Ich habe mal gelesen, daß vom Halter sogenannte "kleine Reibereien" nicht normal sind, sondern bedeuten, daß das Rudel (i.d.R. unkastrierte Männchen) nicht zueinander passt und daß dies bedeutet, daß sie ein Leben unter permanentem Stress führen.
Natürlich habe ich das Thema nicht studiert, würde aber persönlich sagen, das ist absoluten Mega-Quatsch!
Ich würde unterscheiden (natürlich nur aus eigener Erfahrung heraus und wissenschalftlich vollkommen unbelegt) zwischen 3 "Kampfarten":
1.) spielerisch (sie hüpfen hin, "tapsen" den anderen an", hüpfen her, auf den anderen drauf, dann umgekehrt, sehr unbefangen und spielerisch)
2.) Dominanzverhalten/Rangkämpfe (ein bischen ernster, einer wird unterdrückt, bzw. muss sich "ergeben" und dann ist wieder gut)
3.) wirklich aggressives Kampfvehalten (aufgeplüstert, schnaufend, ggf. blutig beissend).
Das spielerische kann ich bei meinen (besonders bei den etwas jüngeren) öfters mal beobachten. Schaut aber wirklich sehr verspielt aus (es wird auch niemand unterworfen, oder so) und man darf auch mitmachen (also mit der Hand quasi Ratte spielen). Es scheint wirklich nicht ernst, oder irgendwie wichtig zu sein (sobald z.B. irgendwo was raschelt, ist das gleich interessanter, als der "Kampf"). Hier mache ich mir keinerlei Sorgen.
Das Rangkämpfen sehe ich bei meinen sehr selten (wenn dann höchstens unter den beiden ältesten und Ranghöchsten). Da wird auch mal gequiekt, aber niemals jemand verletzt. Es ist recht kurz und endet in der Regel damit, daß der unterworfene ganz still liegt und dann ist alles wieder gut. Auch hier mache ich mir keine Sorgen, denn auch wenn sich ein quieken, manchmal sehr "leidend" anhört, so kommt es erstens sehr selten vor und man kann zweitens ja beobachten, daß sie sich eigentlich nichts tun und nur mal klarstellen wollen, wer der Boss ist.
Richtig aggressives Kampfverhalten sehe (sah) ich bei meinen nie. Allerdings jedoch habe ich vor wenigen Tagen versucht, den Anfang einer VG (mit einer Ratte, die ich vor kurzem gesund gepflegt habe) zu starten und schon bei der ersten Begegnung auf neutralem Boden gab es nach nicht einmal 30 Sekunden ein aufgeplüstertes, kämpfendes Knäul und Blut. (Natürlich habe ich die Tiere augenblicklich getrennt und niemand ist wirklich schlimm verletzt). Beim 2. Versuch war das Gleiche los (innerhalb von Sekunden) und beim 3. Versuch habe ich vorsichtshalber ein Gitter dazwischengehalten (und da wurde hindurchgebissen). Solche VG-Probleme hatte ich noch nie und nun liegt die VG erstmal bis auf Weiteres auf Eis (Tipps nehme ich gern entgegen). Was ich damit sagen will: Diese Art von Kampf bedeutet tatsächlich Alarmstufe Rot.
Wenn sich bei deinen Ratten alles in "Kampfphase 1 und 2" bewegt und es nicht so ist, daß wirklich in einer Tour "Phase 2" angesagt ist, würde ich mir keine grossen Sorgen machen, solange es nicht schlimmer, oder sehr gehäuft wird. (Ist so meine, völlig unfachmännische Meinung dazu

)
Ob eine Kastration hilft, wenn sich 2 Ratten tatsächlich nicht leiden können halte ich für fraglich (bei anderen Tierarten ist das wohl manchmal so, aber ich glaube - verbessert mich, wenn ich mich irre - bei Ratten trifft das nicht wirklich zu).
Gerade die Tatsache, daß Ratten ja nicht gerade dumm sind (die schlausten unter den Nagern, wenn ich jetzt nicht irre), verleitet mich dazu, zu denken, daß 2 Ratten, die sich nicht mögen, nicht unbedingt nur 100% Triebgesteuert handeln, sondern villeicht wirklich so etwas, wie einen Tick "persönliche Abneigung" auch manchmal eine Rolle spielen kann.