Falsche Infos:
Im Internet kursiert das Gerücht, dass 80 % aller Kaninchen ab dem zweiten Lebensjahr Tumore in der Gebärmutter kriegen und deshalb alle Kaninchenweibchen kastriert werden müssen. Das stimmt so nicht. Ältere Studien die nun gern aufgewärmt und wiederverwendet werden, haben aufgezeigt: bei der Ermittlung der Uteruskarzinomhäufigkeit bestimmter Zuchtlinien kam es zu einer Karzinomrate von bis zu 80 %. Aber das galt nur für bestimmte Zuchtlinien die eine genetische Prädisposition für derartige Erkrankungen aufwiesen. Eine Aussage der Studie war auch: vor dem zweiten Lebensjahr wurden selten Karzinome gefunden. Allerdings wurden die meisten Karzinome bei Tieren die älter als 5 - 6 Jahre waren gefunden. Manche Tierärzte verweisen auch darauf, dass sie bei Weibchenkastrationen häufig auf Tumore in der Gebärmutter stoßen, auch das bedeutet nun nicht, dass alle Kaninchen Tumore kriegen, denn auf dem OP Tisch eines Tierarztes landen für gewöhnlich nur kranke Kaninchen die schon Auffälligkeiten zeigten.
Fakten: Kaninchenweibchen haben ein leicht erhöhtes Risiko einen Uterustumor oder eine Gebärmuttererkrankung zu bekommen. Bei älteren Tieren ist die Karzinomrate relativ hoch. Sind Auffälligkeiten da (häufige Scheinschwangerschaften, unbestimmte Krankheitszeichen wie Gewichtsverlust oder Druckempfindlichkeit) oder gibt es einen positiven Befund per Röntendiagnostik, dann ist eine Hysterektomie sicher angemessen. Aber allen gesunden Kaninchenweibchen ein gesundes Organ zu entfernen ist unserer Ansicht nach übertrieben, ein so gefährlicher Eingriff sollte nicht ohne Grund vorgenommen werden! Uns liegen leider div Berichte von Kaninchen vor, die nach einer solchen OP verstorben sind. Es ist zwar richtig, das bei vielen alten Tieren die obduziert werden Tumore in der Gebärmutter gefunden wurden - aber es ist ebenso richtig, dass sie dann in den meisten Fällen nicht zu einer Störung des Allgemeinbefindens oder zum Tod des Tieres geführt haben und ohne Obduktion wären die Tumore nicht entdeckt worden. Über eine vorsorgliche Entfernung der Gebärmutter sollte lediglich bei Kaninchen nachgedacht werden, in deren Zuchtlinien nachweißlich viele Uterustumore vorkamen (diese Tiere sind aus der Zucht zu nehmen!) Manche Tierärzte oder Züchter raten dazu, ein scheinschwangeres Kaninchen einmal decken zu lassen, angeblich würde sich dann das Problem von selbst erledigen wenn die Kaninchen einmal Babys bekommen haben - das stimmt nicht! Da in den meisten Fällen die häufigen Scheinschwangerschaften ihren Ursprung in einer krankhaften Veränderung der Gebärmutter oder der Eierstöcke haben, ist so eine Vorgehensweise grob fahrlässig. Wenn das Weibchen überhaupt aufnimmt kommt es nicht selten zu Fehlgeburten, Schwangerschaftstoxikosen und sogar zum Tod des Tieres. Abgesehen davon quellen die Tierheime über mit ungewollten Kaninchenbabys die auf so eine Art und Weise zustande kommen. Auch Kaninchen die schon geworfen haben, werden Scheinschwanger. Auf diese Art und Weise werden nur ungewollte Babys produziert, dem Kaninchenweibchen wird damit nicht geholfen.