Wir haben seit 16 Jahren einen Hengst. Bekommen haben wir ihn, als er 6 war. Erzogen war er damals nicht wirklich. Die ersten Besitzer haben ihn nur geschlagen. Dann war in für 'ne Zeit auf einem Hof, von wo aus die Pferde dann weiterverkauft wurden. Von dort hat mein Opa ihn dann geholt. Auch wir haben ihn "nicht richtig" ausgebildet. Also alles ohne professionelle Hilfe. Er lebte in den 16 Jahren mit 4 verschiedenen Wallachen zusammen (immer zu zweit oder zu dritt) bei meinem Opa. Da gib's nie Probleme. Auch Stutenbegnungen waren kein Problem. Bin auch öfter mal gemeinsam mit einer Stute ausgeritten. Völlig problemlos. Nur wenn wir draußen dem Hengst einer Bekannten begegnet sind, waren beide plötzlich die totalen Machos. Aber auch da ist unser Dicker noch ziemlich ruhig gewesen - der Shetty-Hengst hatte da noch mehr Temperament.
Unseren Hengst haben wir früher auch oft vor die Kutsche gespannt und haben "Familienausflüge" gemacht (z.B.) nach Holland zu einem Einkaufszentrum, dort eingekauft und gegessen und wieder zurück) oder einfach nur so mit noch einer zweiten Kutschen, davor ein fremdes Pferd. Alles hat immer super funktioniert. Wir sind auch nur im Gelände gewesen, dort ritten wir an vielen Pferdeweiden vorbei. War auch kein Problem.
Sooo viel Ahnung habe ich jetzt nicht, aber ich kann mit gut vorstellen, dass Zuchthengste etwas schwieriger sind, als reine "Freizeithengste". Denn die Freizeithengste sind ja normalerweile nie in den "Genuss" gekommen, eine Stute zu besteigen. Ich bin eben "nur" eine Freizeitreiterin und habe von der Zucht und allem was dazugehört wirklich keine Ahnng.
In der Nähe unserer Weide stehen auch keine anderen Pferde. Somit wurde er auch nie mit dem Stutengeruch "gequält" und bei den Ausritten mit der Stute war er aber eigentlich auch ganz locker.
Allerdings würde ich persönlich nie einen Hengst in einen großen Stall stellen. Da sind immerhin auch fremde Pferde und da muss man sehr oft ganz doll zuückstecken (manchmal kommen Hengste nur für 1-2 Stunden am Tag allein nach draußen... und dazu sind Hengste meistens viel teurer in der Unterkunft). Ich habe auch mal einen Stall für unseren Hengst gesucht, weil mein Opa den anderen Wallach eigentlich abgeben wollte. Ich habe Monate gesucht und keinen Stall gefunden, wo ich hätte unseren Hengst unterstellen können... Wenn man sowas in der Nähe hat, ist das wieder was anderes. Aber in meinem Fall habe ich irgendwann die Hoffnung aufgegeben und zum Glück behielt mein Opa den anderen Wallach doch noch und hat sogar wieder noch ein drittes Pferd dazu geholt.
Also ich bin der Meinung, dass es wirklich darauf ankommt, wie der Hengst gehalten wird und wie das mit der Erziehung aussieht. Unsere vier Wallache waren alle viiiieeeel frecher und unberechenbarer, als unser Hengst.
Achja, nochmal was zur Haltung von unserem Hengst: In den Sommermonaten (meistens Oster- bis Herbstferien) standen unsere Pferde auf einer Koppel, seit ein paar Jahren ist dort auch ein Unterstand, vorher leider nicht (aber viele Bäume/Büsche zum Untestellen). Die restliche Zeit woanders im Stall (auch Opa's Stall, aber in einem anderen Ort). Dort waren sie nur über Nacht im Stall (von ca. 8-17Uhr draußen). Allerdings sind sie seit 2 Jahren das ganze Jahr über auf der Koppel. Hengst und Wallache standen natürlich zusammen, nicht getrennt.
Und, wie schon oben geschrieben, waren keine anderen Pferde in der Nähe, sie konnte also keine Pferde, also auch keine Stuten, sehen oder riechen, nur, wenn mal welche an der Weide langgelaufen sind oder wenn wir an denen vorbeigeritten sind. Er stand immer mit 1-2 Wallachen zusammen. Nur einmal ein paar Wochen allein, als ein Wallach plötzlich eingeschläfert werden musste. Da wurde aber so schnell wie möglich ein neuer Freund für ihn geholt.
Ich denke, dass die Haltung schon recht akzeptabel war/ist. Ich fände es zwar noch besser, wenn es mehr als 2-3 Pferde auf einer Weide sind, aber alle sind glücklich, gesund und zufrieden und solang sie nicht ganz allein sind, finde ich das auch akzeptabel.