich des Nahrungsangebots und der Klimatisierung eines doch eher großen Geheges. . . .
. . . ah ja, Palme´s Wunsch nach einer Haltung im Haus (über Winter) ist also wohl auch aus Deiner Sicht nicht soooo toll ?
Ich bin mir nicht sicher, ob diese Frage sarkastisch gemeint ist. Wie dem auch sei, es ist besser, wenn er das Tier im Winter drinnen hält, weil es sonst mit Sicherheit eingehen würde (aber wem erzähle ich das

).
Und je nachdem, über welche Möglichkeiten (räumlich und finanziell) Palme verfügt, sehe ich kein Problem für eine winterliche Innenhaltung. Z.B. in einem klimatisiertem Wintergarten.
Jemand reklamierte die 20 Meter hohen Bäume, in denen Faultiere leben.
Das ist mal wieder ein wunderbares Beispiel dafür, dass mit zweierlei Maß gemessen wird.
. . . ? ? ? hier sollten nicht die Bäume beschützt werden, vielmehr war es ein sehr wichtiger Hinweis darauf, dass man dem Faultier eben nicht so einfach eine artgerechte Unterbringung geben kann.
Diese Aussage hast Du wiederum nicht verstanden. Ich räume ein, in Eile geschrieben zu haben, außerdem mache ich viele Tippfehler, also erlaube mir, dass ich nochmal genauer darauf eingehe.
Viele Papageienarten, die in Deutschland gehalten werden, haben den gleichen Lebensraum wie Faultiere.
Wenn man für Faultiere eine Haltungsumgebung im Originalmaßstab fordert, wieso gilt dies nicht auch für andere Tiere?
Wieso stört sich keiner daran, dass Aras in Stahlkäfigen oder lachhaft kleinen Volieren gehalten werden, in denen sie höchsten klettern können?
Mir scheint, dass für "herkömmliche" und etablierte Haustiere "artgerechte Haltung" anders definiert wird, als für ausgefallene Haustierwünsche.
Gerade im Vergleich mit Papageien erscheint diese Forderung besonders ironisch. Papageien werden bei der Haltung nun wirklich erheblich mehr in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, als man es mit einem Faultier tun würde, das eine deutlich geringere Aktivität aufweist.
Ich will damit NICHT sagen, es sei in Ordnung, ein Faultier in einen kleinen Käfig zu sperren.
Ich will damit nur zur Frage stellen, wie exorbitant groß eine Voliere zur artgerechten Haltung eines Papageis sein müsste, wenn man die Bedingungen einer artgerechten Haltung ebenso streng auslegen würde, wie es hier für ein Faultier angemahnt wurde.
Möchte man dies nicht tun, so misst man mit zweierlei Maß, und das ist nicht in Ordnung. (Der Papgei sei hier nur ein Beispiel, da er den gleichen Lebensraum hat wie das Faultier. Man kann diese Debatte aber gerne auf andere Tierarten ausweiten.)
Jeder Mensch, der ein Haustier "besitzt" sollte sich einfach darüber bewusst sein, dass er dieses Tier hat, weil es IHM (bzw. IHR) gefällt. Ein Haustier befriedigt in erster Linie das egoistische Bedürfnis, mit einem Tier zusammen zu leben. (Vermutlich kommt jetzt der Einwand, dass dies ja nicht so sei, wenn man ein Tier aus dem Tierheim hole.).
Jedes Tier, das bei einem Menschen lebt, lebt dort, weil der Mensch es so möchte (außer vielleicht diverse Nager oder Insekten

).
Wie kann man so intolerant sein, einem anderen Menschen verbieten zu wollen, ein bestimmtes Tier halten zu wollen, nur weil man es persönlich als "zu exotisch" einstuft.
Ich wiederhole meine beiden Bedingungen, die ich Eingangs gestellt habe:
1. sollte es sich nicht um eine tatsächlich bedrohte Art handeln, und
2. sollte eine verantwortungsbewusste und (hier nicht genauer zu definierende) artgerechte Haltung erfolgen.
Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, kann man gegen die Haltung eines Tieres nichts einwenden, oder man müsste Tierhaltung generell in Frage stellen. Eine Unterscheidung in "herkömmliche" Haustiere und "außergwöhnliche" ist an dieser Stelle keine gültige Begründung, weil sie auf einer willkürlichen Festlegung beruht.
Schönen Abend noch,
scmcg
P.S.: Wünschenswert wäre es natürlich, wenn die Nachfrage nach Haustieren ausschließlich durch Zuchttiere befriedigt werden könnte (das ist aber leider noch nichteinmal bei allen Vögeln der Fall). In eine Debatte über "schonende Naturentnahme" möchte ich mich an dieser Stelle nicht verstricken.