Das Wurmbefall allerdings mit der Ernährung behandelt werden kann halte ich für Quatsch.
Den Wurmbefall selbst mit einer Ernährungsumstellung behandeln zu wollen, ist sicher nicht sinnvoll. Nun, da bereits ein Befall vorliegt, sollte mit entsprechenden Medikamenten entgegengewirkt werden.
Allerdings stellt sich eben die Frage, inwieweit die Ernährung allgemein dazu beigetragen hat, dass es überhaupt zu dem Befall kam und ob man für die Zukunft vorbeugend etwas daran verändern kann.
Eine natürliche Ernährung ist meiner Meinung nach schwierig bis unmöglich. Das geht wenn überhaupt nur dann, wenn man die Tiere in einem passenden Biotop hält. Andernfalls trifft ja bereits der Mensch eine gewisse Vorauswahl. Um die Auswahl genau so zu treffen, wie die Tiere es tun bzw. benötigen müsste dem Halter exakt bekannt sein, was eben nötig wird und hier sehe ich erhebliche Defizite. Ein Nachahmen dessen, was ein wildes Kaninchen im Idealfall in der Natur vorfindet ist also in der Regel nicht möglich.
Eine Ernährung ad libitum mit Frischfutter stellt nun den Tieren eine möglichst hohe Vielfalt an verschiedenen Pflanzen und Futtermitteln zur Verfügung und lässt die Tiere selbst auswählen, was sie brauchen. Die meisten Kaninchen sind durchaus fähig zu lernen, wie sie ihr Futter zusammenstellen und kombinieren müssen, um ihren Nährstoffbedarf zu decken und wie viel sie von welchem Futtermittel aufnehmen können, um sich nicht zu schaden. Wobei man sich nicht ausnahmslos darauf verlassen darf.
Eine gewisse Orientierung an der Natur ist hilfreich und sinnvoll. Aber nicht eine natürliche Ernährung ist wichtig, sondern eine, die den Bedürfnissen des Tieres entspricht. Das ist oft nur ein kleiner, aber nicht immer unerheblicher Unterschied.
Interessant im Zusammenhang mit dem eigentlichen Problem ist die Problematik von wilden Kaninchen im Winter. In der Regel finden die Tiere selbst bei geschlossener Schneedecke noch ausreichend passende Nahrung in Form von Grünfutter, welches sie ausgraben. Allerdings kann dieses Angebot aus verschiedenen Gründen (z.B. besonders harter Winter) bedenklich eingeschränkt werden. Als Folge davon überleben weniger Kaninchen den Winter. Nach Holst (2004) nicht, weil sie verhungern, sondern zu einem Großteil an Darmerkrankungen.
Das zeigt sehr deutlich, wie eine Mangelernährung sich negativ auf das Verdauungssystem eines Kaninchens auswirkt.
In dieser Hinsicht ist es eben auch wichtig über die Problematiken von Heu informiert zu sein. Heu ist zwar getrocknete Wiese, allerdings bewirkt dieser Trocknungsprozess nicht zu verachtende Veränderungen, z.B. in Form von Nährstoffverlust und einer schlechteren Verdaulichkeit. Es gibt natürlich erhebliche Unterschiede, je nachdem wie das Heu getrocknet wurde und von welchen Wiesen es stammt.
Aber es bleibt immer die Ungewissheit, was genau nun das Heu enthält und was genau das Kaninchen benötigt. Und daher eben die Ungewissheit, wie viel Frischfutter zugefüttert werden muss, um ein Defizit auszugleichen.
Je geringer nun die Vielfalt und das Angebot ist, das dem Kaninchen zur Verfügung steht, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mangel entsteht und das Kaninchen dadurch anfälliger wird.
Ich denke, es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein, wo eine mögliches Problem liegen könnte. Eine unpassende Ernährung ist eine häufig unterschätze Ursache bzw. Mitverursacher für viele Erkrankungen und es lässt sich mithilfe einer entsprechenden Ernähung eine ganze Menge machen.
Vielleicht auch diesem Kaninchen dazu verhelfen, dass es in Zukunft von solchen unliebsamen Gästen Ruhe hat.
Holst, D. v. (2004): Populationsbiologische Untersuchungen beim Wildkaninchen