Deus ex felidae

Diskutiere Deus ex felidae im Katzenkörbchen Forum im Bereich Katzen Forum; Geschrieben von Mike1024 am 14.01.2009 Deus ex felidae Lakaien, Butler und sonstige dienstbaren Geister sind in unserer Gesellschaft...
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Mike1024

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Geschrieben von Mike1024 am 14.01.2009



Deus ex felidae

Lakaien, Butler und sonstige dienstbaren Geister sind in unserer Gesellschaft denen vorbehalten, welche die notwendige finanzielle Ausstattung dazu haben.
Es gibt aber einen Personenkreis der dies völlig selbstverständlich und ohne dass ihm Kosten entstehen, in Anspruch nimmt.
Dieser Personenkreis residiert beileibe nicht in den Chefetagen der Konzerne, sondern schleicht auf vier Pfoten durch Wohnungen und Gärten.
*
Eigentlich wollte ich keine Katze.
Das heisst, eigentlich wollte ich schon, aber ich war damals ziemlich viel unterwegs und da wäre es für so ein Tier nicht gut, Tage oder gar Wochen alleine zu verbringen.
Aber nach 6 anstrengenden Arbeitswochen gedachten meine damalige Freundin und ich, doch mal auszuspannen.
Wir einigten uns auf Kreta, denn dort ist es auch im Oktober noch einigermassen warm.
Die Auswahl fiel uns leicht, denn es war das einzige Reiseziel, das noch kurzfristig frei war.
Schön war es dort.
Die malerischen Müllberge am Strassenrand gaben der Insel ein besonderes Flair.
Und teuer war es auch nicht, z.b. konnten wir Sonnenöl sparen, wir brauchten nur kurz ins Meer und waren total eingeölt.
Auch Morgengymnastik war angesagt.
In weiser Voraussicht war das Hotel so gebaut, dass man zum Frühstück 200 Meter ins nächste Hotel laufen musste.
Da war ein Fussweg mit nett arrangierten Erdhaufen und herrlich wildem Gestrüpp an der Seite.
Und genau an diesem Fussweg ereilte uns das Schicksal.
Denn in der Mitte des Fussweges versammelte sich jeden Morgen ein Rudel wilder Katzen.
Die bekamen von den Touristen, die vom Frühstück zurückkamen, immer ein Stück Wurst.
Da wir auch zu der Spezies Tourist gehörten, folgten wir ebenso diesem wahrscheinlich seit Jahrtausenden eingebürgertem Ritual.
Nett anzusehen, wie die Katzen um die Wurst bettelten und sich auch manchmal darum balgten.
Nach einigen Tagen fiel mir auf, dass ein kleines rot-weis getigerte Kätzchen nie etwas von der Wurst abbekam.
Offensichtlich schmeckte den anderen Katzen die Wurst so gut, dass sie sich sogar dazu herabliessen, das kleine Kätzchen mit einem Pfotenhieb zu vertreiben.
Nun bin ich ja für eine gerechte Verteilung der vorhandenen Ressourcen.
Daher habe ich bei so einem morgendlichen Fütterungsritual gezielt die anderen Katzen vertrieben und dem kleinen Kätzchen ein Stück Wurst gegeben.
Die Folgen waren ungeahnt.
Kaum war das Wurststück verschlungen, schaute sie mich mit bettelndem Blick an.
Aber Kätzchen, ich hab nichts mehr für dich.
Also machen wir uns auf den Weg ins Appartement.
Da streicht etwas um meine Beine.
Es ist Kätzchen.
Kätzchen lässt sich nicht abschütteln und folgt uns beharrlich.
Naja, morgen bekommt sie wieder was.
Kätzchen folgt uns bis zur Appartementtür.
Reinlassen wollen wir sie nicht.
Wir haben damit gerechnet, dass sie schon von alleine wieder zurückgeht
Womit wir nicht gerechnet haben, war die perfide Strategie felider Intelligenz.
Katzen können stundenlang völlig still vor einem Mauseloch sitzen und warten bis die Maus herauskommt.
Aber wohl wissend, dass unser Appartement kein Mauseloch und wir keine Mäuse waren, entfiel der Begriff „still“ und der Begriff stundenlang wurde dafür doppelt verwendet.
Am Anfang fiel es uns nicht gerade auf.
Da war nur ein leises Fipen auf dem Flur.
Aber es hörte nicht auf.
Es hörte einfach nicht auf.
Sie wollte uns wohl weichkochen wie einen Kohlrabi im Dampfkochtopf.
Da wir nicht die Konsistenz von Kohlrabi haben, waren wir ziemlich schnell weichgekocht.
Also gut Kätzchen, du darfst mal kurz rein.
Kaum war die Tür auch nur einen Spalt offen, war sie schneller drin, als ein Politiker seine Meinung wechselt.
Da wurde zuerst alles untersucht und begutachtet.
Aber trotz offener Tür macht Kätzchen keine Anstalten, die Räumlichkeiten wieder zu verlassen.
Und nun?
Also beschlossen wir, im Supermarkt etwas Katzenfutter käuflich zu erweben.
Aber Katzenfutter in einem Supermarkt auf Kreta?
Gibt’s nicht!
Nun gut, bekommt sie eben Thunfisch, schliesslich lebt sie ja am Meer.
Und so wie’s aussah, schmeckte ihr das auch excellent.
Nun wollten wir an den Strand.
Also Sachen zusammengepackt und los.
Kätzchen wird vor die Tür gesetzt, sie kennt ja den Weg.
Kätzchen bleibt aber vor der Tür sitzen, schaut uns an und fängt wieder zu maunzen an.
Jetzt ist Kriegsrat fällig.
Nach Abwägung aller Fakten fällen wir ein salomonisches Urteil.
Kätzchen darf dableiben, solange wir da sind.
Und wenn der Urlaub zu Ende ist muss sie wieder zum Rudel zurück.
Auch das Problem mit dem Katzenklo haben wir mit Hilfe einer Plastiktüte und Sand vom Strand gelöst.
Kätzchen hat das gleich akzeptiert, wahrscheinlich war sie bisher nicht sehr verwöhnt.
Vom Strand zurück, finden wir Kätzchen schlafend mitten im Bett.
Nun gut, das Bett ist breit genug.
Dachten wir.
Unglaublich wie gross so eine Katze in der Nacht werden kann.
Auf jeden Fall lagen wir zusammengekuschelt an der Bettkante, während Kätzchen den Rest des Bettes mit Beschlag belegte.
Zumindest einige Zeit.
Denn irgendwann in der Nacht tapste irgend etwas über mein Gesicht und etwas fellartiges legte sich direkt darauf.
Dann spürte ich das treten kleiner Pfoten.
An Schlaf war nicht mehr zu denken.
Jetzt hatte Kätzchen Janette mit der gleichen Tour in der Mache.
Den Rest der Nacht verbrachten wir damit, mit der Kleinen zu spielen.
Erst gegen Morgen schlief sie ein.
So vergingen die Tage.
Während wir tagsüber am Strand oder in der Umgebung waren, schlief Kätzchen im Appartement.
Nun war das Ganze im Oktober 2006 und das war die Zeit, in der dieser Orkan über Kreta kam.
Der Urlaub ging zu Ende und das Wetter wurde schlecht.
Eigentlich hatten wir beschlossen die Kleine wieder ins Rudel zurückzubringen.
Aber angesichts des beginnenden Orkanes und vor allem weil wir uns an die Kleine gewöhnt hatten, brachten wir das nicht übers Herz.
Also noch ein Kriegsrat.
Ausgiebigen Kriegsrat.
Also lautet ein Beschluss,
Dass die Katze mit uns muss!
Aber wie?
Wir sind mit dem Flieger hier
Transportbox gibt’s hier nicht.
Janette hat also die Kleine unter ihre Jacke genommen.
Auf der Fahrt zum Flughafen war sie ganz still und hat keinen einzigen Maunzer von sich gegeben, so als wüsste sie, dass das Probleme geben könnte.
Das Problem kam dann auch, am Flughafen.
Es kam in Gestalt eines überzeugten Bürokraten beim einchecken.
„No animals“
„Why? Its mine!”
“No!”
“Why”
“No possible!”
Natürlich ging der Disput länger aber ich will ihn nicht komplett wiedergeben.
Stossgebet an den Heiligen St.Bürokratius.
Durch meinen Kopf gingen durchaus sympathische Bilder von geladenen und entsicherten Kalaschnikows.
Janette schlägt flüsternd vor, die Kleine unter der Jacke an Bord zu schmuggeln, aber der Typ riecht den Braten.
Ein weiterer Kriegsrat zeitigt keine greifbare Ergebnisse.
So sitzen wir in strömendem Regen vor der Empfangshalle.
Ich kann die Kleine nicht einfach aussetzen, die überlebt den Orkan nicht und ich will sie auch nicht aussetzen.
Jetzt beginnen die Tränen zu rollen.
Bei uns beiden.
Die Stimmung ist auf dem absoluten Tiefpunkt.
Da erscheint wie eine Lichtgestalt die Rettung.
Sie erscheint in Gestalt der Reiseleiterin.
Sie merkt sofort, dass was nicht stimmt und fragt nach.
Janette öffnet nur die Jacke und zeigt die Kleine.
„Oh Gott!“ ist die einzige Bemerkung der Reiseleiterin.
Aber sie weis Rat.
Sie kennt einen Engländer, der für den Tierschutzverein Kreta arbeitet.
Und der ist am Flughafen.
Er erklärt uns, dass die Kleine geimpft, entwurmt, gechipt und einige Wochen in Quarantäne müsste.
Hah, einige Wochen in Quarantäne, der Flieger wartet, es ist der letzte Flug, dann wird wegen des Orkans der Flugbetrieb eingestellt.
Weiss der Ignorant, von was er redet?
Wären wir doch mit dem Schlauchboot nach Kreta gepaddelt, dann gäb’s dieses ganze Theater nicht.
Geduldig erklärte uns die Reiseleiterin, dass es so genannte Flugpaten gäbe, welche die Kleine in einigen Wochen nach Old Germany brächten.
Wir müssten nur vorher von Deutschland aus die entstandenen Kosten begleichen
Ein weiterer Kriegsrat entfiel, denn eine andere Wahl hatten wir nicht.
Also haben wir schweren Herzens die Kleine den Engländer übergeben.
Dann noch Adresse, Telefon und Email hinterlassen.
Auf die Frage nach dem Namen hatten wir keine Antwort, denn Kätzchen, war für uns immer nur die Kleine.
Der Rückflug war entsprechend schweigsam.
Die kommenden 3 Wochen waren irgendwie seltsam.
Kätzchen fehlte uns.
Ich habe mehrmals am Tag nach Emails geschaut.
Wir wurden immer nervöser.
Dann kam eine Mail.
Wir sollten einen Betrag an das deutsche Konto des Tierschutzvereins überweisen für Unterbringung und Tierarztkosten.
Endlich ging es weiter.
Es vergingen dann noch 4 Tage.
Dann kam eine SMS
Frankfurt 12:45 Uhr Ankunft aus Heraklion nach Frau Mutter Ausschau halten.
Mutter?
Ach so, das ist der Name der Flugpatin.
Janette hatte an diesem Tag eine Buchung und konnte nicht mit.
Noch nie bin ich so aufgeregt gefahren.
Natürlich hatten wir schon Tage vorher Transportbox, Katzenklo und alles was man braucht, besorgt.
Am Flughafen war ich schon 2 Stunden vorher.
Aber man glaubt nicht, wie lange 2 Stunden sein können.
Und wenn die jetzt das Kätzchen nicht dabei haben?
Wenn irgend etwas schief gelaufen ist?
Ankunft Flug sowieso, Ankunft Flug irgendwoher, keine Ankunft Heraklion.
Die Zeit kriecht.
Vielleicht steh ich auch am falschen Ausgang.
In Frankfurt bin ich, da bin ich mir sicher.
Endlich klappern an der Anzeigetafel, Ankunft Heraklion 13:20 Uhr.
Tropf, Tropf.
Es geht die Zeit im Sauseschritt,
nur hier geht sie nicht mit!
Tropf, tropf.
Die Sekundenzeiger müssen defekt sein, so langsam wie die schleichen.
Plötzlich klapper, klapper: Flug Nr wasweisich aus Heraklion ist gelandet.
Warum dauert das auschecken so lange?
Dann kommen Leute.
Und Leute
Und Leute.....
Mit Gepäck und Koffern.
Und noch mehr Leute.
Niemand mit einer Soft-Transportbox.
Ich stehe direkt am Ausgang, kann also niemand übersehen.
Da kommt eine Familie mittleren Alters, die Frau blickt suchen in die Runde.
Ich habe sie angesprochen und tatsächlich, es war Frau Mutter.
Die Übergabe geht relativ schnell, die Familie muss noch weiter, bis sie nach Hause kommen.
Kätzchen ist in der Soft-Transportbox, die Papiere in der Seitentasche.
Sie ist etwas benommen, vor dem Flug hat sie noch ein Beruhigungsmittel bekommen.
Natürlich ist’s bis zum Auto ein Stück zu laufen.
Im Auto bekommt sie erst mal eine Dose Thunfisch, sozusagen als Einstand.
Dann kommt sie in die grosse Transportbox, und los geht’s.
Nach Hause sind’s 2 ½ Stunden, wenn’s gut läuft und es läuft nicht gut.
Stau am Weinsberger Kreuz und vor Heilbronn ist Baustelle und die Wirkung des Beruhigungsmittels lässt nach.
Kätzchen will jetzt raus.
Hilft nichts, da muss sie jetzt durch.
Endlich, nach 4 ½ Stunden zu Hause.
Janette ist noch nicht da.
Die Kleine muss jetzt ihr neues Zuhause inspizieren.
Sehr, sehr ausgiebig.
Endlich kommt Janette.
Das war eine Wiedersehensfeier!
Ja, welchen Namen geben wir ihr denn?
In den Katzenpass hab ich noch nicht geschaut.
Ich glaub, mein Kleinhirn wandert aus!
Irgend jemand ist wohl auf die einfallsreiche Idee gekommen, sie Paula zu nennen.
Ist das ein Katzenname?
Na ja, eingetragen ist eingetragen und wir müssen sie ja nicht so rufen.
Wir entscheiden uns dann auch nicht sehr fantasievoll für Miezka.
So, jetzt war Miezka bei uns.
Gibt es ein besseres Leben?
Keinen Kampf ums Futter, immer trocken und warm und immer Personal da.
Ich werde nach Kreta auswandern und mich dort als Katze verdingen.
Personal das mich nach Deutschland bringt, finde ich dort sicher.
 
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