1. Material macht noch keine Reitweise.
Ich kann einem Pferd einen Western-, Englisch-, Distanz-, Barock- oder sonst irgendeinen Sattel auflegen. Meine Reitweise ändert sich dadurch nicht.
Ein Westernreiter ist sehr viel mehr als ein Reiter mit einem großen Sattel mit Horn, einem großen Hut und klingelnden Sporen.
Material -speziell ein Sattel- einer bestimmten Reitweise unterstützt den Reiter in dieser Reitweise, er macht allerdings noch keine Reitweise aus.
Wenn du mit einem Westernsattel ausreiten willst, brauchst du noch lange kein Westernreiter zu werden.
2. Das Westernpferd soll den Hilfen weichen und immer unter dem Gewicht des Reiters laufen. Es wird über kurze Signale (Impulse) geritten und soll die Übung selbständig weiterverfolgen, bis der Reiter eine neue Anweisung gibt.
Das Westernpferd kennt das zusätzliche Signal Druck oder Entlastung des Steigbügels.
Das Englischpferd soll die Hilfen annehmen und läuft größtenteils unter dem Reitergewicht (beim Rückwärtsrichten wird kein Englischreiter schwer einsitzen und Druck im Bügel ausüben). Das Englischpferd wird bis zur Kandarenreife (und noch einige Zeit darüber hinaus) am äußeren Zügel geführt. Das Englischpferd soll nicht selbständig eine Übung fortführen, sondern bekommt permanent leichte Hilfen, jeder Schritt, Tritt oder Sprung erfolgt nach Vorgabe des Reiters.
Fazit:
Allein dieser kleine Abriss der Unterschiede zwischen den beiden Reitweisen (es gibt noch sehr viel mehr aber das würde den Thread sprängen) zeigt, dass ein Pferd, das konsequent in beiden Reitweisen geritten wird, in jeder dieser Reitweisen begrenzt ist. Der Reiter mischt eben.
Ich persönlich halte das für nicht Ratsam. Man kann sicherlich einige Übungen für Englischpferde in das Westernreitprogramm übernehmen -wie auch umgekehrt- allerdings dann mit der entsprechend umgestalteten Hilfengebung.