Hallo,
seit einiger Zeit habe ich eine Reitbeteiligung, die von ihrer Besitzerin großgezogen wurde. In den 6Jahren war sie nie in einer Reithalle. Eigentlich nur im Gelände. Als sie 5 Jahre alt war, hab ich angefangen auf dem Außenplatz mit ihr zu reiten. Das klappte auch meistens ganz gut.
Aber nun zu meinem eigentlichen Problem. In der Reithalle kriege ich sie im Schritt ganz gut durch die Ecken. Schlangenlinien und Zirkel ist auch kein Problem. Aber sobald ich meine Schenkel einmal leicht drücke, weicht sie in die Mitte aus und von dort krieg ich sie nicht mehr weg. Selbst wenn ich absteige, sie einige Runden herum führe und wieder aufsteige, bleibt sie einfach in der Mitte der Bahn. Gerte hilft nicht und Sporen will ich nicht.
Was ist mit ihr los? Und wie kriege ich dieses Problem beseitigt?
Meiner Meinung nach hat das Pferd einfach nicht gelernt, zu weichen. Im Schritt klappts ja, also kann das Pferd keine Angst haben.
Sporen oder Gerte zu benutzen finde ich falsch, da das Pferd dann das Laufen an der Bande als unangenehm empfindet. Warum klappts denn mit Schlangenlinien und Zirkeln? Hast du den Schenkel dabei nicht dran?
Ich arbeite lieber so, dass ich dem Pferd die Dinge die ich nicht möchte unangenehm mache und die Dinge, die ich will angenehm gestalte.
Fällt das Pferd beispielsweise über die innere Schulter nach innen, so drücke ich nicht mit dem inneren Schenkel - das wäre nur ein herausdrücken mit hängender innerer Schulter, das Pferd soll jedoch die innere Schulter hochnehmen. Daher stelle ich das Pferd nach außen und drücke mit dem äußeren Schenkel die HH nach innen, so dass das Pferd sehr viel mehr arbeiten muss (hinten kreuzen).
Die innere Schulter kommt so automatisch hoch und wenn ich das Pferd dann nach einigen Tritten oder einer halben Runde in Ruhe lasse, läuft es eigenständig weiter.
Bei einem noch nicht gut gebogenen Pferd oder einem jungen Pferd runde ich die Ecken sowieso ab, da ohne entsprechende Biegung die Fliehkräfte auf den äußeren Gliedmaßen enorm sind.
Ich erziehe die Pferde so, dass sie möglichst eigenständig laufen, bis ich eine neue Hilfe gebe. Auf einem Zirkel gebe ich also exakt 4 Hilfen an den entsprechenden Zirkelpunkten, damit das Pferd die Biegung beibehält.
Das Weichen des Schenkels und den Zügelgehorsam übe ich im Schritt. Immer so, dass es dem Pferd angenehmer ist, dem Schenkel zu weichen und es einfach mehr Arbeit bedeutet, wenn es dieses nicht tut.
Reitet man diese Übungen am Anfang jeder Reiteinheit, so kann das Pferd ruhig zwischendurch anders geritten werden oder Pause haben. Es muss einfach wissen, dass es sich zu konzentrieren hat, sobald du aufsitzt.
Für mich hat das zur Folge, dass ich junge Pferde und Korrekturpferde grundsätzlich Trockenführe und auch vor dem Reiten einige Zeit führe, da sie sich nur dann entsprannen dürfen und nicht permanent darauf gefasst sein müssen, eine sofort umzusetzende Hilfe von mir zu bekommen.
Da bin ich erzkonsequent, gegen mich und gegen das Pferd.
Man sollte jedoch immer eines bedenken:
Die Volte ist ein kleiner Kreisboden, mit 6-8 Schritten Durchmesser und ist die höchste Längsbiegung, die ein Pferd ohne Taktunterbrechung laufen kann.
Das bedeutet:
Eine Ecke ist eine Viertelvolte. Ein Pferd das optimal versammelt ist, kann tief durch die Ecke ohne Taktunterbrechung (oder ohne zu fudeln, was eine 3-fach so lange Korrektur bedeutet) laufen. Ansonsten sind die Ecken sowieso abzurunden. Da die Fliehkräfte auf den äußeren Gliedmaßen so stark sind, dass sie auf Dauer bei noch nicht ausgewachsenen Pferden Verschleiß hervorrufen können und alten Pferden Schaden zufügen können.