- Der Panther und als sein Ende kam Beitrag #1
Lilly Leindy
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Ein Geräusch weckt ihn auf. Es ist ein fremder Klang; sanft und auf seltsame Weise vertraut, als habe er dies schon einmal gehört. Langsam erhebt er sich und schleicht auf die Melodie zu. Er kann es gar nicht erwarten, endlich dort anzukommen, wo die süßen, lieblichen Töne ihn tanzend umwiegen werden, doch wenn er zu hastig ist, wachen die Wärter auf und verscheuchen vielleicht das Wunderschöne. Die anderen Gefangenen schlafen. Ob sie es nicht hören? Ob sie nicht dieses strahlende, herrliche Licht sehen, das auf ihn zuschwebt? Er fühlt sich wieder jung. Einen Meter vor der Stabgittertüre seiner Zelle bleibt er stehen und verharrt reglos, dann schiebt sich das, was ihn jahrelang gefangen hatte, wie von Geisterhand zur Seite. Ob endlich erkannt worden ist, dass er zu Unrecht eingesperrt wurde? Dass er keine Tat begangen hat, die rechtfertigt, ihn gefangen zu halten? ,,Was ist mit den anderen?“ fragt er und überschreitet ganz langsam den kleinen Strich, den die Gittertür mit den Jahren in den Boden geritzt hat. Die anderen Gefangenen müssen doch auch befreit werden! ,,Sie sind noch nicht bereit, Guter,“ flüstert eine lieblich süße Stimme aus dem Licht heraus. ,,Heute öffnet sich die Schranke nur für dich.“ Guter…So hat ihn noch niemals jemand genannt. `Killer´ heißt er bei den Wärtern. Zu Unrecht… Das Licht wärmt ihn und erst jetzt spürt er, dass er sein Leben lang gefroren hat. ,,Du musst nicht mehr frieren, Guter,“ verspricht die weiche Stimme und zarte Hände streichen behutsam über seinen Körper. ,,Du musst dich niemals mehr vor der Nacht fürchten, niemals mehr solch furchtbare Albträume haben und nie wieder etwas vermissen. Du sollst haben, was du möchtest, Guter.“ Gemeinsam verlassen sie das Gefängnis und mit jedem Schritt wird er leichter, schwerelos. ,,Seht nur, ich kann fliegen!“ ruft er und erhebt sich langsam in die Luft. Die anderen Gefangenen jedoch schlafen weiter und auch kein Wärter kommt, um ihn wieder auf den Boden zu reißen. Je höher er aufsteigt, umso leichter werden seine Gedanken und er spürt nichts als unendliche Dankbarkeit für das Wunderbare, das ihm widerfährt. Einen letzten Blick wirft er auf das Gefängnis, bevor er leise das Tor durchschwebt.
Am nächsten Morgen ruft ein Wärter den anderen und nickt mit dem Kopf in Richtung der Gefangenen. ,,Sieh doch,“ sagt er und klingt aufgeregt. ,,Der Panther ist tot.“ Der andere Wärter öffnet die Gitterstabtüre, kniet nieder und streicht der Raubkatze durch das schwarze Fell, das eigentlich schon struppig und rau geworden ist. Nun glänzt es wieder in wunderschönstem Ton. ,,Hast du es auch gesehen?“, fragt der Kniende und eine Träne läuft über sein Gesicht. ,,Er lächelt, der Gute.“
Am nächsten Morgen ruft ein Wärter den anderen und nickt mit dem Kopf in Richtung der Gefangenen. ,,Sieh doch,“ sagt er und klingt aufgeregt. ,,Der Panther ist tot.“ Der andere Wärter öffnet die Gitterstabtüre, kniet nieder und streicht der Raubkatze durch das schwarze Fell, das eigentlich schon struppig und rau geworden ist. Nun glänzt es wieder in wunderschönstem Ton. ,,Hast du es auch gesehen?“, fragt der Kniende und eine Träne läuft über sein Gesicht. ,,Er lächelt, der Gute.“