Papageien sind doch Fluchttiere (oder doch nicht?), wenn sie sich erschrecken, davon fliegen wollen und dann nicht können und in Panik geraten?
Grundsätzlich gebe ich dir völlig recht. Und das ist auch das Risiko bei solchen Vorrichtungen, auch wenn in der Hinsicht die Geschirre um Längen besser und ungefährlicher sind als die früher üblichen Beinkettchen, bei denen sich die Vögel die Beine ausgerenkt haben.
Aber auch bei Wohnungshaltung endet der erste "Fluchtflug" spätestens an der nächsten Wand... In dem Sinne, ist es überhaupt tierschutzkompatibel Fluchttiere in einem geschlossenen Raum zu halten?
Ich versuche mal diese Geschirre etwas diferenziert zu betrachten.
Der Sinn ist ja nicht den Papagei dauerhaft darin zu halten. Das würde schon alleine nicht gehen weil der Vogel so etwas in ein paar Stunden durchgebissen hätte. Die Geschirre sind wirklich nur dazu da um den Vogel für kurze Zeit nach draußen zu bringen, was ja an sich eine interessante Abwechslung sein kann. Der Alltag leider der meisten "Hauspapageien" ist ohnehin recht öde.
Die meisten Papageien reagieren auf so ein Geschirr beim Anlegen mit Panik. Aber es ist durchaus möglich sie mit viel Geduld und Training daran zu gewöhnen, es soll Papageien geben die beim Anblick des Geschirres freudig ankommen und sich freuen das es jetzt raus geht.
Das Problem ist, ein Vogel atmet mit dem Bauch. Das Zwerchfell fehlt, dafür ist der gesamte Papagei "halb hohl", also zwischen den Organen und sogar in den Knochen hat er Luftsäcke die wie Blasebälge funktionieren. Die Atmung an sich erfolgt durch anspannen der Bauchmuskulatur und der zwischen den Rippen.
Also kann alles was diese Beweglichkeit und das auf und ab des Brustbeins von außen einschränkt die Atmung behindern. Auch ein zu eng angelegtes oder nicht genau passendes Brustgeschirr.
Und den Punkt zu erwischen bei dem das Geschirr nicht so locker ist das der Vogel rausschlüft, aber auch nicht so fest das es die Atmung behindert, ist schwer.