Also, ich bezweifele eigentlich in jeder Hinsicht, dass ein Pferd Hufeisen "braucht".
Wenn ein Pferd Hufeisen braucht, damit die Hufe nicht zerstört werden, dann sollte man vielleicht eher fragen, was denn an der Haltung nicht stimmt, anstatt das Problem über Hufeisen zu kaschieren.
Der Hufbeschlag ist meines Wissens nach im Mittelalter während der Nutzung von Pferden durch Ritter aufgekommen aufgrund der Tatsache, dass das "Kriegmaterial" Pferd im beengten Schutz der Burg auf hartem Boden und eigenem Urin stand. Dieses löst das Struktureiweiß Horn auf.
In der Antike (Griechen, Hethiter) war der Hufbeschlag nicht bekannt. Obwohl es zahlreiche Schriften über Pferdehaltung gab, wurden die Folgeerkrankungen von Hufbeschlag damals nicht beschrieben. Diese Krankheitsbeschreibungen gibt es erst seit dem Mittelalter.
Es ist auch in Hufschmiedekreisen bekannt, dass jeglicher Hufbeschlag (und nicht nur der "falsch angebrachte") zur mittel- und langfristigen Verschlechterung der Hufe führt. Hauptmerkmale sind dabei die Ausbildung eines Zwanghufes in jeder Form (Trachten-, Ballen-, Eckstreben-, Kronenzwang) in Verbindung mit dem für das Eisen plangeschnittenen Tragerand (hochgewölbter Kronrand seitlich). Die Unterbindung und Verschlechterung der Hufdurchblutung durch den verhinderten Hufmechanismus ist darüber hinaus ein heißer Kandidat auf die Ursache für Hufrehe, Mauke, Strahlfäule, Lahmheiten, die veränderte Auffussung des Hufes verursacht Hufknorpelverknöcherung und Arthrosen, die damit verbundene Steilstellung des Hufes führt zu Hufbeinrotation, Hufbeinseparation, Hufbeinsenkung, Hufbeindurchbruch.
Auch die zusätzliche Belastung des Pferdes durch Reiter- oder Kutschengewicht ist, wenn es denn tatsächlich die Belastbarkeit des Hufes übersteigt, laut Tierschutzgesetz gesetzeswidrig. Explizit wird dort auch die Verwendung von Hilfsmitteln, die zu einer Steigerung der Leistung über das dem Tier mögliche Maß hinausgehen, als Doping bezeichnet (und verboten). Ein Hufbeschlag ist in meinen Augen nichts anderes, auch wenn das in der Bevölkerung natürlich auf breiter Front anders gesehen wird.
Eine Ausheilung von Huferkrankungen ist mE immer nur ohne Beschlag möglich (Korrektur der mittleren Zehenrisse meines Wallachs, Heilung der Lahmheit meiner Stute, Kenntnis vieler "alternativ" behandelten Pferde mit Hufrehe, Hufbeinsenkung, Lahmheiten, Hufbeindurchbrüchen, Strahlbeinlahmheit).
Korrektur von Fehlstellungen: Immer auch OHNE Beschlag möglich, ist nur eine langwierige Sache. Meine Stute hatte bis zum 19ten Lebensjahr Eisen wegen einer Fehlstellung (geht nicht anders), es ging sehr gut anders, und ihr geht es wesenlich besser als ohne Beschlag.
Korrektur von schlechter Hornqualität oder zu geringem Wachstum: Nur durch verbesserte Durchblutung (also ohne Eisen) dauerhaft heilbar.
Inzwischen gehen immer mehr Distanzreiter dazu über, ohne Beschlag im Alltag zu trainieren und nur für den Wettkampf zu beschlagen (nicht wegen der vermehrten Abnutzung, sondern wegen der FN-Regularien).
Gruß,
Chiron