SOS: Nierenschwellung E. cuniculi

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  • SOS: Nierenschwellung E. cuniculi Beitrag #41
Hallo,

der Link bei intervet ist am Ende der dortigen Gesamtinfo (bzw. in der Seitenleiste): Genau lesen!

Ansonsten: Kein Kommentar, nur eine Anmerkung: Bis zur sechsten gestorbenen Maus hatten wir von E. cuniculi noch nie etwas gehört. Unsere erste Maus, "Struppichen" (der Name verrät schon eine Eigenart oder, wenn man so will, ein Symptom), starb wegen mutmaßlicher Grippeansteckung an uns (knackende Atemgeräusche und heftige Flankenatmung; auch Toxo- und Mykoplasmose wurden damals erwogen). Für sie kam das Antibiotikum (Baytril) zu spät. Für die beiden anderen zwar noch rechtzeitig, aber "Weißspitzchen" überlebte mit denselben Symptomen (auch Futterverweigerung) trotzdem nicht.

Unser Stammvater, "Schnuffelchen", starb an übermäßigem Blutverlust durch Kratzzwang, nachem er x-mal gegen alle möglichen äußeren Parasiten und gegen Hautpilz behandelt worden war.

"Mollychen", die ihren Namen ihrer scheinbaren Leibesfülle besonders im hinteren Bereich verdankte, starb mit Verdacht auf Eierstockzysten nach Lähmung der Hinterbeine.

Die Stammutter "Roseechen" starb wegen einer plötzlichen Schwellung im Bereich der Milz mit Verdacht auf Krebs (und durch eine äußerst brutale TÄ-Behandlung!).

"Knabberchen" starb nach Verstopfung, Harnverhaltung, Anschwellung und starker Rötung im hinteren Bereich sowie Austrocknung und Muskelschwund im vorderen Bereich ("Flaschenkürbisform") mit unklarem Verdacht. Mein damaliger TA wollte sezieren. Ich gab ihm stattdessen eine Kotprobe zum Untersuchen, um Parasiten auszuschließen. Er fand keine Parasiten, hatte aber, wie sich später herausstellte, auch gar nicht auf E. cuniculi untersucht...

Erst bei "Quiekchen" (die beim Berühren manchmal quiekte) fand ich, als ihre Hinterbeine gelähmt wurden, endlich in einem Kaninchenforum den Hinweis auf "E.C." und das Mittel Panacur, was ich sofort beim Notdienst noch in der Nacht besorgte und auch gab. Leider wußte ich nicht, daß es länger als bei der üblichen Wurmbehandlung, wofür es ja eigentlich gedacht ist, gegeben werden muß, obwohl ich der TÄ gesagt hatte. worum es geht. Der Befund für die Kotprobe mit "E. cuniculi positiv" blieb dann auch noch auf dem Schreibtisch meines TA liegen, bis es zu spät für eine Behandlung war. Sie, Quiekchen, wie alle anderen eine absolut süße, treue und tapfere Maus, starb mit Wasser in der Lunge und mit aufsteigender Lähmung, wobei auf der rechten Seite im hinteren Bereich keine Organe mehr tastbar waren. Zuletzt vom TA gegen die Wasserlunge gespritztes Cortison half ihr nicht mehr.

Da auch die beiden letzten Mäuse, "Böckchen" und "Hellachen", dann durch den Verlust-Streß Symptome zeigten (Zuckungen, Rötungen und bei Hellachen auch ein Trommelbauch und staksiger Gang mit den Hinterbeinen), gab ich beiden Baytril und Panacur (und Bene Bac Bird sowie B-Vitamine), was anfangs auch zu einer sehr schönen Besserung führte. Problematisch wurde es aber immer dann, wenn ich Panacur absetzte (alle 4 Wochen, wenn die Paste in der Tube nicht mehr haltbar war), weil dann sofort Rückfälle kamen, weshalb ich heute für eine Dauerbehandlung mit Panacur/Fenbendazol plädiere.

Die Frage eines Sezierens hatte sich also bei dieser Verschiedenheit der Symptome und deren Deutung ernsthaft nur beim rätselhaften Sterben von "Knabberchen", wo mir aber die Parasitenuntersuchung genügte, und zuletzt beim "Böckchen" gestellt, wozu ich ja schon etwas geschrieben hatte.


An Symptomen, die nicht zwingend auf Enzephalitozoonse hinweisen müssen, sind noch nachzutragen: Berührungsempfindlichkeit, langes Strecken mit einem Nach-hinten-Werfen des Kopfes und einer Art Gähnen, plötzliches Abnehmen (Schrumpfen) oder auch plötzliches Zunehmen (Anschwellen), was wir zunächst auf ungleiche Futterverteilung zurückführten, was ich heute aber auf die schlechtere Nierenfunktion beziehen würde, sowie in einem Fall auch ein Hautausschlag, zu dem ich im Moment den Namen nicht mehr finde, der aber auch mit Nierenstörung bzw. mit Autoimmunerkrankung zusammenhängt. (Ich trage es noch nach.)

Zum Nachweis des Erregers:

Der Erregernachweis ist leider komplizierter, als man denken würde. Es gibt nach meinem Kenntnisstand drei verschiedene Methoden fürs lebende Tier.

1. Bei Verdacht auf akuten Befall ist eigentlich die sogenannte Tusche-Immunreaktion mit einem Tropfen Blut von der Maus (oder vielleicht auch bloß einem Tröpfchen) die allerbeste Methode, um dies schnell zu kontrollieren (India-Ink Immunoreaktion, IIR, Firma Testman, Schweden). Dieser Test (vgl. Dr. Birgit Drescher zu "Enzephalitozoonose bei Kaninchen") müßte an sich auch von fast jedem Tierarzt gemacht werden können. Allerdings ist es nach meinen Erfahrungen schwer, einen Tierarzt zu finden, der diesen Test tatsächlich macht; aber vielleicht hatte ich ja einfach nur Pech...

Der Test könnte auch mit Urin gemacht werden, ist dann aber weniger aussagekräftig (siehe Punkt 2).

2. Obwohl die an sich verläßliche, molekulargenetische PCR-Untersuchung der Ausscheidungen an Urin oder auch Kot gleichfalls akuten Befall nachweisen könnte, ist sie im ganz frühen und daneben auch im ganz späten Stadium für das (nach meiner Einschätzung bei Mäusen ohnehin ziemlich unpraktikable) Urin trotzdem unsicher, da die streuenden Sporen des Erregers - z.B. lt. Prof. Göbel - nur zwischen dem 30. Tag und dem 100. Tag nach der Infektion mit dem Urin ausgeschieden werden. Ob sich dies bei weiteren Infektionen oder bei Dauerinfektion entsprechend überlagert, ist zwar anzunehmen, weiß ich aber nicht. Es kommt noch hinzu, daß die Ausscheidung zumindest im Urin bloß sporadisch, also nicht immer erfolgt, sodaß diese Urinuntersuchung insgesamt recht unsicher ist und nur bei just vorhandenen Sporen Klarheit bringen kann, nicht aber umgekehrt.

Günstiger (und einfach in der Praxis) dürfte daher die Kotuntersuchung sein, da dies keine Nierenbeteiligung voraussetzt, sondern m.W. nur einen irgendwie präsenten Erreger, der auch abgestorben sein kann, oder seine Sporen.

3. Bei unterschwelligem oder früherem akuten Befall wird zum indirekten Erreger-Nachweis der Immunfluoreszenz-Test angewandt. Dafür ist eine Blutprobe erforderlich. Werden dabei die speziellen Antikörper gefunden, so bedeutet dies, daß eine entsprechende Infektion stattgefunden hatte. (Fehlende Antikörper sagen allerdings aus ganz verschiedenen Gründen noch nicht automatisch, daß es eine solche Infektion niemals gegeben hatte bzw. kein Erreger mehr vorliegt.)

Ob aus einer kleinen, mäusegerechten Blutprobe auch genug Material für eine Untersuchung der nierenbezogenen Blutwerte zur Verfügung steht, weiß ich nicht. Sinnvoll wäre aber eine solche Zusatzuntersuchung sehr.

Dieser Test ist sicher den anderen vorzuziehen, weil auch bei latentem Befall bereits Schäden an den Organen eingetreten sein können, sodaß man sich bei entsprechendem Befund darauf einstellen kann und so z.B. mit der Ernährung und dem sonstigen Fitneß-Programm zumindest etwas gegensteuern kann.

Es ist also leider nicht einfach, dieser Krankheit auf die Schliche zu kommen. Trotzdem sollte aus meiner Sicht z.B. bei gehäuften oder ganz drastischen Symptomen wie etwa Lähmungen, falls sich dafür nicht offenkundige andere Ursachen finden lassen, eine solche Untersuchung (ggf. bis zum Eintreffen des Befundes sogar mit vorbeugender Fenbendazol-Behandlung) zur Klärung mit in Betracht gezogen bzw. veranlaßt werden!


Zur Desinfektion bei E.-cuniculi-Befall:

Wenn tatsächlich ein Befall mit dem Erreger E. cuniculi vorliegen sollte, dann sind - neben entsprechender Medikamentenbehandlung der Mäuse (z.T. auch der scheinbar erregerfreien) - besondere Hygiene und Desinfektion wichtig, um die infektiösen und recht widerstandsfähigen Sporen erfolgreich zu bekämpfen. Es gibt dazu zwar, wie Angelus schon angemerkt hat, dazu Hinweise etwa beim entsprechenden Artikel in Wikipedia. Diese sind aber eventuell teils überzogen und andernteils lückenhaft oder im Alltag eher unpraktikabel.

So gibt Wikipedia für die abtötende Einwirkzeit beim Desinfizieren (etwa Häuschen, aber nicht die Mäuse und auch nicht in ihrer Nähe!!) von 70%igem Alkohol (Ethanol) gar nichts, Johannes Eckert im Parasitenlehrbuch 10 Minuten und intervet bei seiner Internet-Info zum Thema unter Berufung auf eine Veröffentlichung von Jordan und anderen (2005) bloß 30 Sekunden (bei 4 Grad C.) für eine "gute" Wirkung an. In der Praxis hat dieser Zeitunterschied große Bedeutung (z.B. Handdesinfektion).

Auch hat Bedeutung, ob z.B. auch reiner Alkohol (z.B. Spiritus ohne Fremdbeimengungen, die aber beim Brennspiritus meist vorhanden sind) ginge, weil dann die Trockenzeit für Holzgegenstände (z.B. Häuschen) sich beträchtlich verringern würde. Da wir als Laien mit unseren Möglichkeiten dies aber nicht erforschen können, ist hier die Wissenschaft bzw. ein beherzter und hilfsbereiter Wissenschaftler aus dem Forum gefragt, z.B. diese Frage einmal praxisnah zu klären.

Eingesetzt werden kann zur Desinfektion lt. Intervet noch "kommerzielle Bleiche" mit wiederum (bei 4 Grad C.) 30 sekündiger Einwirkungszeit für ein "gutes" Ergebnis. Außerdem 2%iges Lysol und 10%iges Formalin (Eckert) bzw. 1%iges Formaldeyd (Wikipedia), was m.E. bei Mäusesachen, die die Substanz aufnehmen können, nicht angewandt werden sollte bzw. bei nichtsaugenden Sachen danach unbedingt wegen der Gesundheitsschädlichkeit wieder abgespült werden sollte.

Ferner geht noch z.B. 3%iges Wasserstoffperoxid (Herstellerangabe; Vorsicht, flüssig ist es ätzend!!), wobei eine Silberbeimengung, wie sie im Handel u.a. für den Klinikbereich angeboten wird, nach meiner jetzigen Ansicht wegen der Schwermetallbelastung im Mäusebereich nicht günstig ist.

Leider wurde bisher überhaupt nicht untersucht, inwieweit gewöhnliche Haushaltsmittel, ohne große Extrachemie, auch die Sporen abtöten könnnen. Hilft Seifenlauge wie Spülmittel, Chlorleitungswasser oder etwa Essigwasser gegen diese Sporen, die bei normaler Zimmertemperatur etwa einen Monat überleben können?

Wie steht es mit Infrarotlicht, Ultraschall, UV-Licht? (Dies ist übrigens nicht so abwegig, wie es vielleicht erscheint.)

Also, da fühlte ich mich von der Forschung so ziemlich im Stich gelassen, und allabendliche Alkoholwolken durchströmten unsere Wohnung (weit weg von den Mäusen natürlich, aber nicht von mir) beim Desinfizieren der vielen Mäuse-Utensilien für den Freilauf.

Außerdem legte ich die Käfige über einer Schicht Einstreu mit Küchenpapier immer wieder frisch aus. Wer nun sagt, zu viel Hygiene ist auch nicht gut, hat vielleicht recht (fehlendes Training fürs Immunsystem), aber so hundertprozentig war's ohnehin nicht zu machen, und immer dann, wenn ich es ein bißchen reduzieren wollte, ging's prompt meinen Mäusen etwas schlechter. Aber vielleicht war das ja bloß Einbildung...

Es ist übrigens gut, wenn man dabei von einer zweiten Person Hilfe hat. Denn alleine sind die ganzen Tätigkeiten einschließlich Medikamentengabe - alles in allem - eine echte Überforderung. Jedenfalls war es für mich so.

Meine Hauptwaffe gegen die Parasitensporen war aber naturgemäß Wasser: Wasser zum Näpfespülen, zum Händewaschen und zum gelegentlichen Extra-Desinifizieren mit kochendem Wasser (lt. Wikipedia 5 Minuten Einwirkzeit, also kochen??; laut Eckert hingegen genügen 70 Grad Celsius zum Desinfizieren - das müßte eigentlich auch eine Dampfente schaffen, was natürlich praktisch wäre, aber leider ist keine Zeit angegeben, oder genügen einmalig und kurzzeitig bereits 70 Grad??).

Also, wie schon angedeutet, noch etliche offene Fragen - zumindest für die Praxis. Ich hoffe, daß es Euch, soweit Ihr es braucht, etwas hilft, und daß vielleicht auch einer sich einmal ein Herz faßt und durch Forschen Licht ins praktische Desinfizieren (und noch mehr rund um den tückischen Parasiten E. cuniculi) bringt...

Grüße,
Silberstreif
 
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